Nächster Halt Gent

Gent, Sint-Baafsplein
Belfort van Gent

 

Gent, Theater
IconGent, Theater

 

Einen wunderbaren guten Morgen aus dem Brügger Gelsenheim! Da man aus Erfahrung bekanntlich klug wird, haben wir letzte Nacht die Fenster geschlossen gehalten und diese somit zwar etwas schwitzend, aber immerhin ohne Gelsenplage überstanden.

Da es heute weiter nach Gent geht, ist es das letzte Mal, dass wir uns darüber Gedanken machen müssen. Doch jetzt gibt es erst mal Frühstück in der gemütlichen Küche und anschließend wird gepackt.

Rasch ist das alles erledigt, wir sind ja schließlich schon routiniert. Nur die steilen Treppen, über die wir unsere beiden Trolleys hinunter­befördern müssen, lassen uns einmal mehr dafür dankbar sein, dass wir zu zweit und eh beweglich und kräftig sind.

Den Schlüssel lassen wir wie vereinbart im Apartment und während Karin unten mit den Trolleys wartet, holt Alexander schnell das Auto aus der Parkgarage.

Nach Gent sind es nur knapp 50 km, was die Anfahrt angenehm kurz macht. Mit dem Vermieter unserer Bleibe ist ein Treffen erst für 14:00 ausgemacht, sodass wir zunächst einmal schauen, wo sich das Apartment genau befindet und uns im Anschluss einen legalen Parkplatz suchen. Letzteres ist gar nicht so einfach, denn hier darf man ja weder durchfahren noch geschweige denn stehen bleiben.

Doch schließlich finden wir ein schattiges Plätzchen und parken unser Auto. Es befindet sich gleich ums Eck vom Genter Belfried mit dem feurigen Maskottchen von Gent. Aber dazu etwas später.

Nach obenErste Erkundungen

Gent, Werregarenstraat
Graffiti

 

Gent, Werregarenstraat
Graffiti

 

Gent, Werregarenstraat
IconGent, Werregarenstraat
Graffiti

 

Hier am Sint-Baafsplein steht auch das Theater NTGent, wie es heute genannt wird. 1899 wurde das schöne Gebäude als Königlich Nieder­ländisches Theater fertig­gestellt und ist nach wie vor das wichtigste Theater der Stadt. Besonders auffällig ist ein kunstvolles Mosaik im halbrunden Giebelfeld, welches Apollo mit den Musen zeigt.

Direkt darunter befindet sich die Foyer Terrasse, von welcher das NTGent Café einen grandiosen Blick auf den Sint-Baafsplein bietet. Doch es ist erst 11:00 Uhr, das Frühstück noch nicht allzu lange her und wir sind viel zu neugierig, als dass wir jetzt schon einkehren wollen. Lass uns noch ein bisschen die Stadt erkunden!

Nicht mal 5 Gehminuten entfernt gibt es ein weiteres kulturelles Erlebnis, jedoch von ganz anderer Art. Die Werregarenstraatje, auch bekannt als Graffiti-Gasse, ist Gents öffentliche Leinwand für junge Sprayer.

Street Art-Fans kommen nicht nur hier, sondern an den verschiedensten Plätzen in ganz Gent auf ihre Kosten, denn die Stadt ist aufgeschlossen und hat sich als Graffiti-Hotspot einen Namen gemacht.

Bunt ist die Gasse, immer wieder anders und buchstäblich sprühend vor Lebendigkeit. Es gibt sogar eigene geführte Street Art-Spaziergänge sowie einen Plan zum Lokalisieren der Werke mit dem Titel „Sorry, Not Sorry Street-Art”. Von uns beiden ist es jedenfalls Karin, die diese Kunstform anspricht.

Nach obenMit dem Boot auf der Leie

Gent, Graffiti
IconGent, Graffiti
Boot Rundfahrt auf Leie

 

Gent, Sint-Michielskerk
Boot Rundfahrt auf Leie

 

Es ist schon wieder ur-heiß und wir sind ein bisschen müde vom Spazieren in der Hitze, sodass uns eine Bootsfahrt auf der Leie als sehr angenehm für eine weitere Stadt­besichtigung vorkommt.

Die Leie, französisch Lys, an deren Zusammenfluss mit der Schelde Gent liegt, verläuft in Mäandern bis in die Innenstadt. Als goldener Fluss wird die Leie oftmals bezeichnet, was auf die ehemalige Leinenindustrie zurück­geht.

Durch die Wasserröste der Flachsfasern im kalkhaltigen Wasser des Flusses, bekam das Leinen nach einigen Wochen einen goldenen Schimmer. Der Wohlstand, den diese Arbeit hervorbrachte, verhalf dem Fluss noch zusätzlich zum Attribut „golden”.

Wir sitzen also nun im Boot - Karin hat gegen die Hitze ihr Halstuch zum Kopftuch umfunktioniert und sieht ein bisschen wie Zenzi aus (Anmerkung: Abkürzung des weiblichen Vornamens Kreszentia, der in Österreich zu Zeiten als unsere Groß- und Urgroßmütter noch Fräuleins waren, eher im traditionell ländlichen Raum gebräuchlich war), die gerade vom Melken kommt – links und rechts ziehen die schönen Häuser an uns vorbei und wir lauschen den Ausführungen des behüteten Bootsführers.

Von Flachs- und Leinengewerbe ist die Rede, von blühendem Tuchhandel und Stapelrecht auf Getreide, das der Stadt zu ansehnlichem Wohlstand verholfen hat.

Gent, Universität
Boot Rundfahrt auf Leie

 

Gent, Haus zu Kaufen
IconGent, Haus zu Kaufen
Boot Rundfahrt auf Leie

 

1500 wurde im Hof zum Walle der spätere Kaiser Karl V. geboren und sowohl die Pazifikation von Gent (1576) als auch der Friede von Gent (1814) wurden hier unterzeichnet.

Der mittelalterliche, historische Stadtkern liegt deutlich tiefer als die ehemalige St.-Peters-Abtei auf dem Blandinberg, weswegen es auch heißt, es läge in der Wanne (de Kuip). Der genannte Berg, die höchste Erhebung Gents, ist übrigens ein ganze 28 m hoher Hügel. Das ringt Alpenvolk wie uns Ösis gerade mal ein Lächeln ab, aber schließlich sind wir hier ja in den Niederlanden!

Vom Wasser aus sieht man viele nette Cafés und Bierhäuser. Bunte Sonnenschirme, Blumentöpfe auf Kopfsteinpflaster, Treppen hinunter zum Fluss. Graslei und Korenlei, die beiden einander gegenüberliegenden Ufer mit denkmalgeschützten Hafenhäusern und alten Gebäuden muss man besuchen und dort eine Stunde oder zwei in einem Kaffeehaus oder bei einem Bier sitzen und einfach nur schauen. Wer das nicht gemacht hat, so heißt es, der war nicht wirklich in Gent. Wir merken uns das für ein späteres Mittagessen vor.

Gent, Burg Gravensteen
Boot Rundfahrt auf Leie

 

Gent, Boot Rundfahrt auf Leie
IconGent, Boot Rundfahrt auf Leie

 

An der Burg Gravensteen kommen wir vorbei, dem Adelssitz der Herren von Flandern aus dem Jahr 1180. Die Wasserburg gilt als eine der größten Europas.

Etwas später kommen wir an den Mauern des hiesigen Augustiner­klosters vorbei und sind baff erstaunt. Auf der Mauer steht ein lebensgroßer Engel mit Gasmaske und schwingt drohend seine Fanfare in Richtung der vorbeifahrenden Ausflugsboote!

2000 wurde diese Variante des Erzengels Michael vom belgischen Künstler Tom Frantzen hier errichtet, um als „Engel der Reinigung” vor der Verschmutzung unserer physischen und geistigen Welt zu mahnen. Etwas apokalyptisch mutet das an, was aber wohl so gewollt ist.

Vorbei an der Brücke der kaiserlichen Freuden, an deren beiden Seiten eine Legende über Kaiser Karl V. dargestellt ist, dem Sint-Antoniuskaai, wo man nebst schönen alten Häusern noch Reste eines idyllischen Stückchens Klostergarten sehen kann und der großen Fleischerhalle aus dem 15. Jahrhundert, geht es wieder zurück an den Ausgangspunkt unserer Rundfahrt.

Nach obenEinkehr und Apartmentübernahme

Gent, Skulptur
IconGent, Skulptur

 

Gent, Restaurant
IconGent, Restaurant
Boot Rundfahrt auf Leie

 

Es ist immer noch sehr heiß und die Sonne, die während der Bootsfahrt auf uns heruntergebrannt hat, hat uns durstig gemacht. Bis zur Schlüssel­übergabe unseres Apartments hier in Gent ist noch etwas Zeit und einen kleinen Hunger haben wir auch. Was macht man also mittags in Belgien? Genau, man geht in ein Bierlokal!

Nahe beim Wasser lassen wir uns in einem schattigen Gastgarten auf zwei Bier und eine gemischte Wurst- und Käseplatte nieder. Löscht den Durst und schmeckt gut. Obwohl wir während der Bootsfahrt die ganze Zeit gesessen sind, spüren wir doch ein wenig Müdigkeit und sind dankbar für die Rast. Wahrscheinlich ist es wirklich das heiße Wetter.

Frisch gestärkt und ausgeruht treffen wir gegen 14 Uhr unseren Vermieter beim Apartment. Wow, das ist aber schick hier! Die Wohnung besteht aus Küche, Bad, Essplatz, Wohnzimmer und Schlafzimmer. Das Wohnzimmer ist recht gediegen mit Echtholzmöbeln und einer guten Home Entertainment Anlage ausgestattet. Es gibt auch einen kleinen Innenhof mit Tisch und Sesseln. Auf dem Tisch steht ein Arrangement in einer schönen, aber schweren Gardiniere, die den Platz für ein Dinner im Freien eher unbrauchbar macht.

Wirklich besonders sind allerdings die vielen, vielen Sammelobjekte, die sich in den Wandregalen befinden. Alte Postkarten, Holzspielzeug, Likörsets, Fotos, Bücher, Zigarrenkisten, Flaschenöffner, Spiegel… es ist einfach unglaublich, was hier alles dekorativ zur Schau gestellt ist.

Nachdem wir uns ein wenig häuslich eingerichtet haben, gehen wir nochmal los, um die Stadt weiter­zu­erkunden.

Nach obenSüßes und Sozialistisches Gent

Gent, Hostel Uppelink
Boot Rundfahrt auf Leie

 

Gent, Boot Rundfahrt auf Leie

 

Gent, Boot Rundfahrt auf Leie

 

Ecke Kraanlei und Zuivel­brugstraat steht eine Genter Institution in einem wunderschönen, alten Haus aus dem 17. Jahrhundert. Auf der Fassade des barocken Gebäudes sind sechs Reliefe zu sehen.

Wer in der Bibel bewandert ist, erkennt die sieben Werke der Barmherzigkeit. Doch halt! Es sind doch nur 6 Reliefe? Das siebte Werk, die Toten begraben, kam erst zu einem späteren Zeitpunkt hinzu als das Matthäus Evangelium, das hier Vorlage war.

Apropos Tod, „Death by Sweets” also Tod durch Süßigkeiten, wäre vielleicht ein passender Name für besagten Laden, der weit über Gent hinaus bekannt ist – die Confiserie Temmerman.

1904 von Bertha Moffaert und ihrem Mann in Gent gegründet, spezialisierte sich das Ehepaar erst auf die traditionelle Lebkuchenerzeugung und erweiterte dann das Sortiment um verschiedene andere Süßigkeiten wie z.B. die typischen Cuberdons oder belgische Nasen, wie sie auch genannt werden.

Dass man immer noch nach den traditionellen Rezepten herstellt, passt auch zum herrlich altmodischen Interieur.

Etwas weiter entfernt spiegelt sich die Grafenburg von der Nachmittags­sonne angeleuchtet im Wasser. Schon während der Bootstour sind wir hier vorbeigekommen und wurden darauf aufmerksam gemacht, dass es sich um die einzige erhalten gebliebene mittelalterliche Wasserburg in Flandern handelt, bei der auch das Verteidigungssystem fast noch vollständig intakt ist.

Gent, Rabot
Boot Rundfahrt auf Leie

 

Gent, Boot Rundfahrt auf Leie

 

Es gibt eine Audiotour, mit der man die Ritterburg erkunden und die Geschichte vom 12. bis ins 18. Jahrhundert verfolgen kann. Doch nicht heute, dafür sind wir schon zu müde.

Ein Stückchen gehen wir noch und stehen vor einem weiteren interessanten Gebäude. Feestlokaal Van Vooruit steht in großen Lettern quer über die eklektische Fassade. Vooruit, auf Deutsch Vorwärts, war der Name der sozialistischen Kooperative in Gent, die das Rückgrat der Genter sozialistischen Bewegung darstellte.

Nach verschiedenen kleineren Lokalen, in welchen die Kooperative ihren Mitgliedern Güter des täglichen Bedarfes anbot und Gewinnanteile verteilte, wurde 1910 ein großes Wohngebäude samt zwei angrenzenden Häusern gekauft. Hier sollte die neue Festhalle entstehen, mit der die Sozialisten ihre Bemühungen um die intellektuelle Weiterentwicklung ihrer Mitglieder unter Beweis stellen wollte.

Der Architekt Ferdinand Dierkens gab denn den Arbeitern auch wirklich ein kolossales Volkshaus, das am 1. Mai 1914 mit einem sozialistischen Bankett in der Restauranthalle eröffnet wurde.

Gent, Groot Vleeshuis
ehemalige Markthalle und Zunfthalle, Boot Rundfahrt auf Leie

 

Gent, Bootfahrt
Fluss Leie

 

Von 1914 bis 1945, während der beiden Weltkriege, diente der Kulturpalast verschiedenen anderen Zwecken, darunter auch als Soldatenheim, was einiges an Zerstörung verursachte.

1946 erlangte die Kooperative Vooruit das Haus zurück und unterhielt es bis in die 1980 mit abnehmendem Erfolg, da die Mittel mehr und mehr fehlten. Vielen Volkshäusern in Flandern erging es zu dieser Zeit ganz genauso.

Seit den 1980er Jahren, in denen das Gebäude saniert wurde, ist das Feestlokaal Vooruit wieder ein Kulturzentrum, in dem Kultur und soziale Interaktion erlebbar sind.

Fasziniert von Geschichte und Gebäude beschließen wir unseren Rundgang und kehren zu unserem Apartment zurück, wo wir bald müde in unser Bett fallen.

Gute Nacht Gent, morgen sehen wir gerne noch mehr von Dir!

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