Hue

Hotel Saigon Morin, Frühstück im Innenhof

 

Hotel Saigon Morin, Frühstück im Innenhof

 

Die Sonne blinzelt durch die Fenster unserer Reitschule und wir machen die Augen auf. Guten Morgen! Karin hat leider eine unruhige Nacht verbracht, in der sie immer wieder mit Arbeit an einem flachen Bauch beschäftigt war (Durchfall). Glücklicher­weise sind die Beschwerden aber mit keinerlei Schmerzen oder Übelkeit verbunden. Es ist einfach nur unangenehm. Hoffentlich wird das bald wieder besser.

Alexander hat von all dem nichts bemerkt und in dem großen Bett gut geschlafen. Gut so!

So, nun auf zum Waschen in das große Bad, etwas anziehen und ab zum Frühstück in den schönen Garten, da das Wetter trocken und schön ist. Als wir unten ankommen, sind wir denn auch wirklich begeistert. 100 Jahre alte Bäume, Holzmöbel, ein Wasserteich mit Goldfischen, ein kleiner Tempel, Bonsais, so lässt sich das morgendliche Mahl stilvoll genießen!

Das Frühstücksangebot ist das Übliche, in Buffetform nett angerichtet. Tee und Kaffee werden serviert, das allerdings etwas schleppend. Alexander beobachtet ein paar Tische weiter einen pikierten Gast, der zuerst einen besonderen Kaffee bestellt, dessen Zubereitung er lang und breit erklärt. Als das Spezialgebräu dann kommt und er zahlen soll, schickt er es aber zurück. Lästig! Ein Fall für Fremdschämen weil wir auch blasse Langnasen sind.

Alexander hat ordentlichen Appetit und greift tüchtig zu. Karin versucht ein bisschen vom Schokokuchen und schwarzen Tee, hat aber kaum Hunger. Am Zimmer nimmt sie dann zwei Imodium, damit das mit der Besichtigung ja klappt.

Nach obenEntlang des Parfumflusses

Drachenboot

 

Drachenboot

 

Drachenboot

 

Thuc ist pünktlich und wartet schon in der Lobby auf uns, als wir mit unseren Foto­ruck­säcken runter kommen. Das Tagesprogramm führt uns zuerst ein paar Schritte entlang des Parfumflusses zu einer Bootsablegestelle.

Der Matsch, ein Überbleibsel des Meter hohen Hochwassers, das noch bis vor einigen Tagen eine Besichtigung der alten Kaiserstadt unmöglich gemacht hat, ist schon fast zur Gänze von fleißigen VietnamesInnen beseitigt worden. Nur stellen­weise müssen wir noch ausweichen und ein Stückchen auf einer Mauer oder über Planken laufen.

Parumfluss, Fluss der Wohlgerüche, Duftfluss - wunderschöne Namen trägt das träge fließende Gewässer, das sowohl Stadtbild als auch Stimmung von Hue prägt. Zum Ursprung des poetischen Namens gibt es verschiedene Theorien: die eine spricht von Blütenpollen, die im Frühjahr den Fluss bedecken und zarten Duft verströmen, die andere erzählt von Edelhölzern, die am Wasser transportiert wurden. Heute transportiert der Fluss gleich uns und die Wohlgerüche rühren lediglich von unserem Duschgel her.

am Drachenboot

 

Drachenboot

 

unser Reiseleiter Thuc

 

Wir besteigen eines der bunt bemalten Drachenboote, das Thuc herbei winkt und fahren flussaufwärts zur Thien Mu Pagode. Dieses auch Pagode der Himmlischen Frau genannte Gebäude liegt ca. 5 km stromaufwärts auf einem Hügel am Fluss und gilt als eines der Wahrzeichen der Stadt.

Wir genießen den frischen Fahrtwind auf dem Boot, das wir ganz für uns alleine haben. Thuc sitzt hinter uns und erzählt Geschichten und Geschichte, während die Frau des Bootsführers schüchtern versucht, uns zum Kauf von Souvenirs zu nötigen. Danke nein, es ist nichts dabei, das jetzt unbedingt in unseren Rucksack müsste.

Auf unserer Fahrt kommen wir am Teehaus der Königin und dem größeren Teehaus des Königs vorbei und sehen auch die Barke, die extra für das Übersetzen des Königs zum Beten in einer entfernten Pagode angefertigt wurde. Er hat sie nur ein einziges Mall benutzt. Welch eine Verschwendung!

Nach obenThien Mu Pagode

Hue Thien Mu Pagode
IconHue Thien Mu Pagode

 

Phuoc Duyen Turm
IconPhuoc Duyen Turm

 

Phuoc Duyen Turm

 

Bei der Thien Mu Pagode hält unser Drachenboot an und wir steigen aus. Ein paar Stufen führen in die sehr schöne und gepflegte Tempelanlage hinauf.

Der Legende nach erschien 1601 Nguyen Hoang, dem Gouverneur der südlichen Provinz Thuan Hoa, eine Himmlische Frau (auf Vietna­mesisch Thien Mu oder Linh Mu) als altes Weib. Dieses zeigte ihm den Platz seiner künftigen Hauptstadt Hue.

Der Vorfahre der späteren Nguyen-­Dynastie befolgte die himmlische Weisung und brachte seinem Land Wohlstand und Glück. Aus Dankbarkeit dafür errichtete er an dem Platz, an dem ihm die Thien Mu begegnet war, die gleichnamige Pagode.

Bevor Thuc mit seinen Erzählungen loslegt, biegt Karin rasch ab und verbringt etwas Zeit auf Toilette. Alexander nutzt diese Pause inzwischen, um viele Fotos von der schönen Anlage zu machen ohne Thuc in seinem Redefluss zu unterbrechen, da dieser für das gemeinsame Lauschen aufgehoben wird. Als Karin zurück kommt, geht es dann los.

Bronzeglocke

 

blauer Austin des Mönch Thich Quang Duc

 

Thien Mu Pagode

 

Rechts in einem Pavillon sehen wir eine alte, hohe Säule, die auf einer Schildkröte ruht. Es ist eine Marmor­stele aus 1714, die vom Bau der Pagode berichtet.

Die über 2 Tonnen schwere und 2,50m hohe Glocke links wurde 1710 ge­gossen. Auch hier gibt es eine Stele, die über die Superlative ihrer Her­stellung erzählt. 50 gleichzeitig brennende Schmelzöfen waren notwendig, um die Guss­masse her­zu­stellen und der Klang der Glocke ist über eine Strecke von 10km zu hören.

An Wächterfiguren vorbei gelangt man zu der 1907 nach einem schweren Taifun wieder aufgebauten Haupthalle Dai Hung mit dem lachenden, dickbäuchigen Buddha Di Lac. Eine schöne Darstellung der Quan Am auf einer Lotosblüte ist im folgenden Gebäude zu sehen. Auch ein chinesisch anmutendes Tor ziert die Anlage.

Grabstupa des Abtes Thich Don Hau
IconGrabstupa des Abtes Thich Don Hau

 

Thien Mu Pagode

 

In einem Nebengebäude wird eine ganz besondere Reliquie aufbewahrt: es ist der klapprige Austin, mit dem der Mönch Thich Quang Duc 1963 nach Saigon fuhr, wo er sich am 11. Juni aus Protest gegen das Diem-Regime mit Benzin übergoss und selbst verbrannte.

Eine besonders schlimme Form des Suizid, die häufig als Ausdruck des Protests gewählt wird. Bei der Verbrennung bleibt das Opfer besonders lange bei Bewusstsein und setzt so symbolisch die qualvollen Schmerzen dem empfundenen Unrecht entgegen. Wir mögen uns das lieber nicht im Detail vorstellen!

Doch Thuc erzählt nicht nur von Geschichte und Legenden, sondern zeigt und erklärt auch die hiesige Botanik. Karin ist natürlich sehr interessiert! Da wächst z.B. ein Strauch, dessen Blätter Verdauungs­unregel­mäßig­keiten wieder in Ordnung bringen soll. Ein paar Blatt­spitzen roh zerkaut und schon braucht man kein Imodium mehr. Karin möchte sich am liebsten gleich die Hosensäcke mit dem schlammigen Gestrüpp vollstopfen.

Nach obenZitadelle und verbotene Stadt

Graben vor der Zitadelle
IconGraben vor der Zitadelle

 

Haupttor (ngo Mon-tor)

 

altes Bildnis

 

Wir verlassen die Tempel­anlage und machen uns mit dem bereits wartenden Wagen auf zu unserem nächsten Halt, der Zitadelle von Hue. Durch das Mittagstor betreten wird den Komplex aus Mauern, Wällen, Toren, Gärten und Palästen, der von 1802 an als neue Kaiserstadt aufgebaut wurde. Die Arbeiten daran dauerten 30 Jahre.

Alles spiegelt die verbotene Stadt in Peking wieder und die Gebäude repräsentieren ebensolche Gebäude in der Kaiserstadt des Mentorstaates China, von dessen Herrschaft Vietnam sich befreit hatte.

Die Nguyen-Kaiser, unter denen Hue zur Kaiserstadt wurde, bildeten die letzte Dynastie Vietnams und herrschten zu einer Zeit, als bereits der Kolonialismus Einzug in die streng konfuzianische Zivilisation der Vietnamesen hielt. Den Konfuzianismus hatten sie 2000 Jahre zuvor von China übernommen. So wie auch Schrift, Kultur, Staatsordnung, die Monarchie mit dem Kaiser als Himmelssohn, Mandarine als Staatsbeamte - China war eben lange Zeit Mentor und Vorbild gewesen.

Zitadelle
IconZitadelle

 

Haupttor (ngo Mon-tor)

 

Ngo Mon, das mächtige Südtor zur Kaiserstadt, das Mittagstor, durch das wir nun treten, hatte einst große Bedeutung. Auf seiner Balustrade wurden Paraden abgenommen, Urteile vollstreckt, der Mondkalender verkündet. Die Reaktion des Publikums auf die diversen Verkündigungen wurde übrigens mittels Trommeln dirigiert. 3 maliger Trommelschlag hieß setzen, 2 Mal bedeutete Aufstehen, etc. Alles schön geregelt, damit sich keiner fehlverhält.

Auf unserem Weg zum Thai Hoa Palast, passieren wir einen mit bunten Fliesen verzierten Torbogen. Die feinen Keramiken glänzen in der Sonne und vermitteln einen Eindruck davon, wie farbenfroh und prächtig es hier einst zugegangen sein muss. Links und rechts wird der Pfad von großen Wasserbecken flankiert. Davor befinden sich mannshohe Gitter, damit die Fische bei Überschwemmungen nicht hinausschwimmen können.

Goldfische

 

Goldfische

 

Thuc kauf etwas Futter für die Goldfische und wirft es mit einer heftigen Handbewegung ins Wasser. Da können wir mal sehen, was wahrer Futterneid ist! Die rotgoldenen Kreaturen vergessen völlig, dass sie eigentlich im Wasser zu Hause sind und stürzen sich wild schnappend übereinander an die Luft, nur um ein paar Brocken von dem Futter zu erhaschen. Das Wasser brodelt richtig im Becken und scheint jetzt znd jetzt überzukochen.

Weiter geht es durch die verbotene Pupurstadt, vorbei an den Gebäuden der Mandarine und der Ruhehalle. Durch den einen oder anderen Torbogen sehen wir noch große Pfützen in der Wiese und manche Umleitung für Fußgänger zeugt von dem Hochwasser der letzten Tage. Was für ein Glück wir doch haben! Es wäre wirklich ewig schade gewesen, hätten wir dieses Kulturdenkmal nicht sehen können.

Tor
IconTor

 

Verbotene Purpustadt
IconVerbotene Purpustadt

 

Verbotene Purpustadt

 

In einer der Hallen nehmen wir auf Stühlen Platz und ruhen ein wenig aus. Karin schwächelt ein bisschen, da es drückend heiß ist und sie nicht so viel trinken kann, da jeder Schluck Wasser laut gurgelnd gleich dem Ausgang zustrebt.

In einer Ecke der Halle gibt es alte Kostüme und Kopfschmuck, mit denen sich TouristInnen als Kaiser und Kaiserin von Hue verkleiden können. Im Anschluss nehmen die Majestäten dann zum Ablichten auf dem Thron Platz.

Meist sind es Asiaten, die diesem Vergnügen frönen, doch heute gibt es leider keine Verkleidungs­vietnamesen für die Touristen zum Fotografieren. Letzteres wird vor allem von Thuc sehr bedauert, den die Kostümierung offensichtlich sonst sehr amüsiert.

Hue Zitadelle

 

Hue Zitadelle

 

Hue Zitadelle

 

Thuc erzählt viel vom Krieg. Seine Erlebnisse, die er in fernen Ländern hatte, was er dabei gelernt hat, was ihm weit weg von Zuhause abgegangen ist.

Es ist einerseits interessant, andererseits tritt dadurch jedoch manchmal die vietnamesische Geschichte hinter seine persönliche zurück. Vorsichtig versuchen wir, seine Erzählung wieder auf die besuchte Stätte zu lenken.

Durch den Park geht es weiter, vorbei an Pavillons und Tempeln, durch Torbögen und über Brücken. Die beiden„Generationentempel” im Osten und Westen des Mittagstores dienten dem Kult der kaiserlichen Ahnen: rechts (östlich) der 1804 unter Gia Long errichtete Thai Mieu, links der 1821 unter seinem Sohn Minh Mang erbaute The Mieu.

Decke der Ruhehalle

 

Tor
IconTor

 

Wir treten ein und betrachten im sanften Dämmerlicht die goldverzierten Thronsessel der 13 Nguyen-Kaiser, Totentafeln, Altäre und Opfertische. Noch heute finden hier am 30. Januar, dem Todestag Kaiser Gia Longs, Ahnenrituale statt.

Auf unserem Rückweg aus der verbotenen Stadt kommen wir auch an Gebäuden und Mauern vorbei, die nicht ganz so gut restauriert sind und deutlich von Verfall und Vergessen zeugen. Hier spürt man, dass die Zeiten von Kaisern und Mandarinen längst vorbei sind und das moderne Vietnam mit ganz anderen Dingen beschäftigt ist, als dem Verweilen in der Vergangenheit.

Zitadelle
IconZitadelle

 

Hien Lam Pavilion
IconHien Lam Pavilion

 

The Mieu (Tempel der Generationen)
IconThe Mieu (Tempel der Generationen)

 

Damit auch wir wieder ins Hier und Jetzt zurück finden, geht es jetzt mit dem Auto zum Markt. Dieser ist riesig, mit vielfältigem Angebot und gar kein Vergleich zu bisher Gesehenem.

Thuc zeigt uns Gemüse, Obst, Gewürze, Trockenobst, Schuhe, etc. Zu allem weiß er etwas zu erzählen über die Herstellung, die Verwendung oder besondere Wirkungsweise (weniger von den Schuhen als von Kräutern).

Alexander meldet Hunger an, doch obwohl uns zwei deutsche Touristinnen begeistert gekochte Schweinsohren vorschmatzen, rät Thuc von einem Besuch der Garküchen hier auf dem Markt ab.

Nicht alle ausländischen Mägen vertragen das so gut. Also fragt unser Fahrer nach dem Marktbesuch, wo man denn hier gut essen kann und fährt uns zu einem Restaurant auf allgegenwärtige Nudelsuppe.

Hue Markt

 

Hue Markt
IconHue Markt

 

Hue Markt
IconHue Markt

 

Alexander und Thuc bestellen je eine große Schüssel Suppe, Karin nuckelt ein bisschen an Coca Cola und Wasser.

Mehr geht einfach nicht. Auch dieses Lokal ist recht authentisch. Die Wände zieren Hochzeitsbilder von Brautpaaren, die hier gefeiert haben.

Der Grad der Vergilbung zeigt, wie lange der glücklichste Tag schon her ist, an dem das jeweilige Foto gemacht wurde.

Hue Markt

 

Hue Markt
IconHue Markt

 

Da gibt es welche, die recht altmodisch aussehen und wo die Farben schon recht verschossen sind, aber auch andere, die glänzen, als wären sie gestern erst aus dem Laserdrucker gekommen.

Ein großer Luftquirl weht die herumliegenden Papierservietten lustig durch den Raum und wir können uns vorstellen, wie so manche Hochzeits­gesellschaft hier Suppe geschlürft und das vietnamesische Äquivalent zum Wiener Walzer getanzt hat. Glück und Fröhlich­keit haben auf der ganzen Welt ein ähnliches Gesicht.

Nach obenDörfer mit spezieller Aufgabe

Hue Dorf Der Raeucherstaebchen
IconHue Dorf Der Raeucherstaebchen

 

Gestärkt mit Suppe fahren wir nun weiter zu kulturellen Abenteuern. 2 Grabmäler stehen auf dem Programm und das erste ist Lang Tu Duc. 36 Jahre währte die Regierungszeit des vierten Nguyen-Kaisers Tu Duc (1847–1883), während der sich der endgültige Niedergang der Monarchie vollzog. Er begann mit der Bombardierung Da Nangs 1847 und endete mit der Eroberung Hanois 1883.

Auf dem Weg dorthin kommen wir durch verschiedene Dörfer, von denen sich jedes auf die Herstellung eines bestimmten Gegenstandes spezialisiert hat. Im einen wird nur Gemüse eingelegt, im nächsten werden nur Lampions geklebt und im dritten Räucherstäbchen fabriziert.

Da legen wir auch einen kurzen Stopp ein, um ein paar Mitbringsel für zuhause zu erstehen. Egal, in welchen Laden man geht, es gibt überall das gleiche: Räucher­stäbchen, die nach Zitronen­gras riechen und solche, die nach Sandelholz duften. Auch die Farbpalette, die übrigens keinen anderen Zweck außer Dekoration erfüllt, ist die gleiche - indigo, gelb, rot und grün. Wie überdimensionale Blüten sehen die Büschel aus, die daraus gedreht und zwischen die Verkaufsstände gestellt werden.

Wir nehmen ein paar kleinere Gebinde der beiden Sorten mit - auch der Preis ist übrigens überall der gleiche - und steigen wieder in unser klimatisiertes Auto. Gekühlt kommen wir wenige Minuten später beim angekündigten Grabmal Kaiser Tu Ducs an.

Nach obenGrabmal Kaiser Tu Ducs

Luu Khiem See, Teehaus
IconLuu Khiem See, Teehaus

 

Grabmahl Kaiser Tu Duc

 

Diese, wie übrigens auch die anderen 5 Grabanlagen im Umkreis von Hue, ist inspiriert von den chinesischen Ming-Gräbern, ohne sie jedoch zu kopieren. Geomanten berechneten vor Baubeginn die beste Lage, wobei himmlische wie irdische Einflüsse, aber auch Wind- und Wasser­verhältnisse eine Rolle spielten. Alle Grabmäler sind nach dem gleichen Schema angelegt.

Jede Grabanlage ist wie die Kaiserstadt Hue von einem Mauerwall umgeben. Der Eingang führt auf einen gepflasterten Ehrenhof, der von einer Geisterallee mit rituellen Stein­figuren gesäumt ist. Sie sollen dem Kaiser letztes Geleit geben und ihn beschützen.

Es folgt der Stelen-Pavillon mit der großen Marmortafel, in die in der Regel der Nachfolgekaiser die Taten und Tugenden seines Vorgängers eingravieren ließ. Dahinter schließt sich der Tempel zur Verehrung des Kaisers und der Kaiserin an, in dem Reliquien der kaiserlichen Familie aufbewahrt werden. An seiner Seite stehen die Pavillons für Konkubinen und Bedienstete sowie jene zur Zubereitung von Opfergaben.

Grabmahl Kaiser Tu Duc

 

Grabmahl Kaiser Tu Duc

 

Grabmahl Kaiser Tu Duc
IconGrabmahl Kaiser Tu Duc

 

Erst dann kommt das eigentliche, meist eher unscheinbare Mausoleum, das von einer Mauer umschlossen ist. Sollten Eindringlinge und Diebe abgewehrt werden. Die meisten der wertvollen Grabbeigaben wurden im Laufe der Zeit jedoch trotzdem von Grabräubern geplündert.

Trotz des einheitlichen Schemas spiegelt jedes Grabmal doch die Persönlichkeit des Monarchen wieder, der es erbauen ließ. Und so lernen wir also Tu Duc ein wenig näher kennen.

Tu Duc war selbst für einen Vietnamesen sehr klein gewachsen und blieb trotz einer ausgeprägten Schwäche für das weibliche Geschlecht - 104 Gemahlinnen und zahlreiche Nebenfrauen zeugten davon - ohne Nachkommen. Dementsprechend folgte ihm auch ein Adoptivsohn auf den Thron, allerdings nur 7 Monate lang. Doch das ist eine andere Geschichte.

See des zunehmenden Mondes

 

Stelenpavilion

 

Obelisk

 

Tu Duc stellte sich gerne als feinsinnigen Poeten dar und gab seinen Schwärmereien nach. Auch sein Grabmal trägt dem Rechnung und ist eine sehr romantische Anlage.

In nur 3 Jahren wurden insgesamt an die 50 Gebäude geschaffen und diese waren nicht nur für das Leben nach dem Tod bestimmt und sondern wurden durchaus auch davor genutzt. Es gab den vorderen Bereich, der für das Leben gedacht war während der hintere Teil der Anlage dem Reich der Toten gewidmet war.

Vorne findet man z.B. einen Pavillon zum Schachspielen, einen großen Fischteich und Gebäude, die dem Kaiser zur Kontemplation dienten. Erstaunlich wenig Besuch befinden sich hier, sodass man die stille Atmosphäre des Grabmals genießen und die Stimmung nachempfinden kann, für die Hue berühmt ist - eine sanfte Melancholie, betont durch eine schöne, sich im zarten Dunst verlierende Hügellandschaft.

Ehrenhof
IconEhrenhof

 

Ehrenhof

 

Grabmahl Kaiser Tu Duc

 

Thuc macht uns auf unserem Spaziergang durch die Grabanlage auf den Mondteich auf­merksam, sowie auf die größte Mamorstele Vietnams.

5.000 chinesische Schrift­zeichen erzählen Tu Ducs Lebenslauf auf dem Stein - alles bereits zu Lebzeiten fertig und vom Kaiser selbst verfasst.

Dach des Stelenpavilion

 

Grabmahl Kaiser Tu Duc

 

2 Türme markieren die Grenze zwischen Leben und Tod, die wir nun überschreiten, um das tatsächliche Grab des Monarchen zu sehen. Allerdings liegt er nicht wirklich darin. Aus Angst vor Grabräubern wurde sein Leichnam an einem geheimen Ort bestattet.

Beim Verlassen bemerken wir noch, dass die steinernen Elefanten und Mandarine, die in der Geisterallee zur Bewachung von Lang Tu Duc hier aufgestellt wurden, ganz nach des Kaisers Ebenbild auch äußerst zierlich ausgefallen sind.

Unser Fahrer wartet schon am Eingang und gleich geht es weiter zum nächsten Grab, das Kaiser Khai Dinh für sich erbauen ließ.

Nach obenGrabmal des Kaisers Khai Dinh

Grabmahl Kaiser Khai Dinh

 

Grabmahl Kaiser Khai Dinh

 

Grabmahl Kaiser Khai Dinh
IconGrabmahl Kaiser Khai Dinh

 

Lang Khai Dinh sieht aus wie die chinesische Isola Bella! Es ist ein eindringliches Beispiel dafür, welchen Einfluss französischer Stil auf den vietnamesischen Geschmack nahm und so sieht man eine Art kuriose, asiatische Renaissance vor sich.

Neben dem merkwürdigen Stil hat dieses Grabmal noch eine weitere Besonderheit aufzuweisen: es wurde im 20. Jahrhundert und nicht mehr im traditionellen Stil, sondern als Stahlbetonkonstruktion erbaut.

Steile Treppen mit drachen­geschmückten Steingeländern führen uns die verschiedenen Terrassenebenen hinauf. Ehrenhof und Tempelbereich, alles ist hier auf einem Steilhang übereinander angelegt.

Grabmahl Kaiser Khai Dinh

 

Grabmahl Kaiser Khai Dinh

 

Ehrenhof
IconEhrenhof

 

Auf der obersten Ebene befindet sich der Thien-Dinh-Palast, der bunt und fast schon kitischig aus­ge­stattet ist. Die vergoldete Bronzestatue hat eine deutlich zu große Nase für einen Vietnamesen. Kein Wunder, hat man sie doch in Frankreich angefertigt.

Trotz ihrer Buntheit, oder vielleicht auch gerade deswegen, finden wir die detailreichen Keramikmosaike sehr schön, die an den Wänden verschiedene Motive der Flora und Fauna darstellen. Eine kleine Ausstellung von alten Fotos gewährt einen interessanten Einblick in die Zeit des Monarchen.

Grabmahl Kaiser Khai Dinh
IconGrabmahl Kaiser Khai Dinh

 

Grabmahl Kaiser Khai Dinh

 

Ehrenhof

 

Bevor wir dieses üppige Grabmal verlassen, macht Thuc noch ein, zwei Fotos im Ehrenhof vor dem Elefanten von uns. Khai Dinh war größer als Tu Duc und so passen unsere Proportionen auch viel besser zu diesem Elefanten hier, als zu dem zierlichen Tier vom letzten Grab.

Unser Tagesprogramm ist heute ein klein wenig lockerer, da wir am Abend noch etwas vorhaben und man uns dazwischen Zeit zugesteht. So treten wir also den Heimweg in unser Hotel an, wo wir gegen 15:30 ankommen. Lustigerweise sind wir an diesem Tag 3 Mal am Fastenhaus des Monarchen vorbei gekommen, wie Thuc uns aufmerksam macht. Gesehen haben wir es jedoch nie, da es hinter einer hoher Thujenhecke verborgen liegt.

Nach obenAbendessen in nettem Rahmen

Ausstellung beim Restaurant

 

Pavillion
IconPavillion

 

Im Hotel angelangt nimmt Karin die Chance auf ein Nachmittagsschläfchen wahr, da sie wegen der doch eher unruhigen Nacht und dem anstrengenden Tag recht müde ist. Alexander ist inzwischen so lieb und kümmert sich um unsere technische Ausrüstung. Wieder aufgewacht schreibt Karin noch ein paar Stichworte für unseren Reisebericht und dann gehen wir duschen und umziehen für unser besonderes Abendessen.

Geschniegelt und verhübscht schreiten wir kurz vor 18:30 Uhr über die Treppe in die Lobby, wo wir von Thuc abgeholt werden. Der Fahrer bring tuns in ein Restaurant, wo traditionelle Hue Küche serviert wird. Neben dem Essen gibt es auch ein kleines„Familienmuseum” mit altem Glas und Porzellan, alles original.

Als wir ankommen, wir haben den Eindruck das Restaurant liegt etwas außerhalb des Zentrums in einer Art Villenviertel oder so, ist es bereits dunkel. Wir betreten das Grundstück uns sehen nebst dem freundlich lächelnden Personal hübsche Pavillons in einem gepflegten, großen Garten mit Teichen, Bonsai Bäumchen, erleuchteten Steinlaternen und vielem mehr, das einen abendlichen Garten so richtig asiatisch-romantisch macht.

Abendessen

 

Noch dazu ist es eine traumhafte Vollmondnacht (hier ist der 16.10. nach Mondkalender), die an poetische Herbstfeste in alten Zeiten erinnert. Wie schön!

Wir sitzen bei Kerzenlicht im Pavillon und harren der Mahlzeit. Auf Empfehlung von Thuc haben wir jeder ein Glas weißen Dalat-Weins bestellt und natürlich Mineralwasser.

Dann geht es los mit dem Menü. Gang um Gang wird serviert und uns erklärt. Das Essen schmeckt gut, ist wirklich wunderschön angerichtet und dekoriert und viel zu viel. Da gibt es kleine frittierte Frühlingsrollen, die auf einer Ananas und mit Gemüse wie ein Pfau gerichtet sind, Suppe, Fisch, alles, was das Herz begehrt.

Karin traut sich aufgrund des Bauchgrimmens überall nur zu kosten. Nicht, weil es schlecht wäre oder sie mangelnde Hygiene fürchtet, aber jeder Bissen marschiert einfach geradewegs durch. Alexander hat zwar keine solchen Phänomene, kann aber trotzdem nicht alles aufessen.

Abendessen

 

Als Dessert werden kleine Küchlein serviert, die zu Blüten gebacken wurden und auf einem Zweig in einer Vase gereicht werden. Na ist das entzückend? Auch hier essen wir nur ein paar Blüten und müssen den Rest am Zweig lassen.

Das Abservieren passiert dann etwas abrupt durch eine Viet-Maid - ruckzuck und weg das Besteck! Unser erklärender Kellner ist inzwischen verschwunden. Klar, gibt ja auch nichts mehr zu erklären.

Als busweise andere Gäste kommen und es in unserem lauschigen Pavillon laut zu werden droht, zahlen wir und verlassen das stilvolle Restaurant. Thuc und der Fahrer, die inzwischen beim Personal gewartet haben, bringen uns zurück in unser Hotel, wo wir noch ein paar Stichworte fertig schreiben und alsbald mit einer Serienfolge ins Bettchen klettern.

Morgen steht die Fahrt nach Hoi An mit wenig Stopps auf dem Programm. Abfahrt ist um 09:00. Gute Nacht und für Karin jedenfalls eine bessere als die letzte!

zu den FAQs und den Kommentaren
Auf der letzten Seite dieses Reiseberichtes findest Du die Fragen unserer BesucherInnen, welche uns im Laufe der Zeit erreichten und hast selbst die Möglichkeit einen Kommentar zu diesem Reisebericht zu hinterlassen.
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