Bac Ha & Sapa

Bac Ha Markt
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Bac Ha Markt

 

Was für eine Nacht! Es war wirklich ziemlich schlimm, was wir in der Private Cabin des Green Train erlebt haben. Die Klimaanlage war entweder aus, dann lagen wir im eigenen Saft auf unseren Betten und schwitzten leise vor uns hin oder sie war an, dann zog es und wir froren, bis der Schweiß getrocknet und der Strom für die Klimatisierung wieder alle war. Sebastian Kneipp lässt grüßen.

Einmal mussten wir in der Nacht aufstehen und das WC aufsuchen. Wir wankten also im schwankenden Wagen aufs Örtchen und wieder retour in unser Kabäuschen, während draußen das Zugpersonal die ganze Nacht Karten spielte und sich nicht gerade leise im vietnamesischen Ding-Dong unterhielt.

Karin hatte einen wilden Alptraum vom Büro, das auf einer Erdgasblase gebaut und fast am Explodieren war. Sozusagen ein ganz privates 9/11, das sie wegen des Rumpelns und der argen, knarzenden Geräuschen des Zuges geträumt hat.

Um ¾ 6 fährt einer von den Kartenspielern mit einem Wagerl durch den Zug und ruft laut „Café, Cappuccino, Cay”. Wir erwachen aus unserem unruhigen Schlaf und sind gar nicht unfroh, dass die Nacht vorüber ist.

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Es folgt Katzen­wäsche, Zähne­putzen und wir ziehen das Zeugs von gestern nochmal an. Tja, ein bisserl grindig fühlen wir uns schon, aber schließlich wollen wir auch was erleben und das geht halt nicht immer nach Lavendel duftend.

Wenig später klopft es und Thu steckt vorsichtig den Kopf in unser Abteil. Sie lächelt zwar tapfer, hat aber auch nicht gut geschlafen.

Kein Wunder, denn neben den gleichen klimatischen und akustischen Unliebsamkeiten wie bei uns, musste sie die Kabine noch mit drei anderen Reiseleitern teilen, von denen nicht alle geräuschlos geschlafen haben (schnarch, 2, 3, …).

Nach obenLao Cai, das Ende einer unbequemen Zugreise

Lao Cai, Verkehrszeichen

 

Lao Cai, Frühstueck

 

In Lao Cai angekommen klettern wir erst einmal aus dem Zug. Ah, wie gut frische Luft zu atmen und die Beine zu vertreten!

Gleich vis-a-vis des Bahnhofs gibt es Frühstück im Café Le Bordeaux. Nicht nur für uns sondern augenscheinlich für alle Reisenden, die über eine Reiseagentur den Schlafwagen gebucht haben. Das Café ist zum Bersten voll mit unausgeschlafenen und ebenfalls zerknittert und leicht grindig aussehenden MittouristInnen. Ach sind wir nicht alle eine große Familie, geeint in den Unbilden, die solche Reisen manchmal mit sich bringen?!

Im ersten Stock vom Café Le Bordeaux ist es ein bisschen ruhiger. Thu begleitet uns an einen Tisch am Fenster und fragt uns nach unseren Frühstückswünschen, die sie auch gleich bestellt. Wir entscheiden uns für die kontinentale Variante und bekommen somit jeder ein großes, frisches Franzosenweckerl, ein gebratenes Ei, Butter, ein Schälchen La Vache Qui Ri, irgendeine Marmelade, die aber nur süß ist und sonst nach gar nichts schmeckt, Tee und ein Glas Orangensaft. Alles sehr ordentlich und jedenfalls nicht zu wenig.

Nach obenSonntagsmarkt in Bac Ha - ein farbenfrohes Spektakel

Bac Ha Markt

 

Bac Ha Markt

 

Bac Ha Markt

 

Nach dem ausgiebigen Frühstück geht es auf zum Sonntagsmarkt in Bac Ha, 69 km östlich von Lao Cai. Wochentags soll Bac Ha ja ein ver­schlafenes Dorf sein, doch heute, am Sonntag, wurlt es nur so vor Menschen und das Auge ertrinkt fast in Farben.

Aus den Bergen und den umliegenden Dörfern kommen die Angehörigen der ethnischen Minderheiten und handeln mit ihren Erzeugnissen bzw. decken sich mit Gütern des mehr oder weniger täglichen Bedarfs ein.

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Bac Ha Markt, Pferdemarkt

 

Bac Ha Markt

 

Wir sehen Blumen Hmong in auffallend bunt bestickter Tracht, schwarze Hmong in ebensolcher schwarzen Kleidung, und rote Dao, deren Frauen den Haaransatz rasiert haben.

Diese hohe Stirn ist ein Schönheitsideal, das bei uns in Europa während der Renaissance ebenfalls gepflegt wurde und um dessen Fortbestand manche Herren auch heute noch froh wären.

Doch zurück nach Asien und zu den ethnischen Bergbewohnern, die wir hier aus nächster Nähe und ganz in ihrem Alltag erleben können. Die bunte Vielfalt ist schön zu sehen, zu erleben und wirkt tatsächlich authentisch.

Bac Ha Markt

 

Bac Ha Markt

 

Auf einem Hügel oberhalb des Marktes sitzt ein junges Mädchen in ihrem schönsten Sonntagsstaat. Eine quietschbunte Kappe mit Perlenschnüren bedeckt das rabenschwarze Haar, um die bestickte rosa Weste ist noch ein gelber Schal drapiert und auch der pinkfarbene Rock ist reich und bunt bestickt.

Links und rechts von ihren Schwestern oder Freundinnen flankiert, schaut sie gleichmütig auf das Treiben zu ihren Füßen und lässt sich seelenruhig betrachten und fotografieren. Worauf wartet sie? Auf einen potentiellen Ehemann!

Thu erzählt von anderen Märkten, wo die Bergvölker einmal pro Jahr hingehen um einen Partner oder eine Partnerin zu finden. Versteht man sich, verbringt man die Nacht miteinander. Versteht man sich nach dem Frühstück am Morgen immer noch, so verabredet man sich für ein nächstes Mal. Wieder am Markt, in einem Jahr. Viel Zeit zum Streiten oder für die Langeweile des Alltags bleibt den Paaren so sicher nicht.

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Bac Ha Markt

 

Bac Ha Markt

 

Wir streifen durch alle Ecken des Sonntagsmarktes. Auf den offeneren Flächen gibt es Wasserbüffel und kleine Pferde zu kaufen. Weiter unten, wo die Stände dichter werden, werden Fleisch, Gemüse und Handarbeiten geboten.

Natürlich gibt es auch eine Ecke mit Garküchen, wo Thu uns 2 kleine, frittierte Küchlein kauft. Die Krapfen ähnlichen Gebilde sind heiß, fett, süß, gut - aber eigentlich nur Teig. Zum Runterspülen böte sich Schnaps in Spritkanistern an, von dessen Geruch alleine man schon besoffen werden könnte.

Irgendwann haben wir uns an dem farbenfrohen Gewimmel sattgesehen und sattfotografiert. Wirklich ein Paradies an Gesichtern und kleinen Szenen, die einem hier ohne Scheu vor die Kamera laufen. Angenehm ist uns auch aufgefallen, dass es keinerlei Bettelei gibt und auch niemand für ein Foto die Hand aufhält. Ein Lächeln oder ein zustimmendes Kopfnicken waren meist die Antwort auf die angedeutete Frage, ob eine Aufnahme ok ist.

Nach obenSapa

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Mit dem Auto geht es nun weiter in die Berge nach Sapa. Durch die dichter werdenden Nebelschwaden ziehen Reisterrassen und eine tiefe Schlucht mit einem Bach oder fast schon kleinem Flüsschen an unseren Fenstern vorbei. Zu Sapa gehört Regen und Nebel erklärt uns Thu. Sapa bei strahlendem Sonnenschein ist für jeden Vietnamesen eine Enttäuschung. Nun gut, dann haben wir ja gerade das richtige Wetter erwischt.

Unser Fahrer hat einen für unsere Ohren fürchterlichen Musikgeschmack. MTV auf vietnamesisch müssen wir über uns ergehen lassen und als dann nicht nur stundenlang gleiches Gesäusel zu hören ist sondern auch noch die Lautstärke ständig zunimmt, bittet Alexander ein klein wenig leiser zu hören. Daraufhin grinst der Fahrer und dreht ab. Was für ein Glück, Trommelfell und Nerven sind mehr als dankbar!

Kücken

 

Chilli

 

Auf 1.600 Metern Höhe liegt Sapa, die Stadt, welche auch das Paris des Nordens genannt wird. Dies kommt daher, weil die französischen Kolonialherren um 1880 an dem ursprünglich von Bergstämmen bewohnten Ort eine Bergstation errichteten. In den 1990er Jahren wurde die Stadt mit hübschen Villen ausgebaut und als Erholungsort von den Franzosen genutzt.

Höherfliegende Pläne scheiterten jedoch an mangelnden Verkehrsverbindungen und so blieb eine Gemeinde im Halbschlaf mit dem verblassenden Glanz vergangener Zeiten.

Das Hotel Victoria, unsere Bleibe für die nächsten Tage in Sapa, ist sehr nett. Unser Zimmer finden wir ausgesprochen gemütlich mit viel dunklem Holz, dekoriert mit Handarbeiten und gestickten Kissen. Auch einen kleinen Balkon mit Blick in den grünen Innenhof und einem Bänkchen haben wir. Sehr hübsch, hier werden wir uns wohl fühlen!

Bac Ha Markt

 

Bac Ha Markt

 

Bac Ha Markt

 

Nach dem Auspacken gehen wir erst mal zum Mittagessen hinunter in den Ort. Was wir danach machen, entscheiden wir dann mit vollem Bauch, denn wir haben den heutigen Nachmittag ganz zu unserer freien Verfügung.

Karin hat heute die Wahl und entscheidet für ein kleines Restaurant, in dem viele Asiaten sitzen und wo sich die Karte ansprechend liest. Alexander bestellt in der Gußeisenpfanne gegrilltes Hühnchen mit Ingwer und Zitronengras, Karin Tofu in Tomatensauce mit Zwiebel. Dazu teilen wir uns gemischten Salat und ein wenig Reis. Das Essen mundet, ist heiß und macht satt.

Erst als wir mit dem Mahl schon fast fertig sind kommen wir drauf, dass die vermeintlichen Einheimischen, deren Anwesenheit ja meist ein Garant für gute Küche ist, eigentlich eine koreanische Reisegruppe waren. Egal, geschmeckt hat es, wir wurden freundlich bedient und günstig ist es außerdem. Letzteres stellen wir fest, als wir die geringe Rechnung begleichen und gehen.

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Bac Ha Markt

 

Zur Verdauung machen wir nun einen kleinen Spaziergang, den wir dem Einkauf von Bier, Snickers und Kaugummi widmen. Bei der Wahl eines geeigneten Desinfektionsmittels in Form von landestypischem Alkohol sind wir uns nicht sicher, was für Magen und Gaumen bekömmlich wäre und lassen es vorerst lieber.

Mit unseren Einkaufssackerln bepackt schlendern wir weiter und merken, dass wir uns zwischenzeitlich einen Schatten zugelegt haben. Eine schwarze Hmong, eine alte Frau mit erstaunlich flinken Beinen und noch flinkerer Zunge, will Karin unbedingt ein besticktes Band verkaufen.

Danke nein, die Haare sind viel zu kurz dafür. Wir gehen durch die mehr oder weniger gut ausgetretenen Gassen des Ortes und müssen dann doch umkehren, um ohne Zäune Kraxeln oder Hühner Verscheuchen zum Hotel zurückzukehren. Die Hmong-Frau folgt und folgt und folgt uns.

Fett

 

Wasserbüffel

 

In das Geschäft von zuerst kehren wir nochmals zurück und kaufen dann doch eine kleine Flasche Ha Noi Vodka (Reisschnaps), der sich später als durchaus wohlschmecken und bekömmlich herausstellt.

Unseren Schatten schütteln wir schlussendlich ab, als wir die Stiegen hinauf zu unserem Hotel erklimmen. Wir genießen eine ausgiebige Dusche, Haare waschen und anschließend 40 Minuten mützeln. Danach haben wir einen Massagetermin gebucht. Nach der Nacht im Zug wollen wir unseren strapazierten Körpern etwas Gutes gönnen.

Nach obenMassage und andere Annehmlichkeiten

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Bac Ha Markt
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Die Massage ist dann auch einfach nur super! Wir werden gleichzeitig in einem Raum von 2 jungen Männern behandelt. 90 Minuten genießen wir eine Kombination aus Shiatsu und klassischer Massage. Wir werden gedehnt, gestreckt, geknetet, geklopft, hmmmmm … wir sind völlig entspannt und zufrieden.

Danach geht's aufs Zimmer, kurz umziehen und hübsch machen (nur Karin, Alexander ist als Mann ja von Natur aus schön smiley), dann zum Abendessen ins Restaurant. Auch dieses lässt nichts zu wünschen übrig.

Die Bedienung ist zuvorkommend, das Essen vorzüglich. Wir bestellen einmal Salat von grüner Papaya mit Rindfleisch, den wir uns als Vorspeise teilen. Als Hauptgericht bekommt jeder Schrimpsspießchen auf Zitronengras mit Knoblauch und ein wenig Reis.

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Als Nachspeise gibt es 2 Espressso und für jeden 3 Mal 2 cl Fruchtschnapps (Maracuja, Ingwer und keine Ahnung was das war) und 3 kleinen Petite Fours. Als krönender Abschluss kommt dann noch flüssiger Schokokuchen mit Grüntee-Eis, ebenfalls geteilt.

Absolut superlecker! Einzig, dass der Rauch vom romantischen, offenen Feuer in die Augen steigt, trübt sowohl die Sicht als auch den Genuss ein klein wenig. Satt und zufrieden verlassen wir das Restaurant.

Noch ein Schluckerl Reisvodka am Zimmer, ein paar Stichworte für den Reisebericht, ein Lebenszeichen auf Facebook. Fernsehen hat sich nach wenigen Sekunden schon erledigt, denn wir schlafen bald tief und fest nach diesem angenehmen Tagesausklang. Und morgen um ½ 9 geht's weiter zu neuen Abenteuern gemeinsam mit Thu …

zu den FAQs und den Kommentaren
Auf der letzten Seite dieses Reiseberichtes findest Du die Fragen unserer BesucherInnen, welche uns im Laufe der Zeit erreichten und hast selbst die Möglichkeit einen Kommentar zu diesem Reisebericht zu hinterlassen.
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