Titicaca-See

Puno
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Puno
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Im sechsten Stock des Hotels La Hacienda nehmen wir heute unser Frühstück mit Blick auf den Titicaca-See ein. Die Auswahl ist gut und wir finden genügend, um uns für die Abenteuer des heutigen Tages zu stärken. Die schöne Aussicht macht uns neugierig auf das, was heute noch vor uns liegt.

Nach dem morgendlichen Imbiss stellen wir unser Gepäck vor die Türe. Wir haben wieder umgepackt, denn zu unseren Gastfamilien auf der Halbinsel Capachica, sind wir nur mit Tagesrucksack unterwegs. Unsere wärmsten Fleecejacken haben wir an, sowie Handschuhe und den Schal um den Hals. Das ist auch notwendig, denn hier am See ist es vor allem in der Nacht und jetzt am Morgen saukalt.

Noch gestern Abend hat uns Manuel vorgeschlagen, mit Rikschas zum Hafen zu fahren und so warten die Gefährte schon vor dem Hotel auf uns. Je ein Paar klettert mitsamt den Rucksäcken in die Rikschas und schon geht's los.

Puno

 

Rikscha
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Rikscha

 

Mit Hallo und Gekicher sausen wir durch die Gassen voller Morgenverkehr bergab und ganz zum Schluss gibt es auch noch ein Wettrennen unter den nun doch schnaufenden Fahrern. Ganz schön anstrengend hier oben in der dünnen Luft so zu strampeln, aber kalt ist den sportlichen Herren nun ganz sicher nicht mehr.

Bei einem Standel am Hafen kaufen wir Gastgeschenke für die Familien ein: eine kleine Flasche Speiseöl, eine Dose Thunfisch, ein Sackerl Reis, ein Sackerl Nudeln. Für die Kinder nehmen wir Buntstifte, ein Malbuch und Murmeln und uns selbst kaufen wir Coca-Zuckerln gegen höhenbedingte Übelkeit.

Manuel hat uns erklärt, dass bei den einheimischen Familien vor allem jene Dinge willkommen sind, die sie nicht selbst anbauen oder herstellen können. Deshalb also gerne Dosen - und haltbar sind sie auch noch.

Nach obenDie schwimmenden Inseln der Uros

Puno, Titicaca See
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Puno, Titicaca See
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Puno, Titicaca See
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Mit einem komfortablen Boot geht es nun in einer ca. 40 minütigen Fahrt zu einer Schilfinsel der Uros, jenem stolzen Seevolk, welches als einziges nicht von den Inka unterworfen werden konnte.

Wir sitzen am Oberdeck und schauen die faszinierende Landschaft an. Der See ist mit seinen rund 8.500km2 groß wie ein Meer. In der Ferne sehen wir schneebedeckte Gipfel. „Dort ist Bolivien” erklärt uns Manuel und kreiert damit einen geflügelten Satz für unsere Gruppe. „Wo ist hier Bolivien?” wird ab sofort bei allen möglichen und unmöglichen Gelegenheiten gefragt.

Die schwimmenden Inseln der Uros sind heutzutage nicht mehr so ursprünglich wie seinerzeit und muten fast wie ein Disneyland aus Binsen an. Wir passieren eine Mautstelle, wo wir eine kleine Gebühr entrichten und einem Schilfgehöft zugeteilt werden.

Titicaca-See Mautstation

 

Titicaca-See
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Titicaca-See
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Schon auf dem Weg dorthin sehen wir ringsherum Sonnen, Walfische, Boote und weiß der Teufel was alles aus Binsen gestaltet. Dazwischen die dunkelhäutigen Uros-Frauen in ihren grellbunten Trachten, die - ziemlich moderne - Lieder singen und winken.

Ute, Rita und Karin beginnen leise das Zwergenlied zu singen: „Heiho, heiho wir sind vergnügt und froh”. Auf unserer Insel werden wir von den Frauen schon erwartet und mit einem beidhändigen Händeschütteln in Empfang genommen. Über schwankenden, binsenbedeckten Boden stapfen wir zu einem dicken, aus Schilf zusammengebundenem Wulst, der uns als Sitzgelegenheit dient.

Während das Familienoberhaupt alle möglichen Dinge aus Totora-Schilf herstellt - er flicht Seile, bindet und schnitzt kleine Barken und andere Souvenirs - erzählt uns Manuel ein wenig über das ursprüngliche Leben der Uros. Natürlich hat es mit dem touristisch aufbereiteten Disneyland wenig zu tun, doch gäbe es das nicht, so wüssten wir heute vielleicht gar nichts über die Sitten und Gebräuche des Seevolkes.

Uros
IconUros

 

Empfang

 

Uros

 

Die letzte Vollblut-Uro war eine Frau, die 1959 starb. Von den reinrassigen Uros hieß es sie hätten schwarzes Blut, das sie vor der Kälte des Titicaca-Sees schützt. Tatsächlich sind die Uros, auch ihre Nachkommen, die sich inzwischen mit Aymara und Quechua vermischt haben, von dunkler Hautfarbe. Auch ihre Statur ist klein, recht gedrungen und sie verfügen über eine ansehnliche Fettschicht.

Letzteres ist umso erstaunlicher, als die Nahrungsmittel hier ja wirklich nicht üppig sind. Neben Fisch wird auch das allgegenwärtige Totora-Schilf gegessen. Manuel schält einen Binsenschaft für uns und wer will, darf ein Stück kosten.

Die botanisch interessierte Karin ist am mutigsten und bricht das erste Stück ab. Die Binse, welche jodhaltig ist, schmeckt neutral, erinnert ganz entfernt an Spargel. Kann man durchaus essen. Auch die anderen Gruppenmitglieder kosten, nachdem Karin nach dem Verzehr weder das Gesicht verzieht noch grün oder in einer anderen Farbe anläuft.

Nach den Erklärungen dürfen wir uns auf der Schilfinsel ein wenig umsehen und vor allem die ausgestellten Souvenirs bewundern und möglichst kaufen. Für letzteres haben wir glücklicherweise Annelore, die eine ausgesprochen dankbare und wohlerzogene Touristin ist.

am Schilfboot
Iconam Schilfboot

 

Uros
IconUros

 

Schule im Freien
IconSchule im Freien

 

Im Anschluss bringt uns gegen geringes Zusatzentgelt eine Schilfbarke zur Restaurantinsel. Beim Anlegen sind wir alle etwas verunsichert. Manuel ist nicht mit uns gefahren und der Kapitän kennt sich mit der Umrechnung des Dollarkurses nicht aus, sodass er plötzlich mehr Geld verlangt.

Doch es gelingt Alexander schließlich, ihn davon zu überzeugen, dass wir schon richtig gerechnet haben und ihn nicht übers Ohr hauen wollen. Er uns ja auch nicht!

Auf der „Restaurant-Insel” befindet sich auch eine Adventistenschule, die wir besuchen dürfen. Wie überall auf der Welt sind es die Kinder, die im Sturm unsere Herzen erobern. Ein bisschen aufgeregt sind sie, als sie extra uns zu Ehren „Alle meine Entlein” auf Spanisch singen.

Das können wir auch und trällern fröhlich auf Deutsch retour. Die Augen unserer kleinen Freunde werden immer größer. Na so was haben sie auch noch nicht erlebt, dass die Gäste sich musikalisch revanchieren! Unter Gelächter und winken verabschieden wir uns wieder, denn wir wollen den Unterricht ja nicht allzu lange stören.

Nach obenDie Halbinsel Capachica und das Dorf Llachon

Titicaca-See
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Titicaca-See
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Titicaca-See

 

Mit unserem modernen Boot geht es nun weiter auf die Halbinsel Capachica zum Dorf Llachon. Auf der Halbinsel haben sich 8 Bauerngemeinden zusammengeschlossen und leben auf traditionelle Weise. Sie tragen ihre Tracht, ernähren sich von Fischfang, den Früchten der Felder, die sie bestellen und der Produktion ihrer kleinen Herden.

Mit dem Auto ist Capachica kaum zu erreichen und der Tourismus, der benötigt wird, diese traditionelle Lebensweise finanziell zu stützen, hält sich glücklicherweise in Grenzen. Wir werden die einzigen Gäste in Capachica sein und 2 Tage sowie eine Nacht bei den einheimischen Familien verbringen und ein wenig an ihrem Leben teilhaben.

Während der 2 stündigen Fahrt nach Llachon erleben wir sehr wechselhaftes Wetter. Es ist kalt und windig, sodass wir all unsere Fleeceschichten übereinander tragen und auch noch Handschuhe, Schal und Haube anziehen und gleich darauf scheint die Sonne so stark, dass wir uns alles wieder ausziehen müssen.

Halbinsel Capachica, Gemeinde Llachon
IconHalbinsel Capachica, Gemeinde Llachon

 

Halbinsel Capachica, Gemeinde Llachon

 

Halbinsel Capachica, Gemeinde Llachon

 

Bei unserer Ankunft in Capachica finden wir eine wunderschöne, fast unberührte Landschaft vor. Der tiefblaue See, über uns der klare Himmel mit weißen Wölkchen, Berge ringsum und teilweise schneebedeckte Gipfel in der Ferne. Rita fragt wieder mal: „Wo ist denn jetzt Bolivien?”

Noch vor dem Mittagessen, das uns schon angekündigt wird, erfolgt die Zuteilung zu den „Familien”. Unsere Schweizer melden sich begeistert zum zahnlosen Dorfältesten, Rita und Ute kommen zu einem jungen Ehepaar mit einem der wenigen Kinder und wir zu einer älteren Frau namens Barbara, die ganz oben am Hang wohnt.

Unser Zimmer mit Aussicht befindet sich in Barbaras Gehöft aus Adobe-Lehmziegel. Es ist innen halbhoch mit Binsen ausgekleidet und auch der Boden ist mit Schilfmatten ausgelegt. 2 Betten mit Stroh und vielen Decken oben drauf werden unser Nachtlager sein.

Dazwischen steht ein Tischchen mit einer Thermoskanne voll heißen Wassers, 2 Häferln und Kräutern für Tee vor dem Fenster mit Ausblick zwischen Eukalyptusbäumen auf den See.

Halbinsel Capachica, Gemeinde Llachon

 

Halbinsel Capachica, Gemeinde Llachon

 

Es ist hier VIEL zivilisierter als wir erwartet und teilweise auch befürchtet haben! Vis-a-vis im Hof gibt es ein WC und ein kleines Waschbecken, jedoch Wassertonne, Kübel und Lavoir gleich davor, denn das Dorf ist nicht an die Wasserleitung angeschlossen.

Barbara schüttet uns heißes Wasser aus einer Kanne in das Lavoir, damit wir uns vor dem Essen Gesicht und Hände waschen können. Sehr aufmerksam! Wir legen unseren Rucksack ins Zimmer und gehen hinunter zum Gemeinschaftshaus, wo sich eine Küche und der Speisesaal befinden. Hier werden wir unsere Mahlzeiten einnehmen.

Zu Essen gibt es Sopa di Criulla, Fisch, Reis und Kartoffel und als Nachspeise für jeden einen halben Dosenpfirsich im eigenen Saft. Es schmeckt uns recht gut, vor allem, nachdem wir scharfen Rocoto zum Würzen bekommen.

Halbinsel Capachica, Gemeinde Llachon

 

Halbinsel Capachica, Gemeinde Llachon
IconHalbinsel Capachica, Gemeinde Llachon

 

Halbinsel Capachica, Gemeinde Llachon

 

Nach dem Essen gibt es ein bisschen Pause zum in der Sonne sitzen und die heilige Ruhe genießen. Danach kann wer mag eine Wanderung mit Manuel durch das Dorf und zu einem Aussichtspunkt auf der Anhöhe machen. Fast alle mögen.

Auf dem Weg ins Dorf treffen wir den örtlichen Englischlehrer. Er ist ein Deutscher, der bei einem Sozialprojekt mitarbeitet und jetzt hier in Capachica stationiert ist. Ein kurzer Plausch und dann gehen wir langsam weiter, da die ungewöhnte Höhe ganz schön die Buschtrommeln in der Brust zum Klingen und uns zum Schnaufen bringt.

Über Stock und Stein geht es vorbei an Eseln und einem kleinen Laden auf einem Weg, der mit großen Natursteinplatten gepflastert ist. Etwas höher treffen wir auf Arbeiter mit Presslufthammer, die gerade an der Fertigstellung dieses Weges arbeiten. Ist es hier doch nicht so fernab jeglicher Zivilisation wie man uns glauben machen will?

Wir finden Bergminze für Tee und Seifenkraut, das als Waschmittel verwendet wird sowie alle möglichen anderen Kräuter, die wir zwischen den Fingern zerreiben und uns gegenseitig unter die Nasen halten oder aus den Haaren klauben. Dazwischen immer wieder Ausblicke, die jeden beschwerlichen Schritt des Spazierganges wert sind.

Halbinsel Capachica, Gemeinde Llachon

 

Halbinsel Capachica, Gemeinde Llachon

 

Der Weg auf der anderen Seite der Anhöhe wieder hinunter gleicht mehr einem Erdrutsch als einem Spaziergang. Irgendwann hören die Natursteinplatten auf und weichen größeren Steinbrocken, die schließlich in loses Erdreich übergehen. Aber mit Knöchelstiefeln ist das alles kein Problem.

Wieder zurück in unserem Dorf setzen wir uns zum Plaudern und Schauen auf dem Plateau vor dem Speisehaus zusammen. Als die Sonne untergeht und die Dunkelheit zunimmt, wird es empfindlich kalt.

Während Karin Ute in deren Hütte begleitet, damit sie sich ein paar lange Unterhosen anziehen kann, bemüht sich Alexander auch um Wärme. Ob denn ein „Fuego” möglich wäre, fragt er die Einheimischen. Wäre! Ein paar trockene Stauden werden herbeigeschleppt, Äste und Zunder.

Die jüngeren Männer versuchen sich an einem mehr kläglichen Feuerchen, aber als der Dorfälteste dann was auch immer in die Glut wirft, gehen die Funken hoch und als Ute und Karin wieder zurück kommen, lodern die Flammen bis in den Himmel.

Ein kleines Mädchen mit ihrer noch kleineren Schwester singt Kinderlieder für uns. Kaum hat die Kleine ein Lied gesungen, was sie mit einem artigen „Gracias” und Knicks anzeigt, gibt es erstmal tosenden Applaus.

Halbinsel Capachica, Gemeinde Llachon

 

Halbinsel Capachica, Gemeinde Llachon
IconHalbinsel Capachica, Gemeinde Llachon

 

Halbinsel Capachica, Gemeinde Llachon
IconHalbinsel Capachica, Gemeinde Llachon

 

Dann legen wir sozusagen zum Gegenangriff los und bedienen uns des deutschen Liedgutes. Das hatten wir doch heute schon mal?

Es entspinnt sich ein kleiner, deutsch-spanischer Songcontest am abendlichen Titicaca-See. Kurz bevor uns Assunta zum Abendessen ruft, schließen wir unseren Wettbewerb mit dem Canon Bruder Jakob, der auf Deutsch, Spanisch und Französisch in der Dunkelheit verhallt.

Zum wohlverdienten Abendessen gibt es geschnetzeltes Alpaca mit Zwiebel und Erdäpfel, dazu Reis. Die Nachspeise besteht aus einem Pudding aus Maisstärke, der mit Himbeersirup garniert ist. Einfache aber durchaus schmackhafte Gerichte.

Halbinsel Capachica, Gemeinde Llachon

 

Halbinsel Capachica, Gemeinde Llachon

 

Um für Touristen kochen zu können musste Assunta mehrere Monate lernen, erzählt uns Manuel und holt die verschämte Köchin aus ihrem Reich. Mit lautem Klatschen zeigen wir ihr, wie gut sie ihre Lektionen gelernt hat.

Nach dem Essen will uns Manuel draußen noch die Sternbilder Lama und Puma zeigen, doch der nunmehr bewölkte Himmel macht uns einen Strich durch die Rechnung.

Auf der Böschung stehen unsere GastgeberInnen und murmeln ihre eigenen Namen ins Dunkel - unsere haben sie sich nämlich nicht merken können. Wir finden Barbara und stapfen hinter ihr den Hang hinauf zu unserem Schlafplatz.

In der Hütte will Karin schon die Kerze am Tischchen entzünden, um in deren Schein besser ins Bett zu finden, als Alexander einfach den Schalter betätigt und das Zimmer von einer grellen Neonröhre erhellt wird. Wie war das noch mit fernab der Zivilisation?

Wir ziehen uns die mitgebrachte Skiunterwäsche an - schließlich fallen die Temperaturen hier nachts unter Null - wünschen einander gute Nacht und machen die Augen zu.

Alexander lässt bald regelmäßige Atemzüge hören, aber Karin fühlt sich von den schweren Decken wie erdrückt. Es fühlt sich an, als säße ein Lama auf ihrer Brust und würde das letzte bisschen Luft aus ihren Lungen pressen. Mal sehen, was das noch für eine Nacht wird…

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