Reise zum Nabel der Welt - Cusco und Qoya

Kolibri in unmittelbarer Nähe des Stiefelplatzes
IconKolibri in unmittelbarer Nähe des Stiefelplatzes

 

Posada Amazonas, Stiefelplatz

 

Heute wird unsere Guten-Morgen-Musik wieder vom Trommeln der Regentropfen auf das Dach über uns begleitet. Wir müssen nicht ganz so früh aufstehen, da außer Frühstück und Abreise hier in der Posada Amazonas nichts mehr auf dem Programm steht. Im bereits dämmernden Morgenlicht erledigen wir also unsere Toilette - auch diesmal ohne Haare waschen, wozu wir uns ob des kalten Wassers einfach nicht überwinden können. Jetzt ist es auch schon Wurscht.

Als wir zum Frühstück gehen hat der Regen schon wieder aufgehört und es tröpfelt nur mehr von den Blättern. Alexander ist heute beim Zulangen sehr zögerlich, da er des Nächtens etwas Bauchweh hatte und für die Weiterreise nach Cusco nichts riskieren möchte.

Unser spärliches Gepäck haben wir schnell beisammen, sodass wir bald für den Transport von der Lodge zum Flughafen Puerto Maldonado gerüstet sind. Auf Wiedersehen Regenwald! Unser Aufenthalt hier war ein Erlebnis, das wir keinesfalls missen möchten.

Im „Stadtbüro” holen wir unsere Reisetaschen (ja, alles da!) und weiter geht's zum Flieger. Zuvor hängen wir natürlich noch am Flughafen herum, wie das halt so üblich ist und vertreiben uns die Zeit mit Naschen, Wasser trinken und Schwätzchen halten. Den kurzen Flug verdösen wir bzw. hören ein bisschen iPod.

Nach obenCusco, aber nur als kurzer Zwischenstopp

Cusco
IconCusco

 

Cusco

 

Cusco
IconCusco

 

Am Flughafen in Cusco holt uns unser Reiseleiter für diese Region ab. Carlos ist Peruaner, kommt eigentlich aus Lima und spricht super Deutsch. Kein Wunder, denn er hat 6 Monate in Passau gearbeitet. Was uns auch gefällt ist sein trockener Humor und seine witzigen Sprüche, die er bei allen möglichen und unmöglichen Gelegenheiten anbringt. Das wird eine lustige Tour!

Weniger lustig ist die Nachricht, dass es momentan Straßenblockaden und Unruhen gibt, da die Transporteure streiken. Welche Auswirkungen das auf unseren Reiseverlauf haben wird, wissen wir noch nicht so ganz genau, aber Streiks sind in Peru an und für sich an der Tagesordnung. Oft wissen die Mitwirkenden gar nicht, wofür oder wogegen sie auf die Barrikaden steigen. Hauptsache, sie haben ein paar Soles dafür bekommen und es ist was los.

Zunächst werden wir mal ins Hotel des Centro Bartolome de las Casas im Zentrum Cuscos gebracht, wo wir uns akklimatisieren und wieder einmal umpacken können. Ersteres hat Vorrang, da wir uns auf 3.416 Metern Höhe befinden und uns erst an die dünne oder besser gesagt sauerstoffarme Luft hier oben gewöhnen müssen.

Dazu lassen wir uns im Innenhof des Hotels auf Sesseln nieder und genießen die Sonne. Doch halt! Einschmieren nicht vergessen, denn auch die Sonnenstrahlung ist auf dieser Höhe recht stark und verbrennt einen schneller als man glaubt.

Plaza De Armas Cusco, La Compania de Jesus (Jesuitenkirche)

 

Plaza de Armas Cusco, Kathedrale

 

Kaum sitzen wir und haben uns einbalsamiert, kommen auch schon heißes Wasser und Cocablätter, sodass wir uns einen Tee bereiten können. Der Cocastrauch wächst in etwas tieferen Regionen bis ca. 2.000 Meter. Mate de Coca, der Tee, welcher aus den getrockneten Blättern hergestellt wird, zählt in Peru zum Nationalgetränk. Gegen Höhenkrankheit hilft er, da er die Sauerstoffaufnahme verbessert.

Das zartgrün gefärbte, heiße Gebräu schmeckt ein bisschen wie Grüner Tee und ist in seiner Wirkung ähnlich normalem Schwarztee oder Kaffee. Er ist also anregend, ruft aber keinerlei Rauschzustände hervor und macht auch nicht süchtig. Jeder der das behauptet, kriegt wohl auch vom Nachmittagstee einen Schwips .

Zusätzlich zum Cocatee prosten wir uns auch mit einem Glas perlender Aspirin C-Brause zu. Doppelt hält besser!

Außer einen etwas leichten Kopf und unmotiviertes Herzklopfen, an das wir uns im Laufe unserer Reise noch gewöhnen und unsere Buschtrommeln nennen, geht es uns gut. Leider ist das nicht bei allen Mitreisenden der Fall, denn manche haben ganz käsige Gesichter oder müssen gar den Magen ausleeren.

Auf Carlos Empfehlung stürmen wir die kleine Bäckerei neben dem Hotel und kaufen frischen Kuchen, Croissants und kalte, pizza-ähnliche Schnitten ein. Wieder im Hotel wird alles in kleine Stückchen geschnitten und wer mag, bedient sich. Schmeckt gut, der kleine Imbiss.

Steigen neben der Kathedrale

 

Plaza De Armas Cusco

 

Während des Mampfens sehen wir uns im Innenhof des Centro de Fray Bartolome de las Casas, kurz CBC, etwas genauer um. Bartolome de las Casas (1484 - 1566) war ein spanischer Dominikaner, der 1502 zum ersten Bischof von Chiapas, Mexiko geweiht wurde.

Er setzte sich besonders gegen die Unterdrückung und Ausbeutung der indigenen Bevölkerung ein und ist ein Symbol der Gerechtigkeit. Das Zentrum hier in Cusco widmet sich der Förderung und Konservierung andinischer Kultur und unterstützt Projekte der Einheimischen.

Das dem Zentrum angeschlossene Hotel ist in einem Gebäude mit altem Fundament untergebracht, das schön restauriert wurde. Der Innenhof ist sehr gepflegt, mit einem gepflasterten Platz und Bäumen und Blumen rings herum. Einer der Bäume fällt uns auf, der er einen zarten Nebel feiner Tröpfchen zu versprühen scheint.

Polylepis heißt er, der Vielschuppige, und gehörten zu den Rosengewächsen. Er ist einer der wenigen einheimischen Bäume (der oftmals angetroffene Eukalyptus ist ein Neophyt aus Australien, dessen Verbreitung aufgrund seines hohen Wasserbedarfs auch so ihre Probleme mit sich bringt), welche in den extremen Höhen der unwirtlichen Anden gedeihen.

Die gesamte Pflanze dient der einheimischen Andenbevölkerung als Brenn- und Bauholz, sie wird zum Färben von Textilien verwendet, findet aber auch als Medizinalpflanze bei Nieren- oder Atemwegsbeschwerden Anwendung.

Den Lamas, Alpakas und Schafen ist der Polylepis kärgliche Nahrung. Vereinzelt gibt es in den Anden ganze Polylepiswälder, die einzigartig sind und eine bizarre, verzauberte Landschaft bilden. Aufgrund zuvor geschildeter Nutzung sind die Pflanzenbestände bedroht und erst in jüngster Zeit wurde ein Schutzprogramm zu ihrer Erhaltung ins Leben gerufen.

Plaza de Armas Cusco, spielende Kinder
IconPlaza de Armas Cusco, spielende Kinder

 

Plaza De Armas Cusco
IconPlaza De Armas Cusco

 

Zwei Zimmer stehen uns zur Verfügung, in denen wir umpacken können. Das ist wieder einmal notwendig, weil wir die nächsten 2 Tage in Aguas Calientes, am Fuße von Machu Picchu verbringen werden. Dorthin reisen wir mit der Andenbahn - der Inkatrail ist nur für Durchtrainierte, die solche Unannehmlichkeiten außerdem gerne mögen - und da gibt es eine Gewichtsbeschränkung für das transportierte Gepäck.

Wir packen also das Amazonaszeugs aus und Sachen für den Zwiebellook ein. T-Shirts, Fleecpulli haben wir bei den Temperaturen sowieso immer dabei, Regenjacke und -hose, dicke Socken. Kulturbeutel kann gleich im Tagesrucksack bleiben und Taschenlampe ist auch nie schlecht.

Die durchgeschwitzte Wäsche vom Amazonasaufenthalt kommt in ein Sackerl und wird an der Rezeption zur Wäsche abgegeben. In 3 Tagen sind wir wieder hier und wenn's wahr ist, die Wäsche in sauberem Zustand auch.

So, das hätten wir. Und jetzt? Es ist noch ein bisschen Zeit bis zur Abfahrt nach Qoya und wer sich fit genug fühlt, kann auf den Hauptplatz hochlaufen, der nur ein paar Gassen vom CBC entfernt ist. Aber langsam und nicht überanstrengen. Ja, ja, wir sind fit genug und wollen uns schon einen Vorgeschmack auf unseren Aufenthalt hier in ein paar Tagen holen. Gesagt, getan und schon sind wir unterwegs.

In gemütlicher Gangart geht es also bergauf, immer darauf achtend, dass die Buschtrommeln in unserer Brust nicht zu heftig schlagen. Die Nachmittagssonne steht tief und wirft lange Schatten in den engen Gassen. Hie und da sieht man Frauen in bunter Tracht, die Lamas mit sich führen. Natürlich werden Lamas nicht mitten in der Stadt gehalten, sondern die Frauen verdienen sich ihr Geld als Fotomodelle und posieren gegen ein paar Soles willig vor der touristischen Kamera. Trotzdem sieht das sehr nett aus.

Cusco
IconCusco

 

Cusco

 

Die Häuser sind weiß getüncht, oft mit strahlend blauen Türen und Fensterläden. Viele haben schön geschnitzte Holzbalkone, die ein Erbe aus der Kolonialzeit darstellen. Buntes leuchtet überall dazwischen hervor, sei es in Form der Regenbogenfahne der Inkas oder Textilien, die zum Verkauf angeboten werden.

Einmal noch um die Ecke gebogen und eingerahmt von Arkaden breitet sich vor unseren Augen die großartige Plaza de Armas von Cusco aus. Kathedrale und Jesuitenkirche, ein Park mit Blumenbeeten, ein Brunnen, spielende Kinder, umhergehende oder sitzende Menschen, die Kulisse der Berge, es ist alles da, was einen perfekten Hauptplatz einer peruanischen Stadt ausmacht. Wow!

Nabel der Welt, das bedeutet Cusco in Quechua, der Menschen Wort, der Sprache des Volkes der Inka. Um 1200 soll Manco Capac, Sohn der Sonne und erster Inka mit seiner Schwester diese Stadt gegründet haben. Genauere geschichtliche Aufzeichnungen gibt es dann erst wieder von 1438 an, als die Regierungszeit des 9. Inkas Pachacutec Yupanqui begann, doch dass dies einmal eine wichtige und geschichtsträchtige Stadt war, kann man in den alten Mauern und den Pflastersteinen immer noch spüren.

Wir drehen eine Runde auf der Plaza, fotografieren, staunen und genießen des Flair auf dem Platz. Stundenlang könnten wir uns hier noch aufhalten, doch wir sollten zurück zum CBC. Erst geht es noch woanders hin und wir kommen ja wieder.

Als wir zurück ins Hotel kommen, erklärt Carlos die Reise könne in wenigen Minuten weitergehen. Die Straßenblockaden seien weitgehend beseitigt und wir dürften ohne große Komplikationen ins Urubambatal gelangen. Auf unserem Weg sehen wir noch die eine oder andere Stelle, wo die Straße zur Hälfte mit Steinbrocken oder Baumstrünken belegt ist, jedoch können wir auf der anderen Fahrbahnseite passieren.

nach obenQoya

Valle Sagrado

 

Von Cusco ins Valle Sagrado
IconVon Cusco ins Valle Sagrado

 

Unser heutiges Tagesziel ist der Ort Qoya, wo wir auch die Nacht verbringen werden. Die Kausay Wasi Health Clinic ist eine gemeinnützige Organisation, die es sich zur Aufgabe gemacht hat medizinische Versorgung auch jenen zukommen zu lassen, die sich das gar nicht leisten können.

Pro Jahr kommen hier 12 bis 15 Ärzte her, die freiwillig und unentgeltlich Operationen an den Ärmsten der Armen durchführen. In den Kosten unserer Reise ist auch eine Spende an die Klinik inkludiert und wenn es der Verkehr zulässt, werden wir diese bei einem Besuch persönlich übergeben.

Das Hochtal entlang des Flusses Urubamba ist von großer landwirtschaftlicher Bedeutung. Hier wird Ackerbau betrieben und insbesondere Mais, Obst und Gemüse angebaut. Valle Sagrado, das Heilige Tal der Inka, liegt auf 2.900 Metern Höhe.

Seine Hänge sind über und über mit Terrassen bedeckt, einem Meisterwerk baulicher Errungenschaften der Inkas, welche die intensive landwirtschaftliche Nutzung erst möglich machte. Auch heute noch werden die Terrassen bewirtschaftet und tragen so zum landschaftlichen Erhalt bei, da sie vor allem vor Bodenerrosionen schützen.

Valle Sagrado
IconValle Sagrado

 

Valle Sagrado

 

Qoya
IconQoya

 

Die Landschaft ist schön und auch das Atmen fällt uns aufgrund der geringeren Höhe schon deutlich leichter hier. Obwohl es zu keinen nennenswerten Aufenthalten kommt, schaffen wir es leider nicht mehr rechtzeitig nach Colca, bevor die Klinik zusperrt. Naja, kann man nichts machen, so genießen wir eben den Abend im Qoya Guesthouse.

Dieses ist ein wirklich entzückendes kleines Hotel unter deutscher Leitung. Ulrike ist vor vielen Jahren zuerst in die USA ausgewandert und später hierher nach Qoya gekommen und geblieben. Ihr Gästehause wird neben Reisegruppen wie der unseren hauptsächlich vom medizinischen Personal frequentiert, welches zum Voluntariat in die Klinik kommt.

Nach dem Beziehen unseres nett eingerichteten Zimmers mit einem großen Fenster in den gepflegten Garten voller Blumen, genießen wir erst einmal eine heiße Dusche. Zivilisiert und umgezogen finden wir uns bald alle auf der Dachterrasse ein, wo wir ein Bierchen trinken und den Sternenhimmel über uns betrachten.

Zum Abendessen gibt es neben Suppe, Salat und Dessert eine typisch peruanische Hauptspeise namens Aji de Gallina. Das ist Hühnchen in einer scharfen Oberssauce mit Reis, Erdäpfeln und Eiern. Es schmeckt sehr gut und ist hier frisch und liebevoll für uns zubereitet.

Müde von der langen Reise, den vielen Eindrücken und der ungewohnten Höhe, gehen wir bald mit vollem Bäuchlein schlafen und freuen uns schon auf den morgigen Tag mit einem weiteren Highlight: unserer Zugfahrt nach Aguas Calientes am Fuße des Machu Picchu. Gute Nacht!

zu den FAQs und den Kommentaren
Auf der letzten Seite dieses Reiseberichtes findest Du die Fragen unserer BesucherInnen, welche uns im Laufe der Zeit erreichten und hast selbst die Möglichkeit einen Kommentar zu diesem Reisebericht zu hinterlassen.
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