Säulenwald und Garten aus 1001 Nacht

Guten Morgen! Gut haben wir ge-, ja fast verschlafen. Hier in Spanien zählt wieder die gleiche Zeit wie Zuhause und auf unserem Wecker haben wir noch portugiesische Zeit (-1 Stunde) eingestellt. Aber dank Karin - sie ist von alleine aufgewacht - sind wir pünktlich und im Plan.

Fliesen an einer Geschäftsfassade

 

Merida
IconMerida

 

Das Frühstück ist heute sehr umfangreich und wir sind ganz alleine - sehr fein, alle anderen schlafen wohl noch. So laben wir uns bei Müsli (Karin) und Spiegelei mit Speck (Alexander) und freuen uns über die Ruhe. Im Radio hören wir „Only time” von Enya - die heimliche Hymne des heutigen Tages (9/11) - und sind ein wenig betrübt ob der Dinge, die heute vor 4 Jahren in New York passiert sind.

Knapp nach 9 Uhr sind unsere Koffer im Auto verstaut und wir sind zu Fuß zur Alcazaba unterwegs. Die Straßen sind fast menschenleer und es ist ganz still. Sogar angenehm kühl ist es jetzt noch. Einzig die vereinzelt klingelnden Wecker tönen durch die Straßen und stören die morgendliche Idylle.

Bei der Alcazaba angekommen erleben wir leider eine unangenehme Überraschung. Hier wird erst um 9:50 geöffnet. Schade, das geht sich dann doch nicht mehr aus - Cordoba ruft bereits. Am Rückweg zum Parador besuchen wir im Vorübergehen noch den Tempel der Diana. Jetzt ist es aber wirklich Zeit, nach Cordoba weiter zu reisen.

Nach obenUnterwegs nach Cordoba

Mezquita von Cordoba
IconMezquita von Cordoba

 

Etwas mehr als 3 ½ Stunden Fahrt trennen uns von Cordoba. Die Gegend ist wenig spektakulär. Endlos lange gerade Strecken werden von wenigen Dörfern abgelöst. Hie und da sehen wir Schafe am Straßenrand grasen. Im Großen und Ganzen vergeht die Zeit langsam - Kilometer um Kilometer nähern wir uns unserem Ziel.

Endlich in Cordoba führt uns unser GPS-System brav in die richtige Gasse. Hausnummern kennt es hier nicht - macht auch nichts, werden wir schon finden. Immer den Hinweisschildern nach - die Gegend wird immer nobler, aber von unserem Parador ist weit und breit nicht zu sehen. Erst als Karin meint „Sind wir beim Kreisverkehr auch wirklich richtig abgebogen?” und wir diesen nochmals umrunden, landen wir bei unserer heutigen Unterkunft, dem Parador de Cordoba.

Waren die vorherigen Unterkünfte schon sehr hübsch, trumpft dieser Parador nochmals ein wenig mehr auf. Das Zimmer ist riesig, hat einen eigenen Schrankraum, ein enormes Badezimmer und eine große Terrasse mit Blick über der Stadt. Super!

Nach obenDie Mezquita von Cordoba

Mezquita

 

Mezquita
IconMezquita

 

Was wir schon in unserem Reiseführer gelesen haben, ist wirklich wahr: Cordoba gibt seine Schönheit nicht auf den ersten Blick Preis, sondern die Stadt will entdeckt werden. So sehen wir von unserer Terrasse aus auch nichts, was uns sofort in Ah- und Oh-Rufe ausbrechen lässt.

Dank der freundlichen Rezeptionistin, die uns den Weg auf einem Plan einzeichnet, finden wir rasch einen Parkplatz in der Nähe des historischen Stadtkerns. Karin schlägt vor, einen Stadtrundgang nach unserem Reiseführer zu unternehmen, der im Besuch der Mezquita gipfelt. Alexander will lieber gleich die Mezquita sehen. Sicher ist sicher - man weiß ja nicht, wie die Öffnungszeiten sonntags hier sind.

Obwohl die Schlange recht lang ist (es ist gerade knapp nach 14:00 Uhr und die Mezquita hat soeben erst aufgesperrt), sind wir doch in Null-Komma-Nichts beim Eingang und treten ins Düstere. Wow! Wir sind absolut überwältigt. Ein Wald aus Säulen, gekrönt mit Doppelbögen in Rot-Weiß. Dazwischen maurische Ornamente, byzantinische Mosaike, barocke Sakralkunst. Staunendes Schweigen macht sich breit.

Mezquita

 

Mezquita
IconMezquita

 

Die Mezquita wurde im 8. Jahrhundert errichtet und innerhalb von 200 Jahren zur größen Moschee der Welt ausgebaut. Das Spiel der Lichter zwischen den unzähligen Säulen der 19 Längs- und 36 Quergänge verzaubert uns sofort und die unübersehbare Vielfalt der arabischen Ornamente zieht uns in ihren Bann. Alexander knippst ein Foto nach dem anderen, während Karin mit beinahe offenem Mund unter den Bögen wandelt.

Am allermeisten beeindruckt uns der Mihrab in der Südmauer, die Gebetsnische und allerheiligster Ort der Moschee. Hier kommt das Auge vor lauter Verzierungen nicht zur Ruhe und kann sich doch nicht lösen von solcher Pracht!

Blumen und Ranken werden abgelöst von geometrischen Figuren, die wiederum in Inschriften übergehen. Überall glitzert, spiegelt und funkelt es und über allem wölbt sich eine Kuppel, die den Himmel mit den Sternen repräsentiert, den Sitz Allahs.

Stunden später und um zig Fotos reicher verlassen wir das Innere der Mezquita und schlendern nochmals über den Patio de los Naranjos, den mit Orangenbäumen bepflanzten Innenhof. Wir folgen den jetzt trockenen Wasserkanälen, die den Platz in kleine Kästchen unterteilen, jedes mit einem Ring im Zentrum, in dessen Mitte ein Orangenbaum steht. Das hellgrüne Blätterdach spendet Schatten und verschafft ein wenig Kühle in der Nachtmittagshitze, während die Tauben in den Bögen des Rundgangs gurren. Das ist Andalusien!

Eintritt Mezquita: € 8.- pro Person

Nach obenCordoba Stadt

Calleja de las Flores
IconCalleja de las Flores

 

Cordoba

 

Wieder unter freiem Himmel steuern wir die ganz in der Nähe gelegene Calleja de las Flores an. Wir befinden uns nun in einer winzigen Blumengasse ohne Ausgang. Der Blick vom kleinen Platz in die Gasse zurück eröffnet gleich 2 Besonderheiten: Einerseits braucht man viel Ausdauer und Glück, um das mit kleinen Blumentöpfen reichlichst gemückte Gässchen ohne Menschen fotografieren zu können und zweitens fügt sich in den freien Himmelsausschnitt zwischen den Häusern der Glockenturm der Mezquita herrlich ein.

Westlich der Mezquita liegt die Puente Romano, deren Fundamente noch aus der Zeit Kaisers Augustus stammen. Zwar wollen wir diese auch noch besuchen und den Blick vom anderen Ufer über die Puente auf die Stadt mit eigenen Augen sehen, aber das ist uns im Augenblick zu weit.

Wir schwenken also östlich, vorbei am Erzbischöflichen Palast zum Alcazar de los Reyes Cristianos. Schade geschlossen, erst wieder ab 20:00 Uhr geöffnet. Na, vielleicht kommen wir am Abend wieder, wenn wir nicht schon komplett erledigt sind.

Nun folgt ein langer Spaziergang kreuz und quer durch kleine Gässchen und vorbei an so manchem Plätzchen. Ziel dieses „Hatschers durch Cordoba” ist der prachtvollste Adelspalast der Stadt: der Palacio del Marquez de Viana.

Am Weg dorhin treffen wir auf die Reste arabischer Bäder (geschlossen), das archäologische Museum (geschlossen), das alte Stadttor Arco del Portillo (nett und ... offen!), den Plaza del Potro (Brunnen aus dem Jahr 1557 - auch hübsch anzusehen) und den Plaza de la Corredera (ehemals Austragungsort für Stierkämpfe - heute ein verlassener, einsamer Platz), bis wir nach gut 1 Stunde endlich beim Palacio del Marquez de Viana ankommen.

Plaza del Potro

 

Sonnenuntergang vor der römischen Brücke
IconSonnenuntergang vor der römischen Brücke

 

Unsere Enttäuschung ist groß, als wir die fest verschlossenen Türen und das Schild sehen: geschlossen. Na geh, im Reiseführer steht aber nichts von diesen Öffnungszeiten! Am Rückweg hat Karin eine Superidee: wir starten morgen unseren Tag mit dem Besuch des Palacio del Marquez de Viana (öffnet um 9:00 Uhr) und fahren dann erst weiter nach Granada. Spitze!

Während wir wieder zu unserem Auto marschieren, kaufen wir uns noch 2 nette T-Shirts mit den Bögen der Mezquita vorne drauf. Zurück im Parador verschlägt es uns auf die Terrasse des Restaurants. Kaffee und Kuchen brauchen wir jetzt und unsere Füße danken uns ein wenig Ruhe und Entspannung. Danach noch eine ¾ Stunde aufs Zimmer - frisch machen - und schon passt die Uhrzeit, um wieder in die Stadt zu fahren: Der Alcazar de los Reyes Cristianos hat jetzt wieder geöffnet.

Unterwegs machen wir noch einen kleinen Abstecher zur Puente Romano, der römischen Brücke. Die Sonne sinkt schon und taucht die alten Mauersteine in ein goldenes Licht - ein malerischer Anblick. Auf einer kleinen Insel im Guadalquivir lassen sich gerade Hunderte weiße, reiherähnliche Vögel zur Nachtruhe nieder. Von weiter weg sehen die Büsche und Bäume aus wie mit Taschentüchern bedeckt.

Nach einigen Fotos und ausgiebigem Betrachten aus allen Perspektiven, wollen wir nun aber endgültig zu unserem Ziel des heutigen Abends - zum Alcazar.

Nach obenAlcazar de los Reyes Cristianos

Nur wenige Schritte entfernt finden wir einen erlaubten Parkplatz und so sind wir auch gleich beim Eingangstor. Tatsächlich ist jetzt geöffnet und es sind kaum andere Besucher zu sehen. Wir kaufen 2 Tickets und da Alexander irgendwo gelesen hat, dass es im Alcazar sehr gute schriftliche Führer sogar in Deutsch geben soll, fragen wir danach. Nein, nix gibt's - man sieht ja eh alles. Etwas verwundert, zumal das Portal zum Alcazar zu unserer Linken fest verschlossen ist, treten wir durch einen Torbogen vor uns.

Alcazar de los Reyes Cristianos
IconAlcazar de los Reyes Cristianos

 

Alcazar de los Reyes Cristianos
IconAlcazar de los Reyes Cristianos

 

Ein schmaler Kiesweg führt zwischen Mauer und einer großen Palme hindurch. In das Knirschen unserer Schritte mischt sich leise ein anderes Geräusch - das Murmeln von Wasser. Wir gehen noch ein paar Schritte weiter und stehen vor einem rechteckigen Goldfischteich, der von einem wasserspeienden Löwenkopf an der Seite gespeist wird. Uns umblickend bemerken wir, dass wir in der Parkanlage des Alcazars gelandet sind.

Karin bricht in Verzückung aus, als wir uns in diesem Garten aus 1001 Nacht wieder finden. Begeistert werden die bemoosten Steine und die Funkien zur Kenntnis genommen, deren Blätter unter der Berührung des Wassers nicken. Eine schmale Steinbrücke führt über den Goldfischteich in einen weiteren Bereich auf gleicher Ebene.

Alcazar de los Reyes Cristianos

 

Alcazar de los Reyes Cristianos

 

In einem kleinen, myrtengefaßten Labyrinth plätschern Springbrunnen unter Orangen- und Limonenbäumchen. Rings um die Brunnen gibt es gemauerte, verflieste Bänke, auf denen sich unterschiedliche Leute niedergelassen haben. Hier ein Liebespaar, das in der beginnenden Dämmerung die traute Zweisamkeit genießt, dort eine junge Familie, deren Kinder sich lachend mit Wasser bespritzen.

Über Treppen gelangen wie auf die tiefer gelegene Terrasse. Entlang der Mauer sind verschiedene Fundstücke aus römischer Zeit platziert, teils auf Sockeln, teils in Nischen, die in dichte Wände aus Zypressen geschnitten wurden. Fährt man mit der Hand über so eine grüne Wand, fühlt sie sich an wie rauer Filz. Auch hier gibt es eine Wasserfläche und kleine, bogenförmige Fontänen.

Mit dem Fortschreiten der Dunkelheit werden auch die Gerüche intensiver. Es riecht einfach herrlich in diesem nächtlichen Garten! Zypressen und Myrten, Orangen, Jasmin und Rosen verstömen ihren betörenden Duft und wir atmen tief ein.

Alcazar de los Reyes Cristianos
IconAlcazar de los Reyes Cristianos

 

Alcazar de los Reyes Cristianos
IconAlcazar de los Reyes Cristianos

 

Als am Himmel Mond und Sterne zu sehen sind, gehen im Park die Lichter an. Die Wasserläufe sind von kleinen Lämpchen gesäumt und die antiken Statuen werden effektvoll angestrahlt. Der Lichtschein hat auch einige Fledermäuse aufgeschreckt, die nun etwas verstört in die nächste dunkle Ecke flattern.

Im oberen Bereich des Gartens finden wir den Brunnen, aus dem heute die Wasserversorgung erfolgt. Ursprünglich wurde das Wasser von einem Aquädukt aus der Sierra Morena hergeleitet und das große Wasserrad, welches bei Albolafia im Guadalquivir steht, half zusätzlich bei der Versorgung. Zwischen hohen Palmen und Orangenbäumen erinnert uns eine Kolumbus-Statue daran, dass hier mehrmals die katholischen Könige mit dem späteren Entdecker Amerikas zusammentrafen.

Neben einer römischen Amphore nehmen wir auf einem Stein Platz und lassen die Romantik des Gartens nochmals auf uns wirken, bevor wir ihn schweren Herzens verlassen. Karin weiß schon jetzt, wovon sie heute Nacht träumen wird.

Eintritt Alcazar de los Reyes Cristianos: € 2.50 - pro Person

Auf dem Retourweg zum Auto schauen wir schnell noch einmal bei der nächtlichen Mezquita vorbei. Ein Glück, dass sie nun geschlossen ist, sonst wären wir womöglich noch einmal hinein gegangen.

Zurück in unserem Zimmer im Parador, lassen wir diesen schönen Tag bei einem kleinen Imbiss noch einmal Revue passieren und fallen schon bald todmüde in die Heia. Süße Träume aus 1001 Nacht!

zu den FAQs und den Kommentaren
Auf der letzten Seite dieses Reiseberichtes findest Du die Fragen unserer BesucherInnen, welche uns im Laufe der Zeit erreichten und Du hast auch selbst die Möglichkeit, einen Kommentar zu diesem Reisebericht zu hinterlassen.
Schuschels Welt Bild
Schuschels Welt Schriftzug
Du bist hier: Reisen Portugal/Spanien Cordoba
Merida  |100 Innenhöfe
 zurück12345678910111213141516171819202122weiter 
Merida | Nach oben |100 Innenhöfe
Kontakt Gästebuch Sitemap Impressum/Datenschutz Disclaimer