Die Hauptstadt der römischen Provinz Lusitania

Guten Morgen! Auch heute haben wir in unserer Cella gut geschlafen und im Zimmer neben dem Kreuzgang gut gefrühstückt. Ausgeruht und gestärkt sind wir bereit für neue Taten. Die Koffer sind schnell in den Hinterhof gebracht, wo unser Auto parkt und während Alexander alles verstaut, läuft Karin zum Auschecken an die Rezeption.

Mittlerweile sind wir ja schon richtig alte Hasen, was das Fahren in der Altstadt von Evora anbelangt und so gelingt es Alexander auch in wenigen Minuten, uns durch das Stadtor hinaus zu bringen. Ein neuer Abschnitt unserer Reise beginnt.

Nach obenEstremoz

Foto: Blick vom Turm
Blick vom Turm

 

Foto: ein wahrlich verschlafenes Städtchen
ein wahrlich verschlafenes Städtchen

 

Als wir uns Estremoz nähern, fallen uns zuerst die Altstadt am Hügel und die Burg auf. Ein Parkplatz ist schnell gefunden und schon pilgern wir los. Hier ist es ruhig - fast ausgestorben. Kaum Leute sind in den engen Straßen unterwegs. Angenehm! Wir meistern den Anstieg und landen am obersten Platz Estremoz vor der Pousada.

„Sieht nett aus die Pousada, vielleicht dürfen wir uns ein wenig umsehen” denkt Alexander und schwupps ist er schon drinnen. Karin ist etwas zurückhaltender, folgt aber dann doch. Innen sieht die Pousada fast noch besser aus als von draußen. Ein kurzer Blick in den Innenhof und dann ist der Rundgang für Nichtgäste leider schon wieder vorbei. Der höfliche Rezeptionist bewegt sich hinter seinem massiven Schreibtisch vor und weist uns höflich aber bestimmt zurück. OK, dann gehen wir halt wieder.

Neben der Pousada steht der Torre de Menagem. Diesen im 13. Jahrhundert errichteten Bergfried möchten wir nun besteigen. Nur wo ist bitte der Eingang? Nachdem wir alle öffentlich zugänglichen Stellen des Turmes umrundet haben, landen wir wieder in der Pousada. Wieder schält sich der höfliche Rezeptionist hinter seinem Schreibtisch hervor und auf unsere Frage „Können wir den Turm vielleicht besteigen?” geleitet er uns durch den Innenhof zum Fuße desselben. Fein, also nichts wie hinauf.

Foto: Wasserspeier am Torre
Wasserspeier am Torre

 

Von oben haben wir einen schönen Blick weit über die Stadt und die angrenzende Provinz Alentejo bis zu den Gipfeln der Serra da Ossa im Süden. Nachdem wir den Turm verlassen haben (natürlich wieder mit einem kurzem Stop beim Rezeptionisten - man sagt ja danke und auf Wiedersehen - geht unsere Besichtigung mit der Igreja de Santa Maria weiter.

Leider sind die Tore der Kirche fest veschlossen und weit und breit ist kein Schild mit den Öffnungszeiten oä. zu sehen. Schade. Neben der Kirche - nahe der Capela - sieht Alexander einen alten Mann langsam und scheinbar ohne Ziel umherwandern. Ein echter Einheimischer vielleicht? Kennt er womöglich die Öffnungszeiten? Alexander spricht den alten Mann an auf Englisch an.

Wie befürchtet versteht dieser aber leider nur Portugiesisch, was die Kommunikation auf ein paar Handzeichen „Da in die Kirche will ich bitte hinein” beschränkt. Karin betrachtet das Schauspiel mit etwas Abstand. Auf einmal sich der alte Mann um, macht sich langsam zur Capela auf und lässt Alexander alleine stehen. Und jetzt?.

Unser alter Mann verschließt die Capela und wankt langsam aber stetig dem Kircheneingang zu. Ja er hat Alexander verstanden! Nach weiteren 5 Minuten - das Schloss ist etwas widerspenstig und die Kräfte des alten Mannes begrenzt - betreten wir wirklich die Kirche. Nach einem erführchtigen Rundgang durch die Kirche und einem weiteren Dankeschön verlassen wir Estremoz und setzen unsere Reise fort.

Nach obenElvas

Foto: ruhiges Gässchen in der Altsatdt
ruhiges Gässchen in der Altsatdt

 

Foto: Schandpfahl am Largo de Santa Clara
Schandpfahl am Largo de Santa Clara

 

Die Grenzstadt Elvas ist nun unser letzter Halt hier in Portugal. Jahrhunderte lang war sie eines der wichtigsten Bollwerke Portugals gegen die Expansionsgelüste des großen iberischen Nachbarns. Auch wir müssen die Tore der Festungsanlage passieren, um in die Altstadt zu gelangen.

Da das Castelo laut Reiseführer nett sein soll, halten wir uns bei unserem Spaziergang möglichst in Richtung Bergspitze. Solange bis wir am Platz „Largo de Santa Clara” angelangt sind. In der Mitte dieses malerischen, dreieckigen Platzes steht ein Schandpfahl aus dem 16. Jahrhundert, an dessen Kapitell noch 4 eiserne Hacken erhalten geblieben sind. War sicher keine besonders lutige Angelegenheit, wenn man hier stehen musste.

Gegenüber befindet sich die Igreja de Nossa Senhora da Consolacao, deren achteckigen Kuppelraum wir betreten. Alles ist hier über und über mit blau-gelb-weißen Azulejos verziert und auch die Säulen sind entsprechend bemalt. Der Rest der Kirche ist leider geschlossen, da wir uns wieder einmal der Mittagszeit nähern.

Das Castelo entpuppt sich als ein paar in Restaurierung befindliche Ruinen, welche wir aber trotzdem gerne besuchen. Ein Rundgang auf den Außenmauern bietet schöne Panorama-Ansichten der alentejanischen Ebenen.

Foto: Elvas
Elvas

 

Nach dem Verlassen des Schlosses schlendern wir ein wenig durch die engen Gassen, die ein mittelalterlich-maurisches Flair verbreiten und lassen uns von der Menge treiben. Scheinbar gibt es hier Gässchen, die gänzlich einer Zunft gewidmet sind. Dieses mutmaßen wir, als wir ein Textilgeschäft nach dem nächsten passieren.

Vis-a-vis eines stark frequentierten Haushaltswarengeschäfts finden wir eine Snackbar. Hier lassen wir uns an einem Tisch vor dem Lokal nieder und schauen ein bißchen dem „Straßencafé” in Form von sich lautstark austauschenden Hausfrauen zu.

Nach einer Tasse Galao (der kostet hier fast nix - je € 0.80) und etwas Ruhe für unsere armen Füße geht es wieder durch die Altstadt zurück zum Auto und weiter auf unserer Reise nach Merida in Spanien.

Nach obenMerida

Merida, kann auf eine mehr als 2000-jährige Geschichte zurückblicken, gehört zu den Unesco Weltkulturerben und hat viele Einbahnen, die in die entgegengesetzte Richtung führen als unsere elektronische Karte anzeigt.

Foto: Werbefliesen an einer Hausfassade
Werbefliesen an einer Hausfassade

 

Foto: Werbefliesen an einer Hausfassade
Werbefliesen an einer Hausfassade

 

Letzteres macht es uns besonders schwer, unser Hotel zu finden. Immer wieder werden wir vom GPS-System gegen eine Einbahn gelotst oder mit den Worten „Drehen Sie wenn möglich um!” angewiesen, doch endlich ordentliche Straßen zu benutzen. Zum Schluss landen wir trotz aller Unwegbarkeiten glücklich vor unserem Parador.

Der Parador de Merida ist ebenfalls ein historisches Gebäude. Im 18. Jahrhundert wurde auf den Überresten eines Pax Augusta zugerechneten Tempels ein Kloster errichtet. Die Strukturen wurden beibehalten und sind auch heute noch im Parador zu finden. Besonders erwähnenswert ist auch die Sammlung antiker Ausgrabungsstücke wie Säulen, Büsten usw., die den Innenhof zieren.

Nachdem uns eine freundliche Rezeptionistin in ausgezeichnetem Deutsch - mit diesem süßen spanischen Lispeln - unseren Zimmerschlüssel übergeben hat, schaffen wir erst einmal unsere Koffer nach oben. Wir haben das Zimmer am Ende des Ganges und hoffen, dass wir den wirklich endlos langen Weg nie hungrig oder durstig zurücklegen müssen! Der Blick geht in besagten Innenhof, wo das Swimmingpool aus einem antiken Wasserspeier gespeist wird. Nett, aber jetzt gehen wir die Stadt erkunden.

Schon bei unserem ersten Spaziergang durch Merida werden wir fast andächtig. Hier wandelt man buchstäblich auf historischen Pfaden. Teilweise sind sogar die Straßen noch mit originalen Pflastersteinen aus der Römerzeit bedeckt.

das Museum römischer Kunst

Foto: eines der unzähligen Mosaike
eines der unzähligen Mosaike

 

Foto: das Museo Nacional de Arte Romano de Merida
das Museo Nacional de Arte Romano de Merida

 

Unsere erste Anlaufstelle ist das Museum römischer Kunst. Trotz einer durchaus ansehnlichen Schlange geht der Eintritt rasch von statten - und er ist gratis! Wir sind erstaunt und erfreut.

Drinnen fühlen wir uns in die Fernsehdokumentation „100 Meisterwerke” versetzt. Hoch wölben sich Backsteinwände, an welchen riesige restaurierte Mosaike, Büsten und andere Fundstücke platziert sind. Konstruktionen aus Glas und Stahl bilden seitlich Stockwerke, in denen weitere Exponate wie Münzen oder Amphoren in Schaukästen bewundert werden können. Großartig!

Im Keller des Museums sind ebenfalls Ausgrabungen zu sehen und ein Gang führt zum Amphitheater. Das wollen wir jetzt sehen! Ein Kombinationsticket verspricht uns Eintrittsmöglichkeit in 7 verschiedene Sehenswürdigkeiten hier in Merida, darunter auch das von uns gewünschte Amphitheater und das römische Theater. Na das nehmen wir doch - kulturhungrig wie wir sind.

das Amphitheater

Foto: das Amphitheater von Merida
das Amphitheater von Merida

 

Gemeinsam mit dem gleich nebenan befindlichen römischen Theater wurde das Amphitheater bei Ausgrabungen entdeckt und nur wenige Jahre nach dem Theater restauriert. Inschriften zufolge, die im Amphitheater gefunden wurden, geht es auf das Jahr 8 vor Christus zurück.

Foto: Amphitheater
Amphitheater

 

Theater und Amphitheater zeugen von dem Vorhaben, die Kolonie Emerita Augusta - zur damaligen Zeit bereits Hauptstadt der römischen Provinz Lusitanina - mit einem großen Areal für öffentliche Vergnügungen zu versehen, um ihren politischen und administrativen Status zu wahren.

Das Amphitheater wurde verwendet, um Gladiatorenwettkämpfe, Kämpfe zwischen Tieren oder auch zwischen Mensch und Tier auszutragen. Gemeinsam mit Zirkusvorstellungen waren dies die beliebtesten Volksbelustigungen.

Als das Christentum zur offiziellen Religion wurde, wurden sowohl das Amphitheater als auch das benachbarte römische Theater verlassen und im Laufe der Zeit wurden die beiden unbenutzten Bauten teilweise verschüttet.

So kam es, dass seit dem 16. Jahrhundert verschiedene Schreiber von einem „Naumachia”, einem Ort, an dem Seeschlachten nachgestellt werden, berichten. Aufgrund der beckenähnlichen Form und der Nähe des Aquädukts schlossen sie auf diesen ehemaligen Verwendungszweck. Erst die 1919 begonnen Ausgrabungen brachten die wahre Natur des Amphietheaters ans Licht.

das römische Theater

Foto: römisches Theater
römisches Theater

 

Gleich neben dem Amphitheater befindet sich das römische Theater, das bereits ein paar Jahre vorher ausgegraben wurde. Auch das Theater war nach der Christianisierung lange Zeit unbenutzt und größtenteils verschüttet, was dazu führte, dass auch die Verwendung dieses Gebäudes anfangs missinterpretiert wurde.

Nur die oberen beiden Sitzreihen waren noch teilweise sichtbar und sahen für gewöhnliche Leute wie 7 große Stühle aus. Das war auch der Name, mit dem dieser Ort bezeichnet wurde - 7 Stühle. Bald bildete sich eine Legende, dass einst 7 Maurenkönige auf den 7 Stühlen Platz genommen hätten, um über das Schicksal der Stadt zu entscheiden.

Wirklich bemerkenswert finden wir die Bühnenfassade. Sie besteht aus 2 Stockwerken von Säulen und ist in verschiedenfarbigem Marmor gearbeitet. Zwischen den Säulen befinden sich Repliken von Skulpturen. So sind hier Ceres, Pluto, Proserpine und andere Statuen zu sehen, welche einen großartigen Anblick bieten.

Foto: römisches Theater
römisches Theater

 

Wir klettern die ansteigenden Sitzreihen nach oben. Obwohl alle Steinstufen gleich aussehen, klingen manche beim Drauftreten eigenartig und fühlen sich auch komisch an. Bei näherem Betrachten bemerken wir, dass hier mit Kunststoff nachgebildet wurde, was im Original nicht mehr vorhanden ist

Ganz oben angelangt genießen wir den Ausblick und freuen uns, dass wir die eine oder andere Hörprobe einer modernen Band zu hören bekommen, die heute Abend hier ein Konzert gibt. Das römische Theater ist übrigens das einzige Gebäude, das seit 1933 wieder seiner ursprünglichen Bestimmung zugeführt wurde - hier finden laufend Konzerte und Theateraufführungen statt.

So, genug geschwelgt jetzt! Schließlich haben wir noch einen ganzen Haufen Sehenswürdigkeiten vor uns. Wir orientieren uns kurz auf dem Plan, der bei den Eintrittskarten dabei ist und nehmen uns als nächstes das Amphietheater-Haus vor.

das Amphitheater-Haus

Foto: Amphitheater-Haus
Amphitheater-Haus

 

Dabei handelt es sich nicht um ein einzelnes Haus sondern um ein ganzes Ausgrabungsareal, wo Häuser, Reste der Stadtmauer, Teile eines Aquädukts, ein Wasserturm und jüngst auch ein Mausoleum gefunden wurden.

Wir betreten das Gelände, wandern zwischen den Mauern umher und bewundern die Mosaike, die wir zu sehen bekommen. Plötzlich deutet Alexander auf den Weg, auf dem wir schon die ganze Zeit laufen: „Sag einmal gehen wir da auf Original-Mosaiken? Das kann doch nicht sein!” Tatsächlich sieht es so aus, als würden hier quasi antike Fundstücke mit Füßen getreten. Um der Kunstgegenstände willen hoffen wir, dass es sich um ausgezeichnete Nachbildungen handelt.

Der Abend schreitet immer weiter fort und wir wollen noch so viel sehen, bevor die verschiedenen Stätten ihre Pforten schließen. Also reißen wir uns los und starten zur Columbaria.

die Columbaria

Schon beim Eintritt macht uns der Mann am Schalter wild gestikulierend auf Spanisch darauf aufmerksam, dass er in 17 Minuten zu schließen gedenkt. Na dann hurtig!

Foto: Columbaria
Columbaria

 

Wir befinden uns auf einem Freigelände, wo Überreste von zwei römischen Begräbnisstätten, Columbaria, gefunden wurden. So bekommen wir einen Einblick in die Bestattungszeremonien der damaligen Zeit. In einem der beiden Grabhäuser, dem der Familie Voconius, wurde ein recht gut erhaltenes Fresko eines Paares gefunden. Aufgrund der Maltechnik und der verwendeten Farben wird das Gemälde der zweiten Hälfte des 1. Jahrhundert nach Christus zugeordnet.

Wir schlendern ein wenig durch die Zypressenalle und sehen und die Bildtafeln und Fundstücke an. Eingedenk des hektischen Wachelns des Torhüters verlassen wir pünktlich um 19:15 die Grabstätten.

Auf dem Weg zurück zu unserem Parador gelingt es Alexander noch, einen Polizisten, der das Eingangstor zum Amphitheater wegen des bevorstehenden Konzertes bewacht, davon zu überzeugen, dass wir noch schnell durchlaufen dürfen. Das hat gleich mehrere Vorteile: wir können noch ein paar Fotos in der Abendsonne und ohne Leute schießen, es ist eine ordentliche Abkürzung und am anderen Ausgang befinden sich Toiletten. Super!

Beim Abendimbiss in unserer Bleibe überlegen wir heftig, was wir denn morgen machen sollen. Gleich weiter nach Cordoba und die vielen ungesehenen Denkmäler sein lassen oder doch noch Ausgewähltes hier in Merida anschauen? Die Entscheidung fällt uns schwer. Endlich beschließen wir, der Alcazaba in Merida noch einen Besuch abzustatten, bevor wir weiter reisen.

Mit diesem Vorsatz schlafen wir ein - gute Nacht!

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