In den Alentejo

Guten Morgen! Um 07:00 klingelt unser Wecker und ausgeruht schwingen wir uns aus den Betten. Die erste Nacht in der Fremde ist vorüber. Die Matrazen waren angenehm hart und die Klimaanlage hat auch wohltuend leise ihren Dienst getan. Nach der Morgentoilette laufen wir erwartungsfroh die Stiegen hinunter in den Frühstücksraum. Der Speisesaal hat gestern im Vorbeigehen schon so gemütlich ausgesehen und wir sind gespannt, was uns jetzt erwartet.

Niemand da? Tatsächlich, wir sind die ersten Gäste! Rasch einen Tisch für zwei gesucht, von dem aus wir noch einmal das herrliche Panorama rund um Sao Bras überblicken können und schon gehen wir das Buffet inspizieren.

Sehr nett alles! Karin schnitzt sich ein Muesli aus frischem Obst, Haferflocken und Joghurt während Alexander Brot toastet und sich an Eiern, Speck und vielerlei Käse gütlich tut. Mit einem Glas Sekt-Orange stoßen an auf den heutigen Urlaubstag an und schon kurze Zeit später geht unsere Reise wieder los.

Nach obenSerra do Caldeirao

Nach anfänglichen Schwierigkeiten - Karin hat sich voll und ganz auf unser mitgebrachtes GPS-System verlassen, das aber dann kurzzeitig den Dienst versagt hat - sind wir auf dem richtigen Weg durch die Serra do Caldeirao.

In the middle of nowhere

 

Über Stock und Stein, Hügel auf, Hügel ab, fahren wir durch eine fast menschenleere Landschaft. Rote Erde, Pinien, Korkeichen und Eukalyptusbäume prägen das Bild. Hie und da sieht man noch deutlich die Spuren der verheerenden Waldbrände von 2004 in Form von schwarz verkohlten Baumstrünken.

Gemütlich folgen wir mit 50 km/h der kurvenreichen Strecke und schauen uns die viele Gegend an. In einem kleinen Dorf sehen wir eine Montage aus Fahrrädern, die zu Windrädern umfunktioniert sind. Als wir aus dem Auto aussteigen, um das Kunstwerk zu fotografieren, bemerken wir es: es ist so unheimlich still hier! Fast können wir die Hitze surren hören, vereinzelt kräht ein Hahn und man hört den Wind über die trockenen Erdschollen streichen. Sonst nichts.

Ein kurzer Halt in Cachopo, um die „Fonte Ferrea”, eine Quelle mit eisenhaltigem Mineralwasser zu sehen. Auch hier Stille. Eine schmale steinerne Brücke führt über einen Graben mit Feigenbäumen, deren Früchte zwar reif aber leider außer Reichweite sind. Die Luft riecht nach Rosmarin.

Die Fonte Ferrea entpuppt sich als kleines Rinnsal in einem Erholungspark, der auch schon bessere Zeiten und vor allem mehr Besucher gesehen hat. Alles ist zu, kein Mensch weit und breit - und das bestimmt schon seit einigen Wochen.

Wir folgen weiterhin der N124, die jetzt nicht mehr so kurvenreich ist und ein zügigeres Tempo zulässt. Vorbei an winzigen Kaffs mit klingenden Namen wie Sao Bartolomeu de Via Gloria gelangen wir in den Alentejo, die größte aber auch ärmste Region Portugals.

Nach obenMertola

Burg von Mertola

 

Auf einer hohen Brücke überqueren wir den Ribeira de Oeiras und sehen auch schon die Maurenburg, welche einen Hügel vor uns krönt. Wir sind in Mertola angelangt. Unser Mietauto stellen wir auf dem großen und gebührenfreien Parkplatz gleich nach der Brücke ab und schlendern durch die Altstadt in Richtung Burg.

Während wir den engen Gässchen bergauf folgen sticht die Mittagssonne und wir kommen ganz schön ins Schwitzen. Die Mezquita, eine ehemalige Moschee und jetzige christliche Kirche ist leider geschlossen. An den kleinen, gedrehten Türmchen auf dem Dach, kann man immer noch ihren Ursprung erkennen.

Noch ein kleines Stückchen oberhalb der Mezquita ist die Burg. Im Wesentlichen sind noch die Grundmauern erhalten bzw. wieder aufgebaut und einer der Türme. Diesen erklimmen wir und widmen uns der Aussicht ins umliegende Land. Während wir über den Fluss schauen, hören wir von unten einen dreistimmigen Männerchor zu uns heraufdringen: laut, falsch und mit Begeisterung!

Mertola
IconMertola

 

Die brütende Hitze macht uns träge und wir verstehen nur zu gut, dass während der Siesta alles geschlossen hat und sich die Menschen in den kühlen Schatten zurückziehen. Wir sind froh, unsere Wasserflaschen dabei zu haben und machen uns nach einem erfrischenden Schluck auf den Rückweg zu unserem Wagen.

Wir verlassen Mertola und wollen wie es unser Reiseführer vorschlägt die Stromschnelle "Pulo do Lobo", Sprung des Wolfes besuchen. Tatsächlich finden wir auch nach einigen Kilometern die Abzweigung, jedoch kommen wir nicht weiter. In dem Dorf, durch das wir müssten, um das Naturschauspiel zu sehen, wird gerade für ein Fest aufgebaut und so ist die Straße eine Sackgasse - leider. Alternative? Keine! Nach dem Wochenende, wenn das Fest vorbei ist, können wir wieder durchfahren. Na, dann fahren wir halt in die nächste Stadt.

Nach obenBeja

Beja

 

Beja, das frühere Pax Julia, ist ein hübsches kleines Städtchen. Einzig Karins Bedürfnis - „Bitte wo ist das nächste WC?” - trübt derzeit ein wenig die Vorfreude auf die Stadt. Ein öffentliches WC sichten wir gleich beim Parkplatz und schon scheint die Qual ein Ende zu haben. Schade! Knapp vor der Erlösung müssen wir feststellen, dass die Anlage geschlossen ist. Eine dicke Kette und ein Vorhangschloss hängen vor der Türe. Also schnell weitersuchen.

So weit wir auch suchend unsere Kreise ziehen, nirgends ist um diese Zeit ein offenes WC zu finden. Also marschiert Alexander schnurstracks in eine nette Pousada hinein und packt sein bestes Englisch aus „Wo ist denn hier in der Nähe ein offenes öffentliches WC?” Naja der Consierge ist des Englischen nicht ganz mächtig und so wiederholt Alexander seine Frage ein paar mal. Nach der vierten Wiederhohlung strahlt der Consierge und deutet mit der Hand um die Ecke. Na bestens: sauberes WC gefunden - Stimmung gerettet. Wie sehr solche Kleinigkeiten doch beeinträchtigen können!

Convento Nossa Senhora da Conceicao
IconConvento Nossa Senhora da Conceicao

 

Als nächstes pilgern wir in das ehemalige Klarissinnenkloster „Convento Nossa Senhora da Conceicao”. Heute befindet sich hier das „Museu Regional” welches für andalusischen Wandfliesen aus dem 16. Jahrhundert bekannt ist.

Weiters erregt ein simples Fenster im ersten Stock unsere Aufmerksamkeit: Hier soll im 17. Jahrhundert die Nonne Mariana Alcoforado glühende Liebesbriefe an einen französischen Offizier geschrieben haben. Die unglückliche Romanze ging durch die von Rainer Maria Rilke später ins Deutsche übersetzten „Portugiesischen Briefe” in die Weltliteratur ein.

Auch wurden hier früher angeblich von den Ordensfrauen, welche aus den vornehmsten Familien Portugals stammten, phantastische Süßigkeiten hergestellt. Wir hätten ja gerne davon gekostet, aber die köstliche Kunst ist in Vergessenheit geraten und so ist heute davon leider nichts mehr zu bemerken.

Eintritt Kloster: € 2.- pro Person (fotografieren ist eigentlich verboten)

Castelo

 

Castelo

 

Mit der Zeit werden wir ein wenig müde, aber das Castelo wollen wir unbedingt noch besichtigen. Unser Weg führt uns über den „Praca da Republica”, welcher ein kleines Kuriosum beherbergt. Die frühere Misericordia-Kirche war ursprünglich als Schlachthof konzipiert. Seit 5 Jahren wird auch die Kirche nicht mehr genutzt und so stellen derzeit heimische Künstler an diesem Ort ihre Werke aus.

Nun sind wir beim Castelo angekommen, welches im 13. Jahrhundert errichtet wurden. Bevor wir den massiven Turm besteigen dürfen, müssen noch 2 Eintrittskarten gekauft werden. An der Rezeption sitzen 2 nette ältere Herren, welche leider nur portugisisch sprechen.

Aber auch ohne Sprachverständgung, nur mit ein paar Brocken, Handzeichen und einem freundlichem Lächeln, klappt die Kommunikation sehr gut. Ob sie aber unsere Antwort nach unserer Herkunft mit „Austria” oder der Bequemlichkeit halber doch nur mit „Alemao” verzeichnet haben, sind wir uns nicht sicher.

Die Aussicht von der obersten Turmplattform entschädigt für die Strapazen des Aufstiegs. Hier bläst der Wind angenehm um unsere Nasen und kühlt uns. Mit 183 Stufen und 40 Metern ist dies angeblich der höchste Burgturm Portugals.

Bevor wir nun zum Auto zurückkehren besuchen wir noch rasch die kleine vorchristliche Kapelle neben dem Castelo. Den Eintritt haben wir bereits mit dem Kombiticket vom Klarissinnenkloster bezahlt. Hier sind Stücke aus der westgotischen Zeit ausgestellt, die man in oder um Beja gefunden hat. Leider ist alles nur in Portugiesisch beschriftet, sodass wir nicht sehr viel von dem verstehen, was wir sehen. Naja besonders aufregend ist es auf diese Art nicht, also ab nach Evora.

Eintritt Turm: € 1.32 - pro Person

Nach obenPousada Dos Loios in Evora

In Evora angekommen haben wir schon mehrere Runden mit dem Auto durch die winkeligen Gässchen der sehenswerten, historischen Altstadt gedreht, als Alexander „mitten” auf dem Giraldo-Platz stehen bleibt und in die Touristeninformation um einen Plan und eine Wegbeschreibung stürzt. Ein mittelgroßer Seufzer ist sicher in ganz Evora zu hören, als wir wenig später vor unserer Pousada landen.

in der Altstadt von Evora
Iconin der Altstadt von Evora

 

Ist ja alles nicht so einfach. Da wir keine genauere Adresse haben, führt uns das GPS-Navigationssystem zuerst ins Zentrum. Perfekt, aber die Pousada ist von hier aus nur zu Fuß zu erreichen, erfährt Alexander bei der Information. Wir können uns lebhaft vorstellen, wie wir unsere Koffer über das holprige Pflaster bergab schleifen. Das wollen wir nicht wirklich! Also wieder raus aus der Altstadt - einmal rund um die Stadtmauer herum - wieder hinein - ein paar Gässchen links und rechts - und schwups stehen wir vor unserer Pousada.

Die Pousada Dos Loios ist in einer ehemaligen Klosteranlage aus dem 15 Jahrhundert untergebracht. So ist es auch nicht verwunderlich, dass es hier keine Zimmer sondern Zellen gibt. Dabei ist die Ausstattung keineswegs spartanisch. Klimaanlage, Tisch mit Sessel, Kasten, kleines Badezimmer und ein wunziger Vorraum gehören zu unserer Zelle im 2. Stock.

Besonders hat es uns der spätgotische Kreuzgang im Inneren der Pousada angetan. Sehr impossant! Ganz romantisch kann man hier im Kerzenschein speisen. Doch nun drängt der Hunger uns hinaus - die Preise des Pousada-Restaurants verstärken diesen Drang noch gewaltig. Ein paar Schritte neben der Pousada werden wir schon fündig. Hier bietet man uns ein Buffet „All you can eat and drink” zum Preis von € 15.- an. Klingt doch verlockend und auch die vom Personal durchaus willkommen geheißene Inspektion ergibt nichts Negatives - also nichts wie hinein mit uns.

2 Stunden später geht es mit vollen Bäuchen und einem kleinen Schwips wieder zurück in unsere Unterkunft. Wie gut, dass sie gleich nebenan ist und wir nicht weit laufen müssen. Gute Nacht Evora und bis morgen - hicks!

zu den FAQs und den Kommentaren
Auf der letzten Seite dieses Reiseberichtes findest Du die Fragen unserer BesucherInnen, welche uns im Laufe der Zeit erreichten und Du hast auch selbst die Möglichkeit, einen Kommentar zu diesem Reisebericht zu hinterlassen.
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