Bikaner

So wie es gestern aufgehört hat, geht es heute weiter. Prognostiziert sind etwa 5 Stunden Fahrt über Schlaglöcher hinweg, an teilweisen grünen Feldern vorbei, zwischen Kühen und Ziegen hindurch, Bussen ausweichend, kleine Rikschas und zu Fuß gehende Personen anhupend.

während der Fahrt

 

während der Fahrt

 

Das Wetter ist wieder sonnig und leicht bewölkt und Dank der Klimaanlage im Auto gut erträglich. Unsere Bandscheiben und Halsmuskeln sind dauernd am Ausgleichen und auch der restliche Körper schwingt im Takt der Schlaglöcher pendelnd mit.

Nach 2½ Stunden halten wir bei einem kleinem Restaurant am Strassenrand. Wir vermuten, dass dieses, so wie bei allen anderen Stopps, welche unser Fahrer mit uns einlegt, wieder mal dem Staat gehört. Sie gleichen sich fast aufs Haar.

In der Mitte ein großer Raum zum Essen, daneben ein kleiner Souveniershop mit allem möglichen Krimskrams und eine große saubere WC-Anlage. Letzteres war diesmal leider nicht der Fall, denn es gibt hier kein fließendes Wasser. Sehr schade!

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Laxmi Niwas Palace
IconLaxmi Niwas Palace

 

Laxmi Niwas Palace
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Bikaner scheint wieder eine größere Stadt zu sein, denn es gibt eine breite Hauptstrasse, den obligatorischen Kreisverkehr mit Statue, Geschäfte und Werbeplakate. Auf einem der letzteren sieht Alexander Reklame für unser heutiges Hotel Laxmi Niwas Palace - und ist begeistert.

Schon die Hotelauffahrt lässt Pompöses erwarten. Ein einem Rajputen-Krieger ähnlich sehender Diener öffnet die Wagentüren und posaunt „Welcome to Laxmi Niwas Palace” - nette Begrüßung. Nach Übergabe des Vouchers und der Pässe werden wir zu unserem Zimmer geleitet.

Laxmi Niwas Palace
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Laxmi Niwas Palace
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Unser Zimmer Nr. 101 liegt gleich links neben der Rezeption und unterteilt sich in ein großes Wohn-Schlaf-Zimmer und ein angenehm geräumiges Bad. Hier sieht es viel besser als gestern aus. Man hat für uns Touristen auch gleich ein kleines Rätsel integriert.

Es gibt hier 8 Schalter ohne Beschriftung. 4 Lampen und 2 Deckenventilatoren gilt es zu bedienen. Richtig - 2 Schalter haben keine Funktion! Aber auch dieses Rätsel ist bald gelöst. Kaum haben wir unsere Koffer geöffnet, schon steht unser local Travel Agent vor der Türe. Bitte um 5 Minuten Geduld, wir sind gerade beim Umziehen.

Er schlägt uns als Beginn der Besichtigung 14:30 vor. Passt, was machen wir jetzt in der nächsten 1½ Stunden? Alexander streift ein wenig durch die große Palastanlage und kopiert dann die heutigen Fotos aufs Notebook, Karin liest ein wenig in ihrem spannenden Roman und so verfliegt die Zeit im Nu.

Nach obenBikaner - Junagarh Fort

Junagarh Fort
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Junagarh Fort
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Junagarh Fort
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Sami, unser Guide hier in Bikaner wartet schon, als wir an die Rezeption gehen. Diese Besichtigung kann etwas schwierig werden, denn unser Führer kann nur Englisch und das spricht er auch recht brabbelig. Hoffentlich verstehen wir einander. Erster Halt ist das Junagarh Fort.

Wuchtig steht es inmitten der Stadt und ist mit den 37 Bastionen und Wallanlagen weithin sichtbar. Die weitläufige Festung wurde Ende des 16. Jahrhunderts vom Raja Rai Singh erbaut und konnte nie erobert werden.

Junagarh Fort
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Junagarh Fort
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Unser Weg führt uns durch 3 Innenhöfe. Der erste ist für öffentliche Audienzen. Hier wurden die religiösen Zeremonien abgehalten. Anschließend kommen wir in den Hof für die weltlichen Zeremonien.

In der Mitte befindet sich der weiße Thron, auf dem die Maharajas gekrönt wurden. Im Innersten der Anlage ist auch der prächtigste Innenhof, welcher für die privaten Festlichkeiten bestimmt war.

Zur mittleren Halle erzählt uns unser Guide eine nette Episode. Zum Holi Fest (das Fest der Farben, welches etwa im März jeden Jahres zelebriert wird) setzt sich der Maharaja auf seinen weißen Thron und wird mit dem gefärbten Wasser aus dem den Thron umgebenden Becken von seinen Untertanen bespritzt. Ein wahrlich humorvoller und volksnaher Fürst.

Junagarh Fort
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Junagarh Fort
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Junagarh Fort
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Abgesehen von dieser netten Geschichte hat unser Guide leider nur wenig zu berichten. „You can look at the ceiling, look at the floor, see the paintings” Danke, blind sind wir eigentlich nicht.

Weiters besuchen wir eine Vielzahl an schön bemalten und verzierten Gemächern. Alle mit Gold und Edelsteinen geschmückt. Prachtvoll! Im oberen Stockwerk besichtigen wir nun die Gemächer der Maharani und der weiteren Frauen des Maharajas. Hier sind die Zimmer eher schlicht gehalten und relativ kein.

Bemerkenswert ist das Bett der Maharani. Um sicher zu stellen, dass sich niemand unter dem Bett verstecken kann, hat dieses nur ganz niedrige Füße. Hier passt sicher kein ganzer Mann drunter.

Junagarh Fort
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Junagarh Fort
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Junagarh Fort
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Danach bertreten wir das angeschlossene Museum. Sänften, Jagdtrophäen, Gemälde, Teppiche, eben die üblichen Ausstellungsgegegenstände wechseln sich von Raum zu Raum ab. Bei einer Virtrine verweilen wir ein wenig und hören unserem Guide aufmerksam zu.

Auf einem Gemälde ist ein Maharaja mit kunstvoll gezwirbeltem Oberlippenbart zu sehen. Dieser (wir haben den Namen leider vergessen) war der Meinung, dass solch ein Oberlippenbart besonders kämpferisch aussieht (das verstehen wir ja noch) und obendrein das einzige Unterscheidungsmerkmal zwischen Mann und Frau ist - der gute Mann sollte seine Frau(en) etwas ausführlicher ansehen.

Junagarh Fort - Museum

 

Der Maharaja war von prächtigen Oberlippenbärten so überzeugt, dass er jedem seiner Krieger, der einen solchen trug, ein extra Salär bezahlte. Diese Tradition gibt es laut unserem Guide heute noch. Staatsdiener mit massigen Oberlippenbärten brauchen länger zur Morgentoilette und erhalten daher etwas mehr Geld.

Einen Nachteil hat so ein Oberlippenbart aber auch. Wenn man Suppe isst, hängt der Bart in den Suppenlöffel. Also entweder keine Suppe essen oder sich einen eigenen Oberlippenbart-Antisabber-Suppenlöffel konstruieren lassen. Selbiger ist in einer Vitrine ausgestellt und sieht ein wenig kurios aus.

Nach obenBikaner - Jain Tempel

Jain Tempel

 

Jain Tempel
IconJain Tempel

 

Jain Tempel
IconJain Tempel

 

Jainismus ist eine sehr alte Religion, deren Gläubige alle Vegetarier sind. Ihr oberstes Gebot ist die strike Achtung allen Lebens. Etwa 1 % aller Inder praktizieren diesen Glauben. Sie achten peinlich darauf, ja kein Tier zu verletzen.

Besonders streng Gläubige tragen deshalb auch immer ein weißes Tuch vor dem Mund, um nicht irrtümlich Insekten zu verschlucken und während sie barfuß gehen, kehren sie permanent den Weg vor sich. Damit soll verhindert werden, dass auch hier keinem Tier ein Leid zustoßen kann.

Der Tempel ist dreistöckig aufgebaut. Das Erdgeschoss ist über und über bemahlt und mit bunten Statuen verziert. Selbst die bisher gesehenen Havelis wirken schlicht dagegen.

Jain Tempel

 

Jain Tempel

 

Jain Tempel
IconJain Tempel

 

Beim Aufstieg in die beiden oberen Stockwerke, welche bereits im Freien liegen, verscheuchen wir ein paar grüne Papageien von ihrem Platz. Sorry, aber wir sind gleich wieder weg.

Von hier oben haben wir einen schönen Überblick über die Altstadt von Bikaner. All die bunten Viertel der Stadt breiten sich vor uns aus. Dieser Ausblick tröstet uns auch ein wenig über den vielen Taubendreck, der hier überall klebt, hinweg (im Tempel darf man nur barfuß gehen!)

Im Eingangsbereich schläft selig und alle Viere von sich streckend der Sohn des hiesigen Priesters. Er fühlt sich sichtlich wohl im kühlen Inneren des Tempels. Sein wohlgenährtes Bäuchlein passt aber irgendwie nicht hierher. Ob er auch der Religion seine Vaters, dem Janinismus, angehört?

Nach obenWieder im Laxmi Niwas Palace

Hotel Laxmi Niwas Palace
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Hotel Laxmi Niwas Palace
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Hotel Laxmi Niwas Palace
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Nach 1½ Stunden ist die Tour auch schon wieder vorbei. Zurück im Hotel leisten wir uns eine Stunde Internet (kostet nur 100 Rupien - entspricht etwas weniger als € 2.-) und durchforsten unsere E-Mails.

In 5 Tagen haben sich 384 Mails (trotz Spam-Filter!) angesammelt. Wirklich brauchbar sind aber nur 22!

Das Abendessen genießen wir im Innenhof unseres Hotels. Dieser wird zur späteren Stunde stilvoll beleuchtet, so dass die Steinmetzarbeiten perfekt zu Geltung kommen. Musikanten und eine kleine Tempeltänzerin runden die nette Atmosphäre ab. Ach, wie das Mädchen vor der Kamera posieren kann!

Einzig die Gelsen sind ein wenig störend beim Verzehr von Tandoori, Bier, Gulab Jamun und Tee. Das Essen schmeckt hervorragend und viiiiiiel besser als gestern. Mit einer kleinen Spende an Musikanten und Tänzerin verabschieden wir uns und gehen ab ins Bett. Morgen drohen 7 Stunden Fahrt!

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