Eine Kapelle, ein Haus & eine Trauung

abendlicher Blick aus unserem Hotelzimmer in ein gegenüber liegendes Wohnzimmer
Iconabendlicher Blick aus unserem Hotelzimmer in ein gegenüber liegendes Wohnzimmer
keine Angst - der Hausabstand ist groß genug - das Foto ist mit dem Teleobjektiv aufgenommen

 

Heute weckt uns der Wecker eine gute Stunde früher als gestern. Kein Problem, da wir am Vorabend ohnehin wieder zeitig in die Federn gefallen sind. Also aufstehen und fertig machen, damit wir heute in Ruhe und ohne französisches Geplauder frühstücken können.

Gesagt, getan und als wir 3 Minuten nach 07:00 die Türen zum Speisesaal öffnen, finden wir eine noch sehr ruhige Frau Feldwebel und nur einen einzigen anderen Gast vor. Ein Brite, der still und leise sein Jogurt isst. Oh wie angenehm!

Nach dem Frühstück erkundigen wir uns bei der freundlichen Rezeptionistin, ob in der Nähe von Rosslyn Chapel - die steht nämlich auf unserem heutigen Plan - sonst noch etwas sehenswert ist. Sie ist ein klein wenig überfordert: „Äh, bin nicht aus dieser Gegend, kümmere mich aber gerne darum. Kommen Sie doch bitte in einer ½ Stunde noch mal bei mir vorbei.” OK, machen wir. Wir ziehen von dannen und geben der Dame Zeit zum Googeln.

Im Zimmer tun wir zwischenzeitlich das gleiche und finden einige alte Herrschaftshäuser, die inzwischen vom National Trust for Scotland zugänglich gemacht wurden. Die Seiten im Prospekt geknickt und wieder hinunter. Die Rezeptionisitin hat ähnliches für uns aus dem Web zusammengesucht und gibt uns ihre Ausdrucke mit. Also ab ins Auto, dem Navi sagen wohin wir wollen und los geht's. Rosslyn Chapel ist nur eine ¾ Stunde vom Hotel entfernt.

Nach obenRosslyn Chapel

Rosslyn Chapel
IconRosslyn Chapel
Seiteneingang

 

Rosslyn Chapel

 

Rosslyn Chapel

 

Wir kommen fast 30 Minuten zu früh an - geöffnet wird hier erst um 09:30. Macht ja nix, gehen wir ein bisschen herum und schauen uns die Gegend an. Brrrr, heute ist es ***kalt. Schau die Eingangstür ist ein wenig offen, ob man uns im warmen Verkaufsraum vielleicht warten lässt?

Eine der beiden Damen hat mit Alexander Mitleid - der arme erfrorene Bub - aber die zweite bleibt leider hart. Um 9:30 wird geöffnet und nicht früher! Also gut, dann laufen wir noch im Kalten ein wenig herum. Unterhalb der Kapelle sehen wir einen kleinen Friedhof. Ist leider nicht alt (eher neu) und ganz sicher nicht spannend.

Dann doch lieber wieder zurück ins Auto - dort ist uns deutlich wärmer. Alexander spielt ein wenig mit dem Autoradio, welches ohne Antenne kaum hörbare Musik von sich gibt. Ein paar Minuten vor halb neun schlendern wir zum Eingang und warten mit ein paar anderen Touristen auf den Einlass.

Zuerst sind wir fast alleine in der Kapelle. Wirklich beeindruckend! Die kleine Kirche ist über und über mit Steinmetzarbeiten verziert. Ornamente, Engel, Blumen, Girlanden, Heilige, Gesichter, Dämonen, Seile, Drachen - unvorstellbar viele Details ziehen unsere Aufmerksamkeit auf sich. Wir sind hin und her gerissen und wollen an allen Stellen gleichzeitig sein.

Langsam füllt sich die Kirche und unsere Ungeduld verstärkt sich. Tafeln wollen gelesen und verstanden, Fotos aus allen Blickwinkeln geschossen und bei allem auch noch ein wenig die Atmosphäre eingefangen werden. Karin findet einen lateinischen Spruch über dem Eingang zur Krypta, dessen Übersetzung lautet „Wein ist stark. Der König ist stärker und abermals stärker sind die Frauen. Doch die Wahrheit erobert alles.” Mysteriös!

Rosslyn Chapel

 

Rosslyn Chapel

 

Wir schließen uns der kostenlosen Führung an - sehr zu empfehlen, denn sonst hätten wir viele der kleinen, versteckten Feinheiten sicher nicht gesehen - geschweige denn ein wenig verstanden.

Beginnen wir mit den Abbildungen des „Green Man”. Über 130 Stück (wir haben nicht nachgezählt) sind über die gesamte Kapelle verteilt. Welche genaue Bedeutung der „Green Man” hatte ist unbekannt. Am wahrscheinlichsten die eines Fruchtbarkeitsgottes. Aber was macht dieser heidnische Gott mehr als 130 Mal in einer christlichen Kirche? Sehr rätselhaft.

Die Geschichte der zwei Säulen: Ein Steinmetzmeister wurde von William Sinclair beauftragt 2 einzigartig schöne Säulen zu erschaffen. Nach Fertigstellung der ersten Säule - gerade und schön mit Steinmetzarbeiten verziert - bittet er William Sinclair um ein wenig bezahlten Urlaub zur Inspiration. Sinclair willigt ein und der Meister entschwindet nach Rom.

Die Jahre vergehen und der Steinmetzmeister kommt nicht wieder. Man vermutet sogar, dass er verstorben sei, denn so eine lange Inspirationspause ist mehr als ungewöhnlich. Da erscheint dem Lehrling (er war für die niederen Dienste des Steinmetzmeisters zuständig) im Traum ein Engel, welcher ihm den Plan einer noch viel prachtvolleren Säule zeigte.

Rosslyn Chapel

 

Rosslyn Chapel
IconRosslyn Chapel

 

Rosslyn Chapel

 

Der Lehrling erzählt Sinclair von seinem Traum und bekommt die Erlaubnis diese Säule selbst zu erschaffen. Diese ist ebenfalls schön verziert aber zusätzlich auch noch gedreht. Als sie fertig ist, ist des Lehrlings Säule viel kunstvoller als die des Meisters.

Kurze Zeit nachdem der Lehrling seine Säule fertig gestellt hat, kommt der Meister von seinem Inspirationsurlaub zurück. Er sieht die 2. Säule, wird eifersüchtig und erschlägt den armen Lehrling im Zorn. Nach seiner Tat flieht er, wird aber sehr schnell gefangen genommen und zu Tode verurteilt.

Beide Gesichter kann man heute noch in Stein gemeißelt unterhalb des Chors sehen: rechts das Gesicht des Lehrlings mit Blick auf die Säule des Meisters, links das Gesicht des Meisters mit Blick auf die Säule des Lehrlings. Letzteres als zusätzliche Strafe über den Tod hinaus. Und als Draufgabe wurde die Säule des Meisters früher auch noch abgedeckt, sodass nichts die Schönheit der Lehrlingssäule beeinträchtigt.

Am Fuß der Lehrlingssäule winden sich 8 Drachen, die an die Drachen in den Wurzeln der Lebensesche Yggdrasil erinnern. Vielleicht weil die Familie der St. Clair eigentlich aus dem Norden (Orkney) kommt?

Dann zeigt man uns die Totenmaske von Robert the Bruce, dessen Herz von Kreuzrittern ins Heilige Land gebracht werden sollte, symbolisiert durch einen Engel, der eine Kiste mit einem Herz drauf in den Händen hält. Die Herzträger wurden leider vor Erreichen ihres Zieles von Mauren in Spanien gefangen genommen und ermordet.

Rosslyn Chapel
IconRosslyn Chapel
Die Säule des Gesellen

 

Rosslyn Chapel
IconRosslyn Chapel
Ein Engel mit einem Dudelsack

 

Als die Mauren später von der Absicht erfuhren, waren sie so vom Mut der Herzträger beeindruckt, dass sie zustimmten, dass Ritter kommen und das Herz in ihre Heimat zurückbringen dürfen. Angeblich befindet sich das einbalsamierte Herz nun in der Melrose Abbey, während die sterblichen Überreste bereits zuvor in Dunfermline beigesetzt waren. Die Familie Sinclair hat vermutlich am Kreuzzug teilgenommen.

Weiter geht unsere Führung zur Lady's Chapel. Hier wurden eine Vielzahl an Engeln mit alten, teilweise nicht mehr bekannten Musikinstrumenten in Stein gemeißelt. Sehr sehenswert sind auch die 213 Steinwürfel, die gleich Stalaktiten von der Decke ragen. Sind das vielleicht „Musiksteine” mit Noten?

Bisher ist die Bedeutung dieser Muster noch unbekannt, vieles wurde hineingedeutet, aber niemand konnte eine schlüssige Erklärung bringen. Die Legende besagt, wenn zur richtigen Zeit (astronomisch und/oder astrologisch) die richtige Melodie nach den Noten an der Decke gespielt wird, dann wird die Kapelle ihre Geheimnisse preis geben. Mystisch, mystisch!

Apropos mystisch: Unter der Kapelle befindet sich angeblich ein Gewölbe, das mindestens noch einmal so tief, wie die Kapelle hoch ist und sicherlich seit mehr als 200 Jahren nicht geöffnet wurde. Man findet den Eingang nicht mehr.

Vom Hl. Gral über einen unermesslichen Templerschatz bis zu toten Rittern in voller Rüstung vermutet man allesmögliche darin zu finden. Ein Besucher hat letztens sogar gemeint, dass der verschwundene Elvis vielleicht da unten Konzerte gibt.

Rosslyn Chapel

 

Rosslyn Chapel

 

Rosslyn Chapel
IconRosslyn Chapel

 

Was zeigt man uns noch alles in der Kapelle: so vieles! Unter dem Schlussstein des Kreuzgewölbes kreuzen sich genau 2 Leylines. Klar, dass wir uns beide unter den Schlussstein gestellt haben um zu fühlen, welche Wirkung die gekreuzten Leylines auf uns haben. Das Ergebnis bleibt aber unser Geheimnis.

Teilweise sind in der Kapelle Pflanzen abgebildet, welche in Amerika gedeihen und damals eigentlich noch vollkommen unbekannt waren. Die Entdeckung Amerikas geschah erst nach dem Bau der Kapelle. Eindeutig können wir Maiskolben und Aloe Vera erkennen. Wie geht denn das wieder?

Die Decke, welche in 5 verschiedene Abschnitte geteilt ist, wurde mit Sternen, Rosen, Lilien und Gänseblümchen verziert. Teilweise sind sogar Gesichter und Symbole wie z.B. ein segnender Jesus zwischen den Ornamenten versteckt.

In William Sinclairs Entwürfen war Rosslyn Chapel eine Kathedrale. Da Sinclair aber schon zu Baubeginn für damalige Verhältnisse unglaubliche 50 Jahre alt war (durchschnittlich wurde ein Mann in jenen Tagen nur 37 Jahre alt), erstellte er Pläne für die Fertigstellung nach seinem Tod und hinterließ auch ein entsprechendes Vermögen. Er wurde zwar fast schon unsterbliche 90, erlebte aber die Fertigstellung trotzdem nicht.

Sein Nachkomme hatte für das Vermögen augenscheinlich andere Verwendung. Er ließ die Mauern einfach schließen und so wurde aus der geplanten Kathedrale diese kleine, wenn auch außergewöhnliche Kapelle.

Die Marienstatue und die Orgel stammen aus viktorianischer Zeit. Königin Viktoria war über den Zustand der lange Zeit ungenutzten und teilweise zerstörten Kapelle schockiert und ordnete diese Verschönerung an.

Rosslyn Chapel
IconRosslyn Chapel

 

Rosslyn Chapel

 

Derzeit wird die Kapelle restauriert und ist eingerüstet. Der Anblick der Kapelle erinnert daher mehr an eine Darbietung des modernen Verhüllungskünstlers Christo und weniger an Mittelalterromantik. Da das Gerüst auch für Touristen geöffnet wird - Dankeschön! - können wir so manchem Detail am Dach näher kommen als wir uns das je gedacht hätten. Auch nett!

Eintritt Rosslyn Chapel: £ 7.- pro Person

Nach so viel Esoterik wenden wir uns nun den leiblichen Genüssen zu. Wo ist bitte das nächste nette Landgasthaus am Weg nach Newhailes? Wir sind hungrig! Nix zu finden. Ok, dann wählen wir einen Supermarkt und kaufen uns Sandwichs. Diesen entdecken wir recht bald, parken doch mitten auf der Straße die Autos der Einheimischen - so nach dem Motto „I wohn da!” - andere Länder andere Sitten.

PS: Verzeih uns bitte die schlechte Qualität der Fotos in und um Rosslyn Chapel, aber bei beiden Kameras (besonders bei der Nikon D200 & ein wenig besser machte es die Canon G7) hat der automatische Weißabgleich in dieser Kirche jämmerlich versagt. Wir versuchten am heimischen PC aus dem Gedächtnis die Farben nachträglich wieder zu „normalisieren”, was aber nur bedingt funktioniert hat. Daher sehen diese Fotos leider alle etwas „anders” aus.

PPS: Da wir noch die unbehandelten JPGs (leider keine RAWs) haben, sind wir über jeden Hinweis, wie wir die Fotos verbessern können, seeeeehr glücklich.

Nach obenNewhailes

Unser nächstes Ziel ist Newhailes (wird auch vom National Trust for Scotland verwaltet) ein Herrenhaus aus dem späten 17. bzw. frühen 18. Jahrhundert mit originalen Inneneinrichtungen, handbemalten Tapeten im China-Stil und hervorragenden Holzarbeiten. Newhailes zählt zu den wichtigsten Rokoko Häusern Schottlands (soweit die Beschreibung im Reiseführer).

Newhailes
IconNewhailes
im Innenhof der ehemaligen Stallungen

 

Bumm, der National Trust for Scotland nimmt's von den Lebenden! Ganze £2.- verlangt man von uns alleine fürs Parken (für Mitglieder kostenlos) und zusätzlich £20.- Eintritt. Na hoffentlich ist Newhailes diesen Preis auch wert.

Café, Ticketausgabe und Treffpunkt zur Führung sind alle in den ehemaligen Stallungen angesiedelt. Als sich unsere Führerin nähert ist gerade mal ein 2. Paar anwesend. Fein nur 4 Leute bei Führung, sehr privat!

Während wir zum Haus spazieren, erklärt sie uns, dass Newhailes 1686 erbaut, Stück für Stück erweitert wurde und zum Schluss im Besitz von Sir Mark Dalrymple (gestorben 1971) und seiner Gattin Lady Antonia Dalrymple war. Letztere übergab 1997 das Anwesen an den NTS, welcher seither das Haus konserviert und nicht restauriert (soll so bleiben wie es ursprünglich war).

Schon in der Eingangshalle fallen einem die vielen Muscheln auf. Über den Türen, an den Wänden, hier gemalt dort als Stukverzierung - fast überall sehen wir Muscheln. Kein Wunder, dass das Gebäude auch Muschelhaus genannt wird. Verwunderlich ist aber die Tatsache, dass obwohl die Herrschaften fast jede/s Papier/Rechnung/Konstruktion/... archivierten (und alles ist heute noch lesbar) es keinerlei Aufzeichnung gibt warum das Haus überall mit Muscheln verziert wurde.

Newhailes
Heutige Vorderansicht - ehemals Rückseite

 

Aber die Eingangshalle hat noch eine weitere Kuriosität zu bieten: Die Vorder- und Rückseite des Hauses wurde im Laufe des Bestehens umgedreht, d.h. wo früher der Dienstboteneingang war, gingen die Herrschaft ein und aus und umgekehrt. Durch diesen Tausch war es möglich, dass das Gebäude einfacher an das öffentliche Straßennetz angebunden wurde. Die immer schon bestehende Symmetrie des Herrenhauses machte dieses Umdrehen ganz einfach möglich. Klug vorausgedacht oder Glück gehabt .

Nach der Eingangshalle folgt als erster Raum das Wohnzimmer. Wieder dominieren die Muscheln - dieses Mal am Ende der Kordeln, rund um den Kamin, als Sessel, uvm. Unsere Führerin zeigt uns viele kleine Details und geleitet uns danach weiter in die Bibliothek.

Staun & Augen weit auf! Die Bibliothek war einer der vorhin erwähnten Anbauten. Mit ihr wurde das Haus schlagartig um ein ¼ in der Länge und über die ganze Höhe (beide Stockwerke) vergrößert. Entstanden ist somit ein eindrucksvoller Saal, dem zum damaligen Glanz heute leider nur noch die Bücher fehlen. An den Wänden sieht man noch die dunklen Holzregale aber diese sind fast ganz leer.

Newhailes

 

Die Bücher wurden zum Begleichen der Erbschaftssteuer verwendet und sind jetzt in der Nationalbibliothek ausgestellt. Der NTS bemüht sich, dass man zumindest einen Teil der Bücher wieder an ihren ursprünglichen Platz bewundern kann, die Nationalbibliothek rückt sie aber nicht heraus.

Diese hat vielmehr Angst, dass die wertvollen Exponate in Newhailes keine optimalen Bedingungen vorfinden (Temperaturschwankungen, erhöhte Luftfeuchtigkeit durch die Besucher) und so die Kunstwerke langsam zerstört würden. Vielleicht findet man einmal einen Kompromiss? Es bleibt zu hoffen!

Im Anschluss an die Bibliothek dürfen wir noch einen Blick in ein kleines Zimmerchen werfen, in dem eine der Besitzerinnen Newhailes über all die Jahre die sie im Haus verbrachte, verschiedene exquisite Porzellangegenstände zusammentrug.

Die Dame war leider äußerlich eine wenig entstellt (sie hatten eine Buckel) und verließ nur selten den Schutz ihres Hauses. Da sie sich aber fürs Lesen nicht erwärmen konnte (bei den vielen alten Büchern, die Sir David hinterlassen hatte wirklich eine Schande!) ging sie durchs Haus und „sammelte” Porzellangegenstände. Na ja, auch eine Freizeitbeschäftigung.

Foto: Vis-à-Vis Schottland
Vis-à-Vis Schottland

 

Jetzt geht es wieder zurück in die Eingangshalle, an deren anderen Ende eine Truhe steht (na weißt Du's schon? - richtig: mit Muscheln verziert) welche bei Übernahme durch den NTS verschlossen war. Schlüssel gab es keinen und auch Lady Dalrymple hatte keine Ahnung, welchen Inhalt die Truhe hatte. Ein Schlosser war schnell gefunden und flugs offenbarte die Truhe ihr Geheimnis.

Im Inneren fand man einen wunderschön gearbeiteten Bettüberwurf, perfekt erhalten und farbenfroh wie wahrscheinlich am ersten Tag. Selbigen Bettüberwurf sehen wir später in einem Zimmer im Obergeschoss.

Als nächstes betreten wir den ersten Raum auf der linken Seite des Haus - das Esszimmer. Damit der Raum höher und imposanter auf die BesucherInnen wirkte, wurde einerseits der Boden ein wenig abgesenkt und die Decke soweit wie möglich angehoben. Um zu beeindrucken wurden damals weder Kosten noch Mühen gescheut. Der Raum wurde komplett in grün-gold dekoriert und strahlt auch heute noch Eleganz aus.

Fein, dass die ehemaligen Eigentümer immer nach der Devise lebten: was Rokoko ist, darf nicht verändert werden. Denn so wurden der Speisesaal und auch das anschließende Gästezimmer in ihrem ursprünglichen Design erhalten. Über die Bedienstetentreppe gelangen wir in das obere Stockwerk.

Hier ist es nicht mehr ganz so prunkvoll wie in den „öffentlicheren” Räumen im Erdgeschoss. Trotzdem wurde darauf geachtet, dass die Herrschaften mit Stil leben konnten. Da passten natürlich die Dienstboten, welche täglich das heiße Wasser zur Wanne brachten und dabei vor dem Ehebett vorbei gehen mussten, so gar nicht ins Konzept. Was hat sich den der Architekt dabei nur gedacht?

Vis-à-Vis Schottland
die alte Vorderfront

 

Die Lösung war rasch gefunden und noch rascher umgesetzt. Das Alkovenbett wurde nach vorne gesetzt und der so entstandene Platz dahinter zu einem schmalen und engen Gang umfunktioniert. Schon können die Dienstboten sich leise und ohne die Herrschaft zu stören täglich um das Warmwasser kümmern. In den Gängen hängen weiters viele Portraits der Ramseys, deren Familienmitglieder größtenteils angesehene Richter und Mitglieder des schottischen Parlaments waren.

Über die Haupttreppe - diese verziert ein sehenswertes italienischen Spiralgeländer - gelangen wir in den Keller. Hier befinden sich die Küche, Waschküche, Vorratskammern, Geschirrraum und alle sonstigen Räumlichkeiten, welche für den Betrieb eines Hauses notwendig sind.

Das Haus verlassen wir durch einen langen Tunnel, welcher direkt zur Küche führt. Dieser in die Erde getriebene Tunnel wurde zum Zeitpunkt des Tausches (Vorder- und Rückseite) errichtet. Ohne ihn hätten die Lieferanten ihre Waren beim schönen Eingang abgeliefert oder wären für alle sichtbar rund ums Haus gegangen - undenkbar.

Ganz zum Schluss der Führung erfahren wir noch eine kleine Anekdote. Lady Antonia, die letzte Besitzerin und Witwe des verstorbenen Sir Mark Dalrymple, sperrte einst den Dienstboteneingang zu und vergaß diesen Umstand 40 Jahre lang. Die Arbeiter des NTS waren die ersten, welchen auffiel, dass das Dach über dem Eingang längst zusammen gestürzt ist. Eine sonderbare Gestalt, die Lady Antonia.

Eintritt Newhailes: £ 10.- pro Person, Fotografieren im Inneren leider strikt verboten - sehr, sehr schade, denn Motive gäbe es hier genug.

Nach obenLinlithgow Palace

Linlithgow Palace

 

Linlithgow Palace
IconLinlithgow Palace

 

Linlithgow Palace
IconLinlithgow Palace

 

Nach Hause fahren oder noch eine letzte Sehenswürdigkeit ansehen? Sehenswürdigkeit! Also dann auf nach Linlithgow Palace, welches oft als das Versailles der Könige Schottlands bezeichnet wird und in dem Maria Stuart (Mary Queen of Scotts) 1542 geboren wurde.

Das Navi lotst uns wieder perfekt zum Ziel - nur wo bitte ist hier ein freier Parkplatz? Vielleicht dort oben, bei der Kirche? Leider nein, Sackgasse. Obendrein kommen uns unzählige Pärchen - die Männer alle in bester schottischer Festtagstracht - aus der Kirche entgegen. Genau wegen dieser Hochzeit sind beide nahe gelegenen Parkplätze überfüllt.

Wir finden in einer der kleinen Nebengassen einen Platz fürs Auto - ist hier wirklich free parking? - und spazieren den Berg hinauf zum Linlithgow Palace. Der Palast wurde im 15. Jahrhundert von James I. erbaut. Heute verwaltet ihn Historic Scotland und so kostet für uns der Eintritt nix mehr.

Linlithgow Palace
IconLinlithgow Palace

 

Linlithgow Palace
eine schottische Hochzeit

 

Linlithgow Palace
IconLinlithgow Palace
The great Hall

 

Die Ruine ist quadratisch um einen Innenhof angelegt, dessen Mitte ein toller Brunnen (ähnlich dem vor Holyroodhouse Palace) ziert. An den 4 Ecken ragen hohe, wehrhafte Türme empor und verstärken so den Eindruck der imposanten Anlage. Was James I. begann, erweiterte James III. und nach diesem James IV., James V. und James VI. Jeder bastelte (pardon, ließ erweitern) ein wenig an Linlithgow Palace herum.

Wir betreten das Castle über eine der Wendeltreppen in einem Turm und handeln uns von Raum zu Raum weiter. Fast in allen Räumen stehen Informationstafeln (sogar auf deutsch übersetzt) und geben uns so einen guten Einblick in die Geschichte der königlichen Residenz.

Linlithgow Palace

 

Linlithgow Palace
IconLinlithgow Palace

 

Linlithgow Palace
IconLinlithgow Palace

 

Besonders beeindruckend sind die „Great Hall” mit ihrem riesigen offenen Kamin, der fast die ganze Breite einer Wand ausfüllt und die ehemalige Kapelle. Auch der Ausblick von so manchem Fenster auf den das Schloss umgebenden kleinen See (Linlithgow Loch) ist nicht von schlechten Eltern.

So sehen wir uns Stockwerk für Stockwerk an. Aber nicht die Orientierung verlieren! Alexander zieht es wieder einmal hoch hinauf. Bei einem der Türme besteht die Möglichkeit bis ganz an die Spitze zu steigen. Jauh - Linlithgow Palace von oben!

Ganz oben angekommen, bläst uns der Wind heftig um die Ohren. Karin zieht es daher vor, sich ins etwas windgeschützte Wächterhäuschen zu verdrücken - Alexander kreist herum und schießt ein Foto nach dem anderen. Schau da unten im Burghof ist auch das Hochzeitspaar samt Verwandtschaft. Ja, die Ruine ist sicher eine super Kulisse. Nur der Wind ist ein wenig kontraproduktiv und s**kalt. Die Damen frieren in ihren Sommerkleiderln und auch den Herren scheint es in ihren Röcken nicht sonderlich warm zu sein. Schönheit muss leiden!

St. Michael's Parish Church

 

St. Michael's Parish Church
IconSt. Michael's Parish Church

 

St. Michael's Parish Church
IconSt. Michael's Parish Church

 

St. Michael's Parish Church liegt gleich neben dem Palastausgang aber als wir auf den Eingang zu steuern, wird dieser gerade von der Frau des Pastors verschlossen. Schade, wir sind zu spät dran. Halt - doch nicht! Der Pastor öffnet noch mal und führt uns stolz durch seine Kirche (sehr zum Missfallen seiner Gattin).

Nachdem wir das 1992 zum 750. Jahrestag der Gründung installierte neue Buntglasfenster zum Thema Pfingsten von Crear McCartney bewundert haben, verabschieden wir uns höflich und verlassen die Kirche. Wir wollen ja die Geduld der Pastorengattin nicht über Gebühr strapazieren.

Eintritt Linlithgow Palace: £ 5.- pro Person

Wieder zurück in Edinburgh genießen wir eine Tasse Tee in unserem schönen Zimmer, sichten unsere heutigen Fotos und vermerken ein paar Stichworte. Danach zieht es uns wie gestern Abend an die Bar - das Abendessen ruft. Mit der netten australischen Bedienung tauschen wir im Laufe des Abends immer wieder Erfahrungen aus. So, genug für heute - morgen in der Früh wird gepackt und danach geht es wieder zurück nach Wien. Gute Nacht!

zu den FAQs und den Kommentaren
Auf der letzten Seite dieses Reiseberichtes findest Du die Fragen unserer BesucherInnen, welche uns im Laufe der Zeit erreichten und hast selbst die Möglichkeit einen Kommentar zu diesem Reisebericht zu hinterlassen.
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