Die 3 Jakobs

der nette Blick aus unserem Hotel- zimmer im Knipoch House Hotel

 

Rrrring - guten Morgen - 6:45 Uhr - der Wecker schallt und reißt uns etwas unsanft aus unseren Träumen. Aber die Zeit stimmt. Wir wollen vor dem Frühstück noch unsere Koffer packen. Das Frühstück ist wieder sehr gut. Auch können wir heute wieder den netten Platz vorm großem Doppelfenster ergattern. Rechtzeitiges Erscheinen sichert einfach die besten Plätze. So versüßt uns die Aussicht auf Loch Feochan unseren bevorstehenden Abschied zusätzlich.

Beim Zahlen der Rechnung treffen wir wieder auf die nette Rezeptionistin vom ersten Tag, welche uns über ihren gestrigen Unfall berichtet - das stark deformierte Auto steht noch am Hotelparkplatz. Sie bog gestern nachmittags vom eigenen Parkplatz auf die Hauptstraße ein, als ein Motorradfahrer mit stark überhöhter Geschwindigkeit um die Ecke raste und auf ihren Kofferraum prallte.

Gott sei Dank verletzte sich der Motorradfahrer nur gering und konnte die Unfallklinik gleich wieder verlassen. Wenn nun auch noch der Zeitwert des Autos höher als die Reparatur des Schadens ist, ging es für alle Beteiligten glimpflich aus. Hoffentlich!

Nachdem wir die Rechnung bezahlt haben, bemüht sich Alexander noch unser Auto außen ein wenig vom Schmutz der letzten Tage zu befreien. Zuerst wird er selbst gebadet - der Gartenschlauch ist nur optisch gut mit dem Wasserhahn verbunden - dann erweist sich der Vogeldreck auch noch als ausgezeichnet am Autoblech haftend. Naja, ein wenig besser sieht unser Auto zwar aus aber von sauber ist es noch meilenweit entfernt.

Nach obenStirling Castle

Stirling Castle
IconStirling Castle

 

Kilchurn Castle/Loch Awe

 

Los geht es in Richtung Edinburgh. Das Wetter ist heute nicht besonders. Wir fahren etwa 2½ Stunden durch den Nationalpark von Loch Lomond und den Trossachs. Prinzipiell ist die Gegend sicher nett, aber derzeit prasselt der Regen fast kontinuierlich (richtig schottisch ) nieder und färbt alles in undefinierbares Grau ein.

Die kurvenreiche Strecke und einige große LKWs erschweren das Autofahren. Zum Überhohlen ist leider kaum Platz bzw. der Gegenverkehr verhindert das Ausnützen der wenigen Möglichkeiten. Alexander ist genervt und daher sehr froh als endlich das Ortsschild Stirling erscheint. Geschafft!

Stirling Castle ist leicht zu finden. Es befindet sich über der Altstadt auf dem Castle Hill, einem steil aufragenden Hügel vulkanischen Ursprungs. Das Schloss wird von Historic Scotland verwaltet und somit ist der Eintritt mit unserer Jahresmitgliedschaft bereits bezahlt. Sogar für die beiden Audioguides (ein multimedialer Hochgenuss - sehr zu empfehlen!) erhalten wir 20% Ermäßigung.

Stirling Castle
Blick auf den Friedhof von Stirling

 

Stirling Castle
IconStirling Castle
Bowling Green Garden

 

Stirling Castle
Bowling Green Garden

 

Schon nach wenigen Minuten tauchen wir in die Welt Jakob IV., Jakob V. und Jakob VI. ein - alle 3 Herrscher waren maßgeblich am Aus- und Umbau des Schlosses beteiligt. Von passender Musik untermalt präsentiert uns eine angenehm klingende Stimme ein Highlight nach dem anderen. Wer Lust und Zeit hat kann fast zu jedem Punkt noch zusätzliche Informationen abrufen. Und ganz nett finden wir es, dass der Hl. Petrus (oder ist es St. Columban oder doch St. Patrick - egal, wer auch immer für das Wetter zuständig ist) an uns denkt und es nun nicht mehr regnet.

Wir durchschreiten das Torhaus (bestand früher aus 4 höheren Türmen von denen heute nur mehr aus 2 übrig sind) und gelangen zuerst in den unteren Innenhof (Guardhouse Square), lassen das Castle Cafe rechts liegen (immer gut zu wissen wo die WCs sind und Speisen & Getränke verkauft werden) und gehen in Richtung des mittleren Innenhofes (Outer Close). Von hier haben wir einen guten Blick auf die beiden bedeutendsten Gebäude des Schlosses: die Große Halle (Great Hall) und den königliche Palast (Palace).

Stirling Castle
Great Hall

 

Stirling Castle
Great Hall

 

Stirling Castle
Great Hall

 

Die Große Halle wurde von 1501 bis 1504 im Renaissance-Stil erbaut und ist mit 138x47 ft (ca. 42x14 m) größer als der Saal im Edinburgh Castle, welcher „nur” 95x41 ft (knapp 29x12.5 m) misst. Selbst heute, im 21. Jahrhundert wirkt der Saal groß - wie imposant muss der riesige Raum erst um 1500 auf die Adeligen gewirkt haben?

Ein denkwürdiger Tag in der Geschichte des Schlosses war der 30. August 1594. Prinz Henry wurde gerade in der Kapelle getauft und man gab zu seinen Ehren in der Großen Halle ein Festessen. Das Highlight dieses Banketts ist ein 12 m langes Holzschiff, welches über und über mit Köstlichkeiten beladen von der Decke in den Saal gleitet. Die 36 Kanonen schießen Salut und alle Gäste staunen. Doch dann passiert ein Unglück!

Die Tafel bricht unter dem ungeheuren Gewicht zusammen und all die Leckereien verteilen sich kreuz und quer im Festsaal. Tumult bricht aus. Schottische und englische Edelmänner nutzen dieses Chaos als Chance alte Rechnungen zu begleichen und prügeln kräftig auf den jeweils anderen ein. Aufruhr, Krawall, Lärm, Unruhe! Erst einige Zeit später (die Bediensteten haben alle Hände voll zu tun um die „Edelmänner” an die frische Luft zu zerren) beruhigt sich die Lage. Das Fest ist zu Ende!

Stirling Castle
IconStirling Castle
in der Schlosskapelle

 

Stirling Castle
IconStirling Castle
James V.

 

Stirling Castle
IconStirling Castle
Palast

 

Nach einem kurzen Besuch der Schlosskapelle (The Chapel Royal) - diese ist im Inneren eher schlicht gehalten und zeigt aktuell 2 Nachbildungen berühmter Tapisserien - wenden wir uns dem königlichen Palast zu. Dieser wurde zwischen 1537 und 1543 erbaut und ist eine stilistische Kombination aus Renaissance und Spätgotik.

Überraschend ist, dass dieses majestätisch Gebäude nur 6 Zimmer umfasst. König und Königin hatten spiegelgleich je 3 Räume: Wartesaal (mit den Wachen), Audienzsaal (zum Empfang wichtiger Gäste) und das Schlafzimmer (wer hier empfangen wurde, war sehr privilegiert).

Die Decken des königlichen Audienzsaales waren einst mit kreisförmigen, aus Eichenholz geschnitzten und bemalten Porträts geschmückt, den „Stirling Heads”. Laut Wikipedia können sie heute im Smith Institut in Stirling und im National Museum of Antiquities in Edinburgh bewundert werden.

Stirling Castle
im Löwengrube

 

Stirling Castle
Blick auf Stirling Stadt

 

Der königliche Palast umschließt auch einen kleinen Innenhof, „Löwengrube” (Lion's Den) genannt. Wie der Innenhof zu seinem Namen kam, ist nicht sicher belegt. Löwen haben in der schottischen Wappenkunde immer schon eine große Bedeutung gehabt. Vielleicht erhielt der Innenhof daher seinen Namen. Vielleicht wurde aber auch im Innenhof wirklich einmal ein Löwe gehalten (das arme Tier). Zumindest wurde 1537 James V. ein solcher geschenkt.

Wie auch immer der Löwenhof zu seinem Namen kam, sicher ist, dass König, Königin und deren Hofstaat sich gerne im Löwenhof aufgehalten haben. Der Grund ist recht einfach: er ist vollkommen uneinsichtig!

Die Außenfassaden des Palastes sind mit einer Vielzahl an Renaissance Figuren kunstvoll verziert. Auch hier sind sich die Gelehrten über die einzelnen Bedeutungen nicht ganz einig. Vermutungen über Andeutungen und verborgenen Sinn wechseln sich mit bloßer Abbildung oder Verzierung ab. An einer der Ecken in luftiger Höhe ließ sich James V. bekleidet mit bürgerlichem Gewand in Stein verewigen.

Als 4. Gebäude schließt der alte Königspalast (King's Old Building) den Innenhof (Inner Close) ab. Heute ist hier das Museum des Argyll and Sutherland Highlanders-Regiments untergebracht. Militärisches ist nicht so ganz unseres. Dafür meldet sich Huuuuuunger! Also legen wir einen Stopp im Castle Café ein und stärken uns mit Sandwichs & Getränken.

Stirling Castle
IconStirling Castle
Grand Battery

 

Stirling Castle
IconStirling Castle
Grand Battery

 

Stirling Castle
IconStirling Castle
Douglas Garten

 

Am Weg zu den Magazinen kommen wir an Teilen der ehemaligen Küchen (mit animierter Ausstellung) vorbei, durchqueren das Nordtor und landen schlussendlich bei den Tapestrie Studios. Man zeigt uns mit welchem Aufwand man hier versucht, die originalen Tapisserien zu kopieren. Die japanische Spezialistin erklärt geduldig allen Wissbegierigen, wie viel Arbeit notwendig ist um einen Wandteppich in dieser Qualität und Größe herzustellen. Da muss nebst Können schon auch eine ordentliche Portion Passion dabei sein.

Am Weg zum Ausgang fällt uns wieder die - für uns sehr gewöhnungsbedürftige - gelbe Außenfarbe der Großen Halle auf. Kaum vorstellbar, dass früher alle Gebäude mit dieser Farbe angestrichen waren. Sieht ganz anders aus als der übliche nackte Stein.

Fast 3 Stunden haben wir nun in der Burg verbracht - das Castle ist wirklich sehr impoposant und bietet viel Interessantes - aber jetzt geht unsere Reise wieder weiter nach Edinburgh.

Eintritt Stirling Castle: £ 8.50 pro Person

Nach obenEdinburgh

1 Stunde später stehen wir in der Straße unseres Hotels (Channings) und sind ein wenig verunsichert. Haben wir wirklich eine gute Wahl getroffen? Hier stehen nur schmale Wohnhäuser eng nebeneinander (so eine Art englische Reihenhaussiedlung aus der Zeit König Edwards. Sind wir vielleicht doch in der falschen Straße? (Google Maps Street View)

Edinburgh
Sir Walter Scott Denkmal - schottischer Schriftsteller (* 1771 / † 1832)

 

Edinburgh

 

Nein, die Straße stimmt und vor dem Eingang weht auch eine Fahne mit der Aufschrift unseres Hotels. Wie üblich bleibt das große Gepäck vorerst im Auto, die Fototaschen kommen mit. Na mal sehen. An der Rezeption werden wir sehr nett empfangen. Auch erstmalig auf unserer Reise werden wir aktiv nach unseren Koffern gefragt, welche man uns gerne ins Zimmer bringen möchte.

Unsere Suite liegt direkt unter dem Dach, ist modern eingerichtet und hat ein enorm großes Badezimmer. Problemlos haben hier Badewanne, Walking Shower, WC, Waschbecken und ein Korbsessel Platz. Das ebenfalls große Wohn/Schlafzimmer bietet neben dem Doppelbett, eine gemütlicher Couch, eine Ecke mit Schminktischchen (diese hat Alexander in eine PC-Foto-Ecke umgewandelt) und einen nettem Blick auf winzige Gärten. Hier fühlen wir uns sicher die nächsten 3 Tage sehr wohl.

Und was machen wir nun mit dem angebrochenen Nachmittag? Wir gehen noch ein wenig zum Sightseeing in die Innenstadt. Der freundliche Concierge zeigt uns am Plan wie nahe doch die Innenstadt ist und so machen wir uns auf den Weg. Hui, die Innenstadt ist zu Fuß doch ganz schön weit weg - sah am Plan alles viel näher aus.

Nach 15 Minuten sind wir doch tatsächlich schon bis zur ersten, an die Innenstadt grenzenden Kreuzung vorgedrungen, weitere 20 Minuten später stehen wir endlich vor einer jungen Info-Stand-Lady und erkundigen uns nach einem Bus-Ticket für 4 Tage.

Preis für 1 Tages-Busticket Edinburgh: £ 1.50 pro Person, Einzelfahrt: £ 1.00 pro Person

Es gibt 1- oder 7-Tage-Tickets und jedes Ticket gilt nicht 24 bzw. 168 Stunden ab Ausstellung sondern bis zum Tagesende. Ok wir nehmen ab morgen die 1-Tages-Tickets und planen heute wieder eine Abendwanderung zum Hotel ein. Abendessen kaufen wir bei Marks & Spencer in der Lebensmittelabteilung ein - hat eine sehr große Auswahl an fertigen Speisen. Nur Alexanders Wunsch nach einer Flasche Coca Cola Light wird dort nicht erfüllt (lässt sich aber am Weg beim nächsten Fish &Chips Laden erledigen).

Den Rest des heutigen Abends verbringen wir am Zimmer mit Abendessen, ein wenig Reisebericht schreiben und der Auswahl des morgigen Must-See-Programmes - gute Nacht.

zu den FAQs und den Kommentaren
Auf der letzten Seite dieses Reiseberichtes findest Du die Fragen unserer BesucherInnen, welche uns im Laufe der Zeit erreichten und hast selbst die Möglichkeit einen Kommentar zu diesem Reisebericht zu hinterlassen.
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