Seen, Berge und Bergvölker

Bongiorno! Gut haben wir geschlafen, wenn auch diesmal die Matratze wieder etwas wabernd war und Alexander bei einem nächtlichen Spaziergang ins Bad gegen die geschlossene Zimmertür gelaufen ist. Zum Glück nicht allzu heftig, sodass des Morgens keinerlei Spuren zu sehen sind - weder an ihm noch an der Türe.

Das Frühstücksbuffet ist sehr gut und der kredenzende Ober ganz entzückend. Er erzählt doch tatsächlich, dass das Rezept für die frische Topfentorte von seiner Frau Mutter sei, die - an ihm selbst gemessen - sicherlich schon ein biblisches Alter erreicht hat. Bestens gestärkt und aufmerksamst bedient verlassen wir das nette Hotel und machen uns auf den Weg zu unserem heutigen Etappenziel: Mals in Südtirol.

Nach obenMontagnola und das Hermann Hesse-Museum

Montagnola
IconMontagnola

 

Montagnola
IconMontagnola

 

Zunächst geht es vom Lago Maggiore zum Lugano See. Auch hier ist die Landschaft malerisch, wenn wir sie auch nicht ganz so lieblich empfinden, wie die Gegend rund um den Lago Maggiore. Nach einigen Kilometern bergauf und bergab sieht Karin plötzlich eines der braunen Schilder, welche üblicherweise auf Sehenswürdigkeiten hinweisen.

Hier geht es zum Hermann Hesse-Museum in Montagnola! Als erklärte Hesse-Liebhaberin bittet Karin gleich um einen Besuch der Bleibe des verehrten Schriftstellers und Alexander willigt gerne ein.

So finden wir uns wenig später im verschlafenen Örtchen Montagnola, hoch über dem Lugano See wieder. Das Auto stellen wir am dem Museum nächst gelegenen Parkplatz ab und gehen die wenigen Schritte bis dorthin zu Fuß. Durch enge winkelige Gässchen führt der Pfad, zu guter Letzt durch einen Torbogen hindurch. „Pfui!” rufen wir beide fast gleichzeitig aus.

Allerdings meinen wir's ironisch, denn wir sehen eine wunderschön verschnörkelte Villa, inmitten alter Platanen. Einfach idyllisch! Das Museum ist im so genannten Torre Camuzzi untergebracht, einem Nebengebäude der alten Villa, die den Namen Casa Camuzzi trägt.

Wir begleichen den Eintritt von € 5,- pro Person und beginnen die Besichtigung. Gleich um die Ecke zum Eingang ist ein ausführlicher Lebenslauf zu lesen und es gibt Kopfhörer, auf denen Hesse selbst aus seinen Werken vorträgt.

Blick auf den Lugano See
IconBlick auf den Lugano See
Leider ist es jetzt gerade sehr dunstig, aber der Ausblick ist trotzdem nett.

 

Montagnola, Casa Camuzzi

 

Schreiben kann er gut, der Hermann Hesse, aber das Lesen ist für unser beider Geschmack zu langsam und daher etwas einschläfernd.

Wir steigen Stock um Stockwerk höher im Turm, betrachten Fotos des Schriftstellers, seiner Familie und Freunde, lesen das eine oder andere interessante Detail von seinen Reisen oder aus seinem Leben und schauen uns die verschiedenen Ausstellungsstücke an. Hesses Schreibmaschine steht auf dem Schreibtisch vor dem offenen Fenster, leise erklingt Klaviermusik.

Alles vermittelt eine ungemein friedliche und harmonische Stimmung. Kein Wunder, dass hier so schöne Zeilen wie z.B. „Stunden im Garten” entstanden sind. Nach ca. einer Stunde verlassen wir das Museum. Schade nur, dass man den Garten nicht besichtigen kann und er - leider für die Besucher, zum Glück für die Besitzer - von außen nicht einsichtig ist.

Als Erinnerung an den Ort kauft Karin noch ein kleines Buch „Freude am Garten”. Es vereint alles, was ihr lieb ist: Texte und Gedichte von Hesse zum Thema Garten sowie einige seiner farbenfrohen Aquarelle und alte Fotos. Sicherlich wird sie lange Freude an diesem Souvenir haben.

Nach obenComer See

Unsere weitere Route führt uns jeweils ein Stück entlang dem Lugano und dem Comer See weiter nach Südtirol. Streckenweise kommt der Verkehr in den kleinen Orten am Wasser fast zum Erliegen - eigentlich ohne ersichtlichen Grund.

in der Nähe des Passo di Foscagno
Iconin der Nähe des Passo di Foscagno

 

Am Comer See erleidet ein wirklich betagter Autofahrer vor Wut beinahe einen Herzinfarkt, weil Alexander ihn aufgrund seines Schneidens anhupt. Unglaublich, wie sehr sich manche Menschen doch aufregen können.

Die Fahrt Richtung Sondrio stellt für Alexander eine besondere Nervenprobe dar, da es hier sehr viel Schwerverkehr auf einspuriger Straße gibt. Man schleicht ewig und 3 Tage hinter den Lastern her, bis man dann endlich überholen kann, nur um sich kurz darauf hinter dem nächsten Lkw einzubremsen. Lähmend!

Höher und höher führt die Straße den Berg hinauf und es wird auch immer kühler. Die schneebedeckten Gipfel sind zum Greifen nahe und spätestens als wir lesen, dass der Umbrailpass gesperrt ist, merken wir, dass wir das Höhenniveau glatt nicht bedacht haben.

Obwohl unser Navigationssystem hartnäckig ist, so hat es doch mit unserer Sturheit oder besser gesagt mit dem gesperrten Pass nicht gerechnet. Doch nach einigen Kilometern gibt es schließlich auf, akzeptiert, dass wir eben über den offenen Foscagno-Pass nach Mals wollen und berechnet die Route neu.

in der Nähe des Passo di Foscagno
Iconin der Nähe des Passo di Foscagno

 

in der Nähe des Passo di Foscagno

 

Wir legen einen kurzen Stop ein, um zumindest fotografisch die 2291 Höhenmeter zu dokumentieren und Jacken bzw. lange Hosen anzuziehen. Was für ein Kontrastprogramm wir heute haben - vom warmen Klima der Seen mit üppiger Vegetation zu den kargen Gletschern.

Wir wechseln die Grenzen von Italien zur Schweiz und wieder zurück in ganz kurzen Abständen. Zum Abschluss, kurz bevor wir hinunter nach Mals kommen, müssen wir noch durch den 3,5 km langen und engen Tunnel von Munt la Schera. Die Mautstation befindet sich mitten auf der Staumauer Lago Livigno und der Tunnel kann wegen seiner Enge nur im Einbahnsystem befahren werden. Zum Glück ist das hier ein Winterskigebiet und wir haben keine Hochsaison. Sonst können die Wartezeiten wohl etwas länger dauern. Die Maut kostet € 10.- pro Pkw.

Kurvig geht es danach hinab durch sattgrüne Wiesen, vorbei an kleinen Bächlein und windschiefen Steinhütten. Wir denken an den Almöhi, Heidi und auch an Ötzi.

Nach obenMals in Südtirol

Mals
IconMals
Blick von unserer Terrasse im Hotel Margun

 

In Mals steuern wir das erste 4-Sterne Hotel an, um ein Zimmer für die Nacht zu bekommen. Pech gehabt, alles ausgebucht. Etwas widerwillig aber doch telefoniert der Rezeptionist auf unsere Frage nach einer Empfehlung hin mit einigen anderen Hotels in der Umgebung und nennt uns schließlich das Hotel Margun nur wenige 100 Meter entfernt.

Wir versuchen unser Glück zuerst noch etwas näher der Churburg in einem anderen 4-Sterne Hotel, wo es aber leider auch nichts Freies gibt. Beim Hotel Margun erleben wir dann dafür die herbe Herzlichkeit des südtiroler Bergvolkes.

Auf unsere Bitte hin, einen Blick in das Zimmer werfen zu dürfen - schließlich kann man ja von der Rezeption nicht immer auf Bad und Bett schließen - wird die Dame ziemlich unwirsch. Was das soll, dass heute alle die Zimmer anschauen wollen und sie rennt sicher nicht mit uns die Treppen runter und wieder rauf. Spricht's und schmeißt uns den Zimmerschlüssel mit einer knappen Wegbeschreibung auf die Theke. Na bumm! Hier geht's aber hantig zu.

Das Zimmer gefällt uns nichts desto trotz recht gut und ob des recht moderaten Preises bleiben wir hier für die Nacht. Auch das Abendessen im Restaurant - wir sind heute nicht zum Einkaufen gekommen - schmeckt uns und so beschließen wir diesen Tag nach Fotos speichern und Reisebericht schreiben bei österreichischem Fernsehprogramm.

Und morgen klettern wir dann auf die nahe Churburg ...

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