Autos, Rom und eine Tabakmoschee

Gläserne Manufaktur

 

Gläserne Manufaktur

 

Auch heute beginnt unser gemeinsamer Tag wieder mit einem Treffen beim Frühstücksbuffet - diesmal mit einem Gläschen Prosecco als Add-on. Während wir uns an den Speisen gütlich tun, besprechen wir nochmals das Programm für heute, auf das wir uns schon gestern geeinigt haben.

Wir splitten uns in zwei Gruppen auf: Alexanders Vater Ferdinand, Karin und Alexander werden die gläserne Manufaktur von VW besuchen, während Alexanders Bruder Harald gemeinsam mit Mutter Hedi nochmals einen Besuch des Neuen Grünen Gewölbes machen wird, eventuell gefolgt vom Albertinum und der Porzellansammlung im Zwinger. Technik versus schöne Künste also sozusagen.

Zum gemeinsamen Aufbruch haben wir uns um 9:15 Uhr in der Lobby verabredet. Ferdinand wartet bereits, Harald und Hedi entschließen sich dann kurzfristig, doch ein wenig später loszu­ziehen. Kein Problem da unsere beiden Gruppen ja unabhängig voneinander sind.

Nach obenDie gläsernen Manufaktur

Gläserne Manufaktur

 

Gläserne Manufaktur

 

So zieht das technikaffine Trüppchen alsbald los, um mit der gläsernen Manufaktur etwas ganz Besonderes zu entdecken. Seit 2001 produziert VW sein Modell Phaeton nach einem ganz neuen Konzept hier in Dresden: traditionelle Manufaktur kombiniert mit innovativer Technik und das mitten in der Stadt auf einem Grüngelände.

Nicht nur für den betuchten Kunden wird das Abholen des Wagens hier zum ganz besonderen Erlebnis, auch den BesucherInnen wird einiges geboten.

Als wir drei ankommen, müssen wir noch ein bisschen auf die nächste Führung warten. Kein Problem, denn in der Lounge des Besucher­zentrums kann man angenehm die Zeit verbringen und auch das eine oder andere ansehen.

So z.B. einen riesigen weißen Seiden­lampion, der irgendwie an einen Kokon und an Aliens erinnert. Tatsächlich ist es aber ein begehbares Kugelhaus und stellt eine Reminiszenz an das erste Kugelhaus der Welt dar, das hier zwischen 1928 und 1938 an gleicher Stelle stand.

Alsbald holt uns und die anderen BesucherInnen der Kleingruppe eine dezent elegant gekleidete Dame zur Führung ab. Durch das hochmoderne Besucher­zentrum werden wir charmant geleitet und fühlen uns ein, eineinhalb Stunden lang fast, als würden auch wir hier demnächst unsere Luxus­limousine abholen.

Gläserne Manufaktur

 

Gläserne Manufaktur

 

Neben den architektonischen Besonder­heiten und der konzeptionellen Bedeutung ist auch die Fertig­ungs­straße sehr interessant anzusehen.

Roboter werden nur dort eingesetzt, wo sie dem Menschen wirklich Unterstützung bieten können, etwas beim Heben und Fortbewegen. Alles andere ist immer noch gute, alte Handarbeit.

Die Zeit vergeht wie im Flug bei dieser kurzweiligen Führung und schon sind wir auch wieder am Ende unseres Besuches angelangt. Beeindruckt verlassen wir die Gläserne Manufaktur und betrachten das Gebäude, nun im Lichte des Erfahrenen, auch von außen mit etwas anderen Augen.

Ferdinand hat sich nach der Anstrengung ein wenig Ausruhen und wird von uns zur Straßen­bahn begleitet, die ihn bequem Richtung Hotel bringt. Wir beide haben dann noch etwas anderes vor, denn gleich neben der Gläsernen Manufaktur beginnt ein Reich, dessen Zauber Karin unter gar keinen Umständen widerstehen mag. Die beiden magischen Worte, welche es beschreiben lauten: Großer Garten.

Nach obenGroßer Garten: Der größte Park Dresdens

Großer Garten, Carolasee

 

Großer Garten, Palais
IconGroßer Garten, Palais

 

147 Hektar umfasst das soge­nannte grüne Herz Dresdens, das mit seinem früh­barocken Palais ein eindrucks­volles Zeugnis barocker und englischer Land­schafts­garten­gestaltung ablegt.

Über die Jahr­hunderte konnte sich hier eine artenreichen Pflanzen- und Tierwelt entwickeln, welche den Park zu einem Erholungsort für Einheimische und Ausflugsziel für Gäste der Stadt machen.

Ziemlich bald, nachdem wir das grüne Gelände betreten, fühlen wir uns fast in den heimatlichen Wiener Prater versetzt. Da fährt ja eine Liliput-Bahn!

Großer Garten

 

Großer Garten

 

Ein paar Hundert Schritte weiter gelangen wir dann zum Höhe­punkt des Großen Gartens, dem Palais. Als ältester barocker Palaisbau in Sachsen erstrahlt es heute wieder im alten Glanz. Unzählige Reliefs und Skulpturen schmücken die Gebäude­fassade.

Im Inneren birgt das Erdgeschoss originale Skulpturen des sächsischen Barock, die bei Sonder­aus­stellungen und Führungen besichtigt werden können. Im von der Zerstörung 1945 noch immer gezeichneten Ober­geschoss finden heutzutage Konzerte und Theater­auf­führungen statt.

Nach ausgiebiger Bewunderung des Palais führt uns der Weg vorbei an Pfingst­rosen, Iris und Lupinen wieder zurück auf die belebte Straße, wo wir die Tram zu unserem nächsten Besichtigungspunkt besteigen. Wir haben uns vorgenommen, das Panometer zu besuchen, wo derzeit Rom 312 zu besichtigen ist.

Nach obenPanometer Dresden

Gasometer, Nähe des Panometer

 

In einem ehemaligen Gasometer, das aufgrund seiner baulichen Gegeben­heiten bestens für die Installation eines 360-Grad-Gemäldes geeignet ist, befindet sich ein Panoramabild des Künstlers Yagedar Asisi.

106 Meter langen und 31 Meter hoch ist das Gemälde, das basierend auf einer Darstellung aus dem 19. Jahr­hundert von Josef Bühlmann und Alexander Wagner den Einzug Kaiser Konstantins nach Rom im Jahre 312 n.Chr. zeigt – und zwar im Maßstab 1:1.

Schon die Fahrt mit dem Bus ist ein kleines Abenteuer, dass uns an Dresdens Stadt­rand bringt. In eine Gegend, in der man sich auch den Dreh eines Vorstadt­krimis oder einer skurrilen Serie wie unsere MA2412 gut vorstellen kann.

Garnisonkirche St. Martin (Simultankirche)

 

Garnisonkirche St. Martin (Simultankirche)

 

Die Installation selbst ist wirklich sehr beein­druckend. Von einer erhöhten Rampe aus kann man das Treiben in der antiken Stadt bei wechselnder Tages­zeit beobachten. Von der Morgen­dämmerung bis zur finsteren Nacht gibt es immer wieder Details, die man trotz stunden­langen Schauens noch gar nicht bemerkt hat. Dazu der epochale Sound­track von Eric Babak und schon glaubt man fast, selbst in den engen Gassen zu wandeln.

Uns hat das ganze so beeindruckt, dass wir uns beim Verlassen des Panometers auch gleich noch das Buch und die CD zur Erinnerung mitgenommen haben.

Auf dem Weg retour von den alten Gasometern beschließen wir, noch weitere unbekannte Gegend von Dresden kennen­lernen zu wollen und so landen wir beim zentralen Arsenalgebäude und der Garnisonkirche St. Martin.

Nach obenGarnisonkirche St. Martin

Garnisonkirche St. Martin (Simultankirche)

 

Garnisonkirche St. Martin (Simultankirche)

 

Letztere trägt auch den Namen Simultan­kirche und schon bald erschließt sich uns die Bedeutung dieses eigenartigen Namens: hier wurden Soldaten sowohl protestantisch-lutherischer als auch katholischer Konfession seelsorgerisch betreut! (Seit 1945 wird jedoch nur mehr der katholische Teil sakral genutzt)

Von außen nicht gleich zu erkennen ist die strikte Trennung der beiden Kirchteile. Die Simultan­kirche besitzt ein angedeutetes Kirchenschiff in Kreuzform, das aber durch eine Mauer getrennt wird. Da wird man doch gleich an Berlin vor der Wiedervereinigung erinnert.

Der katholische Teil befindet sich im östlichen Langhaus, der evangelische nimmt das angedeutete Querhaus ein und fällt etwas größer aus. Es erstaunt direkt, dass das Gotteshaus nur einen Kirchturm hat, der allerdings genau zwischen den beiden Gebäudeteilen sitzt.

Militaerhistorisches Museum

 

Erst während des Baus wurde festgestellt, dass der Entwurf eine Sakristei gänzlich vermissen ließ. Die benötigten Räume wurden also nachträglich hinzugefügt, was auch eine Erklärung für die niedrigen, wie Anbauten wirkenden Gebäude­teile auf der Südseite liefert.

Dafür gibt es zwei Orgeln für die beiden Teile der Kirche. Ursprünglich sollten sie Rücken an Rücken an der Trennwand aufgebaut werden. Während des Einbaus stellte sich jedoch heraus, dass die Orgel im katholischen Teil nicht passte, so dass sie stattdessen an der Süd­fassade installiert wurde, wo sie ein Fenster verdeckt. Nun ja, manchmal muss man sich eben kompromissbereit zeigen

Im Anschluss an diese für uns durchaus kuriose Kirche mit ihrer strikten Trennung, statten wir auch noch dem Arsenal­haupt­gebäude einen Besuch ab.

Nach obenArsenalgebäude

Militaerhistorisches Museum
IconMilitaerhistorisches Museum

 

Das aus den 1870er Jahren stammende Gebäude, welches auf 2 Stock­werken einst als Waffen­lager diente, wurde 1918 gänzlich zum Militär­historischen Museum der Bundeswehr umgewandelt, das es auch heute noch ist.

Mit dieser Umwidmung ging auch die sehr markante Umgestaltung des Portals einher. Der sogenannte Libeskindkeil, ein Metall­keil nach Entwürfen des Architekten Daniel Libeskind, durchtrennt nun das Gebäude und soll nach dem Willen des Künstlers zum Nachdenken anregen.

Das tut er auch, genauso wie zum Fotografieren, denn der starke Kontrast zwischen den klassizistischen Mauern und dem modernen Metallkeil ist wirklich sehr spannend.

Der Obrichtplatz mit seinem Denkmal der roten Armee bildet den Abschluss unseres kleinen Ausfluges in die militärische Geschichte von Dresden, denn nun zieht es uns wieder in uns bekanntere Gefilde. Wir möchten uns nochmal die lebensfrohe Buntheit der Kunsthof-Passage ansehen.

Nach obenKunsthof-Passage

Kunsthof-Passage, Hof der Elemente
IconKunsthof-Passage, Hof der Elemente

 

Kunsthof-Passage, Hof der Elemente

 

Kunsthof-Passage, Hof der Metamorphosen

 

Selbige leuchtet uns bereits an einer Ecke der Görlitzer Straße unüber­sehbar entgegen. Ein Eckhaus, in dem sich derzeit ein offenbar geschlossenes Lokal befindet, für das ein Nachmieter gesucht wird, strahlt in allen Farben des Regenbogens und macht schlagartig gute Laune.

Nur wenige Schritte später stehen wir dann im Hof der Elemente und beobachten fasziniert, wie tatsächlich der Sonnenschein von der Hauswand in das goldene Innere des Hofes gelockt wird. Ein wunderbares Schauspiel.

Fahrrad mit großem Stoffbär
IconFahrrad mit großem Stoffbär

 

Kunsthof-Passage, Hof der Tiere

 

Ebensolches bietet sich an der gegenüberliegenden Mauer, die ganz in Blau gehalten und dem Wasser gewidmet ist. Durch Trichter und Rinnen fließt und tröpfelt es an den Mauern entlang, sammelt sich wieder und ergießt sich schließlich über bemooste Pflastersteine in den Gully.

Durch den Hof des Lichts, wo kleine Spiegeln selbiges ins Innere holen, den Hof der Tiere, wo Giraffen die Farbe von der Hauswand fressen während Affen sich dazu lustig schaukeln und schließlich den Hof der Metamorphosen mit seinen bunten Läden und Blumengeschäften, schlendern wir wieder hinaus auf die Görlitzer Straße.

Ja was ist denn das? Hier sitzt doch tatsächlich ein Teddy auf einem abgestellten Fahrrad und wartet, dass sein Besitzer oder seine Besitzerin wiederkommt und die lustige Fahrt durch die Neustadt weitergeht.

Rosengarten, Plastik Genesung

 

Romain-Rolland-Gymnasium

 

Gleich auf der gegen­über­liegenden Straßen­seite befindet sich das Thalia, eines der kleinsten Dresdner Kinos. Ganze 75 Sitz­plätze bietet es und das Schild „Cinema. Coffee and Cigarettes” weist auf die Besonderheit hin, dass bis 2008 hier auch geraucht werden durfte.

Unser Weg führt uns vorbei am Romain-Rolland-Gymnasium (RoRo), einem schön restaurierten Jugend­stil­gebäude, das auch schon eine bewegte Geschichte hinter sich und mehrere in Deutschland bekannte SchülerInnen hervor gebracht hat.

Buntes Wohnhaus
IconBuntes Wohnhaus

 

Rosengarten

 

Dann landen wir schließlich im sogenannten Rosengarten am Elbufer. Das Areal wurde in den Jahren 1935-37 gestaltet, zeigt rund 120 verschiedene Rosensorten und steht heute unter Denkmalschutz.

Die Zeit für einen Besuch ist wahrscheinlich etwas später im Jahr noch günstiger, da die meisten Rosensträucher erst Knospen zeigen, die erst in ein paar Wochen erblühen werden.

Wir genießen den Spaziergang in der Anlage trotzdem und folgen unserem Weg vorbei an schlichten Wohn­häusern mit bunten Fassaden und der bereits bekannten Gläsernen Manufaktur, bis zum Fabriksgebäude Yednize.

Nach obenYenidze

Yenidze

 

Yenidze
IconYenidze

 

Yenidze
IconYenidze

 

Dieses Gebäude im Stil einer orientalischen Moschee, von den Dresdnern auch liebevoll Tabak­moschee genannt, war einst Zigaretten­fabrik, später Tabak­kontor und ist heute Büro- und Geschäfts­haus. Unter der weithin sichtbaren Kuppel befindet sich ein Restaurant mit herrlicher Aussicht über die Stadt.

Hermann Martin Hammitzsch errichtete Anfang des 20. Jahr­hunderts die Zigratten­fabrik im Auftrag von Hugo Zietz, nachdem er zuvor zwecks Anregung den Orient bereist hat – ebenfalls im Auftrag des Bauherren. Der Bau ist denn auch nach dem Vorbild des Mamelucken-Grabes des Khair Bak in Kairo gestaltet. Interessant auch, dass der Name Yednize der alte Name der nord­griechischen Klein­stadt Giannitsa ist, die für Tabakanbau bekannt war.

Zwinger
IconZwinger

 

Altstadt
IconAltstadt

 

Altstadt, Spiegelung

 

Das un­ge­wöhn­liche Bauwerk führte übrigens auch dazu, dass Hammitzsch aus dem äußerst kon­ser­va­tiven Dresdner Berufs­verband der Architekten ausgeschlossen wurde.

Seine offensichtlich glücklose Karriere beendete der spätere Schwager von Adolf Hitler 1945 abrupt, als er sich als über­zeugter National­sozialist freiwillig selbst das Leben nahm. Das traurige Schicksal des Architekten tut jedoch glück­licher­weise der Schön­heit des Baus keinen Abbruch und so begeben wir uns nach eingehender Bewunderung der schönen Fliesen und Verzierungen auf die Terrasse des Kuppel­restaurants, wo wir unter einem Sonnenschirm Platz nehmen und uns mit der restlichen Familie verabreden.

Altstadt
IconAltstadt

 

Kathedrale St. Trinitatis
IconKathedrale St. Trinitatis

 

Nach und nach treffen Alexanders Mutter mit seinem Bruder Harald und schließlich auch Vater Ferdinand ein. Bei Sundowner und Knabbereien berichten wir einander von den Erlebnissen des heutigen Tages und genießen die wirklich großartige Aussicht über die Stadt.

Als wir schließlich in Richtung Hotel aufbrechen, geht die Sonne langsam unter und taucht die barocken Gebäude auf unserem Heimweg in ein wunderbar weiches, goldenes Licht.

Nachdem die Licht­verhältnisse so großartig sind, begleiten wir die Familie nur schnell zum Hotel, wo wir das Stativ holen und uns gleich wieder aufmachen, um die Gunst der blauen Stunde zu nutzen.

Alexander fängt dieses besondere Flair mit Geduld und Geschick ein und es entstehen großartige Abend­auf­nahmen von Dresden, die uns noch lange an diesen erlebnisreichen Tag erinnern werden.

Gute Nacht und bis morgen, wo ein neuer Tag mit seinen Abenteuern für uns anbricht!

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