Gewürze, eine Bootsfahrt und tanzende Männer

Frühstück

 

Frühstück

 

Die Sonne blinzelt durch die Terrassen­tür in unser Hotelzimmer. Guten Morgen, aufgestanden!

Nach der Morgen­toilette schauen wir auf den Wetterbericht. Heute soll ein sehr heißer Tag werden! Wie gut, dass wir für den Nachmittag die Bosporus-Kreuzfahrt gebucht haben.

Der kühle Fahrtwind am Schiff wird sicher angenehm sein und dass wir nicht in der Hitze herumlaufen, sondern die Landschaft an uns vorbeigekurbelt wird ;-), ist bestimmt auch kein Nachteil.

Während des wie immer köstlichen Frühstücks schmökern wir ein wenig in unserem Reise­führer, um uns Anregungen für die Gestaltung des Vor­mittags zu holen. Zwar haben wir uns bei Concierge Ozzy nach einer empfehlenswerten Route erkundigt, der Vorschlag hat auch ganz gut geklungen, so ganz hundertprozentig hat er uns jedoch nicht zum Jubeln gebracht.

Nach obenVierteln Balat und Fener

Fener

 

Fener

 

Im Reise­führer lesen wir von einem Spaziergang durch die Vierteln Balat und Fener, die ehemals jüdisch bzw. griechisch waren. Das klingt interessant und so beschließen wir, auf diese Weise Neues von Istanbul kennen­zulernen.

Ein Taxi soll uns vom Hotel zur Ahrida Synagoge in Balat bringen, wo der Spazier­gang beginnt. Der Rezeptionist gibt noch letzte Anweisungen an den Fahrer und los geht's. Wir sind gespannt auf die Synagoge aus dem 15. Jahr­hundert, die eine der bedeutendsten des ehemals jüdischen Balat sein soll. Die Erbauer sind mazedonischer Herkunft.

Auch Schabbatai Zvi (Sabbatai Zwi), Mystiker, Kabbalist und selbst ernannter Messias, soll in der Ahrida Synagoge gepredigt haben, bevor er zum Islam konvertierte.

Kethueda Camii

 

Fener
IconFener

 

Dazu verhalf ihm der Sultan des osmanischen Reiches, der ihn einkerken ließ und schließlich vor die Entscheidung stellte entweder Muslim zu werden oder seine Berechtigung als Messias durch ein Gottes­urteil unter Beweis zu stellen. Schabbatai wurde Muslim und blieb es bis zu seinem natürlichen Tod.

Nach einmaligem Fragen des Taxlers landen wir schluss­endlich zwar vor einer Synagoge, die sich im nach­hinein aber nicht als die richtige erweist und außerdem bumm-fest zu ist. Nun gut, soweit also dazu.

Wir stolpern ein wenig durch die Straßen in diesem Viertel, das recht authentisch wirkt und jede Menge Lokal­kolorit aufweist. Weit und breit sind keine anderen Touristen auszumachen. Hm, ist das nun ein gutes oder schlechtes Zeichen? Trotz heftigen Bemühungen gelingt es uns nicht, auf dem Plan in unserem Reise­führer unseren Standort zu finden. Wir sind etwas orientierungslos.

Nach obenBulgarisch-Orthodoxe Kirche St. Stefan

Bulgarisch-Orthodoxe Kirche St. Stefan

 

Bulgarisch-Orthodoxe Kirche St. Stefan
IconBulgarisch-Orthodoxe Kirche St. Stefan

 

Dem Verkehrslärm folgend gelangen wir schließlich zur stark befahrenen Ufer­straße und in Sicht­weite der bulgarischen Kirche St. Stefan. Am Weg dort hin durch­queren wir eine Art Park mit großer Wiese und Obst­bäumen. Wir beobachten einen Schuh­putzer, der vor uns geht und sein Zeugs in einem hölzernen Kasten zur Arbeit trägt.

Im Gehen verliert er eine seiner Bürsten, die geräuschlos im Gras versinkt. Wir heben die Bürste auf und rufen dem jungen Mann nach.

Er ist ein Schwarzer, der sich über­schwenglich für unsere Freund­lichkeit bedankt und dafür unsere Schuhe putzen will. Sehr widerstrebend halten wir ihm nach mehreren Ablehnungs­versuchen schließlich unsere Füße hin.

Zuerst Alexander, dessen Nikes mit nassem Bürsterl seitlich und oben gesäubert werden. Dann Karin, die Trekking-Sandalen anhat. Diese werden nur seitlich mit trockenem Bürsterl behandelt.

Bulgarisch-Orthodoxe Kirche St. Stefan
IconBulgarisch-Orthodoxe Kirche St. Stefan

 

Als wir uns für diese Gegenleistung bedanken und gehen wollen, erzählt uns der Herr Schuhputzer plötzlich eine ur-rührselige Geschichte von 4 Kindern wovon eines furchtbar krank im Spital sei und ganz dringend einen Rollstuhl benötige.

Alexander holt den Schotter aus seinen Hosentaschen und gibt dem jungen Mann 5 TL in Münzen. Der wird aufeinmal frech und meint, dass nur Papier­geld hilft und seine Dienste normalerweise 18 TL pro Paar geputzter Schuhe kostet, er uns also ein Service für 36 TL angedeihen lassen hat. Genug, wir gehen.

Er ruft uns nach, ob wir ihn nicht bezahlen wollen. Alexander reicht ihm wieder die 5 TL, die der Schwarze schließlich wider­willig und unter Protest annimmt. Da vergeht es einem schon ein bisserl, anderen Leuten ihr verlorenes Zeugs aufzuheben und nachzutragen.

Bulgarisch-Orthodoxe Kirche St. Stefan
IconBulgarisch-Orthodoxe Kirche St. Stefan

 

Durch des Gärtners Seiten­eingang gelangen wir nun in Kirchhof und Garten von St. Stefan, bulgarisch-orthodoxen Kirche.

Glücklicherweise gibt es hier bei so gut wie jedem Gotteshaus, egal ob muslimisch oder christlich, eine Toilette und so wird das vordringlichste Bedürfnis befriedigt. Erleichtert und wesentlich entspannter nehmen wir auf einer schattigen Bank Platz und lesen im Reiseführer über die Kirche nach.

Der bulgarisch-orthodoxen Gemeinde in Konstantinopel wurde von einem osmanischen Staatsmann einstmals ein Holzhaus geschenkt, das 1849 zur Kirche geweiht und für Gottes­dienste genutzt wurde. 1870 wurde die Kirche zu einer wichtigen Stätte der bulgarischen Unabhängig­keits­bewegung.

Nach einem Brand im hölzernen Gebäude erhielten die bulgarischen Christen am 25. Juni 1890 vom Sultan die Erlaubnis, neben der Holz­kirche ein neues Gotteshaus zu bauen. Hovsep Aznavor, der armenische Architekt, entschied sich wegen des schwachen Untergrunds für eine leichte Konstruktion aus Stahl. So entstand das, was man eine Eisenkirche nennt.

Bulgarisch-Orthodoxe Kirche St. Stefan

 

Der tragende Rahmen besteht aus Stahl, die Außen­haut aus gusseisernen Platten, die miteinander vernietet, verschweißt und durch Bolzen verbunden sind. Ist das Gebäude auch leicht und nicht vom Versinken auf dem schwachen Boden bedroht, so sind es doch andere Dinge, die der Kirche schwer zu schaffen machen.

Jahrhunderte lang der Witterung ausgesetzt, leidet die Eisenkonstruktion heute besonders unter der fortschreitenden Korrosion des Materials und es haben sich auch Risse in den Eisenplatten gebildet. Seit 2005 versucht man, dem fortschreitenden Verfall Einhalt zu gebieten und restauriert kontinuierlich.

Von Innen können wir St. Stefan leider nicht besichtigen, aber auch so war das Bauwerk einen Besuch wert.

Nach obenRüstem Pascha Moschee

Griechisch-orthodoxes Gymnasium Phanar

 

Griechisch-orthodoxes Gymnasium Phanar

 

Nach ein paar Schritten weiter auf unserem Weg erreichen wir die Fährstation und beschließen, mit dem Boot zurück in die Nähe der Galata­brücke zu fahren.

Fein, dass Fähren zu den öffentlichen Verkehrs­mitteln hier in Istanbul gehören, denn im Sommer ist das ganz besonders angenehm.

Bereits vom Boot aus werfen wir nochmals einen Blick zurück auf Fener und das griechisch-orthodoxe Gymnasium, das sich über den bunten Häusern am Hügel erhebt. Wenn diese Besichtigungs­tour auch vielleicht nicht ganz so gelaufen ist, wie wir uns das vor­gestellt haben, so war es doch ereignis­reich und etwas, was nicht jeder Istanbul­besucher erlebt.

Die Anlegestelle, an der wir wieder aussteigen, befindet sich vis-a-vis der Taubenkobel-Moschee, was wir gleich zum Anlass für einen Besuch nehmen.

Rüstem Pasa Camii
IconRüstem Pasa Camii

 

Rüstem Pasa Camii
IconRüstem Pasa Camii

 

Rüstem Pasa Camii

 

Die Rüstem Pascha Moschee, wie der eigentliche Name lautet, denn auf­grund der vielen Tauben, die vor den zahl­reichen Moscheen von den Besucher­Innen eifrig gefüttert werden, tragen hier sehr viele Andachts­stätten den Beinamen Tauben­kobel, Tauben­schlag oder werden einfach Tauben­moschee genannt, wurde 1561 von Großwesir Rüstem Pascha gestiftet.

Rüstem Pasa Camii
IconRüstem Pasa Camii

 

Rüstem Pasa Camii

 

Hübsch anzusehen ist das Innere des Gebäudes, das ebenfalls ein Werk nach Plänen des Architekten Sinans ist.

Licht fällt durch die schönen Bunt­glas­fenster und lenkt den Blick auf die prächtig bemalten Kuppeln und die blauen Iznik-Fliesen, die auch hier den (Farb-)Ton angeben.

Nach obenGewürzbasar

Gewürzbasar

 

Gewürzbasar
IconGewürzbasar

 

Anschließend schauen wir auf den Gewürzbasar, der nur wenige Schritte entfernt ist. Hmmmmm, hier riecht es gut nach allerlei Gewürzen und Tees.

Auch das Auge wird durch die vielen bunten Häufchen angesprochen, zu denen Tee, Gewürze, blitzblaues Waschpulver und natürlich auch Süßigkeiten angerichtet sind.

Wir kaufen ein Säckchen getrockneten „Fruchtcocktail” von einem sehr netten, deutsch sprechenden Türken, der in den letzten 2 Monaten seit er das Geschäft hier am Bazar hat, schon 10 Kilo zugenommen hat - sagt er. Das können wir gut verstehen, so lecker wie das Zeugs schmeckt!

Gassel rauf und runter schlendern wir langsam und gemächlich wieder zurück zu unserem Hotel Amira. Für ein Mittagessen kehren wir auf ein Pide mit Käse und einen Tomaten-Gurkensalat in das Lokal am Platzerl oberhalb des Gemüsemarkts ein.

Gewürzbasar
IconGewürzbasar

 

Gewürzbasar
IconGewürzbasar

 

Tagtäglich kommen wir hier mindestens einmal vorbei und heute ist es tatsächlich zu einer Zeit, wo auch die Küche geöffnet hat.

Die Bedienung ist freundlich, das bestellte Futter schmeckt ganz ok. Ein bodenständiges, rasches Mittagessen eben. Zum Abschied serviert man uns gemeinsam mit der Rechnung Apfeltee, den wir sehr mögen.

Ernüchtert sind wir erst als wir auf Nachfrage, was das für ein leckeres Getränk sei und ob man das kaufen könne, erfahren, dass es sich um ein Granulat aus der Plastikdose handelt. Psst, nicht weiter drüber nachdenken.

Im Hotel angekommen bleiben uns noch 30 Minuten für ein Mittagsschlaferl, bevor wir für unser Nachmittagsprogramm los müssen. Schnell hinlegen! Wir sind von der Hitze, dem Herumlatschen und dem Mittagessen ohnehin völlig fertig und fallen sofort ins Koma. Wir schlafen tief und fest, bis uns der Wecker eine halbe Stunde später wieder aus Morpheus Armen holt.

Nach obenBootsfahrt am Bosporus

Gewürzbasar

 

Gewürzbasar

 

Zum Aufstehen gibt es Kaffee und eines der gekauften türkischen Gutsis sowie im Anschluss eine erfrischende Dusche zum Munterwerden. Kaum ist alles erledigt, hüpfen wir auch schon wieder die Treppen hinunter, denn nun geht es zur nachmittäglichen Bootsfahrt.

Der Bus ist pünktlich, was man nicht von allen Gästen behaupten kann. Aber was soll's, wir haben Urlaub. Wir machen also eine Zuckel-Tour durch die Altstadt, um auch die anderen Gäste von diversen Hotels abzuholen - naja, langweilig.

Bevor es an Bord des Ausflugs­bootes geht, bekommen wir als besonderes Service nochmal 30 Minuten, um uns den Gewürz­bazar anzusehen. Nachdem wir diesen schon kennen, waren wir doch erst heute Vormittag hier, gehen wir einmal außen herum. Hier gibt es einen Blumen- und Tiermarkt.

Gewürzbasar

 

Gewürzbasar

 

Neben Vogel­futter und Hunde­leinen gibt es auch lebende Vögel, sowie Haserln und kleine Hunde, die in der Hitze in winzigen Käfigen schmachten. Wirklich arm!

In einem Café vor dem Gewürzbasar suchen wir Schatten unter einem großen Schirm und trinken Apfeltee. Es ist wirklich ur-heiß heute!

Das Ausflugs­boot, bei dem wir irgendwann dann doch ankommen, ist groß und mit noch 3 oder 4 anderen Bussen ist die Tour voll. Wir suchen uns einen Platz am Oberdeck und genießen das Nichtstun und vor allem den kühlenden Fahrtwind.

Den Bosporus geht es nun zuerst auf der europäischer Seite entlang. Die Seele Istanbuls, welche Europa von Asien trennt und das Schwarze mit dem Marmara Meer verbindet, hat bei den Ein­heimischen ein paar nicht ganz so wohl­klingende Spitz­namen.

Hotel Kempinski (Ciragan Palace)

 

Dolmabahce Palast

 

Bogaz, deutsch Schlund, ist einer und er klingt ein wenig abwertend. Nicht besser hört sich Kuh-Furt an, was eine andere gebräuchliche Bezeichnung ist.

Letztere geht wenigstens auf eine göttliche Legende zurück, nach der die jungfräuliche Priesterin Io sich Heras Eifersucht zugezogen hat, weil sie Zeus Aufmerksamkeit (und wahrscheinlich nicht nur diese) durch ihren Liebreiz erregt hat.

Kurzerhand verwandelte Hera die arme Io in eine Kuh und schickte ihr gleich auch noch eine Bremse hinterher, damit das Vieh niemals stehen bliebe und Zeus keine Gelegenheit für ein Abenteuer geben konnte. Mit einer Kuh? Naja, Götter eben…

Ortaköy

 

Ortaköy, Mecidiye Moschee

 

Kuh Io soll jedenfalls die erste gewesen sein, die durch den Bosporus watete und die Kontinente wechselte.

Auf der europäischen Ufer­seite sehen wir so bedeutende Gebäude wie die Dolmabahce Moschee und den Palast, die Hotels Four Seasons und Kempinski. Am ehemaligen Fischer­dörfchen Ortaköy fahren wir vorbei und an einem sehr exklusiven „Badeschiff”, wo sich ein Wellness-Club riesigen Ausmaßes befindet.

„Suada” nennt sich diese Wasser­insel, auf der sich die Reichen und Schönen Istanbuls sonnen. Ein Besuch ist aber nur auf Ein­ladung oder nach Reservierung auf Empfehlung eines Mitgliedes möglich. Na bumm, klotzen statt kleckern.

BBosporus Brücke

 

Suada (Wasserinsel), Badeschiff

 

Das Klotzen passt auch zu den zahl­reichen netten Villen mit traum­haftem Blick, die ebenfalls das Ufer säumen. Einige der schönsten Traumhäuser hier in allerbester Lage sind diese entzückenden, alten Holz­bauten, die sorgfältig restauriert und frisch gestrichen wurden.

Wir fahren unter der Bosporus Brücke durch und kommen an Rumeli Hisari, einer osmanischen Festungs­anlage aus dem 15. Jahr­hundert vorbei. „Abschneider der Meerenge” wird die Ruine auch genannt, die Sultan Mehmed II. im Zuge der Vor­bereitung zur Belagerung Konstantinopels an der schmalsten Stelle des Bosporus errichten ließ.

Heute dient die 1953 restaurierte Rumelische Festung als Museum und im Sommer als Veranstaltungsort für Konzerte berühmter türkischer Musiker.

Rumeli Hisari
IconRumeli Hisari

 

Arnavutkoey

 

An der Fatih-Sultan-Mehmet Brücke wendet unser Ausflugs­schiff und wir fahren nun dem asiatischen Ufer entlang wieder retour in Richtung Stadt.

Zuerst fällt uns auf, dass die asiatische Seite grüner und weniger dicht besiedelt wirkt, doch schon bald merken wir, dass sie es fast noch besser kann als das europäische Ufer. Restaurierte alte Holzvillen, Paläste, Gärten, chillige Terrasse, teure Motoryachten … wow! Ein Ufer der Superlative.

Bosporus Bootsfahrt, asiatische Seite
IconBosporus Bootsfahrt, asiatische Seite

 

Bosporus Bootsfahrt, asiatische Seite

 

Da die Erklärungen, die über die Bordlaut­sprecher über die Decks scheppern, sowohl akustisch schlecht verständlich als auch nicht so rasend spannend sind, drücken wir uns die Kopfhörer der iPods ins Ohr und hören super Musik zu super Bootifahren.

Und dazu kühlt uns der Fahrtwind angenehm … ach, das Leben ist gut zu uns.

Die restliche Fahrt genießen wir also versunken in den Anblick der tollen Umgebung und ganz ohne Erklärungen, bis wir schließlich wieder am Ausgangspunkt unserer Reise angelangt sind. Schön war's und nun rasch zurück ins Hotel.

Im Hotel Amira angekommen springen wir hurtig unter die Dusche und ziehen uns für unsere heutige Abend­veranstaltung um. Karin ist schon lange von der spirituellen Mystik der Sufi fasziniert und so besuchen wir heute ein Konzert mit klassischer osmanischer Musik und anschließendem Trance­tanz von Derwischen.

Nach oben800 years of Love - Tanzende Männer

Sufi Dance (800 Years Of Love)

 

Sufi Dance (800 Years Of Love)

 

Von unserem Concierge nochmals mit einer Weg­beschreibung versorgt, finden wir gleich zum Haus von Dede Efendi, wo die Veranstaltung stattfindet.

Viel zu früh sind wir dran und so finden wir Zeit, uns noch ein wenig mit dem jungen Mann zu unterhalten, der PCs für Slide­show vorbereitet. Er gibt uns einige Informationen über Dede Efendi und seine Musik, die wir recht interessant finden.

Am 9. Febuar 1778 wurde Ismail Efendi in Istanbul geboren. Da sein Vater für seinen Lebens­unterhalt ein Bade­haus führte, wurde er unter dem Namen Hammamizade bekannt. Aufgrund seiner schönen Stimme wurde er in der Schule zum Haupt­hymnen­sänger ernannt und von verschiedenen Musik­lehrern, welche auf ihn aufmerksam wurden, unterrichtet.

Sufi Dance (800 Years Of Love)

 

So kam Ismail auch mit der uralten Musik­tradition Mewlewi und dem Yenkapi Mewlewi-Kloster in Berührung. 1798 verließ er seine Arbeit beim Finanz­ministerium und entschied sich im Derwischen­kloster an der vierzigtägigen Prüfungs- und Fasten­zeit teilzunehmen. Während dieser Zeit komponierte er ein Musik­stück, welches großen Anklang fand und ihn sogar an den Hof von Selim III. brachte.

Aufgrund des großen Interesse des Sultans wurde Ismail das letzte der drei Prüfungs­jahre von Meister Ali Nutki Dede erlassen und er erhielt 1799 den Titel Dede.

Ismail Dede lebte in einer der erdrückendsten Zeiten des osmanischen Reiches. Es vollzog sich eine gesellschaftliche und kulturelle Ver­änderung, die sich in einer zunehmenden Dekadenz äußerte. Blutige Reformations­bewegungen, West­orientierung, wieder Ost­orientierung und schließlich vollkommene Verwestlichungs­tendenz.

All diese Umbrüche, Gegensätze und Widersprüchlich­keiten finden sich auch in Dedes Musik wieder. Religiöse und nicht religiöse Musik ist eine Ganzheit in seinen Werken, sie vereinigt sich oft innerhalb nur einer Zeile und ist ein Meister­werk des Gleich­gewichts.

Sufi Dance (800 Years Of Love)

 

Der Sinn seiner Kunst ist die Vereinigung der Gegensätze und diese Tradition gibt er auch an seine Schüler und Nach­eiferer weiter. Mehr als 270 Werke konnten bis in die Gegenwart bewahrt werden - obwohl wie auch bei anderen Komponisten viele seiner Musik­stücke verloren gingen oder in Vergessenheit gerieten - und machen Dede Efendi somit zu dem türkischen Komponisten der Klassik mit dem größten klassischen Repertoire.

Im 1. Stock des ehemaligen Wohn­hauses von Dede Efendi befindet sich nun ein Museum mit Gebrauchs­gegenständen und Musik­instrumenten, sowie einige Fotos zum Thema. Wir nutzen die Zeit, um uns alles anzusehen.

Ein bisschen unterhalten wir uns dann noch über die zweite herausragende Persönlichkeit, in derem Namen der heutige Abend gestaltet ist. „800 Years of Love” heißt das Programm und spielt damit auf das 800. Geburtsjahr des Mystikers Mewlana Rumi an, das 2007 begangen wurde.

Rumi war nicht nur Mystiker, sondern auch einer der bedeutendsten persischen Dichter des Mittelalters. Mewlana Rumi war Sufi und Gelehrter, als welcher er sehr berühmt war und ein Leben lebte, das ganz seinem Stand und Ansehen entsprach.

Sufi Dance (800 Years Of Love)

 

Das änderte sich erst, als er den Derwisch Shams Tabrizi traf, der zu seinem Freund und spirituellen Bruder wurde. Die Beziehung der beiden Männer war so stark, dass sie sich zeitweilig ganz von der Welt zurückzogen, was Neid und Eifersucht vieler einflussreicher Zeitgenossen Rumis hervorrief.

Rumi und Shams erlebten eine Zeit der Trennung, der Wiedervereinigung nach Shams Rückkehr und schließlich einer Trennung für immer. Es wird gesagt, dass es die Sehnsucht nach dem Freund gewesen sei, die Rumi zu dem noch heute zelebrierten Reigentanz und den viel zitierten Versen inspiriert habe.

1273 starb Rumi in Konya, der heutigen Türkei. Sein Todestag wird als „Hochzeitsnacht” bezeichnet, da es sich um die große Wiedervereinigung Mewlana Rumis mit Gott handelt. Trotz des Verbotes öffentlicher religiöser Handlungen, welches Atatürk 1925 während der Säkularisierung aussprach, wurde die Hochzeits­nacht von seinen Anhängern mehr oder weniger heimlich gefeiert.

Rumis Lehre basierte auf der Liebe als der Kraft, die das Universum zusammenhält. In seinen Versen bezeichnet er - wie es die Mystiker des Mittelalters allgemein taten - Gott als den Geliebten und die menschliche Seele als den Liebenden.

Sufi Dance (800 Years Of Love)
IconSufi Dance (800 Years Of Love)

 

Seine Poesie, mit welcher er tiefe Gefühle wie Liebe, Freude, Trauer und Sehnsucht beschreibt, vermag auch heute noch zu verzaubern und das Herz zu berühren.

So eingestimmt suchen wir uns einen guten Platz in dem kleinen Raum, an dessen einer Wand bereits vier Musiker Platz genommen haben. Dann geht los. Ein einer Laute ähnliches Instrument wird gespielt, eine Flöte, eine Zither und eine großer Rahmen­trommel. Dazu schöne männliche Sing­stimmen. Die Melodie ist einschmeichelnd, der Rhythmus mitreißend.

Nach etwa 20 Minuten betreten vier Derwische gemessenen Schrittes den Raum. Ca. eine ½ Stunde tanzen sie, immer wieder mit kurzen Unterbrechungen des Drehens, aber nicht der Musik.

Einer der Sufis ist noch ganz jung, wirkt noch ein wenig unsicher und dreht sehr schnell. Dann ist da ein älterer, der völlig in sich zu ruhen scheint und aufrecht kreist. Die beiden anderen Sufis mit Voll- bzw. Schnauzbart, hängen richtig drinnen in ihrem Tanz. Eine Handfläche nach oben gedreht als Verbindung zum Himmel und eine weist zur Erde.

Restaurant Khorasani, Abendessen

 

Die weiten, weißen Röcke, die sich durch die Drehung aufblähen, wirken wie große Ventilatoren und da wir in der ersten Reihe sitzen, haben sie eine angenehm kühlende Wirkung auf uns.

Musik und Tanz sind interessant, medidativ und andächtig. Wir haben nicht das Gefühl, einer reinen Touristenattraktion beizuwohnen, auch wenn dies vielleicht der Fall gewesen sein mag. Es ist eine Begegnung mit einer anderen Kultur und einer anderen Zeit.

Als die Veranstaltung zu Ende ist, beschließen wir zu Khorasani zum Abendessen zu gehen. Die ruhige, etwas gediegene Atmosphäre und die traditionelle osmanische Küche passen am besten als Abschluss dieses Abends.

Heute genehmigen wir uns Raki als Aperitif und 3 Mezzes als gemeinsame Vorspeise. Dann gibt es Sultans Favourite für Karin und Ali Nazik für Alexander. Bei der Hälfte tauschen wir die Gerichte, weil Alex schon wieder soooooo Gutes erwischt hat und Karin auch etwas davon abbekommen soll.

Nachspeise geht nicht mehr, aber türkischer Kaffee und noch ein Raki, der sich auch als Digestif bestens eignet. Satt, glücklich und zufrieden zahlen wir und genießen den kurzen Spaziergang in unser Hotel, wo wir alsbald in unser Bettchen und einen tiefen Schlaf fallen. Gute Nacht!

zu den FAQs und den Kommentaren
Auf der letzten Seite dieses Reiseberichtes findest Du die Fragen unserer BesucherInnen, welche uns im Laufe der Zeit erreichten und hast selbst die Möglichkeit einen Kommentar zu diesem Reisebericht zu hinterlassen.
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