Im Herzen Istanbuls

Hotel Amira, unsere Suite
IconHotel Amira, unsere Suite

 

Guten Morgen Istanbul! Wir haben ganz gut geschlafen. Nur ganz gut, da es trotz Klimaanlage ziemlich heiß im Zimmer war. Tja, so ist das halt im Sommer im Orient. Flugs schlüfen wir in die Hotel-Bademäntel und gehen erst mal auf die Terrasse, um den Blick auf Meer und Stadt zu genießen.

Es ist schön zuzusehen, wie Istanbul langsam erwacht. Ein paar Möwen segeln zwischen Meer und Altstadt und lassen dabei ihr fröhliches Lachen hören, vis-a-vis wird auf einer Dachterrasse mit Geschirr geklappert, unter uns fahren Mopeds und gegenüber in einem Kiosk werden Orangen zu einer schönen Pyramide getürmt. Apropos Orangen, Frühstück wär toll, oder? Na dann lass uns wieder reingehen.

Wir pritscheln also im Bad herum, duschen ausgiebig, ziehen wenig an, aber doch genug um sittsam auszusehen und gehen in den Frühstücks­raum. Zuerst suchen wir uns ein gemütliches Platzerl, dann gehen wir ans Buffet. Das sieht wirklich sehr gut aus, mit allem, was das Herz begehrt.

Nach geraumer Zeit des genüsslichen Mampfens merken wir, dass wir ein bisschen zuviel erwischt haben, weil alles so appetitlich angerichtet ist. Zum Abschluss müssen es trotzdem noch ein kleines gefülltes Blätter­teig­croissant (mit Apfel?) und ein Ding, ähnlich wie Tiramisu von dunkler Schoko, sein. Jeweils nur ein Löfferl zum Kosten. Mmmmmh! Jetzt platzen wir gleich.

So, was wollen wir heute machen? Na, fangen wir mal mit den beiden großen Moscheen an und dann vielleicht noch der Galatatower. Auf, auf!

Nach obenBlaue Moschee (Sultan-Ahmed-Moschee)

Sultan-Ahmed-Moschee
IconSultan-Ahmed-Moschee

 

Sultan-Ahmed-Moschee
IconSultan-Ahmed-Moschee

 

Sultan-Ahmed-Moschee
IconSultan-Ahmed-Moschee

 

Wie schon gestern, gehen wir auch heute wieder die Straße bergauf zum Sultan­ahmet-Platz. Bei einem Geschäft, das ganz viele bunt bestickte Stiefel und Stiefletten in der Auslage hat, bleibt Karin mit großen Augen stehen. Alexander drängt hinein um zu fragen, was so ein Paar denn kostet.

Der Verkäufer macht es uns nicht leicht: erst probieren, dann später Preis sagen. Orientalischer Handeltreibender eben smiley. Der Preis, den wir schließlich dem Verkäufer doch entlocken konnten, ist mit ca. 90 Euro gerechtfertigt, aber Karin hätte gerne Stiefel mit Absatz, was es nicht gibt.

Sultan-Ahmed-Moschee
IconSultan-Ahmed-Moschee

 

Sultan-Ahmed-Moschee
IconSultan-Ahmed-Moschee

 

Angeblich hatten die Vorjahresmodelle welche und bei allen gab es Probleme mit gebrochenen Absätzen. Daher gibt es jetzt nur mehr flachere Schuhe, mit breiteren Absätzen. Hmmmm, die sind aber nicht so elegant … naja, wir werden noch überlegen. Und weiter geht's den Berg hinauf.

Oben angelangt besuchen wir zuerst die Blaue Moschee. Doch zunächst müssen wir uns erst mal richtig adjustieren. Schuhe ausziehen und in ein Sackerl, Rock um die ohnehin knie­bedeckende Hose, ein Tuch obenrum um die Schultern, obwohl wir eh ein Polo mit Ärmeln tragen. Egal, isso. Wir nehmen's gelassen.

Sultan-Ahmed-Moschee
IconSultan-Ahmed-Moschee

 

Sultan-Ahmed-Moschee
IconSultan-Ahmed-Moschee

 

Sultan-Ahmed-Moschee
IconSultan-Ahmed-Moschee

 

Innerhalb von 7 Jahren baute Mehmed Aga 1609 die Moschee im Auftrag von Sultan Ahmed I. Heute zählt sie zu den be­deutend­sten Sakral­bauten der Welt, doch damals rief ihre Errichtung herbe Kritik hervor.

Die Glanz­zeiten des osmanischen Reiches waren damals schon ein wenig vorüber und die Tatsache, dass die Blaue Moschee gleich 6 Minarette haben sollte, wurde als frevelhafte Anmaßung gegenüber Mekka empfunden nebst der Tatsache, dass das Projekt sehr kostspielig war.

Sultan-Ahmed-Moschee

 

Sultan-Ahmed-Moschee
IconSultan-Ahmed-Moschee

 

Sultan-Ahmed-Moschee

 

Das Innere der Moschee ist denn auch wirklich sehr be­ein­druckend. Man sieht, dass keine Kosten und Mühen bei der Aus­stattung gescheut wurden. Allen voran sind natürlich die Iznik-Fayencen zu nennen, die tatsächlich alle mehr oder weniger blau sind und der Moschee ihren Namen gaben.

Tatsächlich sind die Fliesen, die in der Türkei in einer Stadt am Iznik-See gefertigt wurden, nebst blau auch türkis, azur, zartgrün und sogar ein wenig rot bemalt. Die Ornamente sind meist floral oder zeigen arabische Schriftzeichen.

Sultan-Ahmed-Moschee
IconSultan-Ahmed-Moschee

 

Sultan-Ahmed-Moschee
IconSultan-Ahmed-Moschee

 

Trotz der vielen verschiedenen Muster und reichen Verzierungen wirkt alles licht und luftig. Durch die Fenster der Kuppel und Halbkuppeln, welche mit verschlungenen Arabesken dekoriert sind, fallen sanft die Sonnenstrahlen ein und erhellen den riesigen Raum.

Wir nehmen uns Zeit zum Sitzen und Schauen, natürlich auch zum Rumgehen und Fotografieren. Die Atmosphäre ist beeindruckend und feierlich - bis auf ein paar einheimische Kinder, die wenig ehrfürchtig auf den weichen Teppichen herumkugeln, während die Eltern beten. Kinderlachen ist überall gleich, egal ob die Eltern gerade zu Allah oder zu Gott beten.

Nach obenGrabmal Sultan Ahmet I.

Grab Sultan Ahmed I

 

Nach der Blauen Moschee besuchen wir das Grabmal von Sultan Ahmet I., welches sich außen auf dem Gelände der Moschee befindet. Das Sultansgrab ist einer der letzten erhaltenen Überreste des Stiftungskomplexes.

Es war üblich, dass zu den sogenannten Sultansmoscheen große Stiftungen gehörten. Auch die Blaue Moschee war einst von einer solchen umgeben, zu der eine theologische Schule, ein Hospital, eine Karawanserei und Küchen für die Armen zählten. Davon sind heute nur noch die Küchen erhalten sowie eben das Sultansgrab.

Im Inneren fällt Licht durch bunte Glasfenster auf unglaublich viele Sarkophage für diesen relativ kleinen Raum. Allesamt sind sie mit grünem Tuch bedeckt und ganz vorne sind offensichtlich die jüngsten Verstorbenen zur letzten Ruhe gebettet.

Divan Jolu Caddesi
IconDivan Jolu Caddesi

 

Sultan Pub Terrasse
IconSultan Pub Terrasse

 

Hagia Sophia

 

Auch gibt eine Wand­tafel Aus­kunft, wer denn in welchem Sarg liegt, doch sind die Auf­zeichnungen sehr ver­wirrend oder man hat die Auf­stellung geändert.

Wir sind jedenfalls nach dem Studium der Wand­tafel nicht wesentlich schlauer als zuvor und können die Be­schreib­ungen nicht so ganz nach­voll­ziehen.

Zwecks geistiger und körperlicher Erfrischung beschließen wir auf einen Kaffee auf eine der umliegenden Dach­terrassen zu gehen. Gesagt getan, ein paar Stockwerke mit dem Lift hinauf und das letzte Stückchen erklettern wir per Treppe.

Sultan-Ahmed-Moschee (Blaue Moschee)

 

Hagia Sophia, Sultan Ahmed Park
IconHagia Sophia, Sultan Ahmed Park

 

Oben angelangt bietet sich uns ein ausgeprochen netter Blick und nach einer Weile ein ausgesprochen grauslicher Kaffee.

Hallo? Ist die Türkei nicht das Land, das dieses anregende Heißgetränkt überhaupt erst nach Österreich gebracht hat? So zumindest will es die Wiener Sage … Nun gut, Wahrheit und Legende liegen manchmal eben doch etwas auseinander.

Während wir den Ausblick genießen und den ungenießbaren Kaffee stehen lassen überlegen wir, was wir denn als nächstes ansehen wollen. Wir probieren es bei der Hagia Sophia. Puh! Zu viele Leute stehen hier bereits um ein Ticket angestellt. Das möchten wir uns im Augenblick nicht antun.

Nach obenBasilika Zisterne (Yerebatan Sarayi)

Yerebatan Sarayi
IconYerebatan Sarayi

 

Yerebatan Sarayi
IconYerebatan Sarayi

 

Bei der Basilika Zisterne, die mehr oder weniger gleich ums Eck ist, stehen wenig Leute an. Also rasch hinein, bevor sich das ändert. Versunkener Palast wird die Yerebatan Sarnici oft auch poetisch genannt und dieser Name wird dem Bauwerk ganz und gar gerecht.

Zwischen 527 und 565 wurde im byzantin­ischen Reich unter dem Herrscher Justinian I. ein System unter­irdischer Zisternen angelegt und die riesige Basilika Zisterne, welche den kaiserlichen Haushalt im antiken Istanbul mit Wasser versorgen sollte, wurde 542 als Teil davon erbaut.

Wir folgen der Treppe über 55 Steinstufen hinab ins kühle Dunkel und als wir an ihrem Ende ankommen, sind wir fasziniert. Gerade ausreichend beleuchtet ragen 336 Mamor­säulen in Reih und Glied aus dem Wasser. Über ihnen wölbt sich die Ziegel­decke in anmutigen Bögen.

Yerebatan Sarayi
IconYerebatan Sarayi

 

Yerebatan Sarayi
IconYerebatan Sarayi

 

Die Spiegel­ung im ruhigen, eigentlich seichten Wasser bewirkt, dass man den Eindruck hat zwischen oben und unten zu schweben und erzeugt eine unendliche Tiefe. Fast fühlt man sich als Teil eines drei­dimensionalen Bildes von M.C. Escher und nur die Karpfen, die hin und wieder das Wasser kräuseln, holen einen zurück aus der Unendlich­keit.

Auf hölzernen Stegen kann man eben und vor allem trockenen Fußes durch diesen steinernen Wald wandern. Eine der 336 Säulen ist besonders schön verziert. Die verschlungenen Ornamente, die fast ein wenig an den Jugendstil erinnern, legen den Namen „Tränensäule” nahe, wie sie allgemein auch bezeichnet wird.

Im hinteren Teil der Zisterne, die übrigens ein Fassungs­vermögen von ca. 80.000 m³ hat, gibt es eine weitere Besonderheit. Hier wurden bei zwei Mamorsäulen Medusen­häupter als Sockel verwendet.

Yerebatan Sarayi, Kopf der Medusa

 

Yerebatan Sarayi, Kopf der Medusa

 

Eines der Häupter liegt quer, während das andere gar auf dem Kopf steht. Woher die beiden Häupter stammen oder zu welchem besonderen Zweck sie hierher gebracht wurden, ist ungewiss.

Natürlich ist da die griechische Sage der Gorgonenschwestern, von denen Medusa eine gewesen sein soll. Mit Schlangen­haar, Reiß­zähnen, Schuppen­panzer und einem Blick, der jeden Mann versteinerte, war sie eine der Prüfungen des Helden Perseus.

Ausgestattet mit allerlei Nützlichem wie Tarn­kappen, Flügel­schuhen usw. und mit Pallas Athenes Spiegel­schild und guten Ratschlägen versehen, gelang es Perseus, die arme, hässliche Medusa in ihrem unter­irdischen Palast zu töten.

Yerebatan Sarayi

 

Yerebatan Sarayi

 

Er hielt ihr den Spiegel­schild vors Gesicht, sodass Medusa durch ihren eigenen Blick zu Stein wurde. Offen­sichtlich konnten antike Helden mit kämpferischen Frauen, wie Medusa eine war, nicht wirklich etwas anfangen.

Plop-plop-pleb-plip-plop klingt melodisch das Wasser­tropfen­konzert, das von der Decke herabfällt. Was für eine tolle Akustik! Bei solch sanften Klängen mag man lieber daran glauben, dass die Medusen­häupter Teil eines Nympfen­heiligtums waren und weniger an die griechischen Schauer­geschichten von Mord und Totschlag denken.

Während wir warten, dass auch wir ein Plätzchen finden, um die beiden Medusen­häupter gebührlich abzulichten, lauschen wir dem Audio­guide, den wir uns beim Eintritt ausgeliehen haben. Ganz nach unserem Geschmack, nämlich kurz, prägnant und ohne sich in langweiligen Daten zu ergehen, berichtet die männliche Stimme über das faszinierende Bauwerk. Unserer Meinung nach sehr empfehlens­wert!

Dann sind wir auch schon an der Reihe und machen unseren Kniefall vor dem Gorgonen­haupt. Am Retour­weg zum Ausgang machen wir noch Fotos, lassen den einen oder anderen besonderen Blick­winkel auf uns wirken und verlassen schließlich den versunkenen Palast der Nymphen.

Nach obenMittagessen, Bad der Roxelane und ein Viertel der kleinen Gassen

Sultan-Ahmed-Moschee
IconSultan-Ahmed-Moschee

 

Seven Hills Restaurant, Hagia Sophia

 

Wieder zurück im hellen Sonnen­licht des Sultan Ahmet-Platzes bemerken wir, dass vor dem Ticket­office der Hagia Sophia gerade nichts los ist. Na dann lass uns rasch die Gunst der Stunde nutzen und Eintrittskarten kaufen. Nachdem wir das erledigt haben, melden sich unsere Mägen und wollen gefüllt werden.

Wir sehen uns um und unsere Augen bleiben wieder mal an einer Dach­terrasse hängen. Das Hotel Seven Hills hat ein gleichnamiges Restaurant, das einen tollen Ausblick verspricht. Da das Hotel selbst einen netten Eindruck macht, lässt uns das auch auf eine ansprechende Küche hoffen.

Oben angekommen werden wir von einem freundlichen Kellner empfangen, der uns ein schattiges Plätzchen mit Blick auf die blaue Moschee zuweist. Als wir nach einem leichten Mittag­essen fragen, empfiehlt er uns Sebasse und einen weiteren Fisch, beide fangfrisch. Die bekommen wir mit Zitrone und Kräutern vom Grill, dazu einen Salat für uns beide. Ja super, genau nach unserem Geschmack!

Ausgrabungen (römische Ruinen des Königspalast), Hagia Sophia

 

Seven Hills Restaurant

 

Als die Fische kommen sind diese wirklich ganz hervorragend. Wir sind mit der Empfehlung zufrieden. Während des Essens plaudern wir über bereits Gesehenes und genießen die Aussicht auf Blaue Mosche, Meer und Hagia Sophia.

Eine wirklich traumhafte Mittagspause verbringen wir hier heroben. Satt, aber nicht voll­gegessen verlassen wir das Seven Hills wieder, um nun in Richtung Hagia Sophia zu schlendern.

Wir gehen durch ein Viertel mit kleinen, engen Gassen, in denen alte Holzhäuser windschief von vergangenen Tagen zeugen. Es ist noch gar nicht so lange her, da war Istanbul eine hölzerne Stadt.

Cankurtaran Caddesi, alte Holzhäuser
IconCankurtaran Caddesi, alte Holzhäuser

 

Akbiyik Caddesi, Bahnunterführung
IconAkbiyik Caddesi, Bahnunterführung

 

Wein wächst über die Strasse

 

Bis weit ins 20. Jahr­hundert hinein hielten sich die schönen Holzhäuser, dann fielen die meisten von ihnen entweder einem Feuer oder dem Beton zum Opfer. Moderne Istanbuler lebten nicht mehr in Holzhäusern sondern in einem Apartman, je weiter oben desto besser.

Wenn wir auch den Trend zu den Annehmlich­keiten einer modernen Wohnung sehr gut nachvollziehen können, so ist es doch schade um die schönen alten Häuser, die so viel Flair haben. Dieses Flair versuchen manche Architekten zu erhalten, indem sie moderne Wohnhäuser aus Stahlbeton mit Holz verkleiden. Sieht täuschend echt aus und ist very vintage.

kleine Gasse
Iconkleine Gasse

 

bunte Kleidung auf Wäscheleine

 

Die Häuser hier sind allerdings wirklich noch alt und original, keine hippen jungen Istanbuler schauen aus den wackeligen Fenstern raus, vor denen die Wäsche zum Trocknen flatter.

Hier sind es eher ältere und nicht besonders gut situierte Leute, die ihr Zuhause liebevoll dekorieren, kleine Innenhöfe als lauschige Plätzchen nutzen und von Weinstöcken umranken lassen.

Durch den Arasta Bazar mit seinen farbenfrohen Läden, der aus der Bauzeit der Blauen Moschee stammt, gelangen wir zum Bad der Roxelane. Roxelane, die Freudvolle, soll die Tochter eines polnischen Priesters gewesen sein, die bei einem Raubzug der Krimtataren gefangen genommen und als Sklavin nach Istanbul verkauft wurde. Dort landete sie im Harem des Alten Serail.

Von der Sklavin wurde sie zunächst Muslimin und später zur Hauptfrau Sultan Süleymans I., dem sie als ersten Sohn Mehmed gebar. Gefundene Brief­fragmente legen nahe, dass Süleyman und Roxelane ein recht inniges Verhältnis zueinander hatten, nicht zuletzt aufgrund ihrer Intelligenz und politischen Umsicht.

Arasta Basar

 

Arasta Basar

 

Im Westen wird Roxelane oft als Zauberin oder Hexe dargestellt, was wohl auf die Tatsache zurückzuführen ist, dass ihr Einfluss und ihre Rolle ganz und gar nicht mit dem traditionellen Frauenbild der damaligen Zeit übereinstimmten.

Auffällig ist das schon, dass man hier in Istanbul aufmüpfige Damen gleich zu Monstern oder Hexen macht - erst Medusa, dann Roxelane … Karin beschließt nicht weiter drüber zu reden, sondern fügsam zu lächeln. Mal was anderes! smiley

Wie auch immer, das frisch restaurierte Bad der Roxelane sieht sehr einladend aus und neugierig wie wir sind, marschieren wir kurzerhand hinein. Doch Halt! Am Eingang werden wir freundlich aber bestimmt in Empfang genommen und gleich mal getrennt. Ja ok, anschauen dürfen wir, aber der Herr bei den Herren und die Dame bei den Damen. Und bitte Überschuhe anziehen. Aha?

Haseki Huerrem Sultan Hamam (Roxelan Bad)

 

Haseki Huerrem Sultan Hamam (Roxelan Bad)

 

Tja, heute ist Roxelanes Bad ein Hamam und Beauty­salon für diejenigen, die es gerne ein wenig luxuriöser haben und sich das auch leisten können. Innen ist alles sehr schön aus Holz und Marmor, mit bunten Glasfenstern und blätschernden Springbrunnen.

Historisch ist kaum mehr etwas aus dem Ort, dafür drückt man uns Visitenkarten in die Hand, damit wir einen Termin für ein Treatment ausmachen können. Wir werden sehen, ob wir im Laufe unsere Aufenthalts Zeit dafür finden - vielen Dank jedenfalls.

Nur noch wenige Schritte trennen uns von der Hagia Sophia und wir haben keine Ahnung, wie lange man dafür doch brauchen kann.

Nach obenHagia Sophia

Hagia Sophia

 

Hagia Sophia

 

Kurz vor dem Eingang sind jede Menge Speise­lokale mit Kellnern davor, die versuchen Kundschaft in ihr Restaurant zu locken. Als wir versichern, dass wir gerade gegessen hätten, will uns einer der umtriebigen Kellner ganz unbedingt die wertvollen Teppiche zeigen, die sein Cousin gleich ums Eck verkauft.

Danke nein, jetzt wollen wir uns die Hagia Sophia anschauen und keine Kelims. Der junge Mann will warten bis wir wiederkommen. Ok wenn es ihm ein Bedürfnis ist, dann können wir ihn nicht daran hindern.

Freundlich mit Händen und Füßen Essen, Trinken und sonstige feil­gebotenen Waren oder Dienstleistungen abwährend, gelangen wir schließlich doch noch in die Hagia Sophia. Puh, geschafft! Den Minitripod, den Alexander im Fotorucksack hat, müssen wir leider abgeben. Wie schade, hoffentlich können wir trotzdem gute und vor allem verwackel­ungsfreie Fotos machen.

Hagia Sophia
IconHagia Sophia

 

Hagia Sophia

 

So, da stehen wir nun im letzten großen Bauwerk der Spätantike und vor allem Karin, die noch nie hier war, ist sprachlos (oder ist es immer noch wegen Medusa und Roxelane?).

Monumental ist dieser Tempel der heiligen Weisheit, was der Name Hagia Sophia ja bedeutet. Die riesige Kuppel ruht auf nur vier Pfeilern, was sie gleichsam über dem darunter liegenden Raum schweben lässt.

Bereits im Jahr 325 wurde unter Kaiser Kontantin I. an dieser Stelle mit dem Bau einer Kirche begonnen. Besonderen Namen hatte das Gebäude keinen, es wurde einfach „große Kirche” genannt. Brände, größtenteils durch verschiedene Aufstände verursacht, zerstörten die Bauwerke immer wieder, sodass die Hagia Sophia eigentlich bereits der vierte Bau an diesem Platz ist.

Hagia Sophia, Mihrab

 

Hagia Sophia

 

Hagia Sophia

 

Am 27. Dezember 537 konnte der Rohbau eingeweiht werden, dessen Bauleitung der Architekt Anthemios von Tralleis und der Mathematiker Isidor von Milet über hatten. Die mächtige Form soll Kaiser Justinian im Traum offenbart worden sein.

Sehr früh schon wurde die Hagia Sophia als Staatskirche benutzt. Seit 641 wurden hier fast alle byzantinischen Herrscher gekrönt. Während der Zeit, als die Kreuzfahrer Konstantinopel besetzten, war die Kirche römisch-katholisch, sonst dem orthodoxen Ritus geweiht.

Hagia Sophia

 

Hagia Sophia

 

Bis zum 27. Mai 1453, an dem der letzte Gottesdienst von Katholiken und Orthodoxen gemeinsam gefeiert wurde. Konstantinopel wurde von Sultan Mehmed II. erobert, die große Kathedrale wurde zur Moschee.

Die Glocken wurden abgenommen - vor der Einnahme durch die Osmanen wurde von 300 Glöckchen und 62 Glocken berichtet - die prächtige Ausstattung wurde entfernt oder zerstört und der äußere Eindruck durch das Hinzufügen von erst einem, dann zwei weiteren und schließlich noch einem Minarett verändert.

Hagia Sophia
IconHagia Sophia

 

Hagia Sophia
IconHagia Sophia

 

Später wurde die Hagia Sophia säkularisiert und auf Anregung Atatürks, des ersten türkischen Präsidenten, 1934 als Museum zugänglich gemacht.

So ist nun die gesamte Geschichte des Bauwerks sichtbar und man kann sowohl die teilweise rekonstruierten Bestandteile des Kirchenraumes als auch die späteren muslimischen Zubauten bewundern.

All diese historischen Daten, Geschichten und Geschichterln erzählt uns ein Audioguide, den wir uns beim Eintritt geliehen haben. Die Erzählungen treffen genau unseren Geschmack: das Wichtigste in Kürze, ohne sich langatmig in Details zu ergehen, gewürzt mit der einen oder anderen Anekdote. Ebenfalls empfehlenswert!

Hagia Sophia, Minbar
IconHagia Sophia, Minbar

 

Hagia Sophia, Engel an der Decke

 

Hagia Sophia, Wandmosaik
IconHagia Sophia, Wandmosaik

 

Mehr als zwei Stunden wandern wir durch das gigantische Bauwerk, dessen Mauern Geschichte atmen. Wir gehen auf die Empore, betrachten die Reste der prachtvollen Mosaiken, die für uns so typisch byzantinisch sind, schauen in die Tiefe. Die Verschmelzung der verschiedenen Religionen und ihrer Stile ist großartig.

Auch die Schilde mit arabischen Schriftzeichen, auf welchen Allah, Mohammed, sowie die Namen der ersten Kalifen geschrieben stehen, sind faszinierend und können von recht nah betrachtet werden. Sie wurden im 19. Jahr­hundert hinzugefügt und stammen von zwei schweizer Architekten, die Sultan Abdülmecit I. mit einer gründlichen Restaurierung der damaligen Moschee beauftragte.

Hagia Sophia, Sadirvan (Moscheebrunnen)

 

Hagia Sophia
IconHagia Sophia

 

Irgendwann, nach langer Zeit, haben wir uns satt gesehen an der beeindruckenden Hagia Sophia. Zum Abschluss noch schnell den Daumen in ein Loch in der „schwitzenden Säule” gesteckt und einen Wunsch getan.

Im Stillen natürlich, damit er auch in Erfüllung geht. Danach verlassen wir das Museum und gehen über Moscheebrunnen, Sultanahmet-Platz und Blaue Moschee langsam zurück in unser Hotel Amira.

Es ist Sonntag Abend und die Innenstadt wurlt vor BesucherInnen. Ganz Istanbul scheint auf den Beinen zu sein und das Leben spielt sich draußen im beginnenden Abendlicht ab.

Nach obenAbendessen im 5. Stock

Sultan Ahmed Park Hagia Sophia

 

In unserer Suite angekommen ruhen wir uns ein wenig aus, erfrischen uns und ziehen uns hübsch an. Wir probieren für unser Abendessen eine weitere Empfehlung von Emre aus. Das Restaurant 5th Floor soll nicht nur angesagt sein, sondern auch noch romantisch und eine ausgezeichnete Küche haben. Nachdem wir mit der gestrigen Empfehlung des Khorasani so glücklich waren, freuen wir uns schon auf den heutigen Abend.

Da das Lokal in einiger Entfernung vom Amira liegt und außerdem nicht ganz einfach zu finden ist, lassen wir uns von einem Taxi hinbringen. Trotz vorsorglicher Weg­erklärung unserer Hotelcrew findet auch unser Taxifahrer das 5th Floor nicht auf Anhieb.

Wir können's ihm nicht verdenken, denn wir befinden uns erstens in einer Wohngegend, wo sonst eigentlich keine Lokale sind und zweitens gibt es auch nicht wirklich ein auffälliges Schild, das beim Auffinden hilft.

Sultan-Ahmed-Moschee

 

Sultan-Ahmed-Moschee

 

Nach ein paar Ehrenrunden und Nachfrage bei Ortsansässigen klettern wir schließlich in einer steilen Straße vor einem Wohnhaus aus dem Wagen und gehen in ein Tor, über dem ein moderner Neonengel in pink leuchtet. Aha? Im Stiegen haus ein 50er Jahre Aufzug, der uns knarzend in den 5. Stock bringt.

Das Lokal selbst ist nett und gemütlich eingerichtet, ein bisschen Vintage mit viel Flair. Absolut WOW! ist dann die Dachterrasse mit Blick auf den Bosporus, auf der auch unser Tisch für zwei steht. Wir sind hingerissen.

Essen und Wein hätten nur halb so gut sein können und der Kellner auch weniger freundlich, es wäre trotzdem ein wunderbarer Abend geworden. Tatsächlich sind wir von der Küche begeistert, Karin wählt Lamm, Alexander Hühner­curry. Beides ist würzig, frisch und zergeht auf der Zunge. Der Wein dazu ist perfekt und das Service könnte aufmerksamer nicht sein.

Wir genießen Speisen, Trank, Aussicht aufs nächtlich glitzernde Istanbul und natürlich die netteste Gesellschaft der Welt. Ein großartiger Ausklang eines wunderschönen Urlaubstages!

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