Mehr als ein Basar

Morgens ist Istanbul noch ruhig

 

Morgens ist Istanbul noch ruhig
IconMorgens ist Istanbul noch ruhig

 

Guten Morgen, was war das nur für eine Nacht! Karin hat geschlafen wie tot, Alexander ist leider von irgendwelchen Nachbarn schon um 5 Uhr geweckt worden. Wo wir nach einem Tag herumlaufen und einem Abend im 5th Floor doch erst um ½1 schlafen gegangen sind!

Er sieht noch ein wenig zerknittert aus der Wäsche. Mal schaun, ob eine ausgiebige Dusche uns wieder auf Vordermann bringt.

Beim Frühstück geben wir uns heute schon etwas bescheidener. Offensichtlich hat das Hirn wieder die Kontrolle über den Magen erlangt und so nehmen wir nur mehr so viel, wie wir wirklich gut vertragen, ohne fast zu platzen.

Sultan-Ahmed-Moschee

 

Dafür gönnen wir uns jeder einen Cappuccino, der extra zubereitet wird und auch extra auf der Rechnung erscheint. Egal, es schmeckt sehr gut und macht uns munter.

Während wir noch den letzten Schluck genießen und den Milchschaum von den Lippen lecken, beratschlagen wir schon: Was tun wir heute? Da es gestern beim Vornehmen geblieben ist, wollen wir heute wirklich auf den Galata Tower. In unserem Vis-à-Vis Reiseführer Istanbul finden wir auch gleich einen passenden Spaziergang für dieses Ziel. Super, lass uns das machen!

Zuerst laufen wir noch die Straße hoch zum Sultanahmet-Platz, da wir unsere alte 50 TL-Note bei Ziraat Bankasi tauschen. Auf der Suche nach einer solchen Bank kommen wir zufällig am Divan Yolu Prospekt im Istanbuler Stadtteil Eminönü vorbei. Hier steht das Mausoleum des Sultans Mahmud II. mit einem anschließenden Friedhof. Das Tor ist offen und so gehen wir hinein.

Nach obenFriedhof Sultan Mahmud II.

Friedhof Sultan Mahmud II.

 

Friedhof Sultan Mahmud II.
IconFriedhof Sultan Mahmud II.

 

junge Katze

 

Das Grabmal Sultan Mahmud II. wurde nach dessen Tod im Garten seiner Schwester errichtet. Im Mausoleum sind neben Mahmud auch die Sultane Abdülaziz und Abdulhamid II. sowie andere Familien­mitglieder bestattet. Dies inkludiert auch Kinder und Frauen von Mahmud sowie seinem Sohn Abdülaziz.

Das Mausoleum selbst - das türkische Wort dafür ist übrigens Türbe, was soviel wie Staub bedeutet - ist geschlossen, doch die umliegenden Gräber frei zugänglich.

Friedhof Sultan Mahmud II.
IconFriedhof Sultan Mahmud II.

 

130 ehemalige Staatsmänner haben hier ihre letzte Ruhestatt. Es ist wunderschön im ehemaligen Garten der Sultan­schwester, wo die Sonne auf alte Grabsteine scheint und die Toten zwischen Rosen­sträuchern und unter schatten­spendenden Bäumen ihren Frieden gefunden haben.

Wir hören es maunzen und als wir uns umsehen, finden wir ein kleines Katzen­kind, das mit seinem eigenen Schatten Fangen spielt. Ach was ist das kleine Wesen süß! Große, grüne Augen schauen uns neugierig an, als wir mit vorgehaltenen Kameras in die Knie gehen. Gibt's hier Futter? Nein, na dann lieber weiter Fangen spielen! Und wir verlassen den friedlichen Ort wieder.

Nach obenWie finden wir die richtige Bank

Türikscher Tee

 

Eine Ziraat Bankasi entdecken wir trotz intensivem Ausschau halten nicht. Kurz entschlossen gehen wir in eine Filiale der Yapi Kredi hinein, in der Hoffnung, dort Auskunft zu erhalten. Etwas herablassend und gänzlich ohne englische Sprach­kenntnis werden wir vom Bank­angestellten angehört. Freundlicher­weise findet sich ein anderer Kunde zum Dolmetschen bereit, der uns dann auch erklärt wo wir eine Bank zum Wechseln finden.

Wir gehen also entsprechend der Erklärungen weiter und kommen in ein Viertel, das viel moderner aussieht. Eine Ziraat Bankasi finden wir allerdings immer noch nicht und schauen in die nächste HSBC Filiale hinein. Dort erklärt uns ein Wachel, der gar nichts anderes als Türkisch kann, mit Händen und Füßen wie wir zur Ziraat Bankasi kommen.

Hände und Füße sind doch das beste Verständigungs­mittel und wir finden endlich, die benötigte Filiale. Doch hier will man unsere 50 TL-Banknote nicht tauschen und schickt uns wieder woanders hin.

Großer Basar - Gate 1

 

Großer Basar - Gate 1
IconGroßer Basar - Gate 1

 

Uns reicht's, wir wollen nimmer! Vielleicht an einem anderen Tag, wir haben ja genug Geld gewechselt und müssen unseren Urlaub daher nicht in Bankfilialen mit Angestellten von zweifelhafter Freundlichkeit verbringen.

Wir folgen einer schönen breiten Straße, die uns einerseits an Paris erinnert, anderer­seits aber unverkennbar orientalisches Flair ausstrahlt. Sie geht in eine Fußgängerzone über, die von Platanen beschattet ist. Dazwischen gibt es Bankerln für die Müden, Büsche sorgen für noch mehr Grün und schöne, teure Geschäfte wie Teppichhändler und Juweliere säumen die offensichtliche Shoppingmeile.

Es ist schon wieder heiß und wir hätten jetzt gerne etwas Gutes. Bei Starbucks Coffee Company kehren wir auf zwei Caramel Frappuchino und eine Erleichterung am stillen Örtchen ein. Dann folgen wir weiter der Straße bergab und landen in schließlich im Großem Bazar.

Nach obenGroßer Bazar

Großer Basar (Kapali Carsi)

 

Großer Basar

 

Wow! Der Bazar ist genauso, wie man sich ihn vorstellt: bunt, laut, ein verwirrendes Labyrinth, voller Menschen, Gerüchen, Waren, einfach unglaublich!

Über 31.000 m² erstreckt sich der überdachte Markt und beherbergt rund 4.000 Geschäfte. Im 15. Jahrhundert wurde der Große Bazar unter Sultan Mehmet Fatih nach der Eroberung Konstantinopels erbaut. Das Zentrum ist die alte Tuchhalle, die eigentlich als Schatzkammer geplant und früher auch verschlossen war.

Unter den Kuppeln der Halle war einmal eine Bank beheimatet und die Tuchhalle wurde auch schon von reichen Stadtbürgern als Tresor für ihr Privatvermögen genutzt. Auch heute befinden sich noch die Geschäfte der Gold- und Silberhändler hier und erinnern an den Zweck als Schatzkammer.

Der gesamte Basar war ursprünglich aus Holz gebaut. Sultan Mustafa III. ließ später die Gebäude teilweise aus Stein wieder­errichten, nachdem große Teile Bränden zum Opfer gefallen waren.

Großer Basar (Kapali Carsi)
IconGroßer Basar (Kapali Carsi)

 

Großer Basar (Kapali Carsi)
IconGroßer Basar (Kapali Carsi)

 

Karin schlendert mit offenem Mund zwischen Lampen, Teppichen, Tüchern und Silberschmuck umher. Auch heute noch sind die vielen Geschäfte nach Branchen geordnet, sodass man zumindest eine Art von Übersicht in diesem unglaublichen Gewühl hat.

Bei den Kupfer- und Bronzewaren entdecken wir einen Stand, der schier überquillt vor lauter Gerätschaften. Der Ladenbesitzer lädt freundlich zum Schauen ein. Aladins Wunderlampen von groß bis winzig, Gewürzmühlen, Bügeleisen, Kannen, Becher, Teetabletts, man glaubt nicht, was es hier alles zu sehen gibt. Wir schauen uns gerne um, sind jedoch von der Auswahl so erschlagen, dass wir nichts kaufen wollen. So bedanken wir uns und gehen weiter.

Großer Basar
IconGroßer Basar

 

Großer Basar
IconGroßer Basar

 

Großer Basar

 

Es ist erstaunlich, wie unaufdringlich die Händler hier sind. Einerseits ist es noch früh, andererseits haben sie wohl gelernt, dass sie Touristen sonst verschrecken?

Die Mentalität, so wie wir sie bisher kennen­gelernt haben, ist sehr freundlich. Überall wird man eingeladen: „Komm und sei mein Gast, schenk mir ein wenig Deiner Zeit. Willst nichts kaufen? Auch gut, dann haben wir einfach nett geplaudert.”

Nur die Art der Darbietung der Produkte erinnert teilweise an chinesische Warenlager oder orientalische Rumpelkammern. Die Ladenbesitzer müssen alle Genies sein, denn sie überschauen wohl das Chaos - Ordnung herrscht hier jedenfalls nirgends.

Großer Basar

 

Großer Basar
IconGroßer Basar

 

Großer Basar
IconGroßer Basar

 

Karin hatte einmal eine silberne Armspange aus Griechenland. Vor Jahren gekauft und leider vor einigen Monaten verloren. Wahrscheinlich beim Hände­waschen irgendwo runter­genommen und dann am Wasch­becken­rand liegen gelassen. Jedenfalls wäre Ersatz dafür etwas Feines und der Ort für die Suche könnte wohl nicht viel idealer sein.

Es ist dann doch gar nicht so einfach, einen schlichten, glatten Reifen ohne Steinchen oder Ziselierung zu finden. Als wir endlich eines solchen Stückes ansichtig werden, ist es aus so weichem Silber, dass es sich schon bei der Anprobe an Karins Handgelenk bedenklich verbiegt. Selbst das Schönreden des Juweliers stärkt unser Vertrauen nicht übermäßig. Nein danke, dieser Reif wird nicht mit uns nach Hause kommen.

Großer Basar (Kapali Carsi)

 

Großer Basar (Kapali Carsi)

 

Jetzt wäre ein Tee- und Biopäuschen angebracht. In einem Teehaus lassen wir uns an einem Tisch für zwei nieder und bestellen von dem starken, süßen, schwarzen Gesöff.

WC gibt's im Bazar nur öffentliches, die Lokale haben sowas nicht, wird uns beschieden, als wir unseren zweiten Wunsch erfüllen wollen. Naja, so dringend ist es auch wieder nicht. Wir warten auf eine bessere Gelegenheit.

Nach so viel Trubel und buntem Chaos zieht es uns nach uns nach draußen und wir finden uns alsbald am Beyazit Platz wieder.

Nach obenBeyazit Platz (Beyazit Meydani)

Beyazit Camii (Beyazit-Moschee)

 

Tor der Universität

 

Zwischen dem Großen Bazar und der Universität von Istanbul gelegen, ist der schöne und belebte Platz ein idealer Ort, um das Istanbuler Leben in all seiner Vielfältigkeit zu beobachten.

Touristen, Türken, Studenten, wandernde Verkäufer und Tauben - alle sind hier zu finden und teilen sich den gepflasterten Platz, über dem die roten Fahnen mit der weißen Mondsichel wehen.

Im alten Byzanz war hier das Forum des Theodosius, das größte Forum der ganzen Stadt, gelegen.

Beyazit Camii
IconBeyazit Camii

 

Beyazit Camii

 

Ebenfalls alt, wenn auch nicht aus Theodosius Zeit, ist die Beyazit Moschee. Sie ist die älteste noch erhaltene Sultan-Moschee, die unter Beyazit II. zwischen 1501 und 1506 errichtet wurde.

Sie markiert den Beginn der sogenannten klassischen osmanischen Architektur und ist uns alleine deswegen schon einen Besuch wert.

Beim Eingang wickelt Karin trotz knielanger Hosen vorbildlich einen Fetzen als Rock um ihre Beine und bedeckt die Arme mit einem weiteren Stoffstück. Der Kopf kann bleiben wie er ist, denn sie hat ohnehin einen großen Sonnenhut auf.

Mobiler Teeverkäufer
IconMobiler Teeverkäufer

 

Park der Universität

 

Das Innere der Moschee ist schön, mit Kuppeln, Halbkuppeln, bunten Glasfenstern und einer hübsch verzierten Decke, kann aber unserer Meinung nach nicht mit der Hagia Sophia mithalten, obwohl sie deren Vorbild war.

Karin geht aus Interesse zum Frauen­gebetsraum, um sich anzusehen, wie die Damen hier beten. Welche Ernüchterung! Billige, rote Auslegeware, keine Sitzgelegenheiten oder Kissen, ein Raum ohne jeglichen Komfort oder Schmuck. Bei den Männern hingegen gibt es prachtvolle Orient­teppiche, Kniebänkchen und samtene Kissen. Bei allem Respekt für Religion und Tradition, aber das ist Muselmachismo!

Wir verlassen die Beyazit Moschee und gehen durch das prächtige Universitätstor hindurch in den Uni-Park. Hier steht auch ein alter Feuerwachturm und ein Planetarium.

Sueleymaniye-Moschee
IconSueleymaniye-Moschee

 

Blick über die Stadt
IconBlick über die Stadt

 

Im Schatten der Bäume lernen die StudentInnen teilweise alleine im Gras liegend, manche aber auch in Gruppen mit einem Vortragenden. Sieht recht idyllisch aus, diese Art von Unterricht.

Von der Universität selbst bekommen wir nur die Aula zu sehen, weiter durften wir nicht hinein. Wir denken, dass wir nicht allzu viel dadurch versäumen, denn obwohl der große Versammlungsraum ganz nett ist, zu den Highlights an bisher Gesehenem würden wir ihn doch nicht zählen.

Nach obenSüleymaniye Moschee

Sueleymaniye Bibliothek, Innenhof
IconSueleymaniye Bibliothek, Innenhof

 

Sueleymaniye Bibliothek, Innenhof

 

Als nächstes wollen wir nun zur Süleymaniye Moschee, die gleich unterhalb des Parks zu sehen ist. Der Weg dorthin ist allerdings nicht so einfach, wie es den Anschein hat.

Zuerst finden wir nicht aus dem Unigelände hinaus, weil unsere Wege immer wieder in Sackgassen vor verschlossenen Türen enden. Dann laufen wir einem steten Strom von Leuten hoffnungsvoll hinten nach und … landen fast in der Kantine!

Schlussendlich finden wir dann doch ein kleines Ausgangstor und schaffen es, das Universitäts­gelände hinter uns zu lassen. Wir laufen durch einige Gässchen mit Handwerksläden wie Messer­schleifereien oder Schneidereien, die immer winkeliger werden und schließlich an der Külliye enden.

In nur 7 Jahren erbaute Sinan, der große und berühmte Architekt, diese Moschee zu Ehren des Stifters Süleyman I.

Yusuf Sinan bin Abdullah, galt als größter Baumeister des osmanischen Reiches. Er wurde um 1490 geboren und starb am 17. Juli 1588 in Konstantinopel.

Sueleymaniye-Moschee

 

Sueleymaniye-Moschee
IconSueleymaniye-Moschee

 

Sein Todestag zählt zu den wenigen gesicherten Daten, der volle Name, Geburtsort und -datum sowie einige Details seines Lebenslaufes sind jedoch nur vermutet.

Ein Faktum sind seine wunderbaren Bauwerke, die uns auch heute noch in Staunen versetzen und ob ihrer vollkommenen Harmonie geschätzt werden.

Gleich als wir die Külliye durch ein Tor betreten, befindet sich eine kleine Bibliothek unserer Rechten. Wir schlüpfen hinein, doch es wird gerade für die Mittagspause geschlossen.

Wir schaffen es gerade noch, einen Blick in den begrünten Innenhof zu werfen, der uns an einen Kreuzgang erinnert und dann werden wir auch schon sanft aber bestimmt hinaus geschmissen.

Sueleymaniye-Moschee, Friedhof

 

Sueleymaniye-Moschee, Eingang

 

Sueleymaniye-Moschee

 

Auch bei uns macht sich mittäglicher Hunger bemerkbar und so halten wir nach einem Rastplatz Ausschau. Wir finden ein verkanntes Lokal, wo um TL 14.- ein Menü aus Hühnerkebap, Reis, Salat und Cola geboten wird. Das nehmen wir!

WC gibt es allerdings leider keines hier und Karin läuft zur öffentlichen Toilette bei der Moschee. Um TL 1.- gibt es hier orientalische Erleichterung (Lochklo und Wasser statt Papier).

Nach dem geteilten Mittagsmahl wollen wir nun die Moschee besuchen. Karin geht inzwischen schon hinein, während Alexander nun auch eine kurze Biopause benötigt.

Beim Betreten der Moschee ist man sehr streng mit Kopfbedeckung und Verhüllung. Karins großer Sonnenhut wird als unzureichend angesehen. Die Strenge gilt aber nur gegenüber Ungläubigen, Gläubige dürfen sich aufführen und z.B. laut am Handy telefonieren. Hier wird ziemlich mit zweierlei Maß gemessen.

Sueleymaniye-Moschee, ehem. Armenküche
IconSueleymaniye-Moschee, ehem. Armenküche

 

Sueleymaniye-Moschee, ehem. Armenküche

 

Karin lässt sich in einer Ecke auf dem weichen, dicken Teppich nieder und genießt den Eindruck der erhabenen Weite und Ruhe. Dieser Effekt wird im wesentlichen dadurch erzielt, dass die Kuppel doppelt so hoch wie ihr Durchmesser ist.

Nach einiger Zeit des Schauens und Bewunderns wird Karin ein wenig unruhig: Alexander kommt und kommt nicht. Es ist doch hoffentlich alles in Ordnung? Wo bleibt er nur so lange?

Kein Wunder, dass das Warten vergeblich war. Alexander darf nämlich wegen des Mittagsgebets nicht mehr hinein und wartet draußen, während Karin drinnen sitzt und nach ihm Ausschau hält. Nach einer ½ Stunde kommt Karin schließlich beunruhigt heraus, die Sache klärt sich auf und wir sind wieder vereint.

Foto: Gebrauchsanweisung für Istanbul
Gebrauchsanweisung für Istanbul

 

Wir gehen nun entlang der „Suchtgasse”, die ihren Namen daher hat, weil in den hier ansässigen Kaffee- und Teehäuser neben den Heißgetränken einstmals auch Opium und Haschisch verkauft wurden. Zu dieser Zeit wurde es mit Haram, dem Verbot von Rauschmitteln im Islam, wohl nicht ganz so streng genommen, wie das heute der Fall ist.

Einmal ums Eck befindet sich die ehemalige Armenküche mit Suppenausschank. Im grünen Innenhof befindet sich ein sehr nettes Café, das uns zu einer kurzen Pause einlädt. Im Schatten der Bäume genießen wir zwei starke türkische Kaffee und lauschen dem Plätschern des kleinen Brunnens.

So gestärkt geht es nach dem Begleichen der Rechnung weiter auf unserem Rundgang.

Sinans Grab, das er übrigens ebenfalls selbst entworfen hat, befindet sich ebenfalls hier, am Nordrand der Külliye der Süleymaniye Moschee. Die Türbe ist äußerst schlicht und abgesperrt, sodass wir nur einen kurzen Blick durch das vergitterte Tor auf Sinans letzte Ruhestatt werfen können.

Nach obenWie in 1000 und 1 Nacht

Basarviertel

 

Basarviertel

 

Basarviertel

 

Wir verlassen das Gelände rund um die Moschee wieder durch enge Gässchen voller Hand­werks­betriebe wie vor hundert Jahren. Es ist kaum vorstellbar, dass auch heute hier noch alles ohne Maschinen gemacht wird.

Die Geschäfte werden mit der Entfernung zur Moschee moderner, aber nicht schöner. Es gibt viele Läden, wo die kunterbunte Ware einfach irgendwie hingestellt wird. Durcheinander, übereinander, kreuz und quer wie z.B. in einem Geschäft, das nur Plastikware führt. Und da findet man etwas?

Ein Mann keucht schwitzend die steile Straße hinauf und malträtiert dabei seinen Tschikstummel. Bitte keinen Herzanfall jetzt, ja?! Überholt wird er von einem weiteren Händler, der ein riesiges Tablett voll Gebäck auf seinem Kopf trägt. Das Viertel bietet wirklich authentisches, orientalischen Alltagsflair!

Gewürzbasar (Ägyptischer Basar)
IconGewürzbasar (Ägyptischer Basar)

 

Gewürzbasar (Ägyptischer Basar)
IconGewürzbasar (Ägyptischer Basar)

 

Gewürzbasar (Ägyptischer Basar)
IconGewürzbasar (Ägyptischer Basar)

 

Durch das Straßen­wirrwarr gelangen wir schließlich zum Gewürzbasar, der sich durch die intensiven Gerüche schon von Weitem ankündigt. Auch Ägyptischer Basar genannt, wurde dieser überdachte Handelsplatz im 17. Jahrhundert eingerichtet, um die sozialen Stiftungen der nahe­gelegenen Yeni Camii durch die Zollabgaben für Importe aus Ägypten zu finanzieren.

Gewürz­mischungen, pure Gewürze, Trockenfrüchte und Süßig­keiten sind hier zu bunten Bergen gehäuft und verströmen ihr intensives Aroma. Solchen Verlockungen können wir natürlich nicht widerstehen und kaufen zuerst bei einem Stand etwas Süßes und - nachdem wir die Köstlichkeiten gleich verzehrt haben - ein paar Schritte weiter noch etwas. Mmmmmh, ist das gut!

Nach obenGalataturm

Imbisstand am Hafen
IconImbisstand am Hafen

 

Schwimmende Küchen

 

Am Hafen von Karaköy gibt es neben imperialen Imbissständen und schwimmenden Küchen auch einen wunderbaren Ausblick auf den Galataturm. Genau dort wollen wir hin! Und die Brücke, welche die Mündung des Goldenen Horns überquert, bringt uns unserem Ziel auch gleich ein schönes Stück näher.

Alexander, der im Zuge der einen oder anderen Dienstreise schon mal die Gelegenheit hatte, sich abends etwas anzusehen, möchte Karin gerne ein besonderes Kleinod zeigen und so irren wir zunächst einmal suchend durch die Gassen von Beyoglu, dem Stadtteil Istanbuls, in dem sich der Galataturm befindet.

Doch schon bald haben wir die Stufen gefunden. Kamondo Merdivenieri nennt sich die Jugendstiltreppe mit dem eleganten Schwung. Sie wurde Ende des 19. Jahrhunderts als Zugang zum Stadthaus des berühmten und reichen Bankiers Camondo errichtet. Heute befindet sich im ehemaligen Domizil des jüdischen Finanziers ein Hotel.

Kamondo Merdivenleri, Jugendstiltreppe

 

Galata Turm

 

Doch wo man normalerweise Ruhe genießt, haben wir heute nur ganz kurz Zeit, ein Foto von diesem architektonischen Kleinod zu machen. Sekunden später ergießt sich eine Masse an jungen Leuten über die Stufen.

Die Schule ist gerade aus und SchülerInnen in Uniformen hüpfen oder schlendern die Treppen hinunter. Auch ein netter Anblick und die Treppe haben wir ja glücklicherweise schon im Kasten!

Alexander wird plötzlich etwas unrund. Da ist ein Schatten auf der Außenseite seiner Fotos zu sehen. Was um Himmels Willen ist das denn? Es wird doch die Kamera keinen Schaden haben? Nein, zum Glück ist es nur die Streulichtblende, die verdreht ist. Einmal neu aufgeschraubt ist alles wieder in Ordnung.

Noch ein paar Schritte weiter bergauf und wir sind beim Galataturm. Ursprünglich Teil der Stadtbefestigung aus dem 14. Jahrhundert, wird der letzte Überrest der genueser Hauptbastion heute nur mehr als Aussichtsplattform und für gastronomische Zwecke genutzt.

Von oben hat man denn auch eine wunder­schöne Rund­sicht auf Istanbul, das sich hier quasi vor den eigenen Füßen ausbreitet.

Galata Turm

 

Skyline Istanbul, Bosporus

 

Terrasse Cafe Konak

 

Auf die Füße muss man hier oben auch aufpassen, denn es ist verdammt eng auf der Brüstung, die man zwecks Ausguck entlang läuft und manche Leute bleiben einfach immer an der engsten Stelle stehen. Wenn die Aussicht doch hier am aller­schönsten ist …!?

Auch schön ist die Aussicht von der Dachterrasse des Café Konak, die wir wenig später erklimmen. Schon allein das schmale Treppenhaus im Stil der Belle Epoque ist sehenswert und die Mehlspeisen und Torten der 1975 gegründeten Traditions­konditorei ist ebenfalls einen Besuch wert.

Wir sind wegen Hitze und permanenter kulinarischer Versuchungen ziemlich voll und genießen den Blick auf die Altstadt deshalb bei Milkshake und Café frappé. Schlürfend kommen wir mit einem Paar aus New York ins Gespräch, das ebenfalls Istanbuls vielfältige Sehenswürdigkeiten in vollen Zügen genießt.

Spital Beyoglu Göz Hastanesi

 

Terrasse des Cafe Konak, Galata Turm
IconTerrasse des Cafe Konak, Galata Turm

 

Schon vom Galataturm aus hat uns ein Gebäude fasziniert, das ein Türmchen mit zierlicher Kuppel schmückt. Es sieht fast ein bisschen nach Jugendstil aus. Auch hier vom Café aus, haben wir einen ungehinderten Blick darauf. Auf unsere Nachfrage erfahren wir, dass es sich um ein Spital der Engländer handeln soll … was immer das nun wieder bedeutet.

Durch das aquariumgrüne Belle Epoque-Treppenhaus verlassen wir die Dachterrasse des Konak wieder und steuern auf besagtes Hospital zu. Kurz schaffen wir es, einen Blick in den Vorhof und das Innere zu werfen, bevor uns die Wache hinaus stampert. Tja, so wird das englische Hospital wohl weiter einen Hauch von Geheimnis vor uns bewahren.

Zu Fuß laufen wir durch die Gassen von Beyoglu und sind über die vielen kleinen Boutiquen erstaunt, die sich vor allem rund um den Galataturm angesiedelt haben. Individuelle Modedesigner, Vintage Läden und andere interessante Geschäfte findet man hier und bekommt Lust auf Stöbern. Karin zieht es in ein Geschäft mit ganz außer­gewöhnlichen Schuhen (what else!?), doch leider gibt es kein Paar in ihrer Größe.

Nach obenBahnhof Istanbul Sirkeci

Sirkeci Gari, Alter Bahnhof (Orient Express)

 

Sirkeci Gari, Alter Bahnhof (Orient Express)
IconSirkeci Gari, Alter Bahnhof (Orient Express)

 

Wieder am Südufer des goldenen Horns angelangt, statten wir dem Bahnhof Istanbul Sirkeci einen Besuch ab. Der Kopfbahnhof gelangte vor allem als Endstation des Orient-Express zu Berühmtheit und auch wir erhoffen uns noch etwas vom Glanz der alten Tage hier zu funden.

Die Fundstücke halten sich jedoch sehr in Grenzen. Im historischen Empfangs­gebäude des Bahnhofs gibt es große, leere Hallen und ein Restaurant. In selbigem ist es trotz (oder vielleicht gerade wegen) freundlichen Fragens nicht gestattet sich umzusehen oder gar Fotos zu machen. Wir vermuten, dass es heute wohl nicht mehr wegen der vielen Journalisten und Medienleute ist, die sich um die Jahrhundertwende hier gerne traf.

Sirkeci Gari, Alter Bahnhof (Orient Express)

 

Sirkeci Gari, Alter Bahnhof (Orient Express)
IconSirkeci Gari, Alter Bahnhof (Orient Express)

 

Es bleibt der Blick auf ein paar bunte Glas­fenster, schön verzierte Bahnhofs­hallen voll gähnender Leere und das Treiben des modernen Bahnhofs­teils. Das im Reise­führer beschriebene kleine Museum können wir leider nicht ausfindig machen.

Ums Eck vom Bahnhof befindet sich auch gleich die Straßen­bahn­halte­stelle und so fahren wir mit Istanbuls Bim zum Sultanahmet-Platz, wo wir nochmals versuchen, unseren alten Geldschein zu tauschen. Der freundliche Verkäufer aus dem kleinen Café hat uns ja extra deswegen herbestellt.

Auch heute ist er wieder da und erkennt uns gleich, doch mutiert er langsam zum orientalischen Geschichten­erzähler, so abenteuerlich sind die Märchen, mit denen er uns den Schein zwecks Wechsel abluchsen möchte - tauschen mag er dann aber erst in ein paar Tagen. Nein, nein mein Freund, so machen wir das nicht. Unsere Süßigkeiten können wir uns auch woanders kaufen.

Das tun wir dann auch und schlendern anschließend zurück in unser Hotel. Heute werden die abendlichen Arbeiten wie Fotos entladen und Stichworte für den Reisebericht etwas früher erledigt, denn danach wollen wir uns noch duschen und umziehen für ein weiteres Abendessen auf Empfehlung unseres Concierge Emre.

Nach obenAbendessen mit Hoppalas

Sogukcesme Sokagi (Hagia Sophia Mansions)
IconSogukcesme Sokagi (Hagia Sophia Mansions)

 

Sogukcesme Sokagi (Hagia Sophia Mansions)

 

Balikci Sabahattin (Fischer Sabahattin) ist ein traditionelles Fischrestaurant - sehr populär, sehr voll. Deshalb sind wir auch froh, dass Emre schon vor ein paar Tagen einen hübschen Tisch für uns reserviert hat.

Das Restaurant ist vom Hotel Amira aus zu Fuß erreichbar und so spazieren wir alsbald frisch geduscht und umgezogen durch die Altstadt. Auf der Fressmeile werden wir von vielen türkischen Kellnern angesprochen. Einerseits weil wir so ein hübsches Paar sind und andererseits, und natürlich primär, weil wir essen kommen sollen.

Sultan Ahmed III Brunnen

 

Der Fischer ist für uns dann doch etwas schwierig zu finden und wir sind froh, dass er so bekannt ist. So ist es kein Problem, einfach irgendjemanden nach dem Weg zu fragen, den wir auch prompt erklärt bekommen. Ahso, diese Gasse noch hinunter und dann rechts! Und schon sind wir da.

Wir bekommen im wirklich bummvollen Gast­garten einen lauschigen Tisch in der Ecke. Das Abendessen beginnt mit Mezzes bestehend aus humusartigem, vegetarischem Breichen, Ajvar, einem Riesensalat und getoastetem Weißbrot.

Wasser kommt ungefragt, Weißwein glasweise auf Bestellung. Der Wein schmeckt ähnlich einem Sauvignon blanc und findet unsere Zustimmung. Zum Fisch passt er ganz ideal.

Apropos Fisch, den Monkfish vom Nachbartisch bestellen wir beim vorbeieilenden Kellner und bringen damit die strenge Servierordnung durcheinander. Ui, wenn Blicke töten könnte, dann hätte uns das böse G'schau vom Oberkellner jetzt aber das Leben gekostet!

Trödlerladen
IconTrödlerladen

 

Strafhalber müssen wir dafür extra lange warten und bekommen zwischenzeitlich auch weder Brot noch Wasser nachgereicht. Als dann der Monkfish kommt, hat sich das Warten gelohnt. Das Fischlein ist sehr gut zubereitet und gänzlich ohne Gräten, was vor allem Alexander sehr freut.

Mit Mezzes und Hauptspeise sind wir nun mehr als satt und stören schon wieder die Menüabfolge, da wir weder Kaffee noch Dessert möchten sondern einfach nur zahlen. Solche Gäste aber auch!

Der Retourweg tut uns als kleiner Verdauungs­spaziergang gut, sodass wir auf unserem Zimmer schon wieder Platz für eine geteilte Süßigkeit und je einen Espresso haben. So, jetzt sind wir aber absolut voll!

Husch, husch ins Bettchen und ausschlafen für einen weiteren Tag voll Abenteuer in Istanbul. Gute Nacht, träum schön.

zu den FAQs und den Kommentaren
Auf der letzten Seite dieses Reiseberichtes findest Du die Fragen unserer BesucherInnen, welche uns im Laufe der Zeit erreichten und hast selbst die Möglichkeit einen Kommentar zu diesem Reisebericht zu hinterlassen.
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