Ein Sekretärin, ein See und der Pfingstberg

Potsdam, von Schwanenbrücke
Hasengraben

 

Potsdam, von Schwanenbrücke
IconPotsdam, von Schwanenbrücke
Hasengraben

 

Potsdam, Heiliger See
IconPotsdam, Heiliger See
Marmorpalast

 

So wie gestern ist auch heute wieder strahlendes Sonnenwetter angesagt. Sehr fein, genau das richtige Wetter für unseren 2. Tag in Potsdam. Unser Ziel ist der Neue Garten, dieser liegt im Norden Potsdams am Jungfernsee.

Kronprinzen Friedrich Wilhelm (II.) kaufte ab 1787 hier viele Grundstücke und begann mit der Anlage des Neuen Gartens, welcher seinen Namen programmatisch in der Abkehr vom alten Barockpark Sanssouci erhielt.

Aber auch in der erst kürzlich vergangenen Zeit hat ein Teil des Neuen Gartens, der Cecilienhof, einen festen Platz in der Geschichte. Bis 1945 war es der Wohnsitz des letzten deutschen Kron­prinzen­paares Wilhelm und Cecilie von Preußen, die zuvor im Marmorpalais wohnten.

Von 17. Juli bis 2. August 1945 fand hier die Potsdamer Konferenz statt, sicher eines der bedeutendsten historischen Ereignisse des 20. Jahrhunderts. Aber dazu später mehr Details, jetzt gehen wir erst Mal frühstücken (natürlich wieder zu „Junge Die Bäckerei.” in der Rudi-Dutsche-Straße) und danach folgt die 1 Stündige Anreise mit U-Bahn, Bahn, Bus und Fußweg.

Nach obenNeuer Garten

Potsdam, Schloss Cecilienhof
IconPotsdam, Schloss Cecilienhof
Schornstein

 

Potsdam, Schloss Cecilienhof
Garten

 

Potsdam, Schloss Cecilienhof
IconPotsdam, Schloss Cecilienhof
Garten

 

Wir treffen bei der Schwanenbrücke auf den Neuen Garten. Hier ist es malerisch schön - ein Terrain zum Träumen - und herrlich ruhig, eine Idylle. Vielleicht ist es so ruhig, weil heute Samstag ist und viele Leute um 10:30 noch schlafen? Egal, wir genießen Aussicht und Ruhe und schlendern Richtung Grünes Haus.

Das Haus gehört zu den sogenannten „Bunten Häusern”, die bereits vor der Entstehung des Neuens Gartens existierten. Es ist aber kein ehemaliges Winzerhaus, wie andere der Bunten Häuser.

Hier wohnte einst der Hofbildhauer Heinrich Friedrich Kambly (1750 - 1801). Später erhielt der Gartenarchitekt Peter Joseph Lenné in dem Haus seine erste Dienstwohnung. Heute wohnen hier fünf Mietsparteien. Sehr nette Adresse mit Blick auf den Heiligen See.

„Schau, das schwimmt jemand im Heiligen See.” und wie die Dame dem Wasser entsteigt, sehen wir, dass sie nackt badet. Trotz des wirklich schönen Wetters heute, wäre uns Mitte September das Schwimmen im See zu kalt.

Baden ist hier eigentlich gar nicht erlaubt, weder mit noch ohne Kleidung, aber „um des lieben Friedens Willen” hat die Aufsicht der Schlösserverwaltung einen „Kompromiss” geschlossen: Hier am nördlichen Ufer des Heiligen Sees wird man nicht verjagt, wenn man badet. An anderen Stellen am See, werden Badende von Mitarbeitern der Parkaufsicht gebeten, den Platz zu verlassen. Eine äußerst salomonische Lösung.

Nach obenSchloss Cecilienhof

Potsdam, Schloss Cecilienhof
IconPotsdam, Schloss Cecilienhof
Weißer Salon, Empfangszimmer sowjetischen Delegation

 

Potsdam, Schloss Cecilienhof
IconPotsdam, Schloss Cecilienhof
Arbeitszimmer sowjetischen Delegation

 

Potsdam, Schloss Cecilienhof
Arbeitszimmer britische Delegation

 

Das Schloss Cecilienhof wurde im Stil eines englischen Landhauses errichtete und sieht so gar nicht wie ein typisches Schloss aus. Keine weißen Türme oder blumige Ornamente, hier wurde mit Backstein und Fachwerk gebaut. Der Architekt gruppierte die 176 Zimmer um einige Innenhöfe und so gelang es, die tatsächliche Größe des Schlosses zu verschleiern.

Das Schloss liegt wie ein schnuckeliger englischer Landsitz vor uns und wirkt gar nicht wie eine 176 Zimmer Residenz. „Lass uns mal sehen, für welche Uhrzeit wir Eintrittskarten bekommen.”.

Der nächste mögliche Eintritt (€14.- pro Person) ist um 12:30. Fein, dann haben wir jetzt 1½ Stunden Zeit, um im Park noch ein wenig spazieren zu gehen und zu Mittag zu essen. Ein paar Minuten entfernt ist die Gasthausbrauerei Meierei im Neuen Garten mit großem Außenbereich direkt zum Jungfernsee.

Als wir beim Jungfernsee ankommen, sehen wir, dass das Internet leider recht hat - die Meierei ist geschlossen. Schade, dann suchen wir uns etwas anderes.

Potsdam, Schloss Cecilienhof
Besprechungsraum der amerikanischen Delegation

 

Potsdam, Schloss Cecilienhof
Arbeitszimmer der amerikanischen Delegation

 

Potsdam, Schloss Cecilienhof
Konferenzhalle

 

Leichter gesagt als getan, denn das einzige geöffnete Lokal ist das Café Cecilie im Innenhof des Schlosses. Wir nehmen Platz im Freien, essen eine Kleinigkeit und warten auf unseren Einlass um 12:30 ins Schloss.

Pünktlich, jeder mit Audioguide und Kamera ausgestattet, betreten wir gemeinsam das Schloss. Eigentlich achtet ein Guide peinlich genau darauf, dass zwischen den TouristInnen immer mehrere Meter Abstand sind, bei uns als Paar macht er aber eine Ausnahme.

Betrachtet werden können nur einige Räume im Untergeschoss. Das Obergeschoss, dort sind die Privatgemächer des Kronprinzenpaares, darf leider nicht besichtigt werden. Sehr gerne hätten wir uns das als Schiffskabine entworfene Kabinett der Kronprinzessin auch angesehen. Das Obergeschoss soll Ende 2021 wieder zugänglich sein. Ein Grund für einen neuerlichen Besuch.

Der Audioguide hat viel zur Dreimächtekonferenz im August 1945 zu berichten. Nach der Kapitulation Deutschlands versammeln sich hier im Schloss Cecilienhof die Siegermächte, um über die Zukunft Europas zu entscheiden.

Potsdam, Schloss Cecilienhof
Foto Churchills Sekretärin Joy Milward

 

Potsdam, Schloss Cecilienhof
Tagebuch Churchills Sekretärin Joy Milward

 

Potsdam, Schloss Cecilienhof
IconPotsdam, Schloss Cecilienhof
Innenhof, Roter Stern

 

Teilnehmer der auch als Potsdamer Konferenz bezeichneten Zusammenkunft, sind die Vertreter der alliierten Siegermächte - Josef Stalin, Harry Truman und Winston Churchill bzw. sein Nachfolger Clement Attlee.

Jeder der „Großen Drei” erhielt Räume im Erdgeschoss, welche als Verhandlungssaal und Arbeitszimmer genutzt wurden. In der großen Halle in der Mitte des Schlosses wurde das Potsdamer Abkommen unterzeichnet. Soweit zu den uns mehr oder minder bekannten Fakten.

Gar nicht bekannt war uns die Geschichte von Churchills Sekretärin Joy Milward, welche ihre Gedanken in einem Tagebuch noch erhaltenen Tagebuch festhielt und uns so heute auf eine Zeitreise mitnimmt. Sie war 20 Jahre jung, als sie in Deutschland ankam und notierte ihre persönlichen Eindrücke dieser ganz besonderen Zeit in ihrem Tagebuch.

Von Momenten der Muße abseits der vielen Arbeit, von Dinnerpartys, Konzerten und Tanzabenden, aber auch vom Ruinen­tourismus ins zerbombte Berlin erzählt Milwards Tagebuch. Wir lauschen dem Audioguide und sind glücklich, in diesen ruhigen friedlichen Zeit leben zu dürfen.

Nach obenBelvedere auf dem Pfingstberg

Potsdam, Belvedere auf dem Pfingstberg
IconPotsdam, Belvedere auf dem Pfingstberg

 

Potsdam, Belvedere auf dem Pfingstberg

 

Potsdam, Belvedere auf dem Pfingstberg

 

20 Minuten später stehen wir vor dem Belvedere auf dem Pfingstberg, dem nächsten Highlight des heutigen Tages. Wau, was für ein Anblick und sicher auch Ausblick über Potsdam, wenn wir oben stehen. Schon Friedrich Wilhelm IV. gefällt der Blick über die Landschaft und so lässt er 1847 hier ein romantisches Schloss errichten. Leider erlebt Friedrich Wilhelm IV. die Fertigstellung 1863 nicht mehr. Aber wir betreten die Anlage jetzt.

Die Architekten Persius, Stüler und Hesse errichteten hier im Stil einer italienischen Renaissance-Villa das Aussichtsschloss. Arkaden, Kolonnaden, Galerien, ein Wasserbecken im Innenhof und die beiden Aussichtstürme schaffen eine romantische Atmosphäre.

Die Außenanlage plante der renommierte Gartenarchitekt Lenné. Der gesamte Bau wird jedoch nicht fertiggestellt - Geldmangel.

Nach dem 2. Weltkrieges ist die Anlage Sperrgebiet, da sowjetisches Militärs in dem nahe­gelegenen Villen­viertel leben. Außerdem gibt es nun den Blick frei auf die Mauer und Sperranlagen zwischen Potsdam und West-Berlin und genau das wollen die DDR-Behörden unbedingt verhindern.

Potsdam, Belvedere auf dem Pfingstberg
IconPotsdam, Belvedere auf dem Pfingstberg
Das Römische Kabinett

 

Potsdam, Belvedere auf dem Pfingstberg

 

Potsdam, Kaiserin-Augusta-Stift

 

Das Belvedere verfällt immer mehr. Erst nach dem Mauerfall und aufwändiger Sanierung zeigt sich die Anlage heute wieder in ihrer alten Pracht und ist Teil der UNESCO-Welterbestätten.

Wir steigen Treppen auf und ab, machen dort und da Fotos, lesen viel und genießen das Panorama. Überall gibt es Ecken und Winkel, welche zum Fotografieren einladen.

Das sieht auch ein Hochzeitspaar so, daher sind leider einige Teile der Anlage heute nicht für die Allgemeinheit zugänglich sondern dienen als Kulisse für den hoffentlich schönsten Tag im Leben des Paares.

Am Weg retour zum Heiligen See kommen wir beim Kaiserin-Augusta-Stift vorbei. Sieht wie ein kleines Schloss aus und war ursprünglich als Heim für Kriegswaisenmädchen erbaut worden. Ab 1945 wurde das Gebäude vom sowjetischen Geheimdienst genutzt. Bis dieser 1994 wieder auszog, diente das schöne Gebäude dem KGB so als Europazentrale. Danach ging es zurück an die Stiftung und heute ist der nunmehr restaurierte Gebäudekomplex ein Wohnhaus.

Nach obenMarmorpalais, Orangerie und Gotische Bibliothek

Potsdam, Marmorpalais
IconPotsdam, Marmorpalais

 

Potsdam, Marmorpalais
IconPotsdam, Marmorpalais

 

Potsdam, Marmorpalais
IconPotsdam, Marmorpalais

 

Das Marmorpalais am Seeufer des Heiligen Sees war die Sommerresidenz König Friedrich Wilhelms II. von Preußen. Leider ist das Schloss Covid-19 bedingt derzeit geschlossen. So spazieren wir nur rundherum. Auch die Schlossküche, gebaut als halb versunkene Tempelruine, suchen und finden wir.

Etwas weiter südlich kommen wir zur Orangerie samt nettem Café, welches leider auch geschlossen ist. Vor der Orangerie treffen wir auf ein verliebtes Paar, welches in einer Gartenlaube einem spanischen Gitarristen lauscht.

Wir gehen leise vorbei, setzen uns in einiger Entfernung auf ein Bankerl und genießen die Musik vor der Kulisse der Orangerie und den blühenden Rabatten. Hach, wie romantisch!

Nach einiger Zeit spazieren wir weiter zum Ende des Neuen Gartens. Dort sehen wir noch die Gotische Bibliothek, welche in einem kleinen zweigeschossigem Turm untergebracht ist.

Danach treten wir wieder die Heimreise nach Berlin an und nehmen unser Abendessen in der „Ständigen Vertretung” am Schiffbauerdamm 8 ein. Es schmeckt wieder köstlich und ist natürlich auch wieder viel zu viel. Wenn's aber so gut schmeckt!?! Mit einem kleinen Verdauungsspaziergang über den Gendarmenmarkt geht es abschließend zurück zum Hotel Mondrian Suites. Gute Nacht und bis morgen, unserem letzten Tag in Berlin.

zu den FAQs und den Kommentaren
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