Eine Uhr, ein Auto und ein Tenor

Berlin, Park am Fernsehturm
IconBerlin, Park am Fernsehturm
Berliner Fernsehturm

 

Berlin, Oranienburger Straße

 

Berlin, Hackesche Höfe

 

Guten Morgen! Wir haben gut geschlafen, sind ausgeruht und voller Tatendrang weitere Ecken von Berlin zu erkunden. Doch zunächst muss gefrühstückt werden. Heute, Montag, haben wieder viele Bäckereien geöffnet und so wählen wir zwecks Abwechslung ein anderes Lokal zum Frühstücken, das ebenfalls in Gehweite zu unserer Bleibe liegt.

Die Fotos, die wir vom Kaffee Pausenbrot im Web sehen, schauen allesamt einladend aus. Alles wird frisch mit vollwertigen Zutaten zubereitet, man wird sogar aufgefordert vorzubestellen, falls man größere Mengen benötigt, weil sich das Kaffee voll und ganz größtmöglicher Frische verschrieben hat. Das gefällt uns – wir sind unterwegs.

Beim Lokal angekommen fällt uns gleich die große Auswahl an Pausenbroten oder Stullen auf. Nomen est omen! Karin wählt trotzdem Birchermüsli im Glas und Minztee, aber Alexander nimmt ein Salami-Sandwich und einen Caffé Latte. Speisen und Getränke sind fein, aber Alexander hat es bei „Junge Die Bäckerei.” doch noch besser geschmeckt.

Nach obenAlter Jüdischer Friedhof

Berlin, Jüdischer Friedhof

 

Berlin, Jüdischer Friedhof

 

Berlin, Jüdischer Friedhof
IconBerlin, Jüdischer Friedhof
Denkmal

 

Unser erster Halt ist wieder die U-Bahn-Station „Hackescher Markt”. Die Hackeschen Höfe lassen wir aber heute erstmal links liegen und schlendern entlang der Oranienburger Straße bis zur Große Hamburger Straße. Hier befindet sich unser erstes Ziel, der Alte Jüdische Friedhof – gegründet im Jahr 1672.

Ganz zum Unterschied zur stark befahrenen Großen Hamburger Straße ist es hier sehr ruhig. Die Sonne scheint schon auf einige der alten Grabsteine und so wirkt der Friedhof auf uns ruhig und friedvoll.

Mehr als 150 Jahre wurde das Gelände als Begräbnisstätte genutzt (bis zum Jahr 1827). 1943 wurde der Friedhof auf Befehl der Gestapo leider zerstört.

Auf dem alten jüdischen Friedhof sind viele Persönlichkeiten begraben. Das wohl bekannteste Grab ist das des deutschen Philosophen Moses Mendelssohn (1729-1786), dem Wegbereiter der jüdischen Aufklärung. Auch bemerkenswert finden wir die von Will Lammert aufgestellte Figurengruppe vor den Friedhofsmauern.

Die 13 Figuren waren eigentlich für den Fuß einer Stele für die Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück entworfen worden, die nach dem Tod des Bildhauers aber nur teilweise realisiert wurde. Hier vor dem Alten Jüdischen Friedhof stehen sie seit 1985 als erstes Denkmal für die jüdischen Opfer des Faschismus.

Nach obenSophienkirche, Sophie-Gips-Höfe und Sophiensäle

Berlin, Sophienstraße 21
Sophie­Gips­Höfe

 

Berlin, Sophienkirche

 

Berlin, Sophienstraße 21

 

Bereits wenige Schritte weiter treffen wir auf die Sophienkirche, benannt nach Königin Sophie Luise. Das Besondere an dieser Pfarrkirche ist, dass sie den einzigen erhaltenen barocken Kirchturm in Berlin hat. Wir umrunden die Kirche und durchqueren danach den alten Kirchhof mit den vielen hohen Bäumen.

Am anderen Ende des Kirchhofs landen wir bei der Sophienstraße. „Hier sollen doch gleich die Sophie-Gips-Höfe sein?” Stimmt, auf Sophienstraße 21 finden wir den Eingang samt Infoschild. Wir spazieren durch die 3 ruhigen Innenhöfe, erstaunlich wie grün es hier überall ist.

Um 1863 wurden erst die Mietshäuser und etwas später der Wohn- und Gewerbekomplex durch Gebert & Söhne für den Nähmaschinenfabrikanten Mehlich hier errichtet. Im Fabrikgebäude wurden zur Zeit der DDR medizinische Geräte hergestellt.

In den späten 1990er Jahren ließ das Kunstsammlerehepaar Hoffmann das denkmalgeschützte Gebäude sanieren und in den ausgebauten Dachgeschossen ihre Sammlung der Gegenwartskunst (Sammlung Hoffmann) einrichten. Die begrünten Höfe, Lichtinstallationen und Dachgestaltungen gehören zum Gesamtkonzept.

Berlin, Sophienstraße 18
IconBerlin, Sophienstraße 18

 

Berlin, Sophienstraße 21
IconBerlin, Sophienstraße 21

 

Berlin, Sophienstraße 21
IconBerlin, Sophienstraße 21

 

Wieder ein paar Meter sehen wir das pompöse Portal der Sophiensäle (Sophienstraße 18). Im ehemaligen Handwerkervereinshaus befindet sich jetzt ein Theater.

Leider können wir die Lokation nur von Außen besichtigen. Schade, denn der Backsteinbau samt begrüntem Innenhof macht Lust auf mehr.

Nach obenHackesche Höfe, Neue Synagoge Berlin, ehemaliges Postfuhramt

Berlin, Oranienburger Straße
IconBerlin, Oranienburger Straße

 

Berlin, Oranienburger Straße
Neue Synagoge

 

Berlin, Die Hackeschen Höfe
IconBerlin, Die Hackeschen Höfe
Endellscher Hof (Hof 1)

 

Heute, bei Sonnenschein, sehen die Hackeschen Höfe verändert aus. Es ist jetzt 10:15 und viele Geschäfte sind noch geschlossen, das ist anders als bei uns in Wien. Dafür schließen viele Läden hier erst um 22:00 Uhr, auch das ist in Wien nicht üblich.

Trotzdem spazieren wir durch die verschiedenen Höfe und drücken unsere Nasen an so mancher Auslage platt. Im Brunnenhof findet gerade ein Foto­shooting statt. 10 Jahre „Hoffnung Berlin - handgefertigte Gürtel” ist der offensichtliche Grund des Jubiläums und vor dem Shop stehen alle Angestellte in Reih und Glied und werden fotografiert.

Was uns besonders gefällt? In den meisten Höfen wurde viel Grün angepflanzt (so z. B. im Hof 3 - Kunsthof) und die Vielfalt der unterschied­lichen, nicht alltäglichen Shops.

Nächster Stopp auf unserem Spaziergang ist die Neue Synagoge Berlin in der Oranienburger Straße. Ein imposantes Gebäude, soweit wir von außen sehen können. Alexanders Versuch die Synagoge betreten zu dürfen scheitert an der Torwache, welche ihm sofort unmissverständlich klarmacht, dass Besuche hier nicht erwünscht sind. Schade, dann gehen wir weiter.

Berlin, Die Hackeschen Höfe
Kunsthof (Hof 3), Königliche Porzellan-Manufaktur

 

Berlin, Die Hackeschen Höfe
Kunsthof (Hof 3)

 

Berlin, Die Hackeschen Höfe
IconBerlin, Die Hackeschen Höfe
Kunsthof (Hof 3)

 

Hey, was ist denn das für ein Backsteinbau hier an der Ecke Oranien­burger und Tucholsky Straße? Es ist das ehemalige Kaiserliche Postfuhramt (errichtet 1875–81). Hier befand sich früher die Post­kutschen­remise samt Stallungen für etwa 250 Pferde. Ein Anbau diente als Maschinen- und Kessel­haus der Berliner Rohrpost.

1995 wurde der Postbetrieb endgültig eingestellt. Danach fanden hier verschiedene Ausstellungen statt. Bei unserem Besuch war das Gebäude leider fest verschlossen - kein Besuch möglich.

Nach obenAlexanderplatz

Berlin, Alexanderplatz
Weltzeituhr

 

Berlin, Alexanderplatz
Brunnen der Völkerfreundschaft

 

Berlin, Alexanderplatz

 

Nach einigen Stationen mit der Straßenbahn kommen wir am Alexanderplatz an. Berlin Alexanderplatz – ein geschichtsträchtiger Name! Mindestens ein Roman (1929, von Alfred Döblin) und ein deutsch-niederländischer Spielfilm (2020, von Burhan Qurbani) haben den gleichen Namen. Döblins Roman ist auch durch die Fernsehverfilmung als deutsche Miniserie von Rainer Werner Fassbinder bekannt geworden, die 1980 ausgestrahlt wurde.

Der Alexanderplatz, der seinen Namen nach einem Besuch Zar Alexanders I. trägt, ist einer der bekanntesten Plätze in Berlin mit vielen Geschäften, Kinos und Restaurants. Von den Berlinern meist Alex genannt, stellt er einen wichtigen Knotenpunkt des öffentlichen Nahverkehrs dar. Architektonisch gefällt uns der Alexanderplatz nicht besonders. Wir haben den Eindruck, hier ist alles ohne Struktur, irgendwie zusammengewürfelt.

Gleich vor dem Kaufhaus Galeria Kaufhof sehen wir den Springbrunnen der Völkerfreundschaft. Der Brunnen wurde zu DDR-Zeiten wegen seiner sehr farbenfrohen Emaillierungen und der in der Umgebung stattfindenden Prostitution abwertend „Nuttenbrosche” genannt.

Berlin, Park am Fernsehturm
Berliner Fernsehturm

 

Berlin, Alexanderplatz
Weltzeituhr

 

Berlin, Alexanderplatz
IconBerlin, Alexanderplatz

 

Ein paar Meter weiter sehen wir die Weltzeituhr. Diese überdimensionale Uhr mit 24 Bereichen, welche die Zeit in den Hauptzeitzonen der Welt anzeigt, stammt aus den 1960ern. Sie ist gleichzeitig eine Erinnerung an die DDR-Zeiten als auch ein wirklicher Hingucker. Bemerkenswert ist, dass bei der Restaurierung der Uhr nach der Wende auch gleich einige Fehler berichtigt wurden. Einige der angezeigten Städte waren nämlich in der DDR falschen Zeitzonen zugeordnet worden.

Leider verschlechtert sich das Wetter immer mehr (keine Sonne, nur Wolken), sodass wir das Fotografieren erst einmal einstellen und uns etwas zum Mittagessen suchen.

Wir entscheiden uns für die Carambar und bestellen 2 Bier und eine geteilte Pinsa Parma. Nach dem Essen möchte Alexander das gleich in der Nähe befindliche Herrenmodegeschäft engbers, besuchen. Wir kennen die Kette, der Stil gefällt und der Schnitt passt. So ist es nicht verwunderlich, dass wir den Shop wenig später mit vollen Einkaufstaschen wieder verlassen. Nein, das schleppen wir jetzt nicht die ganze Zeit mit uns herum. Also ab ins Apartment und da wir auch müde vom Herumlaufen sind, schließen wir eine kurze Rast gleich an.

Nach obenOberbaumbrücke & East Side Gallery

Berlin, Oberbaumbrücke

 

Berlin, Berliner Mauer
IconBerlin, Berliner Mauer
East Side Gallery, Berlyn

 

Berlin, Berliner Mauer
IconBerlin, Berliner Mauer
East Side Gallery, Bruderkuss

 

So, ausgeruht und frisch erholt. Uns wohin geht unsere Reise jetzt? Das ist Alexanders kleine Überraschung. Mit den Öffis geht es in südöstliche Richtung, solange bis wir bei der Oberbaumbrücke ankommen.

In Berlin soll es angeblich mehr Brücken als in Venedig geben (wir haben nicht nachgezählt). Eines der am aufwendigsten gestalteten Exemplare ist die Oberbaumbrücke. Seit 1896 verbindet sie die Bezirke Friedrichshain und Kreuzberg über die Spree miteinander. Auf der Brücke befand sich einst der Oberbaum, an dem Zölle eingetrieben wurden.

Die Oberbaumbrücke ist aber trotz ihrer Imposanz nur eine Zwischenstation für uns. Kaum sind wir in Friedrichshain angekommen, treffen wir auf die „East Side Gallery”, dem eigentlichen Ziel Alexanders.

Die etwa 1,3 km lange East Side Gallery besteht aus den letzten Resten der 1961 errichteten Berliner Mauer. Nach der Wende 1989 wurden diese Reste der Berliner Mauer von verschiedenen Künstlern bemalt und so wurden diese Murals zu einer der längsten Open-Air-Galerien der Welt.

Berlin, Berliner Mauer
East Side Gallery, Test The Best (Trabant)

 

Berlin, Berliner Mauer
East Side Gallery, Mauern International

 

Berlin, vom Hostelboat
Oberbaumbrücke

 

Sehr bekannte Motive sind „Der Bruderkuss” (Dimitri Vrubel) und der Mauer-Trabi (Birgit Kinders). Uns gefallen aber fast alle Motive entlang der East Side Gallery. Alle KünstlerInnen haben sich auf ihre jeweils ganz individuelle Art und Weise auf der Mauer verewigt.

Eine Pause legen wir beim Eastern Comfort Hostelboot (Nähe der Oberbaumbrücke) ein. Am Schiff in der Floating Lounge sitzen, ein kleines Bier trinken, aufs glitzernde Wasser schauen und sich die Sonne auf die Nase scheinen lassen. Herz, was willst Du mehr? Das Leben ist wunderbar!

Nach obenNikolaiviertel und Fotografieren zur blauen Stunde

Berlin, Park am Fernsehturm
IconBerlin, Park am Fernsehturm

 

Berlin, Museumsinsel
James Simon-Galerie, Säulengang

 

Berlin, Museumsinsel
IconBerlin, Museumsinsel
Altes Museum

 

Wir sind nun im Nikolaiviertel gelandet, dem ältesten Siedlungsgebiet der Stadt Berlin. Leider ist die Sonne schon untergegangen und viele Geschäfte haben bereits geschlossen.

Obwohl die alten Gebäude und die unebenen, mit Kopfstein gepflasterten Bürgersteige viel Atmosphäre ausstrahlen, fehlt ein wenig die Lebhaftigkeit und das besondere Flair des Viertels. Wir schlendern trotzdem ein bisschen umher, um schließlich direkt an der Spree auf das Restaurant Georgbräu zu treffen.

Von der Hausbrauerei bestellen wir 2 Georgbräu Hell und auf Empfehlung des Obers „Buletten mit Kartoffelsalat” – geteilt, weil es eine große Portion ist. Wir sitzen im Gastgarten und lassen es uns munden.

Alexander will heute Abend noch mit dem Stativ Fotos zur Blauen Stunde bzw. in der Nacht aufnehmen. Daher brechen wir auf, um das beste Licht nicht vielleicht bei einem weiteren Hellen zu verpassen.

Erstes Motiv ist das Rote Rathaus gleich in der Nähe des Nikolaiviertels. Danach geht unser Fotorundgang weiter zum Park am Fernsehturm, wo sich der Fernsehturm selbst, der Neptunbrunnen und die Marienkirche anbieten.

Berlin, Gendarmenmarkt
IconBerlin, Gendarmenmarkt

 

Berlin, Museumsinsel

 

Berlin, Rotes Rathaus
IconBerlin, Rotes Rathaus

 

Und natürlich darf die Museumsinsel samt Berliner Dom unter unseren Nachtaufnahmen nicht fehlen.

Auf den Stiegen vor der James-Simon-Galerie macht sich gerade ein polnischer Tenor die Akustik zunutze und intoniert eine Arie. Als er Alexander mit der Kamera und dem Stativ sieht, fragt der junge Künstler, ob er vielleicht eine Aufnahme von ihm machen würde.

Na selbstverständlich kommen wir der Bitte gerne nach. Das Foto senden wir ihm per Mail, versprochen!

Genug für heute, lass uns jetzt zum Hotel fahren. Ein paar Stationen fahren wir mit der U-Bahn und gehen danach, weil es noch so schön warm ist, zu Fuß. Dabei kommen wir am Gendarmenmarkt vorbei. Konzerthaus und beide Kirchen strahlen im Scheinwerferlicht, da kann Alexander nicht anders und muss nochmals das Stativ auspacken und ein paar Fotos schießen.

So jetzt ist es aber wirklich genug, ab nach Hause ins Bett. Wir sind müde, gute Nacht!

zu den FAQs und den Kommentaren
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