Wohnungen und Musik

Guten Morgen! In einem großen Zimmer schläft es sich doch gleich viel entspannter. Voller Vorfreude auf die Sehenswürdigkeiten beginnt unser heutiger Tag wieder mit einem reichhaltigen Frühstück. Heute wird uns ein anderer Tisch zugeteilt. Leider zieht die Klimaanlage hier ein wenig her. Na macht nichts, machen wir halt etwas mehr Bewegung und gehen öfter zum Buffet .

Nach obenCasa Lleo Morera und Casa Amatller

Unsere heutige Tour starten wir beim Placa de Catalunya. Dort finden wir die im Boden eingelassenen runden roten Siegel mit der Aufschrift »Ruta del Modernisme« schnell wieder. Na dann lass uns loslegen - einem interessanten Tag steht nichts mehr im Wege.

Casa Lleo Morera

 

Casa Amatller
IconCasa Amatller
Dach im Innenhof

 

Entlang der Passeig de Gracia (diese war früher eine Landstraße, die Barcelona mit dem Dorf Gracia verband) finden wir eine Vielzahl sehenswerter Gebäude des Modernisme. Die Häuser wirken mit ihren verspielt abgerundeten Fassaden und Erkern, als würden sie aus einem Märchen - oder wie Karin immer so treffend sagt: einer Grottenbahn - stammen.

Bei Hausnummer 35 finden wir die Casa Lleo Morera vor. Ein interessantes Gebäude, welches wir leider nicht von Innen besichtigen dürfen. Dafür gibt die Fassade einiges her. Sie zeigt die wichtigen Erfindungen wie Telefon, Grammofon, elektrische Glühbirne, Fotokamera und hält uns so einige Zeit in ihrem Bann.

Etwas verwundert uns, dass wir doch ganz oben am Dach Touristen spazieren sehen - wie sind die da hinauf gekommen? - aber dieses bleibt leider für uns den ganzen Urlaub ein Rätsel.

Kaum 5 Schritte weiter treffen wir auf das nächste Gebäude des Modernisme: die Casa Amatller. Dieses Gebäude wurde von Puig i Cadafalch (1900) errichtet. Sehr gut gefällt uns die schöne Fassade, welche viele Blumenmotiven ziert. Weiters die großen geschmückten Fenster und die feingearbeiteten Balkon- und Türgitter.

Bis zum netten Innenhof dürfen wir vordringen, dann ist aber schon wieder Schluß mit der Innenbesichtigung. Unsere Neugier nach dem Innenleben einer Casa müssen wir noch ein wenig zügeln. Aber das Nebengebäude ruft schon nach uns!

Nach obenCasa Batllo (Hausnummer 43)

Casa Batllo
IconCasa Batllo

 

Casa Amatller und Casa Batllo
IconCasa Amatller und Casa Batllo

 

In den Jahren 1904-1906 gestaltete Gaudí das bestehende Wohnhaus des Stofffabrikanten Josep Batllo i Canovas grundlegend um. Genau vor diesem stehen wir jetzt. Zuerst sind wir von der Fassade fasziniert. Diese ist mit unzähligen glitzernden Mosaiksteinen überzogen und mit runden, geschwungenen Fenstern und Säulen geschmückt. Beeindruckend!

Da ein kleiner Erker, dort das schimmernde Dach aus glasierten Kacheln. Oder die wie Masken wirkenden Balkone. Immer wieder entdecken wir neue Details, welche uns in ihren Bann ziehen.

Wir haben Glück, denn einerseits dürfen wir das Innere der Casa Batllo besichtigen und andererseits hält sich die Besucherschlange noch in Grenzen. Mit je einem Audioguide (unbedingt nehmen!) ausgestattet beginnen wir nun die Besichtigung. Zuerst erfahren wir ein wenig über Gaudís Leben und die Zeit während der er seine Werke schuf. Dann folgt die Casa.

im Wohnzimmer an der Decke
Iconim Wohnzimmer an der Decke

 

im Wohnzimmer
Iconim Wohnzimmer

 

Der Eingangsbereich wirkt gegen die pompös gestaltete Beletage, die wir über einen sehr schönen Treppenaufgang erreichen, beinahe karg. Jeder Raum ist unterschiedlich gestaltet und einzigartig.

Überall finden wir neue, verspielte aber auch praktische Details. Da ist einmal das geniale Belüftungssystem über die Innenhöfe mit den verstellbaren Holzschiebern zu erwähnen. Unter den Fenstern eines jeden Raumes sind diese „Lamellen” angebracht und sorgen auch in den schwülen katalanischen Sommern für angenehme Kühle.

Aber auch die Verkleidung der Innenhöfe mit den plastisch geformten Fliesen in Blau- und Grüntönen, deren nach unten hin zarter werdende Farbigkeit auf das einfallende Licht Bezug nimmt. Überall bekommen wir die Genialität Gaudis hautnah zu spüren.

Eingangstür
IconEingangstür
Auch diese sind kunstvoll gestaltet

 

am Dach

 

Sehr gut gefällt uns auch der große Salon, dessen riesige verschnörkelte Fenster bereits von Außen auffielen. Innen erwartet uns ein großer, heller Raum mit einem wunderschönen Deckengewölbe, das in einer Lampenkonstruktion endet. Alles wirkt so „organisch”. Die Säulen erinnern an Knochen, das Deckengewölbe an eine Meeresmuschel und der offene Kamin sieht aus wie ein überdiemensionaler Pilz.

Als der Audio-Guide meint, die Casa Batllo sei ein Haus, dass berührt werden will, da alles mit Bedacht auf die Ergonomie angefertigt wurde, stimmen wir voll und ganz überein. So führt uns die Stimme des Guides Raum für Raum weiter und hat jedesmal für uns Neues zu berichten. Zum Schluß werden wir noch auf die Terasse gelotst, welche jetzt ein eher tristes Dasein führt.

Der letzte für die Öffentlichkeit zugängliche Teil der Casa Batllo ist das Dach. Hier zeigt sich wieder Gaudís Vorliebe für fantasievolle Gestaltung von Schornsteinen. Die viereckigken Schlote der anderen Häuser müssen ihm ein Greuel gewesen sein. So sehen seine Schornsteine eben ganz anders aus.

Von den Briefkästen über die Treppen bis hin zum Dach zeugt alles von der schöpferischen Gabe Antoni Gaudis. Im ganzen Haus gibt es kaum Kanten und gerade Wände. Selbst Türen und Möbelstücke sind in herrlich geschwungenen Formen ausgeführt. Eckig ist an diesem Haus eigentlich nur noch der Grundriss.

Völlig beseelt und glücklich verlassen wir nach mehr als 2 Stunden Besuchszeit die Casa Batllo wieder. Jetzt knurrt unser Magen und wir lassen uns von einem Lokal mitten auf der Passeig de Gracia zu den landestypischen Tapas verleiten. Das Essen ist zwar nicht gerade billig aber es mundet uns beiden gar köstlich.

Nach obenPalau de la Musica Catalana

Satt, zufrieden und ausgeruht begeben wir uns nun zum Palau de la Musica Catalana, wo unsere Führung um 13:00 Uhr startet. Der Palau de la Musica Catalana wurde zwischen 1905 und 1908 von Domènech i Montaner entworfen und ist der bedeutendste Konzertsaal Barcelonas. Die mit farbigen Mosaiken und einer Skulpturengruppe dekorierte Fassade stammt von Miquel Blay. Davon, dass das Äußere spektakulär ist, konnten wir uns gestern schon überzeugen. Jetzt betreten wir das Innere.

Casa Batllo: ein kleiner Balkon

 

Casa Batllo: Blick ins Stiegenhaus
IconCasa Batllo: Blick ins Stiegenhaus

 

Casa Batllo: unter dem Dach
IconCasa Batllo: unter dem Dach
Nachdem im Palau de la Musica Catalana leider striktes Fotografier- verbot herrscht (sonst könnten sie wahrscheinlich die überteuerten Postkarten nicht verkaufen) zeigen wir hier weitere Fotos der hervor- ragenden Casa Batllo.

 

Nach etwa einer ½ stündigen Diashow werden wir in den Konzertsaal geführt. Zuerst der Blick an die Decke - wau!

Hier dominiert die umgekehrte Kuppel aus farbigem Glas, die herrlich viel Licht in den Saal strömen lässt.

Aber auch die beiden Fensterfronten haben es in sich. Eine wahre Explosion an farbenprächtigen Verzierungen prasselt auf uns nieder.

Links von der Bühne befindet sich eine Büste von Josep Anselm Clavé (1824-1874), einer Symbolfigur der katalanischen Musik.

Rechts sehen wir eine Szene aus dem Ritt der Walküren zur Erinnerung an den starken Einfluss Wagners auf die musikalischen Zirkel der Stadt, daneben eine Büste von Beethoven.

Zum Abschluss dürfen wir noch ein kurzes Stück die Orgel spielen hören. Hier wird das Nützliche mit dem Schönen verbunden, denn das Spiel hat auch einen praktischen Sinn. Wenn die Orgel nicht täglich gespielt wird, dann entstehen im Laufe der Zeit massive Schäden. So kommen wir auch in den Genuß eines akustischen Ohrenschmauses.

Auch zu diesem Gebäude ist der Eintrittspreis geschmalzen und das strenge Fotografierverbot trübt Alexanders Laune sehr. Trotzdem, die zahlreichen ungewöhnlichen Einzelheiten machen den Besuch diesen erstaunlichen Ortes allemal zu einem unvergesslichen Erlebnis.

Nach obenCasa Mila

Casa Mila
IconCasa Mila
einer der beiden Innenhöfe

 

Casa Mila
Außenfassade

 

Wieder zurück auf der Passeig de Gracia treffen wir bei der Hausnummer 92 auf die Casa Mila. Auch hier ist die Warteschlange recht kurz und so können wir 10 Minuten später auch schon das Wohnhaus betreten.

Die Casa Mila ist in Barcelona auch unter dem Namen „La Pedrera” (der Steinbruch) bekannt und zählt zu den berühmtesten Werke Gaudís.

Diesen Namen verdankt es der Fassade, welche einem mit den vielen Vorsprüngen und seiner wuchtigen Masse schon vom weiten ins Auge springt.

Casa Mila
IconCasa Mila

 

Casa Mila
IconCasa Mila
Blick auf den Rundgang

 

Nach dem ersten Innenhof gelangen wir zur Audio-Guide-Ausgabe (auch diesen unbedingt ausleihen), danach zu einem kleinen Aufzug und zum Schluss direkt unter das Dach.

Im Dachgeschoß faszinieren uns zuerst die vielen verschiedenen Parabolbögen und dann erst die Espai Gaudí. Hier können wir das Leben und die Werke des Künstlers anhand seiner Entwürfe, Skizzen, Fotos und Filmaufnahmen ausführlich nachvollziehen.

Danach geht es für uns ganz hinauf: aufs Dach. Wau, der nächste Höhepunkt unserer Besichtigung! So viele Schornsteine und Luftschächte. Hier sieht es wie in ein Zauberwald aus! Und die spektakulären Ausblicke auf alle Viertel der Eixample. Ein Hochgenuß hier am Dach zu lustwandeln.

Casa Mila
Außerirdisch? Phantastisch? Alptraumhaft? Futuristisch? Verrückt? Alles mögliche, aber sicher nicht: Gewöhnlich.

 

Casa Mila
das Bügelzimmer

 

Abschließend besuchen wir noch eine „möblierte Musterwohnung” im 4. Stock. Wieder wird uns an vielen kleinen und großen Details das Genie und der Weitblick Gaudis gezeigt (z.B. individuell verstellbare Belüftungsschlitze, alle Zimmer - außer dem Dienstbotenkämmerchen - haben direktes Tageslicht, uvm.). Kein Wunder, dass die Casa Mila seit 1984 zum UNESCO Weltkulturerbe zählt.

Da die Sehnsucht nach Essen und Ruhe immer mehr überhand nimmt, beenden wir den heutigen Tag nun und freuen uns auf das morgige Highlight: die Sagrada Familia steht auf unserer Wunschlist. Gute Nacht.

zu den FAQs und den Kommentaren
Auf der letzten Seite dieses Reiseberichtes findest Du die Fragen unserer BesucherInnen, welche uns im Laufe der Zeit erreichten und Du hast auch selbst die Möglichkeit, einen Kommentar zu diesem Reisebericht zu hinterlassen.
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