VOC Amsterdam, Theater und die Nacht

Oudekerksplein, Turm der Oude Kerk
IconOudekerksplein, Turm der Oude Kerk

 

Rokin

 

Heute sind wir wieder etwas später mit dem Frühstück dran was auch gleich zur Folge hat, dass „unser angestammter Platz” von einem deutschen Ehepaar besetzt ist. Hätten wir doch gleich in der Früh nach dem Aufstehen durch das Hinlegen eines Buches oder ähnlichem unsere Sitze reserviert! Nein ernsthaft, das ist uns völlig egal, denn wir nehmen einfach den nächsten Tisch und breiten uns dort aus.

Der Frühstückskellner prognostiziert auch für heute Regen und will unsere Zimmernummer gar nicht mehr wissen. Er kennt sie mittlerweile schon.

Nach dem Essen und Checken der E-Mails marschieren wir zum 2er, mit dem wir heute bis zur Centraal Station fahren. Von dort nehmen wir den Bus Nr. 22 bis zum Scheepvaartsmuseum. Die dort vor Anker liegende Nachbildung des Frachtschiffes der niederländischen Ostindien-Kompanie, der VOC Amsterdam, wollen wir uns heute als erstes ansehen.

Als wir den Bus verlassen sehen wir gerade, wie eine Brücke hochgezogen wird, damit ein Schlepper unter ihr passieren kann. Ein nettes Schauspiel, das wir zu Hause nicht geboten bekommen und uns daher trotz Regen einige Minuten fesselt.

Nach obenNemo und die VOC Amsterdam

Scheepvaartmuseum (niederl. Schifffahrtsmuseum)

 

interessantes Gebäude

 

Auf die VOC Amsterdam zu kommen bereitet uns anfänglich rechte Schwierigkeiten. Wir erstehen zwei gar nicht günstige Tickets um € 17.- im Wissenschaftszentrum Nemo. Schon allein das Gebäude ist faszinierend - ein architektonisches Meisterwerk in Form eines grünen Schiffes. Als wir mit den Eintrittskarten in den ersten Stock gehen erfahren wir dort, dass die VOC Amsterdam nur von außen zu betreten ist. Also hinaus.

Kaum wollen wir über die Planke auf das Schiff gehen, wird uns mitgeteilt, dass wir die falschen Tickets haben - mit denen dürfen wir alles, nur nicht auf die Amsterdam. Das allerdings ist wieder das einzige, was uns interessiert. Also wieder retour zum Kartenverkauf.

Dort angelangt glauben wir schon der Herr am Schalter wolle uns mitteilen, dass wir nun leider Pech haben. Er rechnet hin und her, schüttelt den Kopf, schaut in den Bildschirm, überlegt offensichtlich eine der anwesenden Kolleginnen zu Hilfe zu rufen und lässt es dann doch. Wir befürchten Unangenehmes.

VOC Amsterdam
IconVOC Amsterdam

 

VOC Amsterdam
IconVOC Amsterdam

 

VOC Amsterdam
IconVOC Amsterdam

 

Doch mitnichten! Nach zweimaliger Preisminderung - wir zahlen schlussendlich nur mehr € 4.- für die beiden Tickets - erhalten wir endlich die ersehnten Karten und gehen wieder hinaus in den Regen.

Ja, jetzt passt es, wir dürfen an Bord. Wir sehen uns von der Kapitänskabine am obersten Achterdeck bis zu den Lagerräumen 2 Decks weiter unten alles an. So eine Schiffsreise muss zu damaliger Zeit schon eine rechte Strapaze gewesen sein. Haben schon Kapitän und Passagiere mit beengten Verhältnissen Vorlieb nehmen müssen, so blieb für die Mannschaft ja wirklich kaum mehr Platz. Von Privatsphäre oder Hygiene ganz zu schweigen!

1794 segelte die echte VOC Amsterdam in der Nordsee als während eines tobenden Unwetters das Ruder zerbrach. Um Besatzung, Fracht und Schiff zu retten beschloss der Kapitän, den Frachter an der Südküste Englands auf Grund zu setzen. Doch das ostindische Schiff versank rasch im Schlamm, aus dem es niemals wieder befreit werden sollte.

VOC Amsterdam
IconVOC Amsterdam

 

VOC Amsterdam
IconVOC Amsterdam

 

Trotzdem jedoch bot das Wrack Archäologen wertvolle Informationen über die Konstruktionsweise von Ostindien-Frachtern, die Fracht und das Leben an Board was dazu führte, dass wir nun auf und in der naturgetreuen Nachbildung herumklettern und uns von Schauspielern einen Eindruck vom Leben der Crew vermitteln lassen können.

Das einzige, was dem Spektakel an Deck ein bisschen einen Abbruch tut, ist der Regen. An einer begeisterten und offensichtlich wetterfesten Schulklasse drängen wir uns nach wenigen Minuten des Zuschauens an Deck vorbei und verlassen den Ostindien-Frachter wieder.

Nach obenTheatermuseum

Theatermuseum
IconTheatermuseum

 

Theatermuseum
IconTheatermuseum

 

Theatermuseum

 

Zurück zur Centraal Station nehmen wir jetzt nicht den Bus, sondern gehen über die Stege, welche hier über das Oosterdok führen. Grundsätzlich ein netter Spaziergang, heute bläst uns der Wind jedoch den feinen Nieselregen ins Gesicht, sodass wir bald völlig nass sind.

So haben wir aber doch die Gelegenheit, den Sea Palace näher zu betrachten. Es handelt sich dabei um ein Chinesisches Restaurant, welches schwimmend hier vertäut ist. Auf mehreren Stockwerken sitzen die Gäste im gläsernen Palast und genießen chinesische Küche mit Aussicht.

Von der Centraal Station nehmen wir die Linie 13 zur Herengracht. Dort besuchen wir auf Nr. 168 das Theatermuseum. In 2 Grachtenhäusern, die für sich schon sehenswert sind, wird hier allerlei Interessantes über Bühne und Theater präsentiert.

Besonders gefällt uns die reich mit Stuk verzierte Eingangshalle, das im Bartolottihaus ausgestellte, historische Miniaturtheater und nicht zu vergessen die mit Schnitzereien geschmückte Wendeltreppe, die vom Keller bis unters Dach führt.

Theatermuseum
IconTheatermuseum

 

Theatermuseum
IconTheatermuseum

 

Theatermuseum
IconTheatermuseum

 

Besagtes Miniaturtheater gehörte einst dem steinreichen Hieronymus Baron von Slingelandt, der es für sich anfertigen ließ und seine Gäste mit Vorstellungen überraschte. 14 komplette Bühnenbilder aus dem 18. und 19. Jahrhundert sind noch erhalten.

Mit einer Mechanik aus Holz, welche unter der Bühne angebracht war, konnten die Szenerien gewechselt werden. Als besonders spektakulär galten die wilden Wellen eines bewegten Meeres. Auch heute kann man noch Vorstellungen dieses Zimmertheaters sehen, jedoch wird dafür nun moderne Videotechnik genutzt. Wir sind von den historischen Szenerien und dem Blick hinter die Kulissen jedenfalls sehr angetan.

Theatermuseum

 

Auch ein hübscher Hinterhofgarten ist bei den beiden Grachten­häusern vorhanden, den wir uns aber wegen des Regens nur von der Treppe aus ansehen. Eine kleine Katze mit Glöckchen um den Hals möchte unbedingt vor dem nasskalten Wetter ins Trockene hinein flüchten. Da wir über den Haus­gebrauch nicht Bescheid wissen, lassen wir sie aber nicht ins Museum, was sie mit lautem Protestmaunzen quittiert.

Ebenfalls recht interessant sind die ausgestellten Kostüme und Skizzen zu verschiedenen Bühnenbildern berühmter Aufführungen. Interviews mit RegisseurInnen und ChoreografInnen fesseln uns dafür weniger.

Als wir das Museum wieder verlassen maunzt uns die kleine Katze vom Arm eines Museumsangestellten an. „Es gibt ja doch noch Menschen mit Herz, die eine arme kleine Mieze nicht im Regen stehen lassen” scheint sie uns vorzuwerfen. Wir sind für sie froh, dass sie es auf dem streichelnden Arm trocken und warm hat.

Nach obenCafé Americain

Café Americain

 

Café Americain
IconCafé Americain

 

Der Herengracht entlang marschieren wir bis zur Leidsestraat und dort nach rechts über den Leidseplein zum Café Americain. In diesem Café-Restaurant des gleichnamigen Hotels wollen wir heute unser Mittagessen einnehmen.

Das Hotel hat seinen Namen eigentlich von dem neugotischen Vorgängerbau, den der Architekt Steinigeweg mit einem Bronzeadler, amerikanischen Landschaftsgemälden und hölzernen Indianern schmückte. Klingt schon etwas ... äh ... extravagant.

Schon 20 Jahre später hielt man das Hotel für veraltet, riss es kurzerhand ab und ersetzte es durch den heutigen Jugendstilbau. Willem Kromhout entwarf ein gefälliges Gebäude mit Türmchen und eben jenem bekannten und sehr schön gestalteten Café.

Café Americain
IconCafé Americain

 

Café Americain

 

Auch die Speisekarte gefällt uns. Alexander bekommt einen Burger und Karin einen Spinatsalat mit Käse. Lustig ist die Art, wie die Pommes Frites zum Burger serviert werden: man bekommt ein wie eine Zeitung bedrucktes Stanitzel, das von einem eigens dafür entworfenen Ständer gehalten wird. Originell!

Das Essen schmeckt uns und in dem schönen Ambiente fühlen wir uns wohl. Nach einigen Fotos vom Interieur - die Lampen sind immer noch Originale - und dem Begleichen der Rechnung, geht es zurück zum Hotel.

Da wir heute das beleuchtete Amsterdam am späten Abend sehen und eine indonesische Reistafel in einem Lokal im Zentrum genießen wollen, haben wir vor, ein Nachmittagsschlaferl zu halten. Das Regenwetter scheint ja auch wirklich prädestiniert dafür.

Nach obenAmsterdam bei Nacht

Oudeschans, altes Schleusenwärterhaus
IconOudeschans, altes Schleusenwärterhaus

 

Nieuwmarkt, de Waag.jpg
IconNieuwmarkt, de Waag.jpg

 

Fotos und Reisebericht werden nach dem Ausruhen schnell überspielt bzw. geschrieben und wir sind bereit für unser nächtliches Abenteuer. Mittlerweile ist es auch trocken. Nur der Sonnenschein lässt uns zweifeln, ob wir wohl beleuchtete Brücken sehen werden. Na, lassen wir uns überraschen.

Mit dem 2er fahren wir in die Stadt und steigen bei der Station Spui aus. Gleich gegenüber ist das Restaurant Kantjil & De Tijger, welches in unserem Reiseführer für authentisches indonesisches Essen empfohlen wird. Es sieht groß und recht voll aus - nur, wo ist hier der Eingang? Ah, auf der anderen Seite des Häuserblocks! Also einmal umrunden.

Wir werden von einem wirklich gutaussehenden Indonesier freundlich in Empfang genommen. Ein Tisch für zwei? Ja bitte, aber wir haben nicht reserviert. Macht nichts, nur einen kleinen Moment bitte. Augenblicke später sitzen wir an einem runden Tischchen und ein englischer Kellner bringt uns 2 Bier und die Karte.

Halvemaansteeg
IconHalvemaansteeg

 

Amstel
IconAmstel

 

Es gäbe eine Vielzahl an verschiedenen und ebenfalls verlockenden Gerichten, aber uns interessiert nur die Rijstafel. Die gibt es denn auch in 3 Ausprägungen: mit 11, 12 oder 13 Gerichten. 11 werden mehr als genug sein, also entscheiden wir uns für die Variante „Batavia”.

Während wir warten süffeln wir unser Bier und beobachten die Speisen, die auf den Nachbartischen aufgetragen werden. Sieht alles sehr vielversprechend aus. Dann „stemmt” eine Serviererin unser Essen herbei. Wir bekommen Sattay-Spießchen von Rind und Huhn, Rindercurry mit Zitronengras, mariniertes Huhn, pikante Eier, Gemüse in Kokosmilch, würzige Gurke, gebratenen scharfen Tofu, Hummerchips, gedünsteten Reis und eine Kokos-Curry-Erdnuss-Gewürzmischung.

Wirklich jedes einzelne der Gerichte ist superlecker obwohl uns beiden die Spießchen am besten schmecken. Ein zweites Bier trinken wir auch noch dazu. Danach sind wir bumm-satt und froh, dass wir noch einen Abendspaziergang zur Verdauung vor uns haben. Bezahlt haben wir alles in allem € 46.- plus ein paar Münzen für das freundliche Service. Der Empfehlung des Reiseführers schließen wir uns vorbehaltlos an!

Reguliersbreestraat, Theater Ttuschinsky
IconReguliersbreestraat, Theater Ttuschinsky

 

Rembrandtplein, Munttoren
IconRembrandtplein, Munttoren

 

Amstel, Blauwbrug (Blaue Brücke)

 

Anschließend begehen wir also unseren Verdauungsspaziergang. Wirklich Dunkel ist es am Himmel leider noch nicht, aber zwischen den Häusern ist es schon ein bisschen dämmrig und zumindest die Damen im Rotlichtviertel haben ihre Kabäuschen hell erleuchtet.

Jetzt am Abend scheinen sie hübscher als vor ein paar Tagen um die Mittagszeit. Entweder ist es die jüngere Schicht oder vielleicht sind es doch die schmeichelnden Lichtverhältnisse.

Eine Menge Leute schieben sich durch die engen Gassen. Junge Männer, die feixen aber auch Touristenpaare so wie wir beide, wobei die Damen mindestens genauso neugierig schauen, wie die Herren. Das Rotlichtviertel muss man einfach gesehen haben, denn es gehört genauso zu den Sehenswürdigkeiten der Stadt wie die Grachten und die Museen.

Einige der winzigen Lokale, die nicht mehr als ein Bett, einen Stuhl und eine Waschgelegenheit beinhalten, haben die straßenseitigen Vorhänge zugezogen. Hier herrscht im wahrsten Sinne des Wortes gerade geschäftiges Treiben. Insgesamt scheint der Umgang mit dem Thema käufliche Liebe in Amsterdam jedenfalls offener und weniger halbseiden als dies bei uns in Wien der Fall ist.

Herenkracht

 

Kloveniersburgwal
IconKloveniersburgwal

 

Wir wenden uns anderen Gassen zu in der Hoffnung, beleuchtete Brücken zu finden. Doch leider, es ist einfach noch zu hell dafür. Trotzdem ist es eine wunderschöne Lichtstimmung die aussieht, als wäre sie Rene Magritte direkt von der Leinwand gehüpft, als er an seiner Serie „Das Reich der Lichter” gemalt hat. Unten die Umrisse dunkler Häuser mit hell erleuchteten Fenstern, die eine heimelige Atmosphäre verbreiten, während sich ein nahezu tagheller Himmel über der Szene wölbt.

Wir sehen uns nochmals die alte Stadtwaage De Waag an, gehen vorbei am Rembrandtshuis und dem Schleusenhäuschen, weiter zur Großen Synagoge und zu einer Zugbrücke. Dort verweilen wir einige Zeit und genießen den hellen Nachthimmel und den Blick in die Altstadt.

Ein bisschen müde sind wir schon also gönnen wir uns jeder einen Espresso am Café Opera am Rembrandtsplein. Auf der überdachten Veranda sitzend sehen wir zu, wie gegenüber bei der bronzenen Nachbildung von Rembrandts „Die Nachtwache” Erinnerungsfotos geschossen werden. Mama mit der Statue, Papa mit der Statue, Töchterchen mit der Statue …

Reguliersgracht
IconReguliersgracht

 

Reguliersgracht
IconReguliersgracht

 

Wieder unterwegs passieren wir das Tuschinski Theater, das jetzt in der Nacht mit seinen erleuchteten Buntglasfenstern besonders schön anzuschauen ist. 1921 wurde das Gebäude nach den Plänen des Architekten Hijman Louis de Jong für Abraham Tuschinski erbaut, der schon in Rotterdam mehrere Kinos betrieb.

Verschiedene Stilepochen sind hier kunstvoll vermischt, dominant ist jedoch der Art Déco Stil. Auf den weichen Teppichen der Eingangshalle wagen wir uns ein wenig ins Innere, um zu fotografieren. Die Aufseher mögen das augenscheinlich gar nicht so gerne, denn sie behalten Alexander scharf im Auge und verwehren ihm schließlich den weiteren Zutritt. Macht nichts, ein bisschen konnten wir uns ja doch umsehen.

Die Munttoren sehen wir auf unserem weiteren Spaziergang, ein Überbleibsel der alten Stadttore. Der Name weist darauf hin, dass im 17. Jahrhundert hier im Wachturm Münzen geprägt wurden. Schließlich folgen wir noch einer Gracht und gelangen zu guter Letzt zur Mageren Brug. Diese ist nun auch wirklich erleuchtet, spät genug ist es ja.

Einige Fotos der Sehenswürdigkeit später bummeln wir entlang der Grachten zu unserer Straßenbahn Nr. 2, mit der wir den schon vertrauten Heimweg antreten. Als wir im Hotel das Licht ausdrehen und uns Gute Nacht wünschen, ist es bereits der nächste Tag. Schlaf gut!

zu den FAQs und den Kommentaren
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