Ägypten - Abu Simbel und Assuan

Abu Simbel

Für den heutigen Tag gibt es 2 Varianten: Entweder können wir am Sonnendeck die Seele baumeln lassen oder wir stehen um ½ 4 Uhr (in der Früh!) auf und reisen nach Abu Simbel. Nachdem es für uns fast nicht Schöneres gibt, als so Früh auszustehen (wirklich? - siehe über uns) haben wir uns natürlich für die 2. Möglichkeit entschieden. Wenn es sich irgendwie einrichten lässt, raten wir jedem, die Gelegenheit beim Schopfe zu packen und sich Abu Simbel nicht entgehen zu lassen.

Abu Simbel
Einst war der Haupttempel bis zu 60 Meter tief in den Fels gehauen - nach seinem Umzug aufgrund der steigenden Fluten beim Bau des Nasser-Sees wurde er auf einem Betonfelsen montiert.

 

Die Busreise nach Abu Simbel darf nur mit Polizeieskorte und im Konvoi erfolgen. Daher ist zuerst einmal warten angesagt. Nach fast 1 Stunde sind endlich alle Busse am Treffpunkt eingetroffen und die Fahrt durch die Wüste kann beginnen.

Während der Fahrt dösen wir ein wenig - so wie viele andere im Bus auch. Plötzlich weckt uns ein lautes zischenden Geräusch. Irgendwo strömt Druckluft aus. Unser Bus bleibt auf der Straßenseite stehen - natürlich auch die anderen Busse hinter uns - und nach kurzer Suche wird der kleine Schlauch im Businneren wieder an seinem Platz gebracht. Das Geräusch ist weg und alle sind froh, dass nichts mehr defekt ist (wir können uns Netteres vorstellen, als eine Buspanne mitten in der Wüste).

Wenige Minuten später wiederholt sich der Vorfall. Es zischt schon wieder, nur diesmal überholen die anderen Busse den unseren und wir stehen einsam am Wegesrand. Auch diese Reparatur wird Gott sei Dank rasch erledigt und wir schließen uns als Letzte dem Konvoi wieder an. Der Rest, der 3 ½ stündigen Fahrt, verläuft ruhig und ohne Zwischenfälle.

Sonnenaufgang
In der Wüste ist ein Sonnenaufgang ein ehrfurchtgebietendes Naturschauspiel.

 

Ein Sonnenaufgang in der Wüste soll atemberaubend sein - hört man? Es stimmt! Kurz vor der Ankunft in Abu Simbel kommen wir in den Genuss so einen Sonnenaufgang mitzuerleben. Zuerst ist die Wüste noch recht dunkel. Schemenhaft erkennt man die Umgebung.

Allmählich wird die Gegend in ein tief dunkles Rot gehüllt. Die ersten Konturen werden deutlicher. Dann geht alles sehr schnell. Das Dunkelrot weicht rasch Orangetönen und am Horizont wird der erste kleine Teil der Sonne sichtbar. Mit jedem Millimeter, den die Sonne höher steigt, schwindet auch die Dämmerung. Nach 5 Minuten liegt die Wüste strahlend gelb vor einem und der Tag ist erwacht.

Abu Simbel
Das Dunkel des Haupttempels wird von kleinen Lämpchen erhellt, sodass man die unzähligen Darstellungen an den Wänden betrachten kann.

 

In Abu Simbel ist die Hölle los. Dutzende Busse bahnen sich den Weg zu Parkplatz. Dort angelangt drängen Tausende Touristen zu den Toiletten. (Wir waren - dank Ismaels Rat - bereits im Bus!) Während dessen hasten die Gästeführer zu den Eintrittskartenschaltern und versuchen gleichzeitig Ihre Reisegruppe nicht aus den Augen zu verlieren. Die Einzigen, welche stoisch ruhig bleiben - eigentlich machen sie einen gelangweilten Eindruck - sind die Wachsoldaten.

Trotz all dem Chaos finden wir, nach passieren der verschiedenen Kontrollen, wieder zu unserer Gruppe. Jetzt heißt es aber rasch auf die andere Seite der Insel zu gelangen, damit die Sehenswürdigkeiten - mit nur wenig Touristen davor - fotografiert werden können.

Also verlassen wir den eigentlichen Fußweg, um unter Ismaels Führung, eine Steinhalde zu überqueren. Dieser Abschneider lohnt sich und wieder sind einige Touristen überholt. Die nächsten 1 ½ Stunden kann jeder auf eigene Faust Abu Simbel erkunden und natürlich, so viel wie mögliche Fotos schießen. (Geschichtliche Erklärungen von Ismael gibt es erst danach).

Abu Simbel
Ptah, Amun-Re, Ramses II. und Hamakhis. Einmal im Jahr erhellen Sonnenstrahlen 3 dieser Statuen. Nur Ptah, der dunkle Gott ganz links außen, bleibt immer in der Finsternis.

 

Der ursprünglichen Standort des gigantische Felsentempel Ramses des II. liegt heute mitten im Nasser-See. In einer internationalen Gemeinschaftsaktion der Unesco (siehe auch Philae Tempel) wurden zwischen 1965 und 1968 der große Tempel Ramses II. und der kleinere Hathor-Tempel aus dem Felsen gesägt und an einer sicheren Stelle wieder aufgebaut. Alleine der große Tempel hat ein Gewicht von mehr als 255.000 Tonnen. Diese Rettungsaktion kostete seinerzeit über 40 Millionen USD.

Es war sogar möglich die beiden Tempel wieder exakt so auszurichten, dass Besucher auch heute noch ein besonderes Schauspiel erleben können. Zweimal im Jahr - zur Tag- und Nachtgleiche (jetzt Abweichung + 1 Tag) - fallen die aufgehenden Sonnenstrahlen ins Allerheiligste und beleuchten drei der vier Sitzfiguren. Diese Skulpturen stellen die Götter Ptah, Amun-Re, Ramses II. und Hamakhis dar. Die linke Statue (Ptah = Gott der Dunkelheit) bleibt immer im Dunkeln.

Besonders eindrucksvoll und bekannt sind die vier 20 Meter hohen Kolossalstatuen des sitzenden Ramses, welche den großen Felsentempel flankieren. Eine der Statuen wurde bereits im Altertum (wahrscheinlich durch ein Erdbeben) beschädigt. Am oberen Rand der Fassade sind betende Paviane dargestellt, weil diese die einzigen Tiere sind, welche direkt in Sonne blicken können.

Abu Simbel
Ramses II. als Osiris - diese Säulen schmücken eine Halle des Haupttempels.

 

Zu Anfang schreiten wir in den 18 m langen und mehr als 16 m breiten ersten großen Saal. An jeder der beiden Längsseiten befinden sich vier über 10 m hohe Ramses Statuen in Osirisgestalt - Man kommt sich dabei richtig klein vor.

Die Wände des Saales sind mit Schlachtszenen reichlich verziert. Eine davon erzählt die Schlacht von Kadesch, welche von Ramses II. immer als Sieg dargestellt wurde, obwohl es eher ein Unentschieden war, bei dem er mit viel Glück einer Niederlage entging.

Im südlichen Teil des Tempels sehen wir Abbildungen wie Ramses II eine syrische Festung erstürmt. Er durchbohrt und zertritt dabei dutzende Libyer und begleitet einen Zug gefangener Nubier. In den weiteren Räumen, welche früher als Depot für Kultgegenstände dienten, sind noch mehr Kampf- und Jubelszenen dargestellt - alle sehr sehenswert. Der gesamte Tempel ragt bis zu 63 m tief in den Fels hinein.

Abu Simbel
Der kleinere Tempel ist Hathor geweiht. Sie ist die Göttin der Freude, der Liebe, der Fruchtbarkeit, der Musik und des Tanzes.

 

Der zweite Felsentempel Abu Simbels, der kleinere von beiden, ist der Göttin Hathor geweiht und befindet sich etwas nördlicher. Er wird von vier 10 Meter hohen Statuen Ramses II. und zwei Statuen Nefertaris, seiner Gemahlin, beherrscht. Auffallend ist die Darstellung der Königin in der gleichen Größe wie des Königs.

Nefertari nahm im Leben des Pharao eine bedeutende Rolle ein und wurde auch nach ihrem Tod immer wieder in Bauwerken Ramses II. dargestellt. Durch das Portal betreten wir die annähernd quadratische Säulenhalle, welche von sechs Pfeilern in drei Schiffe gegliedert ist. Die Wandreliefs sind etwas schlichter und weniger farbenprächtig angelegt als jene des großen Tempels Ramses II, aber trotzdem sehr sehenswert.

Zu gerne hätten wir den Blick der alten Ägypter von Bord einer Barke auf den blauen Fluten des Nils genossen. So muss der Eindruck noch überwältigender gewesen sein.

Nach obenBazar am Abend in Assuan

Unser heutiges Abendprogramm besteht aus dem nächtlichen Besuch eines Bazars in Assuan. Viele schillernde Gewürzstände säumen den Weg. Besonders farbintensiv ist ein tiefblaues „Gewürz” am Rande vieler Verkaufsstände. Ismael erklärt uns, dass dies Indigo ist und den „Waschkraftverstärkern” in unserem Waschmitteln entspricht. Daher liegt es etwas beiseite und abgedeckt zum Verkauf. Kein Wunder!

Einheimische preisen lautstark ihre Waren - so wie auf vielen orientalischen Märkten - und mit allen möglichen Handbewegungen an. Müde von der langen Reise und den vielen heute neu gewonnen Eindrücken gehen wir bald zu Bett.

zu den FAQs und den Kommentaren
Auf der letzten Seite dieses Reiseberichtes findest Du die Fragen unserer BesucherInnen, welche uns im Laufe der Zeit erreichten und Du hast auch selbst die Möglichkeit, einen Kommentar zu diesem Reisebericht zu hinterlassen.
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