San Francisco - Herz und Seele

Nach der gestrigen ausgiebigen Autofahrt in die Wald- und Weingegend nördlich von San Francisco, wollen wir den heutigen Tag nur in The City verbringen. Nach dem ausgiebigen Frühstück im Hotel - so ein üppiges American Breakfast mit Speck, Eierspeise, Toast, Butter, belgischen Waffeln mit Ahornsirup und frischen Früchten, Orangensaft, Kaffee und noch vielem mehr, ist sehr nett - planen wir durch San Franciscos Gassen zu schlendern und so manches Mitbringsel (für die lieben Daheimgebliebenen und natürlich für uns selbst als Souvenir) einzukaufen. Aber auf alle Fälle wollen wir heute eine Fahrt mit der berühmten Cable Car Tram erleben.

Apropos Eierspeise: Hier sind Amerikaner einiges wählerischer als wir Europäer und unterscheiden einige Formen. Rührei (scrambled) und Spiegelei (fried) sind hier und drüben gleichermaßen bekannt und üblich. Das bei uns übliche weiche Ei (boiled) ist drüben eher unüblich. Beim Spiegelei werden die Zubereitungsarten wesentlich feiner unterschieden als hierzulande. Man gibt bei der Bestellung an, ob man sie „nicht umgedreht” (sunny side up), „beidseitig angebraten” (double fried), „einmal kurz umgedreht” (over easy) oder „längere Zeit auf der Dotterseite” (over medium) gebraten haben möchte. Andere Länder - andere Sitten.

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Cable Car Fahrt
IconCable Car Fahrt

 

Cable Car Fahrt
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Wendestation in Fisherman's Wharf
IconWendestation in Fisherman's Wharf

 

Bereits am 2. August 1873 fuhr der erste Cable Car die Clay Street hinab. Am Führerstand werkte niemand geringerer als der Erfinder himself: Andrew Smith Hallidie. Einer Anekdote nach, hat Andrew Hallidie sich die immer wieder ereignenden Unfälle (Pferde verloren auf den steilen Straßen den Halt und rasten rückwärts bergab) so zu Herzen genommen, dass er nach einer besseren Lösung suchte. Die Technik, über laufende Zugseile Wägen fortzubewegen, wurde bereits in den Goldminen eingesetzt - Andrew Hallidie kam aber als erster auf den Gedanken, auch Personen so zu befördern.

Anfangs war die Öffentlichkeit misstrauisch gegenüber diesem neuen Verkehrmittel, Nach kurzer Zeit aber waren die Leute begeistert und so stand dem Siegeszug der Cable Cars in San Francisco nichts mehr im Wege. Durch den Bau der Cable Cars war es erstmals möglich, auch die bislang fast unzugänglichen, hochgelegenen Gegenden wie Nob Hill städtebaulich zu erschließen. Damit haben die Cable Cars einen beträchtlichen Anteil daran, dass sich San Francisco so entwickelt hat, wie es heute ist.

Cable Car Fahrt
IconCable Car Fahrt

 

Cable Car Fahrt

 

Bis zur Jahrhundertwende waren 600 Wagen im Einsatz und das Schienennetz war schon mehr als 150 Kilometer lang. Ganze 8 Linien fuhren kreuz und quer durch ganz San Francisco. Dann kam der 18. April 1906 - das Erdbeben zerstörte große Teile des Streckennetzes. Nur teilweise wurden danach die beschädigten Wagen und Schienen wieder in Stand gesetzt - im Zuge der Motorisierung veralteten sie als Transportmittel.

1947 wollte der amtierende Bürgermeister alle Cable Cars komplett durch Busse ersetzen. Eine Welle der Empörung durchzog die Stadt und der Plan wurde wieder fallen gelassen. 1964 wurden die Cable Cars zum National Monument erklärt und unter Denkmalschutz gestellt. Heute sind noch drei Routen in Betrieb, die überwiegend von Touristen genutzt werden: die Powell-Hyde, die Powell-Mason und die California-Linie.

California-Line
Führt von der Market Street / Ecke Drumm Street zur Van Ness Avenue.
Powell-Mason-Line
Fährt in Downtown (Ecke Market Street / Eddy Street) weg und nur fast bis nach Fisherman's Wharf. Die Aussicht ist nett, die Linie ein bisschen überlaufen.
Powell-Hyde-Line
Startet vom gleichen Startpunkt weg und führt direkt nach Fisherman's Wharf. Du hast auf dieser Strecke einen fantastischen Blick von der Hyde Street auf die Golden Gate Bridge und weiter auf Alcatraz. Die Powell-Hyde-Line fährt auch direkt an der Lombard Street vorbei! Und sie ist die überfüllteste Linie.

 

Cable Car Fahrt in der Nacht
IconCable Car Fahrt in der Nacht

 

Cable Car Fahrt in der Nacht

 

Cable Car Fahrt in der Nacht

 

Unsere erste Fahrt starten wir direkt an der Wendestation in Fisherman's Wharf - ja genau dort, wo die meisten Touristen warten. Die Wartezeit vergeht trotzdem recht zügig. Das Wenden eines Cable Car von Hand auf einer Drehscheibe ist ein nettes Schauspiel und zusätzlich werden wir noch von einem gut Saxophon spielenden Schwarzen unterhalten. Eine ¾ Stunde später stehen wir auf der hinteren Plattform und harren der Dinge, die da auf uns zukommen.

Ein Tipp: So verführerisch auch die Sitzplätze im vorderen Drittel des Cable Car aussehen mögen, zum Fotografieren - und auch nur zum Betrachten der Umgebung - sind diese Plätze denkbarst ungeeignet. Vor den Sitzbänken befinden sich Trittbretter, welche immer genutzt werden. Die vor Dir stehenden Personen rauben Dir jede Aussicht!

Auch, wenn die Plattform so aussieht als ob hier massig Leute stehen könnten, bietet sie doch nur für 4-5 Personen Platz. Der Grund dafür ist, dass der Bremser Raum für sich selbst und seine Arbeit an der Kurbel braucht. So steht man also brav an der Seite, ein Bein schon auf den Stufen und bemüht sich, nicht im Weg zu sein. Bei dem Gerumpel gar nicht so einfach!

... und pumpelt!
Icon... und pumpelt!

 

... es rumpelt ...
Icon... es rumpelt ...

 

Bergauf bergab geht's in zügigem Tempo. Besonders abenteuerlich wird's aber erst, wenn eine Kurve kommt. Fast sind wir versucht laut „Yahoo!” zu quietschen wie auf einem Roller Coaster. Dass wir auch noch Fotos machen und dabei die Kameras nicht verlieren wollen, trägt zu einer entspannten Haltung nicht gerade bei. Wir fühlen uns wie die Klammeraffen.

Doch viel zu schnell geht die lustige Holper-Fahrt vorbei und wir sind ganz erstaunt, als wir schon wieder aussteigen müssen. Zum Abschluss bekommen wir dann auch noch eine kleine Kostprobe jenes legendären Gebimmels des Cable Car Personals zu hören. Grip Man und Bremser klingeln sich minutenlang rhytmisch weg. Vielleicht schon eine Vorbereitung auf den nächstjährigen Cable Car Bell Ringing-Contest, der alljährlich im Sommer (Juni oder Juli) stattfindet? Uns hat's jedenfalls gefallen.

Wenn Du jetzt mehr über die Cable Cars erfahren möchtest, Dich der technische Hintergrund (wie funktioniert der Greif- und Bremsmechanismus) interessiert, Du geschichtliche Fakten wissen oder interaktiv testen möchtest, ob Du als „Grip Man” geeignet bist, dann empfehlen wir Dir den Besuch einer der folgenden Links:

Nach obenUnion Square - im Herzen der Stadt

Union Square

 

Union Square
IconUnion Square

 

San Franciscos Union Square zählt zu den ältesten Plätzen an der Westküste der Vereinigten Staaten. Sein Name rührt von den Demos während der Bürgerkriegszeit her, die zur Unterstützung der Unionskräfte hier statt fanden. Früher soll hier einmal reine Wohngegend gewesen sein, heute ist das jedoch ganz anders.

Der nach einer Renovierung im Sommer 2002 neu eröffnete Platz präsentiert sich großzügig und modern. Viel Granit, Palmen und Skulpturen zieren diesen Treffpunkt im Herzen der Stadt. Neben Cafés und Veranstaltungslokalen haben sich hier mittlerweile die Topshops von San Francisco angesiedelt.

In den vielen Geschäften bekommt man einfach alles. Unter den etwa 200 Läden sind teure Luxuskaufhäuser, Boutiquen und Designershops, eine Nike-Town, ein riesiger Buchladen und viele weitere Läden. Frühstück bei Tiffany? Am Union Square ist das möglich, denn auch davon gibt es hier eine Niederlassung.

Wir touren also durch die verschiedenen Kaufhäuser wie Macy's, Saks of 5the Avenue oder Neiman Marcus und schrecken auch vor Cartier nicht zurück. Teils nur zum Schauen, teils natürlich auch um etwas zu kaufen - ein paar Hilfiger Polos für Alexander wollen unbedingt mitgenommen werden - fahren wir Rolltreppen rauf und wieder runter, bis uns unsere Füße nimmer tragen wollen. Haben wir nicht eigentlich von einem geruhsamen heutigen Tag geträumt?

Union Square

 

Union Square

 

Auf unserem Weg zur nächsten Cash Machine kommen wir an einem der traditionsreichsten Hotels der Stadt vorbei, dem Sir Francis Drake. Nett, was man alleine im Vorbeigehen zu sehen bekommt. Erinnert uns fast ein bisschen an Disney World, ist aber nicht ganz unsere Preisklasse.

Nachdem wir wieder mit Barem ausgestattet sind, erklimmen wir neuerlich einen Cable Car, der uns mit samt unseren Einkaufssackerln wieder zur Fisherman's Wharf bringt. Bei Dunkelheit zu fahren hat auch seinen ganz eigenen Reiz, wenn die Straßen- und Reklamebeleuchtungen die Stadt bunt erhellen.

Auf dem Heimweg kehren wir noch kurz bei einem Italiener ein, wo es zwar große Portionen gibt, jedoch nicht von berichtenswerter Güte. Man kann halt nicht jeden Tag Glück mit dem Restaurant haben. Die Mägen sind gefüllt, die Füße müde und die Lider schwer. Flugs heim ins Hotel und ab ins Bett. Morgen ist auch noch ein Tag!

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