Södermalm & City

Einen wunderschönen guten Morgen! Es ist unglaublich, wie viel man schlafen kann - wird wohl an der Dunkelheit liegen. Jetzt sind wir jedenfalls munter und voller Tatendrang.

Nach dem Frühstück - heute wissen wir jeder schon ganz genau, was wir wollen - schnappen wir unsere Fotorucksäcke und marschieren zum Odenplan, um in die Tunnelbana einzusteigen. Wir wollen einen der vorgeschlagenen Spaziergänge aus unserem Reiseführer machen, der uns nach Södermalm führen wird.

Nach obenSlussen - Katharina Hissen

älteste bewegte Leuchtreklame Skandinaviens - Zahnpasta Stomatol
Iconälteste bewegte Leuchtreklame Skandinaviens - Zahnpasta Stomatol

 

Blick auf Stockholm vom Katarinahissen

 

Bei der Station Slussen steigen wir aus der U-Bahn aus und finden uns gleich auf dem Södermalmstorg, den wir schon von einer Webcam kennen. Schon witzig, wenn man sich einen Ort zuerst im Internet ansieht und dann plötzlich selbst dort steht.

Vermittelt fast ein Gefühl von „Beam me up, Scotty” wären da nicht doch einige Tage, die zwischen Anschauen und tatsächlicher Anwesenheit verstrichen sind. Während wir uns auf dem Platz umsehen, entdecken wir das Restaurant Gondolen und den Aufzug Katharina Hissen.

Wir hatten zuerst die Idee hier Neujahr verbringen zu wollen, doch das Gourmetrestaurant war scheint's schon ausgebucht, denn wir haben auf unsere Anfrage keine Antwort erhalten. Angeblich soll es von dort oben den schönsten Blick auf Altstadt und City geben.

Das wollen wir natürlich selbst überprüfen und überqueren die Straßen, um den etwas abenteuerlich aussehenden Aufzug zu rufen.

Katarinahissen
IconKatarinahissen

 

Seemannsheim
IconSeemannsheim

 

Prompt kommt dieser nach unten geschwebt und wir bezahlen einem jungen, schwarzen Aufzugswart die Gebühr (SEK 10.- pro Person aufwärts, hinunter kostet es weniger).

Oben angelangt finden wir die Aussicht wirklich sehr schön. 38 Meter hat uns der etwas abenteuerliche Lift aus den 30er-Jahren hinauf befördert. Vor uns liegt das Wasser, wo die Schleuse (Slussen ist das schwedische Wort für Schleuse) den Mälaren See mit der Ostsee verbindet und dahinter die Altstadt.

Auch Stockholms erste bewegte Neonreklame für die Zahnpasta Stomatol ist von hier oben gut zu sehen. Erstaunlich, dass die in die Jahre gekommene Tube, immer noch Pasta auf die Zahnbürste drückt!

Wir überqueren den Steg, und gehen über den Köpfen der Restaurantgäste, wäre diese nicht um die Uhrzeit geschlossen. Auf den Mosebacke ein wenig hinauf gehend sehen wir ein Theater mit einer hübschen Konstruktion aus Eisen und Glas, die an ein Palmenhaus erinnert. Das müssen wir uns näher ansehen.

Als wir kurz davor stehen stellt sich heraus, dass der Anblick von weiter weg jedoch viel schöner als aus der Nähe ist. Der Name Mosebacke kommt übrigens daher, dass sich auf der Anhöhe (Backe) im 16. und 17. Jahrhundert Windmühlen drehten. Eine dieser Mühlen gehörte einem Müller namens Moses, woraus später der eben der Name der Hügel entstand.

Nach obenHornsgatan und Umgebung

St. Maria Magdalena Kyrka

 

St. Maria Magdalena Kyrka
IconSt. Maria Magdalena Kyrka

 

Figuren auf einem Schiff

 

Dem vorgeschlagenen Weg folgen wir nun entlang der Hornsgatan, wo viele kleine Geschäfte und Lokale sind. Cafés, Galerien und witzige Läden wie Hutgeschäfte oder Second Hand Shops wechseln einander ab.

Linker Hand sehen wir die St. Maria Magdalenen Kirche, die vom gleichen Baumeister wie das königliche Schloss errichtet wurde, Nicodemus Tessin. Der Kirchhof ist auch der Friedhof und bildet eine grüne und ruhige Oase gleich neben der belebten Straße. Mit den Wohnhäusern ganz dicht rundherum vermittelt diese letzte Ruhestätte einen ganz anderen Eindruck als Friedhöfe bei uns zu Hause.

Am Mariatorget, einem Platz mit Park, der zu dieser Jahreszeit allerdings mehr grau als grün ist, kommen wir an einem schönen Blumenladen vorbei. Grünpflanzen wie Buchs und kleine Koniferen stehen draußen, und Frühlingsboten wie Amaryllis, Schneerosen und Hyazinthen lassen auf ein baldiges Erwachen der Vegetation hoffen. Karin ist ganz entzückt und muss unbedingt ein paar Minuten schnüffeln und sich an dem Anblick erfreuen.

Nähe Maria Hissen
IconNähe Maria Hissen

 

Nähe Maria Hissen

 

Mariatorget, Blumengeschäft
IconMariatorget, Blumengeschäft

 

Wieder zurück auf der Hornsgatan, überqueren wir diese und gehen auf dem sogenannten Hornsgatanspuckeln, einer Erhebung direkt über der Straße, entlang derer die Häuser gebaut sind, ein Stückchen zurück zur Bellmansgatan.

Kurz bevor wir in diese einbiegen sehen wir eine interessante Bronzeskulptur. Sie stellt vier Männer auf einem boot­ähnlichen Sockel dar. Nachträgliches Googeln wieder zu Hause in Wien bringt uns zu dem Schluss, dass diese Plastik wohl von Hermine Keller ist, die unter anderem in der Galerie Hera, Hornsgatan 36, ausstellt.

Wir folgend der Bellmansgatan, bis wir eine kleine Gasse namens Bastugatan kreuzen, die von alten Häusern gesäumt ist. Ein Stück weiter geradeaus führt die Bellmansgatan noch zum Maria Hissen, einem weiteren Aufzug, der vor allem den Aufstieg vom Ufer auf die Anhöhe Mariaberget erleichtern soll. Auch hier gibt es ganz typisch für Schweden fast nur Wohnungen ohne Vorhängen vor den Fenstern.

Da die Straße so schief ist, dass auf einer Gassenseite eine Art Brücke entlang führt, können wir den Familien beim Samstagsfrühstück in der Wohnküche zusehen.

Blick auf Söder Mälarstrand
IconBlick auf Söder Mälarstrand

 

Blick auf Söder Mälarstrand

 

Uns ist dieser Voyeruismus allerdings peinlicher als ihnen, da sie offensichtlich daran gewöhnt sind und unbekümmert ihr Ei im Morgenmantel auslöffeln, während Spaziergänger bei den Fenstern herein schauen. Es gibt aber auch Fenster, in den kunstvolle Arrangements aus Blumen, Figuren und anderen Gegenständen wie Hüten oder Porzellanvasen die Blicke zwar anziehen, sie jedoch vom Inneren ablenken.

Wieder zurück in der Bastugatan biegen wir nun in den Monteliusvägen ein. Zwar ist das laut unserem Reiseführer bei diesem Spaziergang nicht vorgesehen, jedoch lockt uns der kleine Schotterweg, der an einer Art Klippe entlang führt, allzu sehr. Unsere Neugier wird denn auch mit einer schönen Aussicht auf Söder Mälarstrand belohnt.

Timmermannsgatan

 

Schild Kinarestaurang
IconSchild Kinarestaurang

 

In unserem Rücken gibt es sowohl herrschaftliche Backsteinhäuser aus der Zeit der Jahrhundertwende, als auch Holzhütten und kleine Gärten. Im Sommer muss es ganz traumhaft sein hier! Da man an kleinen Holztoren Hagebutten in den Heckenrosen und Fliedersträucher entlang der Lattenzäune sieht, blüht dann wohl alles in den Gärten, die Luft ist von Duft erfüllt und die Leute genießen die Aussicht im Grünen.

Weiter geht es durch die Timmermannsgatan mit kleinen Häuschen in typischem Rostrot. Einst waren hier die Arbeiterviertel und was heute als romantisch und idyllisch empfunden wird, war damals wohl nicht gerade luxuriös. Heute sind die Quartiere Zuhause für Bohéme und Avantgarde und kaum jemand kann sich ihrem Reiz entziehen.

Ein paar Treppen hinunter und über Hornsgatan drüber befinden wir uns in einer Gegend, die angeblich das Herz von Södermalm darstellt. Heute ist es fast wie ausgestorben. Es ist wohl Wochenendruhe, da hier so gar nichts los ist?

Im Weitergehen sehen wir ein Schild, welches uns zeigt, dass Schweden schreiben, wie manche unserer deutschen Nachbarn sprechen (bei uns in Österreich hört man beim Wort Restaurant noch ganz deutlich die französische Herkunft). Sehr nett, das müssen wir fotografieren!

Nach obenZinkensdamm

Zinkensdamm

 

Zinkensdamm

 

Nun sind wir im Zinkensdamm-Viertel angelangt, einer parkähnlichen Kleingartensiedlung mit vielen Schrebergartenhütterln. Holz, Glas und vornehmlich blau gestrichene Fenster- und Türläden gibt es hier - sehr idyllisch.

Die Häuschen und auch die kleinen Obstbäume und Ziersträucher sind weihnachtlich geschmückt. Glitzernde Christbaumkugeln hängen neben Meisenknödel mit roten Maschen. Zwar sind die Häuser nicht ganzjährige bewohnbar, aber so haben es zumindest Vögel und Kaninchen auch weihnachtlich.

Den Einheimischen beim Gärtnern zuschauen ist derzeit wegen Winter nicht. Das hätte Reiseführer sonst nämlich vorgeschlagen (eigenartig, fast schon wie ein Besuch im Tiergarten zu Studie bestimmter Verhaltensweisen!). So schauen wir einfach die winterlichen Gärten an und schlendern weiter.

Zinkensdamm

 

Zinkensdamm

 

Nach der Jugendherberge klettern wir rechts ein paar Stufen hinauf und befinden uns wieder auf der Hornsgatan. Unser Spaziergang durch Södermalm ist laut unserem Reiseführer hier zu Ende - aber wie diese Tour in nur 30 Minuten zu schaffen gewesen wäre, ist uns ein Rätsel.

Wir haben wahrlich nicht gebummelt, sind in keinem Café eingekehrt und haben nichts eingekauft, trotzdem haben wir gut doppelt so lange gebraucht. Jedenfalls haben wir viel Schönes gesehen und möchten keines der abgegangenen Gässchen und Wege missen.

Entlang der Hornsgatan gehen wir zur nächsten U-Bahnstation und fahren bis T-Centralen. Wir möchten gerne mit dem 90 Minuten Spaziergang durch die City beginnen - wer weiß wie lang der dann dauert.

Nach obenIn der City

Hötorget, Kaufhaus PUB
IconHötorget, Kaufhaus PUB

 

Hamngatan, Kaufhaus NK

 

Am Sergelstorg angekommen machen sich unsere Mägen bemerkbar. Es ist unüberhörbar Zeit, etwas zu essen suchen. Wir schauen uns um und Karin entdeckt von unten ein Café im Kulturhuset, wo es Tische mit Blick auf den Platz gibt. Also hinein mit uns und das Plätzchen gesucht. Nach einigen Rolltreppen hinauf und Gängen hinüber werden wir fündig und betreten das Café mit Selbstbedienung.

Leider haben wir mit unseren knurrenden Mägen nicht aufgepasst und so wird wieder einmal kalt gegessen, da wir das warme Buffet schlicht übersehen haben. Es schmeckt uns aber trotzdem gut - Karin hat ein Schrimpsbrot, Alexander ein belegtes Weckerl und zur Nachspeise teilen wir uns eine schwedische Mandeltorte - und die erhoffte nette Aussicht haben wir dank Tisch in der ersten Reihe auch.

Orpheusstatue vor dem Konzerthaus
IconOrpheusstatue vor dem Konzerthaus

 

Orpheusstatue vor dem Konzerthaus
IconOrpheusstatue vor dem Konzerthaus

 

Blumenstand am Hötorget

 

Das Kulturhuset selbst ist eine Mischung aus Kinos, städtische Bücherei, Theater und Pensionistenverein. Viele Leute unterschiedlichen Alters gehen hier ein und aus. Familien mit Kindern stehen beim Kinoeingang, Paare holen Theaterkarten an der Vorkassa ab, Senioren spielen Schach, Studenten sitzen in der Lesecke der Bücherei. Recht leger und sehr lebendig geht es hier zu.

Nach der Stärkung im Café schauen wir kurz in das bekannte Kaufhaus NK. Obwohl die Nordiska Kompaniet als DAS Kaufhaus für die gehobene Kundschaft gilt und viele Nobelmarken und schwedische Designer führen soll, ist es für uns nur another Shopping Mall. Wir verlassen den Kauftempel wieder und werden uns einen nochmaligen Besuch als Schlechtwetterprogramm oder wenn wir schon alles andere gesehen haben aufheben.

Weiter geht's zu Hötorget, dem Hauptmarkt der Stadt. Hier gibt es Obst, Gemüse, viele Blumen und ein Paar Fleece-Fingerlinge für Alexander. Zwischen den Standeln schlendern wir ein wenig umher und schauen uns das bunte Angebot an. Schade (oder doch zum Glück?), dass wir nicht Zuhause sind, dann hätte Karin nämlich schon Arme voll Amaryllis heimgeschleppt, um damit die Zimmer zu dekorieren. Die Blumen sehen auch zu prachtvoll aus!

Vasastan, altes Observatorium
IconVasastan, altes Observatorium

 

Drottninggatan, Strindberg Museum
IconDrottninggatan, Strindberg Museum

 

Drottninggatan

 

Vor dem Konserthuset, dem Konzerthaus, einem der wichtigsten klassizistischen Bauten Stockholms, bleiben wir stehen. Zwischen 1924 und 1926 wurde das Gebäude nach Plänen des Architekten Ivar Tengbom errichtet.

Davor steht der Orpheus-Brunnen mit Skulpturen des Bildhauers Carl Milles, der es uns angetan hat. Nach einigen Fotos überqueren wir den Hötorget, um das Kaufhaus PUB zu besuchen.

Hier hat Greta Garbo in der Putzmacherabteilung einst Hüte verkauft und wir suchen die im Reiseführer angekündigte kleine Ausstellung, die sich im Einkaufsbereich befinden soll. Im Café fragen wir und stürzen eine junge Serviererin in heillose Verwirrung - nix, keine Ahnung.

Bei der Information fragen auf Empfehlung dann ebenfalls nach und erhalten die Antwort, dass es diese Ausstellung schon lange nicht mehr gibt. Na gut, dann eben weiter auf der vorgeschlagenen Route.

Es ist 14:00, es wird finster und wir müde. Schon erstaunlich, wie sehr man auf das Licht oder besser dessen Abwesenheit reagiert. Weil unsere Augen immer kleiner werden beschließen wir, heute ein Nachmittagsschlaferl im Hotel zu machen und dafür am Abend wieder rum zu spazieren. Da wir gerade in der Nähe vom Odeplan sind, gehen wir also jetzt nach Hause.

Am Weg zum Hotel kaufen wir in einem Supermarkt noch etwas Gebäck und bereiten uns am Zimmer einen Nachmittagstee zu. Danach gibt's erst mal 2 Stunden Rast.

Nach obenGamla Stan bei Nacht

Storkyrkan
IconStorkyrkan

 

Grand Hotel

 

Vasastan, Hauseingang

 

Bestens ausgeruht machen wir uns am Abend vom Sergelstorg durch die Drottninggatan wieder auf in die Gamla Stan. Alexander ist mit seinem Stativ bewaffnet, während Karin nur einige Fotos mit kleinem Stativ probiert.

Es mag unsportlich sein, aber so eine Schlepperei bei den niedrigen Temperaturen entspricht wirklich nicht ihrem Geschmack!

Vor dem Schloss steht eine Wächin (weibliche Form von Wache) mit einer weißen Fellmütze bis auf die Augenbrauen runter gezogen. Wir bauen unsere Stative auf und nehmen das vis-a-vis gelegene Grand Hotel auf. Auch den Stortorget besuchen wir wieder und zählen diesmal an der Fassade von Haus Nr. 20 (das rote) die hellen Kalkplatten, die für Opfer des Stockholmer Blutbades stehen. Es sind tatsächlich rund 80 Platten, die gleiche Anzahl wie die der Hingerichteten.

Marten Trotzigs Gränd
IconMarten Trotzigs Gränd

 

Stortorget

 

Stortorget
IconStortorget

 

Die Västlanggatan geht es nun entlang bis Nr. 79. Wir wollen unbedingt sehen, wo wir in der Silvesternacht einen Tisch reserviert haben. Das Lokal sieht von außen nett und heimelig aus.

Gleich daneben Marten Trotzigs Gränd, da kleinste Gässchen von Stockholm von dem Alexander eine wunderbare Aufnahme macht. Benannt ist das Gässchen (und auch unser Silvesterlokal) nach einem deutschen Kaufmann namens Traubzig, der von 1559 bis 1617 hier wohnte.

Er könnte der erste Bierbrauer Schwedens gewesen sein, denn es wird ihm die Erfindung des Biers nachgesagt. Eine Biersorte mit dem Namen des Herrn Kaufmann gibt es übrigens auch heute noch.

Apropos feucht - das Wetter wird schlecht und es beginnt zu regnen. Wir beschließen die U-Bahn zu besteigen und wieder ins Hotel zurück zu kehren. Das ist ganz OK, denn immerhin sind wir schon wieder 2 Stunden herumgelaufen.

Zurück auf unserem Zimmer gibt es zuerst ein Nachtmahl mit den Lebensmitteln aus unserem Sackerl-Kühlschrank, dann bearbeiten wir Fotos und schreiben ein wenig an unserem Reisebericht und dann ab in die Heia… Schlaf gut!

zu den FAQs und den Kommentaren
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Gamla Stan  |Skansen & Vasa Museum
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