Ein Fürst, Museen & viel Wasser

Park Gradina Cismigiu

 

Park Izvor Fahrradständer

 

An diesem Freitag, den wir uns Urlaub für ein verlängertes Wochenende genommen haben, stehen wir schon um 04:45 auf. Eine Stunde später holt uns das Taxi zum Flughafen, wo wir um 07:25 ins Flugzeug nach Bukarest klettern.

Nur etwas über eine Flugstunde ist die Hauptstadt Rumäniens von Wien entfernt und nachdem Alexander bei einer Dienstreise einen kurzen Eindruck von Bukarest gewissen konnte, hat er kurzerhand beschlossen, Karin mit diesem Wochenendtrip zu überraschen.

Wie eingangs schon erwähnt können die Meinungen, die wir zu Bukarest als Reiseziel gehört bzw. gelesen haben, unterschiedlicher nicht sein. Schon beim Einlesen sind wir hin und hergerissen zwischen der Vorfreude ob der wunderschönen Beschreibungen und dem Bedürfnis, die Erwartungen möglichst gering zu halten, um ja nicht enttäuscht zu werden.

Als wir nach dem kurzen und unspektakulären Flug ankommen, entern wir zunächst ein Taxi, um zu unserem Hotel, dem Howard Johnson Grand Plaza im Stadtzentrum zu kommen.

Bei der Anfahrt können wir feststellen, dass zumindest die Geschichte mit den breiten Boulevards unter Schatten spendenden Bäumen der Wahrheit entspricht.

Bukarest Boulevard Unirii
IconBukarest Boulevard Unirii

 

Parlamentspalast

 

Im Hotel ist das Check-In rasch erledigt und wir beziehen unser Zimmer im 9. Stock. Schnell Tasche auspacken, das T-Shirt gegen ein luftiges Top tauschen - es soll heute an die 35° bekommen - und schon kann's losgehen!

Wir befinden uns unweit der Piata Romana und so starten wir unsere Erkundung zu Fuß. Gleich neben dem Hotel befindet sich eines dieser wunderschönen Belle Epoque Palais, in dem heutzutage scheinbar ein Restaurant untergebracht ist. Hinter schmiedeeisernen Toren tut sich ein Garten mit Rosenbüschen auf, in dessen Mitte man das mit einem schön verzierten, muschelförmigen Glasdach beschirmte Portal sehen kann. Die Architektur erinnert wirklich fatal an Paris.

Ein paar Schritte weiter sehen wir das vertraute Logo von McDonalds und da es Mittagszeit ist und wir ob der Hitze auch sehr durstig sind, kehren wir hier ein. Salat mit Thunfisch bzw. Hühnerfilet, dazu 2 Mineralwasser und schon haben wir unser sommerliches Mittagsmenü bestellt. Im Gastgarten sitzen wir im Schatten von alten Bäumen, mampfen und sehen ein wenig dem Treiben zu.

Piata Unirii, Springbrunnen
IconPiata Unirii, Springbrunnen

 

Piata Unirii, Springbrunnen
IconPiata Unirii, Springbrunnen

 

Doch halt! Was ist denn das für ein Geruch, der hier überall in der Luft liegt. Süß, blumig und ein wenig an Kindertage erinnernd … Es sind Lindenblüten. In Alleen, Parks und Hinterhöfen, überall stehen alte Lindenbäume und verströmen um diese Zeit ihren betörenden Duft, sodass ganz Bukarest in eine Wolke von Lindenblütenaroma eingehüllt ist.

Gestärkt verlassen wir den Mäci und schlendern weiter Richtung Zentrum. Alexander verliert für einen Moment die Orientierung in den sich windenden und krümmenden Gassen. Kein Wunder, denn hier in der Stadt ist kein Bauplan erkennbar.

Um den alten Fürstenhof bildeten sich einfach weitere Gehöfte, Klöster, Paläste und Wohnhäuser und die Stadt weitete sich wie die sich öffnenden Blätter einer Blüte. Diese „wilde” Bauweise, die man auch heute noch bemerkt, kann einen schon recht verwirren.

Jedenfalls stehen wir nach einigen Schritten vor einem Bau, der entfernt an eine Otto Wagner-Kirche erinnert. Ein blaues Kuppeldach thront auf einem weißen Rundbau mit Säulen am Portal.

Nach obenAthenäum - Teil 1

Athenaeum
IconAthenaeum

 

Athenaeum
IconAthenaeum

 

Es handelt sich hierbei um das Athenäum, eines von Bukarests markantesten Bauwerken. Vom französischen Architekten Albert Galleron war der Bau einst als Zirkus gedacht und wurde auch als solcher genutzt. Erst später kam man auf die Idee, das Gebäude zu einem Konzerthaus umzubauen, wozu übrigens ein Spendenaufruf an die Bukarester notwendig war, weil leider nicht genügend Geld einkalkuliert wurde.

Wie erfolgreich die Spendenaktion war, werden wir erst an einem anderen Tag sehen, denn heute begnügen wir uns mit Fotos vom Park vor dem Athenäum aus.

Wir überqueren die Piata Revolutiei, auf der am 21.12.1989 die Revolution gegen den Diktator Ceausescu und sein Regime stattfand, folgen der Längsseite des ehemaligen Königspalastes, der jetzt das nationale Kunstmuseum beherbergt und biegen in eine schattige Straße ein.

Zwischen Kastanienbäumen hindurch erhaschen wir Blicke auf Villen im Stil von Märchenburgen, mit gläsernen Terrassen, die in blühende Gärten schauen. Bestimmt wohnen hier ganz arme Leute!

Nach obenGradina Cismigiu - Bukarests ältester Park

Park Gradina Cismigiu

 

Park Gradina Cismigiu
IconPark Gradina Cismigiu

 

Park Gradina Cismigiu
IconPark Gradina Cismigiu

 

Drei Schritte noch und wir tauchen ein ins dunkle Grün von Bukarests ältestem Park. 1847 ließ Fürst Gheorghe Bibescu den Schweriner Gartenbauarchitekten Carl Meyer den Gradina Cismigiu anlegen. Über 30.000 Pflanzen wurden aus den Karpaten und unserem Heimatland Österreich herbeigeschafft und hier rund um einen See eingesetzt.

Besonders beeindruckend ist der lange, gerade Rasenstreifen, der den Park von Norden nach Süden durchquert. Überall sind blühende Beete, Amphoren und Figuren wie aus Alice im Wunderland verstreut und beleben das Bild. Dass es so gepflegt ist hier, dafür sorgen zahlreiche GärtnerInnen, die wir jetzt in der größten Hitze beim Graben und Schnippeln beobachten können.

Wir verlassen den Park, kreuzen ein paar Straßenzüge, überqueren den Kanal und stehen vor der nächsten Grünfläche. Hinter der wilden Blumenwiese des Izvor-Parks sehen wir den monumentalen Bau des Parlamentspalastes, der unser eigentliches Ziel des heutigen Nachmittages ist.

Nach obenParlamentspalast - 1. Anlauf

Parlamentspalast
IconParlamentspalast

 

Park Izvor Parlamentspalast
IconPark Izvor Parlamentspalast

 

Alexander, der bei seiner Dienstreise schon einen Blick auf dieses Monument der Superlative werfen konnte, war damals so beeindruckt, dass wir Ceausescus steingewordenes Symbol des Größenwahns nun gleich als erstes gemeinsam besuchen wollen.

Wir streifen durch das hohe Gras während die Sonne sengend auf uns herunter brennt. Knapp 65.000 Quadratmeter bedeckt der Palast und wer nicht weiß, an welcher Seite sich der Eingang befindet, der spürt diese unglaublichen Dimensionen in den Füßen, die vom Ablaufen der Außenmauern dann ziemlich schmerzen.

Wir wissen glücklicherweise, wo wir in den Parlamentspalast hinein können. Was wir jedoch nicht wissen (Alexander hat es leider schon wieder vergessen) und welche Erfahrung uns gleich noch viel mehr schmerzt ist, dass wir ohne Reisepass nicht in den Palast dürfen. Na geh! Die Pässe liegen sicher in unserem Hotelsafe eingesperrt.

Enttäuscht und unverrichteter Dinge gehen wir also wieder nach draußen in die Hitze. Glücklicherweise haben wir noch 2 Tage, sodass das Malheur nicht allzu groß ist.

Nach obenBoulevard und Piata Unirii

Boulevard Unirii, Springbrunnen

 

Boulevard Unirii, Springbrunnen
IconBoulevard Unirii, Springbrunnen

 

Boulevard Unirii, Springbrunnen
IconBoulevard Unirii, Springbrunnen

 

Von der Mitte der Frontseite des Parlamentspalastes führt ein breiter Boulevard hinunter. 4,5 km ist der Boulevard Unirii lang, an dessen unterem Ende sich der gleichnamige Platz befindet.

Einstmals befanden sich hier typisch rumänisch Häuschen mit Gärten rundherum, die jedoch nicht Ceausescus Geschmack als geeignete Umgebung für seinen Protzbau trafen und er deswegen kurzerhand schleifen ließ. Die Eigentümer und Bewohner wurden vertrieben und bekamen als Ablöse für ihre Immobilien Wohnungen in jenen riesenhaften Wohnanlagen mit klassizistischer Andeutung in Form von nackten Säulengängen im Dachgeschoss. Ob dies einen adäquaten Gegenwert darstellte ist zweifelhaft.

Der Boulevard Unirii ist in seiner ganzen Länge von einem Mittelstreifen mit Springbrunnen geziert und Karin nutzt die Gunst der Stunde - weit und breit kein Uniformierter zu sehen - um die heißen Füße im Nass zu kühlen. Nach Fotos sowohl in Richtung Parlament als auch in Richtung Piata wandern wir in Schatten und Duft er Lindenbäume die 4,5 km ins Zentrum.

Boulevard Unirii, Blumenverkaeuferin
IconBoulevard Unirii, Blumenverkaeuferin

 

Boulevard Unirii, Springbrunnen
IconBoulevard Unirii, Springbrunnen

 

Auffallend ist das Fehlen jeglicher Straßencafés oder Läden auf der breiten Straße. Angeblich sollen die Mieten hier sehr teuer sein, sodass kaum ein Geschäft sich länger hält, wenn es sich den Platz überhaupt leisten kann.

An den ansonsten völlig kahlen und schmucklosen Steinfassaden fällt uns eine Ansammlung blumengeschmückter Loggien auf. Offensichtlich ist hier jemand sehr bemüht, sich sein Zuhause wohnlich zu gestalten.

Endlich an der Piata Unirii angelangt, sieht man sich einer schier überwältigenden Anzahl an Springbrunnen und Wasserfontänen gegenüber. Der Einheitsplatz, wie die Piata auf Deutsch heißt, möchte gerne als Park oder gar als Kunstwerk gelten, schafft es jedoch trotz des vielen Wassergespritzes und ein paar Blümchen drum herum nicht, sehr viel mehr als einer von Bukarests größten Verkehrsknotenpunkten zu sein. Nichts-desto-trotz ist der Platz auf jeden Fall sehenswert und Al Bundy-Fans werden vielleicht an die Buckingham Memorial Fountain erinnert.

Am südlichen Ende der Piata Unirii beginnt laut unserem Reiseführer der historische Altstadtkern. Dort steht auch die berühmte alte Herberge von Manuc Bey, die Karin unbedingt sehen will. Doch zuvor will Alexander noch ein Kleinod zeigen, dass er bei seinem ersten Besuch gesehen hat.

Nach obenBiserica Sf. Ioan

Bukarest Bisceria Sf Ioan
IconBukarest Bisceria Sf Ioan

 

Bukarest Bisceria Sf Ioan
IconBukarest Bisceria Sf Ioan

 

Bukarest Bisceria Sf Ioan

 

Gleich neben dem Kaufhaus Unirea, eingezwängt zwischen Hochhäusern und etwas von der Straße zurückversetzt, steht die kleine Biserica Sf. Ioan. Viele der Kirchen fielen der so genannten Systematisierung zum Opfer. Darunter verstand man Ceausescus Politik des Schleifens von sakralen Bauwerken. Architekten ließe sich allerhand einfallen, um das eine oder andere Gotteshaus retten zu können. Dazu gehörten Versteckspiele wie bei Sf. Ioan, das Verschieben auf einen anderen Platz, bei dem die Kirche zum Transport auf Schienen gehoben wurde oder gar das Zerlegen und wieder Aufbauen. Der Glaube versetzt nicht nur Berge sondern auch Kirchen.

Sf. Ioan ist in seinem Inneren über und über mit Fresken, Ikonen und viel Gold und Silber geschmückt. Der Innenraum ist winzig, wird jedoch heftig frequentiert. Die BukaresterInnen kommen oft eiligen Schrittes herein, halten kurz inne für einen Kuss eines Heiligenbildes, ein Gebet und einen Segen durch den anwesenden Priester. Danach hasten sie weiter auf den breiten, sonnendurchfluteten Boulevard und verschwinden in der Menge.

Die Fresken in Sf. Ioan sind teilweise restauriert, an vielen Stellen jedoch sind sie fast schwarz vom Ruß der Opferkerzen und vom Weihrauch, der hier ständig verbrannt wird. Eine eigene, fast mystische Atmosphäre liegt in dem kleinen Gotteshaus zwischen den Hochhäusern, die auch uns unweigerlich in ihren Bann zieht.

Nach obenHanul lui Manuc

Statue Vlad Tepes (Graf Dracula)
IconStatue Vlad Tepes (Graf Dracula)

 

Alter Fürstenhof (Curtea Veche)

 

Wieder zurück auf der Straße geht es nun aber zum historischen Stadtkern und zum Hanul lui Manuc. Der Hanul, das Wort stammt vom persischen Han, Herberge, wurde 1804 von einem reichen armenischen Kaufmann und Diplomaten namens Emanuel Mirzaian errichtet. Da Mirzaian den Beinamen Manuc Bey trug, wurde auch sein Gasthof, der eine Art orientalischer Karawanserei war, Hanul lui Manuc also Herberge des Manuc genannt. Der Baugrund gehörte einst zum alten Fürstenhof, den man Ende des 18. Jahrhundert parzellenweise erwerben konnte.

Manuc Bey muss schon eine schillernde Persönlichkeit gewesen sein. Er sprach Russisch, Französisch und Rumänisch, sowie viele Dialekte. Als Kindererzieher hatte er einen deutschen Mediziner und seine diplomatischen Kontakte waren so weitreichend, dass Manucs Karawanserei als Ort für die Friedensverhandlungen zwischen Russland und der Türkei diente.

Trotz Reichtum und Geschick verstarb Manuc mit relativ jungen 54 Jahren bei einem Sturz vom Pferd. Seine Herberge wurde später in ein Hotel umgewandelt und sogar mit einem Theatersaal ausgestattet. Wir haben jedoch leider das Pech, vor verschlossenen Türen zu stehen und die Bilder unserer Phantasie nicht mit der Wirklichkeit vergleichen zu können. Der Hanul ist bis auf weiteres wegen Renovierung geschlossen wie wir auf Nachfrage in einem der umliegenden Restaurants erfahren. Sehr schade! Wir nehmen also nur einen Blick durchs Schlüsselloch in einen großen Innenhof als Erinnerung mit.

Gegenüber dem Hanul ist übrigens ein Stück braches Land, welches einen ganz anderen Eindruck von Bukarest vermittelt. Auf der Gstettn steht eine mehr als windschiefe Straßenlaterne, dahinter ein leise vor sich hinbröckelndes Wohnhaus. Dieses Fleckchen hat einen mehr als nur morbiden Charme!

Nach obenFürstenhof Curtea Veche & Biserica Sf. Anton Bunavestire

Alter Fürstenhof (Curtea Veche)

 

Alter Fürstenhof (Curtea Veche)
IconAlter Fürstenhof (Curtea Veche)

 

Platz neben der Alten Hofkirche
IconPlatz neben der Alten Hofkirche

 

Doch nicht nur eine Gstettn gibt es vis-a-vis der geschlossenen Karawanserei, sondern noch zwei weiter Sehenswürdigkeiten. Da ist einerseits die Biserica Sf. Anton Bunavestire, die im 16. Jahrhundert von Fürst Mircea Ciobanul gestiftet und als Krönungskirche genutzt wurde und andererseits die Überreste des alten Fürstenhofes Curtea Veche.

Das Äußere der Krönungskirche, das seine markanten Streifen Anfang des 20. Jahrhundert vom Architekten Horia Teodoru erhielt, ist leider gänzlich von einem Baugerüst und grünem Flies verhüllt, dafür ist das Innere sehr sehenswert. Rund um den Altar sind Fresken im Original erhalten geblieben. Sie stammen aus der Zeit, als die walachischen Wojwoden am Fürstenhof nebenan ein und ausgingen.

Vom Curtea Veche, dem alten Hof, sind nur mehr wenige Überreste zu sehen: ein paar Mauern, eine einzelne Säule und eine Büste von schauriger Berühmtheit, da sie nämlich Vlad Tepes, die historische Inspiration zu Bram Stokers Dracula zeigt.

Foto: Reise Know-How Rumänien
Reise Know-How Rumänien

 

Alte Hofkirche (Biserica Curtea Veche)

 

Der Walachenprinz Vlad III. Tepes ist für seinen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn bekannt. Es heißt, er ließ am Marktplatz eine goldene Schale liegen, aus der jedermann trinken durfte. Wer die Schüssel jedoch zu stehlen versuchte, war des Todes.

Auch heute wird Prinz Vlad von den Rumänen noch angerufen, wenn es darum geht Korruption, Faulheit oder sonstige chaotische Zustände anzuprangern. Dann ruft man: „Unde esti tu, Tepes Doamne?” - Wo bist Du, Pfähler, Herr?

Seinen gruseligen Beinamen Tepes, der Pfähler, bekam Vlad III. aufgrund der Angewohnheit, seine Opfer - seien es nun gerichtete Verbrecher, Kriegsgegner oder sonstige Feinde - auf Pfählen aufzuspießen und zur Abschreckung zur Schau zu stellen. Dass er dabei Vergnügen empfunden haben soll, ist eine Überlieferung, die durchaus politisch oder religiös motiviert gewesen sein könnte und heute nicht mehr verifiziert werden kann.

Apropos politisch … noch gruseliger wird die Geschichte um Vlad Dracul dann unter Ceausescu. Der lässt nämlich einen Film drehen aus dem hervorgeht, dass er, Ceausescu, der geliebte Sohn des Volkes, direkt und unmittelbar vom walachischen Prinzen abstammt. Weniger wegen der Blutrünstigkeit, als wegen der Gerechtigkeit und der edlen Herkunft wär es gewesen. Na dann!

Nach obenLipscani-Viertel

Strada Franceza, Backgammon Spieler

 

Strada Franceza
IconStrada Franceza

 

Nach eingehendem Betrachten des Herrn Dracula wenden wir uns wieder dem profaneren Handel zu und besuchen das Lipscani-Viertel. Lipscani bedeutet Leipzig und deutet darauf hin, dass hier einst rege Beziehungen mit den Kaufleuten dieser deutschen Stadt unterhalten wurden. Auch heute noch haben die Straßen dieser Gegend sprechende Namen. Da gibt es die Kürschner-, Schuster-, Tuchhändlerstraße und sogar eine für Geldwucherer ist vorhanden.

Das Viertel ist nun eine Fußgängerzone, in der links und rechts nette Lokale ihre Schanigärten aufgestellt haben. Anlässlich der Fußball-WM findet man auch viele Flachbildfernseher, auf denen das p.t. Publikum die Spiele bei einem Bierchen (oder zwei, oder drei, …) verfolgen kann. Doch auch außerhalb der Fußballsaison ist das Lipscani-Viertel eine Ausgehmeile geworden. Neben den Cafés und Restaurants findet man verschiedene Läden und darüber Wohnetagen alter Häuser, deren Balkone mitunter nicht mehr sehr vertrauenswürdig aussehen.

In der Str. Dumitru, die zur gleichnamigen kleinen Kirche führt, ist eine bemerkenswerte Bronze-Skulptur zu besichtigen: ein großes Speichenrad, doch anstelle der Radnabe steckt ein Mann im Zentrum des Rades. Sehr verstörend! Da müssen wir doch gleich 3 Schritte weiter bergab in die Sf. Dumitru schauen, wo es ebenfalls schöne Ikonen im goldenen Inneren gibt.

Strada Smardan, Hotel Rembrand
IconStrada Smardan, Hotel Rembrand

 

Strada Franceza, verfallener Balkon
IconStrada Franceza, verfallener Balkon

 

Strada Sfantul Dumitru
IconStrada Sfantul Dumitru

 

Zurück auf der Calea Victoriei betrachten wir den Palatul CEC etwas näher. Es handelt sich dabei um das Gebäude der Rumänischen Sparkasse, das mit großartiger Kuppel, einer schön verzierten Uhr am Portal sowie Figuren an der Fassade auch als Bahnhofsgebäude durchgehen könnte. 1897 wurde das vom französischen Architekten Paul Gotterau entworfene Gebäude feierlich eingeweiht, doch es dauerte dann noch weitere 3 Jahre bis zur tatsächlichen Fertigstellung.

Kurz nach Privatisierung der Bank wurde leider auch der schöne Palast der Öffentlichkeit nicht mehr zugänglich gemacht, sodass wir uns mit Ansichten von der gegenüberliegenden Straßenseite begnügen müssen. Angeblich soll es aber schon der einen oder dem anderen BesucherIn gelungen sein, zumindest in die Eingangshalle vorzudringen.

Nach obenKloster Stavropoleos

Calea Victoriei, Spiegelung der Kirche Biserici Bucuresti
IconCalea Victoriei, Spiegelung der Kirche Biserici Bucuresti

 

Calea Victoriei, CEC Bank

 

Strada Stavropoleos, Caru Cu Bere (älteste Bierhalle)
IconStrada Stavropoleos, Caru Cu Bere (älteste Bierhalle)

 

Wir folgen nun der Gasse zwischen der kleinen Zlatari-Kirche und dem Geschichtsmuseum und stehen nach wenigen Schritten vor einem der bekanntesten Lokale Bukarests, dem Bierkarren Caru cu Bere. Gerade als Wiener glaubt man vor dem Rathaus zu stehen, denn das Gebäude aus dem Jahr 1879 ist im gotischen Stil erbaut und weckt heimatliche Gefühle.

2007 wurde das Lokal komplett renoviert und erstrahlt nun in neuer Pracht. Kellnerinnen im kurzen Dirndl heißen die Gäste im Schanigarten willkommen und das hier gebraute Bier soll angeblich auch gut schmecken. Vielleicht später, jetzt zieht es uns noch mehr zu kulturellen als zu kulinarischen Höhepunkten.

Schräg vis-a-vis des Bierkarrens befindet sich ein ganz besonderes Kleinod, das Kloster Stavropoleos. Als Gasthofskapelle des griechischen Mönches Joannikis wurde die Biserica gegründet und ist heute Bukarests einzige Kirche mit prächtiger Außenmalerei.

Von der einstmaligen Schlichtheit ist nichts mehr übrig, dafür gehört Stavropoleos unserer Meinung nach zu den romantischsten Orten der rumänische Hauptstadt. Der begrünte Innenhof mit Arkaden, Blumentöpfen und schattenspendenden Linden ist eine wahre Oase, vor allem bei den aktuellen Temperaturen von über 30 °.

Strada Stavropoleos, Stavropoleos Kirche
IconStrada Stavropoleos, Stavropoleos Kirche

 

Strada Stavropoleos, Stavropoleos Kirche

 

Strada Stavropoleos, Stavropoleos Kirche
IconStrada Stavropoleos, Stavropoleos Kirche

 

Nur 5 Minuten müssen wir warten, bis uns eine Frau, die gerade Opferkerzen entzündet, die kleine Kirche wieder öffnet. Auch hier gibt es schöne alte Ikonen zu bewundern.

Vor dem Portal hängt ein eigenartiges Metallding an Ketten, das sich auf Nachfrage als eine Art Glockenspiel entpuppt, welches von den Nonnen beim Mariengesang gespielt wird. Hier könnten wir ewig bleiben und die friedvolle Atmosphäre vergangener Zeit genießen. Doch nichts da, Bukarest hat noch so viel zu bieten!

Durch Gassen mit schönen alten Häusern aber auch mit wilder Verkabelung schlendern wir bis zur Piata Universitatii, wo uns das schöne Belle Epoque Palais auffällt, in welchem das Stadtmuseum untergebracht ist. Davor gibt es eine Art kleinen Bauernmarkt, wo unter anderem handgefertigter Schmuck, Honig, Essig und auch Stockbrot feilgeboten wird. Letzteres interessiert uns zwar, ist aber so riesig groß, dass wir das zu zweit sicher nicht bewältigen können - und unser Interesse erlischt wieder.

Nach obenGeschichtsmuseum (Muzeul National de Istorie)

National Museum, Replik der Trajanssaeule
IconNational Museum, Replik der Trajanssaeule

 

Calea Victoriei, National Museum
IconCalea Victoriei, National Museum

 

Da noch eine gute Stunde geöffnet sein sollte, beschließen wir dem Geschichtsmuseum einen Besuch abzustatten. Wir sind zwar sonst eher Schlechtwettermuseumsbesucher, aber der rumänische Nationalschatz, der hier im Kellergewölbe ausgestellt ist, interessiert uns schon sehr. Für diese punktuelle Visite ist die 1 Stunde, die uns für den Besuch bleibt, bevor das Museum seine Pforte schließt, auch wirklich ausreichend.

Zunächst hält uns noch die Replik der Trajanssäule auf, welche vom Keller bis zum Dachgeschoss reicht und Platz für die 200m lange Reliefspirale bietet. Das Original der Säule steht auf dem Forum Ulpia in Rom. Auch wenn's die Kopie ist, fotografieren darf man nicht hier, gell!?!

Danach geht's in den tiefen Keller, wo besagter Nationalschatz ausgestellt ist. Über 2000 Schmuckstücke funkeln und glitzern im gedämpften Licht der Vitrinen. Zu den ältesten und wertvollsten Stücken zählt die Henne mit goldenen Küken. Sie stammt aus dem 3. Jahrhundert v.Chr. und wurde von Bauern auf einem Acker gefunden.

Interessanter Weise ging dieser Bestandteil eines gotischen Goldschatzes schon 3 Mal verloren und wurde jeweils auf spektakuläre Weise wiedergefunden. Doch mag die Henne auch noch so wertvoll sein, Karin hat eindeutig mehr Interesse an den schönen Chandelier Ohrringen, die sie ohne weiteres tragen würde. Vielleicht gleich mit passendem Collier dazu?

Nach obenTagesausklang im Bierkarren Caru cu Bere

Strada Ghica Ion, Russische Kirche (Biserica Rusa)
IconStrada Ghica Ion, Russische Kirche (Biserica Rusa)

 

Strada Stavropoleos, Caru Cu Bere (älteste Bierhalle)

 

Strada Stavropoleos, Caru Cu Bere (älteste Bierhalle)
IconStrada Stavropoleos, Caru Cu Bere (älteste Bierhalle)

 

Nach soviel Kultur und Geschichte sind wir ein wenig hungrig und sehr durstig. Wie wär's denn also jetzt mit Caru cu Bere? Und schon biegen wir ums Eck und lassen uns von den bedirndelten Mädels einen Tisch im Schanigarten geben. Zuerst mal ein Krügerl vom Hausbier bitte!

In der Speisekarte finden wir dann einen Salat mit Lachs und Frischkäse für Karin und eine Räucherwurst mit Bohnen für Alexander. Zuerst kommt das Bier, das eigentlich nur 400 ml ist und leicht und süffig schmeckt.

Dann folgt das Weckerl - weiß, winzig und ein wenig hart. Darauf kommt der Salat, ganz ok aber doch recht übersichtlich und zu guter Letzt die Wurst mit den Bohnen. Sehr würzig, aber auch eine durchaus bewältgbare Portion. Schmeckt, wackelt und hat Luft, wir sind zufrieden.

Da die Örtchen der Entspannung innen sind, kommen wir auch noch in den Genuss das Interieur der Gaststätte zu sehen. Wie in einer Kirche sieht es hier aus mit Kreuzgewölbe und goldener Bemalung auf dunklem Grund. Sehr schön und gemütlich! Wir zahlen und sind alsbald unterwegs in Richtung unseres Hotels. Der Tag war lang und langsam merken wir, wie viel wir schon gelaufen sind und auch Alexanders Schnupfen macht ihm ein klein wenig zu schaffen.

Auch der Heimweg hat noch einiges zu bieten wie die Biserica Rusa, die russische Kirche, Blumenfrauen, Fontänen und moderne Kunst. Als wir dann in unserem Zimmer angekommen sind ist nicht mehr viel mit uns anzufangen. Wir sind geschafft von den vielen tollen Eindrücken und finden schon jetzt, dass Bukarest jedenfalls eine Reise wert ist. Gespannt auf den nächsten Tag schlafen wir bald ein. Gute Nacht!

zu den FAQs und den Kommentaren
Auf der letzten Seite dieses Reiseberichtes findest Du die Fragen unserer BesucherInnen, welche uns im Laufe der Zeit erreichten und hast selbst die Möglichkeit einen Kommentar zu diesem Reisebericht zu hinterlassen.
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