Ballonfahrt über die Alpen

 

Unsere Ballonfahrt führte uns nicht in 80 Tage um die Welt, sondern „nur” 2 Stunden über den Alpenhauptkamm in der Steiermark. Trotzdem war die Fahrt atemberaubend schön! Unser Reisebericht handelt von unseren Vorbereitungen, den vielen Hindernissen die es bis zum Start gab, den Eindrücken während der Fahrt, der Taufe, einigen Bildern, u.v.m.

Nach obenEines unserer Hochzeitsgeschenke

... aber er wächst und wächst und wird immer mächtiger ...

 

Noch ist der Ballon nicht wirklich zu erkennen ...

 

Unsere Hochzeit fand im September 2000 statt. Als Geschenk aller MitarbeiterInnen Alexanders Abteilung bekamen wir einen Gutschein für einen „Sprung ins Glück”. Hinter dem Gutschein verbargen sich zwei Tandem-Fallschirmsprünge. Die Reaktion auf dieses Geschenk war bei uns beiden recht unterschiedlich. Alexander freute sich auf das Abenteuer und Karin wurde zittrig.

Warum? Karin hat in bestimmten Situationen Höhenangst! Dazu müssen wir ein wenig ausholen. Sie bekommt immer dann Höhenangst, wenn sie:

… und gleich können wir einsteigen und heben ab!

 

… nun noch viel warme Luft …
Icon… nun noch viel warme Luft …

 

Alexander hingegen fand Fallschirmspringen schon immer aufregend. Zuerst das Kribbeln und eine gewisse Unruhe, bevor man sich aus dem Flugzeug ins Nichts fallen lässt.

Dann die Minuten - oder sind es nur Sekunden - in denen man im freien Fall auf die Erde zustrebt, bevor man mit dem geöffneten Schirm in gemäßigterem Tempo weiter nach unten segelt und zum Schluss wieder mit beiden Füßen landet, was auch nicht so einfach ist.

Daher war der Gutschein für einen Tandemfallschirmsprung sehr nett gemeint aber vielleicht nicht ganz das Richtige für uns beide. Trotzdem nahmen wir uns beide (ja wirklich beide!) vor, den Gutschein einzulösen. Wir kamen überein, dass wir das Einlösen des Gutscheins nicht übereilt angehen werden.

Auf so ein Ereignis wollen wir uns gründlich vorbereiten - mental einschwingen! - und nachdem der Gutschein 2 Jahre Gültigkeit hat, war überstürztes Handeln auch nicht notwendig.

Nach obenWie wird aus einem Fallschirm ein Ballon?

unser Ballon
Iconunser Ballon

 

unser Ballon
Iconunser Ballon

 

Nach der Hochzeitsreise (14 Tage Fahrt mit einem Hausboot in Frankreich am Canal du Midi - war sehr nett!) zog der Alltag wieder in unser Leben ein. Der Gutschein war gut aufgehoben und geriet langsam in Vergessenheit. Nach etwa 1½ Jahren fiel er uns durch Zufall wieder auf. „Jetzt tun wir es aber” war unser erster Gedanke.

Damit sich Karin nicht schon Wochen vor dem Ereignis zu fürchten beginnt, teilte Alexander ihr den Termin nicht mit. Einzig ein kleiner Text im Kalender »Überraschung - Nichts vornehmen« war vorhanden. Dieser konnte aber alles Mögliche bedeuten und war nichts Außergewöhnliches.

die ersten Meter über der Erde

 

Bis knapp eine Woche vor der „Überraschung” war alles bestens. Karin hatte den Tandemsprung erfolgreich aus ihrem Gedächtnis gedrängt und war daher ganz unbeschwert. Aber dann passierte es! Am Wochenende prüft Karin immer die Termine der nächsten Woche. Dabei fiel ihr der Eintrag 'Überraschung' auf. Zuerst war sie neugierig und freudig gespannt - „Was machen wir denn da?” - aber kurze Zeit später schlug die Stimmung in Angst und Furcht um. Vielleicht war Alexanders Antwort doch nicht so überzeugend …

Es folgte eine kurze Diskussion an deren Ende wir beschlossen, dass ein Tandem-Fallschirmsprung doch nicht das Richtige für uns beide ist. So hielten wir nach einer geeigneten Alternative Ausschau. Auf der Webseite von fallschirmspringen.at befindet sich auch ein Link auf ballonfahren.at. Jetzt hatten wir unsere Lösung: eine Ballonfahrt in den Alpen!

Nach obenWann ist der große Tag?

Damit eine Ballonfahrt zustande kommt, müssen einige Bedingungen gleichzeitig zutreffen (die Gleichzeitigkeit ist das Schwierige):

Letzteres erwies sich als besonders tückisch. Der Termin wird normalerweise einige Wochen vor dem Ereignis telefonisch vereinbart - so auch bei uns. Wie dann das Wetter an diesem Tag sein wird, kann niemand vorher sagen. Daher kommt es leider vor, dass es just an dem vereinbarten Tag stürmt oder regnet oder der Pilot erkrankt oder…

Lauter Gründe warum die Ballonfahrt nicht stattfinden kann. Und genau so ist es uns ergangen. Wir benötigten mehr als 20 Anläufe bis es klappte. Aber dann passte alles und es kam unser großer Tag.

Nach obenWir fahren!

Wir fahren! Was für ein Gefühl!

 

Was für ein Ausblick!

 

Am 26. Dezember 2003 ist es endlich so weit. Wir können es gar nicht glauben, als uns unser Pilot beim morgendlichen Kontrollanruf ob das Wetter eine Fahrt zulässt sagt: „Ja passt, setzt's Euch ins Auto”.

Alexander lässt sich noch erklären, wo genau wir denn den Ballon in Trieben/Steiermark finden werden und schon sind wir, bepackt mit diversen wärmenden Kleidungsstücken und unseren Fotoausrüstungen unterwegs.

Die ca. 2½ h Fahrt vergehen recht schnell und dank der einfachen Beschreibung „zwischen Autobahn und Rauchfang” finden wir auch den Flugplatz in Trieben gleich.

Also raus aus dem Auto, warm einmummeln - es hat minus 9 Grad - Fototaschen schnappen und dem Piloten die Hand schütteln. Diesen erkennen wir auch gleich, da er neben dem umgelegten Korb und einem bunten Stoffknäuel am Parkplatz steht.

Während der Ballonfahrt

 

Während der Ballonfahrt

 

Während der Ballonfahrt

 

Wir erfahren, dass es ca. eine ½ Stunde dauert, bis der Ballon fahrbereit ist. In der Zwischenzeit können wir uns in der Flugplatz-Baracke bei heißem Tee unter den Heizstrahlern aufwärmen und den Fallschirmspringern beim Geschichtenerzählen zu hören.

Unser Pilot erzählt uns, dass wir ein Stückchen das Mürztal entlang fahren werden, dann über den Alpenhauptkamm und dann… mal sehen wohin der Wind uns trägt. Oben ist's auch wärmer als hier unten und windstill sagt er. Wir sind gespannt!

Als wir nach einer knappen ½ Stunde wieder auf den Parkplatz gehen, nimmt das Stoffknäuel schon langsam eine ballonähnliche Form an, da mit einem großen Ventilator Luft hinein geblasen wird. Das regenbogenfärbige Gebilde ist wirklich wunderschön.

Es wird größer und größer und richtet sich immer mehr auf. Als dann auch noch befeuert wird, dauert es nur mehr wenige Minuten und der Korb steht aufrecht mit dem darüber schwebenden Ballon.

Während der Ballonfahrt

 

Während der Ballonfahrt

 

Während der Ballonfahrt

 

Wir dürfen an Bord klettern und bekommen eine kurze aber prägnante Sicherheits­einweisung: „Alles innerhalb des Korbes ist auf der sicheren Seite, alles außerhalb ist schlecht”.

Schon während wir ergriffen lauschen, schwebt der Ballon mit uns in die Höhe - so sanft, dass wir es gar nicht merken und Karin ganz erstaunt und mit großen Augen über den Korbrand in die Tiefe lugt.

Während sich jeder von uns ein bequemes „Fensterplatzerl” sucht, steigen wir immer höher und die Häuser unter uns sehen aus wie winzige Bausteine. Toll ist es hier oben! Ganz still, nur hin und wieder macht der Brenner ein wenig Lärm aber gleichzeitig wärmt er uns auch ganz wunderbar. Die winterliche Landschaft sieht aus wie in einem Schwarzweiß-Film, nur der Himmel schimmert in zarten Rosa- und Blautönen darüber.

Während der Ballonfahrt

 

Während der Ballonfahrt
IconWährend der Ballonfahrt

 

Wir sehen das Mürztal zu unseren Füßen, den Dachstein, den Ötscher, die Dolomiten, die Karawanken, das Grazer Becken. Eine majestetische, winterliche Bergwelt. Schweigend genießen wir den herrlichen Ausblick und schießen ein Foto nach dem anderen.

Karin ist verblüfft, dass sie überhaupt keine Angst hat, obwohl man doch durch den Korbboden ein bisschen durchschauen kann. In der Ferne sehen wir Rauch, der sich als zartgraues Band durch ein Tal zieht und einen Fluss in der Sonne silbrig aufglänzen. Schneebedeckte Hänge, unberührt von jeder menschlichen Spur, Schäfchenwolken auf winterblauem Himmel. Wir verlieren jegliches Zeitgefühl.

Nach einer Weile merken wir, dass wir wieder an Höhe verlieren. Über Funk meldet sich unser Begleitwagen und fragt, ob er schon losfahren soll und wohin. Wahrscheinlich werden wir in Kraubath landen.

Während der Ballonfahrt

 

Während der Ballonfahrt
IconWährend der Ballonfahrt

 

Eine verzauberte Landschaft
IconEine verzauberte Landschaft

 

Der Landeanflug ist recht lustig. Während wir langsam sinken, bleiben Autos stehen, laufen Kinder aufgeregt umher und kommen Leute aus ihren Häusern. Alle winken und rufen - wir winken zurück. Eine ganze Weile suchen wir eine geeignete Wiese zum Landen aber entweder es sind Leitungen da oder Pferde - beides für eine Landung ungeeignet.

Schließlich ist der Wind gnädig und treibt uns über die Autobahn auf einen schneebedeckten Acker, gleich neben einer Straße. Das ist gut so, sonst müsste man Ballon und Korb so weit schleppen. Nach einigen Funkkontakten taucht auch unser Begleitfahrzeug auf - wir sind nämlich nicht in Kraubath, sondern in St. Stefan.

Als unser Ballon nur mehr wenige Meter über dem Acker schwebt schnappt sich unser Bodenbegleiter die ihm zugeworfenen Leinen und zieht uns zum Wagen, sodass wir direkt im Anhänger zum Stehen kommen. Sehr geschickt!

Nach obenDie Taufe

Wieder aus dem Korb geklettert - wir haben noch gar nicht so recht mitbekommen, dass wir wieder festen Boden unter den Füßen haben - erzählt uns unser Pilot die Geschichte der Ballonfahrt.

Alexanders Taufe

 

Karins Taufe

 

Den französischen Brüdern de Montgolfiére gelang es 1783 zum ersten Mal eine mit Gas gefüllte Tafthülle in der Luft schweben zu lassen. Dies demonstrierten sie auch König Louis XVI. und Marie Antoinette. Die Passagiere dieser Fahrt waren allerdings damals noch nicht recht hochwohlgeboren: ein Hammel, ein Hahn und eine Ente.

Die achtminütige Fahrt überlebten die Tiere weitgehend unbeschadet mit Ausnahme des Hahns, der leichte Flügelverletzungen davon trug. Beobachter wollten gesehen haben, dass die Ursache dieser Flügelblessuren jedoch nicht in der Ballonfahrt, sondern vielmehr in dem etwas nervösen Hammel lag, der mit seinen Tritten den Hahn erwischt hatte.

Louis XVI. erließ daraufhin ein Verbot der Ballonfahrt für Hammel. Im selben Jahr und nach einem technischen Wettstreit zwischen mehreren Ballonkonstrukteuren wurden 2 französische Adelige ausgewählt, die ersten Luftnavigatoren zu werden und überstanden ihre 25-minütige Fahrt unbeschadet und mit großem Vergnügen. Auf diese beiden Herren geht auch der Brauch zurück, dass Ballonfahrer in den Adelsstand erhoben werden.

Wir müssen uns in den schneebedeckten Acker knien (nein, wir dürfen die Ballonseide nicht als Unterlage benutzen) und in einem elendslangen und witzigen Schwur unsere offizielle Zustimmung dazu geben, im Notfall als Ballast abgeworfen zu werden. Dann wird jedem von uns ein Büschel Haar angezündet und mit Sekt gelöscht. Puuh, wie das stinkt!

Wir erhalten die Titel „Graf Alexander, der unerschrockene Alpenüberquerer” und „Gräfin Karin, die furchtlos schweigsame Alpenüberquererin von und zu St. Stefan”. Da trotz Haarlöschens noch genügend Sekt übrig ist, stoßen wir alle auf dieses schöne und besondere Erlebnis miteinander an! Glück ab und gut Land!

Nach obenWeitere 33 Fotos von dieser Reise

findest Du in unserem Fotoalbum Ballonfahrt über die Alpen . Hier gleich ein paar Beispiele:

zum Fotoalbum von der Ballonfahrt über die Alpen

 

zum Fotoalbum von der Ballonfahrt über die Alpen

 

zum Fotoalbum von der Ballonfahrt über die Alpen

 

zum Fotoalbum von der Ballonfahrt über die Alpen

 

zum Fotoalbum von der Ballonfahrt über die Alpen

 

Viel Vergnügen beim Betrachten!

Nach obenBisher gibt es für diese Seite 4 Kommentare

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Sabine Hausbeck (E-Mail-Adresse bekannt)
schrieb am 3. Juli 2007

Hi! Echt ein super Bericht! Wißt ihr noch den elendslangen und witzigen Schwur, den ihr machen musstet? Ich bräuchte nämlich ein wenig Anregung für so etwas!
Gruß Sabine

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Stefan (E-Mail-Adresse bekannt)
schrieb am 23. November 2008

Klasse Bericht!!! Ihr seit echt zu beneiden so eine tolle Fahrt gemacht zu haben. Welche Eventreise habt Ihr gebucht ...

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Karin Pöschel (Admin)
schrieb am 23. November 2008

Servus Stefan,
ja, uns hat die Ballonfahrt damals auch sehr gut gefallen. Eventreise? Keine! Wie beschrieben haben wir einen Geschenkgutschein für je einen Tandemsprung zu dieser Fahrt umgewandelt.
liebe Grüße, Karin

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Hannes (E-Mail-Adresse bekannt)
schrieb am 15. Mai 2011

Super Bericht...Einfach Klasse...Besten Dank! Viele Grüße!

 

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