Warum Pixel nicht gleich Pixel sind!

In jedem Elektro-Supermarkt findest Du sie: Die Werbung für eine neue Digitalkamera. Und was prangt dort in Riesenzahlen als DAS Unterscheidungsmerkmal? Die Mega-Pixelanzahl! Die Werbung versucht uns zu suggerieren, dass mehr Pixel auch automatisch bessere Bilder bedeutet. Das geht sogar so weit, dass manche Hersteller mit einer errechneten Auflösung prahlen. Nur leider stimmt dies nicht!

Nach obenAusflug in die Schulzeit: kleiner Physikunterricht

normaler CCD/CMOS Sensor
normaler CCD/CMOS Sensor
schematische Anordnung der Rot-Grün-Blau Beschichtung

 

Ein Pixel eines digitalen Fotos hat keine reale physikalische Größe. Ein Pixel ist vielmehr ein mathematischer Wert, welcher die Position und die Farbinformation eines Bildpunktes beinhaltet. Und woher kennt dieses Pixel seine Informationen? Die Daten erhält das Pixel vom Bildsensor. Klingt so einfach, ist aber schwer kompliziert.

Der Bildsensor besteht wiederum aus vielen Fotodioden. Diese registrieren die Helligkeitsinformationen, die durch das Objektiv auf den Bildsensor treffen, und wandeln diese in elektrische Ladung um. Die Ladezustände werden temporär gespeichert, danach von der Kamera-Elektronik ausgelesen und zu einem Foto verarbeitet, welches auf die Speicherkarte geschrieben wird.

Damit ein Bildsensor neben reinen Helligkeitswerten aber auch Farben „sehen” kann, muss man ihm ein wenig auf die Sprünge helfen. Dazu wird über die Fotodioden ein Mosaik aus Farbfiltern gelegt. Jedes Pixel ist somit nur für jeweils eine der drei Grundfarben Rot-Grün-Blau (RGB) zuständig.

Um unserer Wahrnehmung am besten zu entsprechen, sind 25% der Photodioden rot-, 25% blau- und 50% grün-empfindlich (Verteilung gilt für einen „normalen/standard” Sensor).

„Ups, heißt das, dass meine 8 MB Kamera nur 2 Millionen Pixel der Farben Rot und Blau und 4 Millionen Pixel der Farbe Grün erfasst?” - Genau, so ist es leider. Der Rest der Bildinformation wird nicht gespeichert sondern von dem Prozessor in Deiner Kamera hinzugerechnet. Der Algorithmus, um die fehlenden Informationen zu errechnen, ist erheblich mitentscheidend für das Aussehen Deines Fotos.

Wenn Du nun annimmst, dass RAW-Format Fotos alle Informationen beinhalten, dann irrst Du leider. Hier werden nur die Rechenoperationen vom Kamera-Prozessor zum HeimPC-Prozessor und der RAW-Software verlagert. So hast Du die Möglichkeit, auch noch nach der Aufnahme eine Vielzahl von Parametern (wie zum Beispiel den Weißabgleich, den Farbraum und einiges mehr) zu optimieren.

Nach obenneue Sensor-Techniken

Foveon
Foveon
Da die verschiedenen Farben unter- schiedliche Wellenlängen haben, dringt die jeweilige Farbe nur bis zur „richtigen” Schicht vor.

 

Color Filter Array 2.0
Color Filter Array 2.0
Die Anordnung integriert Pixel-Elemente ohne Farbfilter. Dies erhöht die Luminanz und somit die Lichtempfindlichkeit.

 

Fujifilm Super CCD
Fujifilm Super CCD
Durch 2 unterschiedliche Photodioden erreicht der Fuji-Sensor eine höhere Dynamik

 

Die kalifornische Firma Foveon suchte einen anderen Weg zum Digitalfoto und besann sich dazu auf den analogen Film. Der Foveon-Sensor hat, so ähnlich wie der analoge Film, 3 übereinander liegende Schichten von Fotodioden, von denen jede eine der Grundfarben verarbeitet.

Ein Foveon-Pixel beinhaltet deshalb auch alle drei Grundfarben - Farb-Filter und nachträglich errechnete Bildanteile sind daher überflüssig.

Einen weiteren Sonderweg beschreitet Fujifilm mit dem Super-CCD-SR-Sensor. Die Pixel sind hier achteckig statt quadratisch und können so auch die Lichtinformationen der Nachbar-Sensoren mit verarbeiten: Eine gesteigerte Lichtausbeute ist die Folge.

Zudem besteht jedes Pixel aus zwei Fotodioden. Eine deckt den normalen Empfindlichkeitsbereich ab, die 2. ist weniger empfindlich und misst daher nur die sehr intensiven Anteile des einfallenden Lichtes. Aus beiden Teilinformationen errechnet die Kamera dann das Gesamtbild. Der Sinn besteht darin, den Dynamikumfang (den Quotienten aus dem größten und dem kleinsten Helligkeitswert des Fotos - siehe auch Wikipedia) zu erweitern.

Der Color Filter Array 2.0 Fotosensor hat durch seine veränderte Anordnung eine sehr hohe Lichtempfindlichkeit, welche selbst bei sehr schwachem Licht zu guten Bildern führt. Durch eine neue Aufbaumethode des Imagesensors soll die Empfindlichkeit um bis zu viermal erhöht werden können. Die Technik könnte in Handys ihr erstes Einsatzgebiet finden.

Nach obenHier herrscht Gedränge!

Größenvergleich unterschiedlicher Sensoren
Größenvergleich unterschiedlicher Sensoren
rot - Kleinbildfilm
blau - Digi-Kompaktkamera

 

Fast jedes Monat erscheinen neue Kameras mit immer mehr Mega-Pixel. Nur die Kameras selbst werden dabei nicht größer. Will ja auch kein Kunde haben, oder? Damit bleibt die Bildsensorfläche aber auch gleich groß (hier wäre es besser, klein zu sagen). Aber das bedeutet, dass auf dieser Fläche nun noch mehr Fotodioden untergebracht werden müssen.

Ein Größenvergleich zur Veranschaulichung: Ein Kleinbildfilm hat die Bildfläche von 24 x 36 mm (somit 864 mm²). Ein typischer Bildsensor einer digitalen 3 MB Kompaktkamera aber nur 7,2 x 5,4 mm (somit nur mehr 39 mm²). Das sind nur 4 % der Kleinbildfläche! Damit bleibt für die Größe einer Fotodiode/Pixel nur mehr der Platz von ca. 12 Tausendstel Quadratmillimeter. Eng, eng! Und da soll ein vernünftiges Foto daraus werden?

Nun, die Miniaturisierung funktioniert recht gut, aber derzeit noch nicht beliebig. Einerseits versucht die Technik die Dioden noch kleiner zu produzieren (derzeit liegt man bei ca. 7 Tausendstel Quadratmillimeter), andererseits verringert man den Abstand zwischen den Dioden kontinuierlich. Das Ergebnis ist oftmals stark erhöhtes Bildrauschen!

Auch aus diesem Grund greifen Profis und ambitionierte Amateure zu größeren SLR-Kameras. Durch die größere Bauform ist mehr Platz für den Bildsensor und es müssen nicht ganz so viele Fotodioden nebeneinander gedrängt werden. Der Signal-Rausch-Abstand ist bedeutend besser.

Nach obenVergiss doch den Pixelwahn!

Die Frage „Was ist denn jetzt die richtige Pixelanzahl?” mag Dir nun durch den Kopf schießen. Die Antwort ist simpel und vielleicht unbefriedigend: „Kommt darauf an was Du mit Deinem Bildern machen möchtest.” Ein Beispiel: Du (oder der Bilderdienst) druckst Deine Bilder hauptsächlich im Format 10 x 15 cm aus oder Du zeigst Deine Bildershows am Fernseher her. Dann reicht eine 3 Mega-Pixel Kamera vollkommen.

„Gut, aber ab und zu möchte ich einen größeren Auszug haben. Was mache ich dann?” Zahlreiche Firmen (z.B. Digiposter) haben sich genau auf diese Aufgaben spezialisiert. z.B. reicht eine 6 Mio Pixel Bild für ein Poster bis zu 90 x 120 cm vollkommen aus.

Nach obenDie 4 häufigsten „Pixellügen”!

Unter dem Titel Die „Flut” der kleinen Pixel oder der „Fluch” der kleinen Pixel? stoßen die Mitarbeiter der Firma Image Engineering (ein unabhängiges Testlabor für digitale Kameras, das unter anderem die Tests für die Zeitschriften Color Foto und c’t durchführt) ins gleiche Horn: Beste Bildqualität mit 6 Megapixeln! (gilt nur für Kompaktkameras)

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Zum Schluss noch ein klein wenig Werbung zur Linderung unserer Kosten. Sollte hier nichts mehr zu sehen sein, dann schluckt sehr wahrscheinlich Dein Werbefilter diese Informationen.

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7. Mai 2006Claude Michels Luxemburg

Super Seite!
Jetzt bin ich endlich klüger!

21. Jänner 2008Herbert Grün

klasse sache

 

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