Der Tag des Antoni Gaudi

Zimmer, Nacht, Frühstück - alles war heute bestens. Also los, dann steht einem weiteren perfekten Tag in Barcelona nichts im Weg. Oder auf gut Wienerisch: „Geh ma's o!” (gehen wir es an)

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Sagrada Familia
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Sagrada Familia, Passionsfassade
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Bevor wir die Sagrada Familia besuchen werden, bietet sich laut Metro-Plan noch der Besuch des „Hospital de la Santa Creu i de Sant Pau” an. Einfach 1 Station mit der Metro Linie No. 5 weiter fahren.

Naja so einfach ist es dann leider doch nicht, denn als wir bei der Station »Hospital de Sant Pau« ankommen, ist vom Spital weit und breit nichts zu sehen. Na dann halt nicht. Wieder zurück in die Metro und 1 Station zurück.

Sagrada Familia

 

Sagrada Familia
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Foto: Sagrada Familia
Sagrada Familia

 

Die Sagrada Familia ist sicher Barcelonas bekannteste Kirche und auch eines der umstrittensten Bauwerke Gaudís. Salvador Dalí war entzückt vom Anblick ihrer zigarrenförmigen Türme, George Orwell dagegen beschrieb die Kirche als eines der scheußlichsten Gebäude, das er jemals gesehen habe.

So unterschiedlich sind die Meinungen zur „ewigen Baustelle” Barcelonas.

Das erste, das wir vom Temple Expiatorio de la Sagrada Familia (Sühnetempel der Heiligen Familie) sehen, ist die Westfassade mit dem Portal des Leidens Christi - die Passionsfassade. Wieder mit Audio-Guides (auch hier sind sie sehr empfehlenswert) ausgestattet, lauschen wir den Beschreibungen dieses Eingangs.

Sagrada Familia

 

Sagrada Familia
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Man erzählt uns von der Symbolik der Figurengruppen, von magischen Zahlenquadraten (jedes Ergebnis ist die Zahl 33 - das Lebensalter Jesus) und von den Opfern, die Gaudi auf sich nehmen wollte, um den Leiden Christi den rechten Ausdruck verleihen zu können. So hätte er auch vor der Zerstörung großer Teiles seines Werkes nicht zurück geschreckt.

Durch das Passionsportal betreten wir die Kirche und sind erstaunt. Wie riesenhafte Mammutbäume wachsen die Säulen in die Höhe. Alles scheint in den Himmel zu streben, überall Entlehnungen aus der Natur und historische Symbole. Das Licht fällt auf der einen Seite durch satt-bunte Glasfenster herein, auf der anderen Seite überflutet es ungehindert die offene Baustelle.

Sagrada Familia
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Sagrada Familia
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Wir hätten mehr Staub erwartet und auch mehr Lärm und sind nun direkt enttäuscht, wie gesittet es hier zu geht. Ob sich die Heiligkeit des Unterfangens auch mäßigend auf die Unannehmlichkeiten einer Baustelle auswirken kann?

Gaudí war sich dessen bewusst, dass sein Projekt zu gigantisch war, als dass er es in seinem Leben hätte vollenden können. Es bedarf wohl schon einer gewissen menschlichen Größe, ein Werk zu planen, welches über die Grenzen des eigenen Seins hinausgeht und noch mehrere nachfolgende Generationen einbindet. Auf die Unmöglichkeit einer Fertigstellung zu seinen Lebzeiten angesprochen, antwortete Gaudí humorvoll: „Mein Kunde hat keine Eile.”

Sagrada Familia
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Sagrada Familia
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An einer der Seiten des Portales geht ein Aufzug hinauf auf den Turm. Da er nur 6 Personen auf einmal fasst, bildet sich hier relativ schnell eine Warteschlange. Wir überlegen kurz, ob wir zu Fuss hinauf klettern sollen, verwerfen diese Idee angesichts 400 Stufen aber dann schnell wieder. Außerdem ist zwar ein langsames aber doch stetes Vorankommen in der Schlange.

Oben angelangt, können wir den Turm über eine kleine Plattform verlassen und über Brücken sogar zwischen den Türmen hin und her wandern. Ein Labyrinth in luftiger Höhe! Der Blick über Barcelona, den man von da oben genießen kann, ist nur das Tüpfelchen auf dem I, das eigentlich Unglaubliche ist die Kathedrale selbst. Höher und höher, Scharten, Fenster, Durchblicke überall, immer wieder fällt der Blick durch ein Fenster, genau auf einen glänzenden Schriftzug, auf einen Engel, der die Flügel erhebt, auf eines der unzähligen Elemente des Gotteshauses.

Sagrada Familia

 

Sagrada Familia

 

Alexander ist fasziniert vom tollen Ausblick während Karin ziemlich käsig drein schaut - ihre Höhenangst macht ihr auf den rund 100 Metern etwas zu schaffen. So kommt es auch, dass wir entgegen unseren ursprünglichen Plänen nach ausgiebigem Bewundern bzw. Fürchten, doch wieder den Aufzug hinunter nehmen.

Mit den weichen Knien hätte Karin den Abstieg zu Fuß sicherlich nicht hin bekommen. Wieder unten angelangt widmen wir uns nun der Geburtsfassade.

Hier gibt es nochmals die Möglichkeit, einen Turm zu besteigen - diesmal ohne Alternative nur zu Fuß. Karin beschließt unten zu warten und Alexander macht sich - natürlich mit „schussbereiter” Fotoausrüstung - auf den Weg.

Überall gibt es Überraschendes zu sehen: die Drehung der Steintreppe selbst sieht wie eine Nautilusschnecke aus, an den Wänden krabbeln Salamander hervor, aus der Glorie wächst ein grüner Zypressenbaum, auf welchem weiße Tauben nisten - ein Symbol der Reinheit.

Sagrada Familia

 

Sagrada Familia
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Auch das Museum, das wir nun wieder gemeinsam besuchen, eröffnet uns weitere faszinierende Einblicke in Gaudís Gedankenwelt. Anhand vergleichender Fotos aus der Natur erkennen wir z.B. die Strukturen seiner Architektur wieder. Einfach genial! Was hätte er nur angestellt, wäre ihm damals schon ein PC zur Verfügung gestanden?

18 majestätische Türme sollten von einem 19. gekrönt werden, sodass eine Gesamthöhe von 170m erreicht würde. Mit einer Fertigstellung der Kathedrale, die übrigens ausschließlich aus Spendengeldern finanziert wird, rechnet man bis 2030.

Bis zu seinem Tod in Barcelona 1926 - er wurde von einer Straßenbahn direkt vor der Sagrada Familia erfasst und starb 3 Tage später in seinem 74. Lebensjahr an den Folgen des Unfalls - vervollständigte Gaudí die Krypta, einen der Türme und den Großteil der Weihnachtsfassade. In just jener Krypta liegt er nun begraben.

Sagrada Familia

 

Sagrada Familia

 

Sagrada Familia

 

Über die Sagrada Familia könnte man ein ganzes Buch schreiben, so, wie man auch Tage hier verbringen und immer noch Neues entdecken könnte.

Beides haben wir nicht vor - es gibt ja noch so viel Sehenswertes in Barcelona. So verlassen wir nach vielen Stunden diesen Ort.

Beseelt und berührt, dass wir an diesem großen Werk teilhaben konnten.

Unser Schlusswort wollen wir den Eintrittspreisen widmen: € 8 sind sicherlich recht satt, der Audio-Guide ist mit € 3,5 nicht geschenkt und für den Aufzug darf man auch noch einmal € 2 hinlegen - ABER wir finden, dass dieses einzigartige Vorhaben unsere Unterstützung in dieser Form wirklich verdient hat und hier wissen wir wenigstens, was mit unserem Geld gemacht wird.

Nach obenHospital de la Santa Creu i de Sant Pau

Hospital de la Santa Creu
IconHospital de la Santa Creu

 

Hospital de la Santa Creu
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Beim Entfernen von der Sagrada Familia peilen wir nochmals das Hospital de la Santa Creu an. Das gibt's ja schließlich nicht, dass wir das nicht finden und außerdem haben wir es vom Turm aus gesehen!

Und tatsächlich finden wir uns nach einem mittleren Fußmarsch durch eine breite Allee vor den Toren der Krankenanstalt.

Lluis Domenech i Montaner - derselbe, welcher auch den Palau de la Musica Catalana gebaut hat - entwarf hier ein Stadtkrankenhaus der ganz neuen Art. Er glaubte, dass die Patienten an der frischen Luft schneller genesen würden und außerdem haßte er große Stationen. So entstanden beginnend im Jahr 1902 26 Pavillions im Mudejar-Stil, die aussehen wie kleine Paläste aus 1001 Nacht.

Hospital de la Santa Creu
IconHospital de la Santa Creu

 

Hospital de la Santa Creu

 

Alle Diensträumlichkeiten und Verbindungskorridore sind unterirdisch, sodass die heilsame Wirkung von Kunst, Schönheit und Farben durch nichts getrübt wird.

Während wir durch die Parkanlage von einem Pavillion zum nächsten schlendern können wir uns gut vorstellen, dass an dieser damals sicher recht „esoterischen” Philosophie viel dran sein kann.

Viele Fotos später verlassen wir diesen Ort der fröhlichen Genesung und machen uns auf zur letzten Station des heutigen Tages - dem Park Güell.

Nach obenPark Güell

 

 

Der Park Güell im Großraum Barcelona wurde von Antoni Gaudí in den Jahren 1900 bis 1914 erschaffen. Er wurde von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt und ist wohl das farbenprächtigste Werk Gaudís.

Es handelt sich um eine Auftragsarbeit für den Grafen Eusebi Güell. Dieser war von den englischen Gartenanlagen äußerst angetan und wollte eine solche auch in Barcelona haben.

Antoni Gaudí plante daraufhin eine Gartenstadt mit über 60 Villen. Zur Finanzierung sollten diese schon im Vorfeld verkauft werden. Leider scheiterte das Vorhaben, so dass der Park aufgrund fehlender Mittel nie vollendet werden konnte.

 

 

Den Eingang des Parks bilden zwei Pförtnerhäuser, die wie aus einem Märchen aussehen - „...sie kamen an ein Häuschen aus Pfefferkuchen fein”. Anschließend führt eine große Freitreppe zum Gran Placa Circular hinauf. Sie beeindruckt sowohl als Gesamtkunstwerk, wie als Sammlung kleiner Kunstschätze. Überall finden sich Fabeltiere in prächtigen Farben, Mosaike und Statuen.

Wir machen einen ausgiebigen Spaziergang in dem weitläufigen Gelände, besuchen den Gang der geneigten Säulen, der nur aus Naturstein und ganz ohne bunte Verzierungen einen großen Kontrast zur sonstigen Farbigkeit setzt. Auch die als Marktplatz gedachte Halle mit den dorischen Säulen bewundern wir ausgiebig. Die prächtigen Mosaike-Medallions aus Glas und Keramik, welche die Decke zieren, ziehen uns in ihren Bann.

Der Terrassenplatz ist Treffpunkt für Besucher, Musiker, Verliebte, Maler. Hier finden auch regelmäßig kulturelle Veranstaltungen statt. Der Panorama-Blick über Barcelona ist wunderschön und die berühmte gewundene Bank, die mit ihren 152 Metern die längste der Welt ist, bietet eine erstaunlich bequeme Sitzgelegenheit.

 

 

Zum Abschluss statten wir noch dem Salamander, der den Zisternenüberlauf schmückt, einen Besuch ab. Wunderschön ist sein farbiges Kleid aus Mosaik und Glassteinen.

Mit entsprechender Geduld gelingt es uns sogar, Aufnahmen mit relativ wenig anderen Besuchern zu machen.

Immer noch ganz verzaubert von Gaudís Fabelwelt im Park Güell, erstehen wir auf dem Weg zurück ins Hotel 2 kleine Mocca-Tässchen mit Mosaik sowie eine Fliese, auf der „Draco” der Zisternen-Salamander abgebildet ist. Beides soll uns zu Hause unsere Küche verhübschen und uns an diesen magischen Ort erinnern.

zu den FAQs und den Kommentaren
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