Rivalisierende Macs

Isle of Skye

 

Einen wunderschönen guten Morgen! Die Lerchen tirilieren schon seit einiger Zeit und steigen in den blauen Himmel auf, der durchs geöffnete Fenster zu uns herein lacht. Ein weiterer strahlend schöner Tag bricht an.

Nach den wegen der Winzigkeit des Badezimmers diesmal logistisch etwas herausfordernden Morgenritualen, gehen wir beschwingt ins Esszimmer. Ob das Frühstück ebenso gut ist wie das gestrige Abendessen? Es ist!

Neben den üblichen „Eggs to your order, Bacon, Sausage, Black Pudding, etc.” sind auch „Scrambled Eggs and smoked Salmon” heute Morgen möglich und im Preis bereits inkludiert. Damit weiß Karin schon, was sie möchte - den Lachs.

Nach dem Frühstück holen wir noch kurz unsere Sachen aus dem Zimmer und geben den Schlüssel ab. Ob wir zum Abendessen kommen will unser Drachen wissen. „Ja, aber wir wissen noch nicht genau wann. Hängt von unserer Besichtigungstour ab.” Das wird gerade mal von ihr akzeptiert.

So, und was machen wir heute? Auf dem Plan von Skye finden wir 3 Castles - schön gleichmäßig über die Insel verteilt. Die wollen wir uns alle ansehen. Wir beginnen mit Duntulm im Nordwesten.

Nach obenDuntulm Castle

Duntulm Castle

 

Duntulm Castle

 

Schade, unser Navi kennt sich auf der Isle of Skye nicht so gut aus und daher lotst diesmal Karin über die Insel. (Zur Ehrenrettung des Navis: da die Strassen hier auf Skye nur von geringer Rangordnung sind, sieht man sie nur, wenn man eine nicht so hohe Auflösung wählt. Hätten wir eine geringere Auflösung gewählt, hätten wir auch Straßen gesehen - also näher hinein scrollen hätte geholfen).

Das ist auch wirklich nicht weiter schwierig, da es hier ohnehin nur wenige Straßen gibt. Witzigerweise sind manche davon stellenweise sogar mehrspurig ausgebaut. Allerdings an Orten, wo wir eigentlich den Bedarf nicht so recht erkennen können. Genauso plötzlich und unerwartet wie diese Feudalstrecken beginnen, hören sie dafür auch wieder auf.

Der Weg nach Duntulm führt uns gegen Ende recht hoch in die Hügel über dem Meer. Selbstverständlich auf einer Single Track Road mit Passing Places. Rund herum ist nichts außer ein paar Schafen und der einen oder anderen Hütte. Wir kommen an einer kleinen Ruine auf einem Grasvorsprung vorbei. Sollte es das sein?

Isle of Skye
IconIsle of Skye

 

Isle of Skye
IconIsle of Skye

 

Nein, glauben wir nicht - fahren wir noch ein paar Meter weiter. Linker Hand kommt dann das Duntulm Castle Hotel. Doch, doch, die Ruine war schon richtig. Also umgedreht und wieder retour.

Vom Meer her treiben Nebelwolken auf die Insel zu und ziehen ganz tief darüber hinweg. Wir sind von diesem Anblick fasziniert und versuchen, ihn auf unseren Fotos fest zu halten. Unterhalb der Ruine parken wir auf einem etwas größeren Passing Place. Was anderes gibt's hier leider nicht und wir sind auch nicht die ersten, welche die Ausweichstelle so nutzen.

Duntulm Castle wurde auf dem Gelände des alten Forts Dun Dabhaid errichtet und war lange Jahre der Familiensitz der Familie MacDonald, der Lords of the Isles. Viele Sagen und Mythen ranken sich um das alte Gemäuer. Eine davon ist besonders unheimlich und wird in verschiedenen Versionen erzählt. Es geht um die Gefangenschaft und den Tod eines jungen Mannes.

Wahrscheinlich ging es um die Gunst einer schönen Frau. Der Burgherr von Duntulm Castle gewann den Kampf und ließ seinen Nebenbuhler in seine tiefen Kerker werfen. Mit gab er ihm ein Stück stark gesalzenes Fleisch, einen Laib Brot und einen Wasserkrug. Als der Gefangene seinen Hunger nicht mehr länger beherrschen konnte, verschlang er zunächst das Salzfleisch und danach den Laib Brot.

Isle of Skye

 

Nun wollte er natürlich seinen Durst stillen, setzte den Wasserkrug an seine Lippen und erschrak: der Krug war leer! Er starb. Die lauten Schmerzensschreie hallen heute noch in mondhellen Nächten durch die Mauern des Castles. Brrr, armer Mann.

Um heute zu Duntulm Castle zu gelangen, müssen wir durch ein Viehgatter und über die Schafweiden wandern - immer schön aufpassend, dass sich die Hinterlassenschaften der wolligen Tiere nicht in den Profilsohlen unserer Schuhe festsetzen.

Oben beim Castle angekommen, besser gesagt bei den Steinen, die noch davon übrig sind, finden wir ein weiteres, leider fest verschlossenes Gatter vor. Zutritt verboten wegen Baufälligkeit. Von der ehrwürdigen Bastion der McDonalds, die von hier aus den Seeweg zu den äußeren Hebriden beherrschten, ist nicht mehr sehr viel übrig.

Aha! Na, macht auch nichts. Die Aussicht ist sehr schön und ein bisschen Beine vertreten tut auch gut. Zwischen den wolligen Viechern stapfen wir wieder zurück zum Auto und setzen unsere Inselerkundung fort.

Nach obenSkye Museum of Island Life

Skye Museum of Island Life

 

Skye Museum of Island Life

 

Am Retourweg nach Uig kommen wir nochmals an ein paar Stroh gedeckten Hütten vorbei. Es handelt sich dabei um das Skye Museum of Island Life. Das wollen wir uns jetzt ansehen!

Die niedrigen Häuser zeigen das harte Leben, welches die Kleinbauern - Crofter genannt - früher auf der Insel geführt haben. Als Pächter der Großgrundbesitzer, denen nach den Highland Clearences im 19. Jahrhundert das Land gehörte, waren sie nicht nur der Willkür dieser sondern auch dem Wetter und der oftmaligen Unfruchtbarkeit des Bodens ausgesetzt.

Trotzdem setzten sich diese Männer und Frauen gegen die Vertreibung zur Wehr und bewirtschafteten ihre Crofts so gut es eben möglich war. Diese Hartnäckigkeit brachte ihnen auch Sympathie und Bewunderung der Bevölkerung ein.

Skye Museum of Island Life

 

Heutzutage ist der Begriff Crofting neu definiert und schließt z.B. auch das Betreiben eines B&B ein. Und dort, wo früher der Webstuhl Zeitvertreib für lange Abende bot, steht jetzt der PC im Wohnzimmer. Kleinbauer mit Weltanschluss eben!

Wir erfahren weiters viel Wissenswertes über Häuser, Arbeit, Religion, Armut und Auswanderung, Rekonstruktionen und Originale von Hütten und Geräten. Am nahe gelegenen Friedhof von Kilmuir liegt das Grab der berühmten und auf Skye verehrten Flora MacDonald. Berühmt wurde sie, als sie Bonnie Prince Charlie nach dessen Niederlage in der Schlacht von Culloden zur Flucht verhalf.

Eintritt Skye Museum of Island Life: £ 2.50 pro Person.

Nach obenDunvegan Castle & Gardens

Dunvegan Castle
IconDunvegan Castle

 

Dunvegan Castle

 

Dunvegan Castle
IconDunvegan Castle

 

Ziemlich in der Mitte von Skye befinden sich Dunvegan Castle & Gardens - unser nächstes Ziel. Das Anwesen ist der Stammsitz des Clans der MacLeods, welche sich Jahrzehnte lang mit dem Clan der MacDonalds (Armandale Castle bzw. Duntulm Castle) blutige Kämpfe um die Vorherrschaft der Isle of Skye lieferten.

Im 13. Jahrhundert wurde mit dem Bau der ersten Befestigung auf einem Felsen begonnen. Stück für Stück - wie es sich für eine ehrwürdige Burg gebührt - wurde da und dort hinzugefügt, wieder abgerissen und doch wieder angefügt, bis die Burg im 19. Jahrhundert als komfortable Wohnstatt im viktorianischen Stil erstrahlte. Außergewöhnlich ist, dass sich in den mehr als 700 Jahren die Burg immer im Besitz des Clans der MacLeod befand.

Fest mit den MacLeods ist die Legende des Feenbanners - der so genannten Fairy Flag - verbunden. Bei der Fairy Flag handelt es sich um gelb gefärbtes Stück Seide, welches wahrscheinlich aus Syrien oder Rhodos und aus dem 4. bis 7. Jahrhundert (also mindestens 400 Jahre vor dem ersten Kreuzzug) stammt.

Dunvegan Castle
IconDunvegan Castle

 

Dunvegan Castle
IconDunvegan Castle

 

Dieses alte Kriegsbanner wurde zum Talisman der MacLeods, welcher den Clan bereits zweimal vor dem Untergang bewahrt haben soll. Der Legende nach soll das Feenbanner noch die Kraft haben, dies auch ein drittes Mal zu tun.

Genug der alten Steine - die Natur ruft! Vor dem Dunvegan Castle liegen die schönen Gärten des Castels. Diese sind in verschiedene Bereiche geteilt: der Steingarten, der Wassergarten und der runde Garten. Alle nett anzusehen und dank der wenigen anderen Touristen recht idyllisch.

Etwas abseits der Burg besteht die Möglichkeit mit einem kleinen Motorboot zu einer der nahe gelegenen winzigen Inseln, auf denen sich die Robben tummeln, zu fahren. Danke nein, wir wollen nicht schon wieder zusätzliches Eintrittsgeld bezahlen - wir spazieren lieber nochmals durch den Walled Garden und fahren dann weiter zum Armadale Castle.

Eintritt Dunvegan Castle & Gardens: £ 7.50 pro Person.

Nach obenArmadale Castle

Armadale Castle
IconArmadale Castle

 

Armadale Castle
IconArmadale Castle

 

Unser letzter Halt ist Armadale Castle. Gleich beim Ticketkauf sind wir ein wenig überrascht. Steht doch dort geschrieben: Tickets heute £ 5.- PLUS £ 3.- Abgabe (kein Schreibfehler oder Suchbild!). Heute am 9. Juni 2007 feiert man „The Homecoming” und „The Clan Donald Lands Trust Annual General Meeting 2007” findet auch statt. Aha und deswegen dürfen die werten Gäste auch gleich mehr Eintrittsgeld berappen, oder warum?

Wir sind ein wenig verstört, aber was soll's. Jetzt sind wir schon einmal hier und wollen uns das Castle ansehen. Wir bezahlen und treten ein. Hier ist wirklich Feierstimmung. Auf allen Wegen laufen Kinder herum, spazieren Pärchen oder sitzen Jugendliche im Gras. Viel los und von Ruhe keine Spur. Apropos Ruhe: ist das wirklich der Klang eines Dudelsacks?

Armadale Castle
IconArmadale Castle
Der Clanchef mit dicker Zigarre

 

Armadale Castle

 

Armadale Castle
IconArmadale Castle

 

Etwas schneller bewegen wir uns in Richtung der Musik. Vorfreude! Ungeduldiges Lauschen! Als wir den Platz vor der Ruine erreichen sind wir uns sicher - hier spielen 3 Herren auf das Allerbeste auf ihren Dudelsäcken. Super! Der heutige Mehrpreis hat sich voll ausgezahlt.

Der Clan der MacDonalds landete im 15. Jahrhundert auf der Insel Skye und besetzte sogleich Dunscaith und Knock Castle. 1650 verlegten sie Ihren Stammsitz hier nach Armadale um 40 Jahre später nach Duntulm Castle weiter zu ziehen. Etwa 1790 erinnerte man sich wieder an Armadale Castle und zog hierher zurück. Der Clan der MacDonalds - ein Familie in Bewegung!

Bis 1855 lebte man hier in Friede und Eintracht. Dann brach Feuer aus und zerstörte fast das gesamte Anwesen. Das Castle wurde nie wieder aufgebaut und steht daher heute nur mehr als stattliche Ruine da.

Wir lauschen noch ein wenig der Musik und schlendern danach durch die Parkanlage. Durch den Golfstrom herrscht hier ein mildes Klima mit frostfreien Wintern, was die Vegetation in diesem geschützten Garten begünstigt. Auf 16 ha gedeihen hier exotische Bäume, Sträucher und Blumen, die in ihrer Farbenpracht mit den Kilts der heutigen Festgäste um die Wette leuchten. Und immer wieder hat man zwischen Pinien hindurch einen wunderbaren Blick auf das türkisblaue Wasser des Sound of Sleat.

Armadale Castle
IconArmadale Castle

 

Armadale Castle

 

Auch hier ist der Garten in verschiedene Abschnitte gegliedert und wir finden Beete entlang von niedrigen Mauern, wo zwischen großen Steinvasen Teakbänke zum Verweilen einladen, Waldwege, die uns zwischen Azaleen und Rodhodendren hindurch führen und eine Teichlandschaft mit kleinem Wasserlauf, der sanft murmelnd zwischen Seerosen und gelben Schwertlilien verschwindet.

Plötzlich hören wir das stete Gedudel der Bagpipes zu einem flotten Marsch anschwellen. Die Piper ziehen aus Armadale aus! Wir rennen los, um noch etwas von diesem sowohl für Ohren als auch Augen eindrucksvollen Ereignis zu erhaschen. Toll, wie sie marschieren und ihre Röcke im Rhythmus mitschwingen. Sogar ein Mädchen ist dabei und trommelt, was das Zeug hält. Mit den Dudelsackspielern verlassen auch wir Armadale.

Wer jetzt neugierig ist und nicht bis zum nächsten Schottland Aufenthalt warten möchte der kann die Virtuelle Tour durch das Castle samt Park auch vom PC aus machen.

Eintritt Armadale Castle: £ 8.- pro Person.

Das Abendlicht lässt uns den Weg zurück ins Toravaig House Hotel noch mal so richtig genießen. Die Landschaft ist wirklich bezaubernd hier! Nach so einem schönen Tag macht es uns auch wenig, dass unser Hausdrachen uns recht mürrisch einen freien Timeslot für das Abendessen zuweist, welcher nicht so ganz unseren Vorstellungen entspricht.

Egal, wir nutzen die Wartezeit für duschen, umziehen und gehen danach hinunter ins gemütliche Wohnzimmer, wo wir bei einem Drink Mails lesen und im Reiseführer schmökern, was wir denn morgen alles machen werden. Das Dinner selbst ist wie am Vorabend wieder großartig und so sind wir froh, danach einfach in unsere Betten fallen zu können. Gute Nacht!

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