382km und 8 Stunden Busfahrt

Luxusliners Abfahrt

 

Cusco
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Uaah, geh Iz! Musst Du heute denn schon so früh lossingen? Ja, muss er, denn es heißt zeitig aufstehen. Heute steht uns nämlich die laaaange Fahrt nach Puno bevor. Im „Luxus-Bus”, wie Carlos stets betont. Na dann, hervor unter den Decken und ab unter die Dusche mit Heilerde.

Als wir wenig später die Treppen runter stolpern, schaut uns der Rezeptionist verschlafen an. Durch den kalten und noch finsteren Innenhof gelangen wir zu Küche und Speisesaal, die ebenfalls kalt und finster sind.

Karin nutzt die erzwungene Wartezeit, um nochmals ins Zimmer zu laufen und die Astern von Baco für den Schmuck von Hartmuts Geburtstagstisch zu holen. Als die anderen auch einer nach der anderen eintrudeln gibt es Luftballons, Kerzen, ein Fläschchen Hochprozentiges, ein Ständchen und Umarmungen. Hartmut freut sich!

Endlich kommt auch der Koch und deckt auf eine wenig effiziente Weise auf. Hilfe, die wir ihm angedeihen lassen wollen - wir haben ja eh grad nichts Besseres vor - nimmt er nicht an, sodass wir nur warten und schließlich etwas hastig das Frühstück hinunterwürgen können.

Carlos und der Fahrer holen uns pünktlich ab und bringen uns zur Station unseres Luxusliners. Auf unserem Weg dorthin sehen wir auf Cuscos Straßen und Gassen viele Wagen, wo Emoliente verkauft wird.

Luxusliners Abfahrt

 

Das ist jenes heiße Kräutergebräu, das die Inidgenas morgens zum Frühstück trinken. Kaffee und auch Spargel werden zwar viel in Peru angebaut, jedoch wird alles davon exportiert. Den Indianern schmeckt beides nicht. Vielleicht mögen sie nichts Bitteres?

Der Bus, in den wir nun klettern, ist soweit OK. Wir sitzen in der ersten Reihe, sozusagen fußfrei. Die Crew besteht aus einem Fahrer, einem „Reiseleiter” namens Rodrigo und einer Hostess namens Sandra.

Bevor wir losfahren kaufen wir noch von einem jungen Mann einen eher unnötigen Plan über unsere Reisestrecke. Er hat uns alle ein bisschen mit dem 11er Schmäh geleimt und getan, als wäre er irgendetwas offiziell-touristisches.

Aber wenigstens ist der Plan auf Deutsch, was sich wenig später noch als recht hilfreich herausstellt. Rodrigo nuschelt nämlich sowohl auf Englisch als auch auf Spanisch und hört sich insgesamt eher wie ein Hutschenschleuderer oder Autodromkassier an, sodass eine Nachlese wirklich notwendig ist.

382km in rund 8 Stunden Fahrzeit liegen nun vor uns und wir sind froh, bequem zu sitzen und unsere iPods mit Musik und Hörbüchern mit dabei zu haben. Vor allem letzteres trägt dazu bei, dass Karin bald in einen tiefen Schlaf fällt. Autofahren und Gutenachtgeschichte, da hält sie einfach nichts mehr wach!

Nach obenAndahuaylillas

Kolonialkirche aus dem 17. Jahrhundert
IconKolonialkirche aus dem 17. Jahrhundert

 

Kolonialkirche aus dem 17. Jahrhundert
IconKolonialkirche aus dem 17. Jahrhundert

 

Der erste Halt auf unserer Busreise ist ein winziges Kaff namens Andahuaylillas ca. 40km südlich von Cusco. Dank Rodrigos deutlicher Aussprache verstehen wir zuerst nicht einmal, wo wir hier eigentlich sind und müssen uns erst bei Sandra erkundigen und erfahren, dass wir hier die Sixtinische Kapelle der Anden bewundern können.

Andahuaylillas selbst ist wie gesagt recht winzig. Ein Hauptplatz, auf dem einer der typischen Märkte mit Souvenirs und Krimskrams abgehalten wird, ein paar Häuser und kleine Läden. 6000 Einwohner zählt die kleine Gemeinde, deren Bewohner hier auf 3100 Metern Höhe hauptsächlich von Landwirtschaft leben.

Das eigentliche Highlight des Ortes ist San Pedro Apostol, eine Kirche im Kolonialstil, die an der Stelle einer Huaca, eines alten Kraft- oder Ritualplatzes, im 16. Jahrhundert von den Jesuiten errichtet wurde.

am Markt
Iconam Markt

 

Andahuaylillas
IconAndahuaylillas

 

am Markt

 

Außen tut ein Gerüst der Schönheit der Kirche ein wenig Abbruch, betritt man jedoch das Innere und haben sich die Augen ein bisschen an das Dunkel gewöhnt, so ist man überwältigt. Eine Holzdecke im Mudejar-Stil ist über und über mit bunten Ornamenten bedeckt und die Wände zieren farbenprächtige und detailreiche Illustrationen.

Es ist kalt und klamm hier herinnen und leider viel zu dunkel um heimlich zu fotografieren (offiziell ist es verboten), aber der Anblick von Höllenstrafe und Paradies macht das alles wett.

Nach ausgiebigem Bestaunen der Sixtinischen Kapelle der Anden, die ihren Namen ehrlich verdient hat, machen wir noch eine Runde um den Markt. Evi ersteht einen wirklich eleganten Silberring mit orangefarbenem Stein und Rita deckt sich mit Alpaca-Schals als Mitbringsel ein.

Wir kaufen nur ein paar Zitronenzuckerl, deren Genuss etwaigen Beschwerden der Höhenkrankheit entgegenwirken - oder zumindest hat man das Gefühl es geht alles leichter.

Wieder zurück im Bus machen wir es uns wieder gemütlich, lassen die schöne Landschaft des Altiplano an unser vorüber ziehen und lauschen einem Hörbuch.

Nach obenRacchi

Kirche
IconKirche

 

Inkatempel
IconInkatempel

 

Himmel über Racchi
IconHimmel über Racchi

 

Unser nächster Stopp ist Racchi, wo wir Überreste einer großen Ausgrabungsstätte besichtigen. Racchi oder Cacha, wie der prähispanische Name des Ortes ist, liegt am rechten Ufer des Flüßchens Vilcanota auf 3500 Metern Höhe.

Archäologische Ausgrabungen deuten darauf hin, dass Racchi einst eine große Ansiedlung mit verschiedenen Mehrzweckgebäuden gewesen sein muss. Es gibt landwirtschaftliche Terrassen, Wohnhäuser, Speicher und einige Gebäude mit nur 3 Wänden.

Das bedeutendste Bauwerk ist jedoch der Komplex des Viracocha Tempels, der dem Schöpfergott, welcher hier in den Anden verehrt wurde, gewidmet war. Einer Legende nach war es auch Viracochas Zorn, der die Lava in den umliegenden Vulkanen zum Kochen brachte, sodass sie schließlich überfloss und die Bewohner von Racchi vertrieb oder gar unter sich begrub.

Rodrigo nuschelt wenig verständlich über die Besonderheiten der Bauwerke hier. Von kleinen schrägen Dächern, welche einige Säulen bedecken, von Brunnen und Speichern, die so konstruiert sind, dass sie verschiedene Temperaturzonen aufweisen.

Inkatempel
IconInkatempel

 

Inkatempel

 

Die Sonne strahlt vom quietschblauen Himmel, die rotbraunen Adobebauten und das gelbe Itchugras machen sich großartig vor den Vulkanhängen. Eine wunderschöne Landschaft, aber leben möchten wir hier keinesfalls.

Am Ende der Besichtigung bleibt uns auch hier noch etwas Zeit, um den unvermeidlichen Souvenirmarkt zu erkunden. Ute und Karin haben es besonders die warmen, weichen Mützen aus Alpacafell angetan, die sie abwechselnd probieren und vor Alexanders Kamera damit posieren.

Gekauft wird aber keines der Stücke, denn glücklicherweise sind unsere Winter daheim nicht so schrecklich kalt und nur zum Rumliegen wären die Kopfbedeckungen zu schade. Der Verkäufer nimmt's gelassen, gibt es doch genug BesucherInnen, denen die Mützen als Souvenir gerade recht sind.

Bald nach unserem Halt in Racchi gibt es eine längere Rast zum Mittagessen. In einem kleinen Straßendorf tut sich plötzlich eine Einfahrt für unseren Bus auf und wir stehen am Gelände eines Restaurants, dass offensichtlich genau mit dieser Buslinie zusammenarbeitet.

Das Essen in Buffetform ist im Preis inbegriffen und wartet schon auf uns. Wir sind erstaunt wie reichhaltig und lecker die Speisen hier sind. Suppe, Vorspeisen, Nudeln, Eintopf, Fleisch, Salat und sogar zweierlei Nachtisch sind zur Selbstbedienung angerichtet.

Inkatempel
IconInkatempel

 

Inkatempel

 

xxx

 

Trotz Wind lassen wir uns an einem großen runden Tisch in der Sonne nieder und langen tüchtig zu. So eine Busfahrt macht ja hungrig!

Nach der Mahlzeit schauen wir natürlich auch zu den Verkaufsständen, die auch hier aufgebaut sind. Neben den üblichen Schals, Handschuhen, Mützen und anderen selbsthergestellten Gegenständen, gibt es hier auch streichelzarte Teddybären aus Alpacafell. Karin ist sofort verliebt und wären die Teddies nur ein bisschen kleiner, hätte sie schon einen gekauft. Aber diese Bärlis sind ein bisschen zu unhandlich für so ein großes Mädchen.

Auf unserer Weiterfahrt wird die Landschaft immer unwirklicher. Eine Wüste aus trockenem, gelbem Gras, schroffe Berghänge, kleine Seen in denen sich das Himmelsblau spiegelt und eine Eisenbahn, die wie der Hogwarts Express aus dem Nichts zu kommen scheint.

Provinzgrenze Cusco-Puno (4338m)

 

Provinzgrenze Cusco-Puno (4338m)
IconProvinzgrenze Cusco-Puno (4338m)

 

Provinzgrenze Cusco-Puno (4338m)
IconProvinzgrenze Cusco-Puno (4338m)

 

Auf dem Pass an der Provinzgrenze zwischen Cusco und Puno bleiben wir in 4338 Metern Höhe stehen. Fotos werden gemacht und die Aussicht wird genossen und …

Auch hier gibt es natürlich wieder Souvenirs und diesmal auch kleine Teddybären! Ein Fellknäuerl, das gerade in ihre Hand passt, hat sich Karin ausgesucht und das muss jetzt wirklich mit.

Offensichtlich steht ihr das „Will haben” so deutlich ins Gesicht geschrieben, dass die Frau, welche das Bärli verkauft, sämtlichen Verhandlungsversuchen Alexanders widersteht. Es kostet, was es kostet und wenn wir das nicht zahlen wollen, dann eben nicht.

Andino wird gekauft

 

Provinzgrenze Cusco-Puno (4338m)
IconProvinzgrenze Cusco-Puno (4338m)

 

Hmpf! So viel Sturheit haben wir leider nichts entgegenzusetzen und so wird knapp vor dem Einsteigen der verlange, ohnedies moderate Preis bezahlt und der kleine Geselle verbringt den Rest der Reise an Karins Herz gedrückt. Aufgrund seines Geburts- = Kaufortes wird der kleine Bär auf den klingenden Namen Andino getauft.

Weiter geht es durch den Altiplano. Die Wolken ziehen so nah über uns hinweg, dass wir meinen nur den Arm ausstrecken zu müssen und schon könnten wir sie berühren. Hier und da sehen wir ein Gehöft aus rotbraunen Lehmziegeln, eine Küche, ein Wohnschlafraum, ein Stall, ein Hof für Tiere. Kein Strom, kein Fließwasser - was für ein karges Leben!

Nach obenPucara

Busfahrt Cusco - Puno
IconBusfahrt Cusco - Puno

 

Busfahrt Cusco - Puno
IconBusfahrt Cusco - Puno

 

Busfahrt Cusco - Puno
IconBusfahrt Cusco - Puno

 

In Pucara, ca. 80km von unserem Endziel Puno entfernt, machen wir nochmal Halt. Es ist ein stilles Dorf mit rund 1000 Einwohnern, einer kolonialen Kirche und einem archäologischen Museum.

Doch besonders berühmt ist Pucara für seine Töpferarbeiten, allen voran die kleinen Stiere, die man überall auf den Dachfirsten sieht. Toritos werden sie genannt und sollen das Haus schützen und Fruchtbarkeit und Segen bringen.

Getöpfert wird allerdings nicht das ganze Jahr über in Pucara und so findet man die Einwohner oft bei der Arbeit auf ihren Kartoffelfeldern oder beim Hüten der Alpaca- oder Lamaherden.

Im archäologischen Museum sehen wir präkolumibsche Keramiken und Steinmetzarbeiten die zwischen 300 v.Chr. und 300 n.Chr. datieren. Ähnliche Funde gibt es in Tihuanaco, einer bedeutenden Prä-Inka Fundstätte in Bolivien. Es wird angenommen, dass die Pucara-Keramiken Vorläufer des Tihuanaco-Stils sind.

Hauptplatz und Kirche

 

Hauptplatz
IconHauptplatz

 

Rodrigos Genuschel entfliehend, gehen wir in unserem eigenen Tempo durch das Museum und schauen uns die teilweise recht interessanten Ausstellungsstücke selbst an. Ob wir seine Erklärungen nicht verstehen oder die spanischen Text nur wenig lesen können, ist auch schon egal.

Im Anschluss schauen wir noch in die eingangs erwähnte Kirche hinein und schlendern kurz über den kleinen Markt, den es auf der Plaza de Armas gibt. Besonders faszinierend finden wir die verschiedenen Arten gepoppten Getreides und Hülsenfrüchte. Unglaublich in welchen Formen diese Popcorn ähnlichen Dinger hier angeboten werden!

Wieder im Bus machen wir uns bereit für die letzte Etappe unserer Reise. In Juliaca wird gestreikt und unser Bus muss eine Umleitung nehmen. Es geht durch enge, überfüllte Gassen, was etwas abenteuerlich ist und uns die Gelegenheit gibt, das rege Treiben aus nächster Nähe zu beobachten.

Unmengen an Rikschas drängeln durch die Straßen, schlängeln sich hindurch zwischen Frauen, die Meerschweinchen in Käfigen verkaufen oder Obst vor sich auf dem Boden ausgebreitet haben.

Kirche

 

Markt

 

Markt

 

Dahinter gibt es Läden aller Art, von der Apotheke zum Hl. Erzengel, über den Mobilfunkanbieter, der Verbindungen der Qualität „Super Diamant” verspricht bis zum Friseur, bei dem wir unser lieber keinen Haarschnitt verpassen lassen würden.

Auch dieses kleine Abenteuer passieren wir und erreichen schließlich von Rodrigos ständigen Ansagen schon reichlich genervt den TI-TI-CA-CA See und die Stadt Puno. Dass Titicaca grauer Puma auf Aymara und grauer Fels auf Quechua bedeutet, wissen wir nach dem 10 Mal jetzt auch schon auswendig.

Glücklich, nicht noch ein weiteres Mal Lago Titicaca, Lake Titicaca, Titicaca hören zu müssen, klettern wir aus dem Bus und nehmen unser Gepäck entgegen. Ein paar der Mädels brauchen rasch noch eine Biopause, bevor wir alle zusammen zum nächsten Gefährt marschieren, das uns nun zum Hotel bringen soll.

Unser neuer Guide Manuel ist sehr erstaunt, als in dem Kleinbus nicht die erschöpften, höhenkranken Halbleichen herumhängen, die er sonst hier abholt, sondern eine übermütige Meute, die ihm dauernd Titicaca entgegentrötet. Der Arme!

Nach obenPuno

Busfahrt nach der Umleitung (Streik) durch verstopfte Straßen

 

Busfahrt nach der Umleitung (Streik) durch verstopfte Straßen

 

Busfahrt nach der Umleitung (Streik) durch verstopfte Straßen

 

Das Hotel Hacienda liegt mitten in der Stadt, gleich ums Eck von Plaza de Armas und Fußgängerzone. Zur Begrüßung gibt's einen leckeren Pisco Sour aufs Haus. Salut!

Unser Zimmer ist soso lala, aber das Bad hat klares Heißwasser, Duschgel und einen Fön. Außerdem gibt es einen Heizkörper, der zwischen unseren Betten steht und wohlige Wärme verbreitet.

Nach kurzem Frischmachen sind wir schon wieder unterwegs zum Abendessen. Manuel hat für uns ein Lokal in der Fußgängerzone reserviert, wo wir alle zusammen essen.

Karin bestellt Lachsforelle - eine Spezialität und frisch aus dem See - mit violettem Reis und Maracuja Sauce, Alexander wählt Alpaca mit Fettucini in Rahmsauce. Beides ist sehr gut, aber die Portionen sind riesig. Karin lässt nach der Hälfte des Fisches ihren Teller rumgehen, sodass jeder von der Köstlichkeit probieren kann - sie könnte ohnehin nicht mehr weiteressen.

Zum Abschluss kommt noch eine Coca-Torte auf Kosten des Hauses. Manuel hat dies anlässlich Hartmuts Geburtstags organisiert. Auch der Kuchen ist gut, aber viel zu viel. Anstandshalber essen wir alle ein bisschen davon, den großen Rest muss Hartmut aber einpacken lassen und mitnehmen.

Nach dem Abendessen gehen wir die paar Schritte zurück zum Hotel und fallen gleich in unsere Betten. Zwar sind wir den ganzen Tag nur im Bus rumgesessen, doch war es sichtlich doch eine anstrengende Reise. Andino ans Herz gedrückt und gute Nacht!

zu den FAQs und den Kommentaren
Auf der letzten Seite dieses Reiseberichtes findest Du die Fragen unserer BesucherInnen, welche uns im Laufe der Zeit erreichten und hast selbst die Möglichkeit einen Kommentar zu diesem Reisebericht zu hinterlassen.
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